Tag 760: Ausblick: Wie geht es weiter?

So wenig Flugverkehr wie im April 2020 wird es nie mehr geben. Vor wenigen Tagen wurde der höchste Wert an Flugbewegungen seit Beginn der Pandemie erreicht, etwa 80% des Vorkrisenniveaus.

Parallelen des Krieges zur Pandemie:

„Das ist nur eine Drohkulisse. Die werden nicht einmarschieren!“

„Das ist nur amerikanische Propaganda. Putin beginnt keinen Krieg.“

„Putin ist ja verrückt. Der hat sich zu lange isoliert und den Bezug zur Realität verloren!“

„Die Mehrheit der Russen ist gegen den Krieg.“

„Die Sanktionen werden rasch wirken, die Russen machen das nicht lange mit.“

„Ukraine kann gegen die Übermacht nichts ausrichten. Das ist in wenigen Tagen vorbei.“

„Putin wird von innen gestürzt.“

„China wird Russland kaum unterstützen, sie brauchen den Handel mit dem Westen.“

Pandemie im Schnelldurchlauf (viel Unsinn, wenig Substanz und ignorierte Substanz)

Putins Russland hat die Veränderung der Weltmachtsituation schon seit mindestens 20 Jahren geplant. Weder der Krieg in Tschetschenien, Georgien noch die Besetzung der Krim 2014, noch die Morde an Oppositionellen haben den Westen daran gehindert, mit Russland Geschäfte zu machen und die Öl- und Gasabhängigkeit auszubauen. „Don’t look up!“ Russland dachte langfristig und hat jahrelang rechte Parteien im Westen finanziell unterstützt. Die Wahlerfolge in Großbritannien mit BREXIT und in den USA mit Trump, wo die Beziehungen zu Russland kaum verborgen wurden, aber auch die Unterstützung der Rechten in Österreich oder Deutschland. Zuletzt die Rolle in der Pandemie, wo zufällig Great-Barrington-Vertreter auch Russlandversteher sind, etwa die mächtigen Koch Industries, die seit zwei Jahren die Pandemiefolgen verharmlosen und gegen die Impfung agitieren.

Man hätte es wissen müssen

Ich bin nicht frei von Fehleinschätzungen. Am Anfang hab ich die Lage verkannt, weil ich persönlich betroffen war von der Schließung der Bundesgärten. Ich wohne in der Nähe, hatte kein Auto und durfte keine Öffis benutzen, außer in die Arbeit. Neben der allgemeinen Paniksituation fühlte ich mich tatsächlich ein wenig eingesperrt. Daher sympathisierte ich einige Wochen mit den Äußerungen von Sprenger und Allerberger, anfangs auch Arvay, der sich zum Glück ab dem dritten Youtube-Video entlarvte, wo er stotternd versicherte, KEIN Verschwörungstheoretiker zu sein, um dann von Bill Gates bösen RNA-Impfungen zu schwurbeln. Alle drei betonten, dass im Freien keine Gefahr herrschen würde, und dass man raus ins Freie sollte, Sport treiben, nur eben alleine. Das war und ist auch weiterhin richtig, nur waren alle anderen Äußerungen tendenziös und gingen in die Richtung, die sich jetzt letzendlich beinahe weltweit durchgesetzt hat. Wenn man selbst in einer emotionalen Ausnahmesituation ist, kann man leicht manipuliert werden und das wurde ich. Erst Anfang Mai kratzte ich endgültig die Kurve, dann las ich nämlich von den ersten LongCOVID-Betroffen. Zur Chronologie der Pandemie ein anderes Mal mehr.

Die ideologische Ausrichtung der türkisen Partei ließ früh erkennen, dass es ihnen nie um die Bevölkerung ging, immer nur um Bereicherung von ihnen selbst und ihrer Spender. Seit kurzem wurde Österreich von einer „liberalen Demokratie“ zu einer Wahldemokratie herabgestuft, maßgeblich aufgrund der zahlreichen Korruptionskandale der ÖVP. Sideletters, Postenschacher, Freunderlwirtschaft und der Einfluss von Parteibuch und Burschenschaften bestimmen Aufstieg und Fall in Österreich, und zwar angefangen von Jobangeboten über Aufstiegsschancen und Anstellung an der Uni bis hin zur Karriere in der Partei selbst. Das ist ein systematisches Strukturdefizit in Österreich, das demokratische Mitwirkung und Veränderung beinahe unmöglich machen. Viele hätten jetzt gerne die Grünen als Gegenpol gesehen, die ihrem Koalitionspartner die Fortsetzung ihres plutokratischen Kurses austreiben. Stattdessen halfen sie mit, den Ibiza-Untersuchungsausschuss abzudrehen und für eine ÖVP-Mehrheit im ORF-Stiftungsrat zu sorgen. Unabhängige Berichterstattung in der Pandemie ist eher Fehlanzeige. Kritische Fragen fehlen, etwa zum Schutz der Kinder, zu LongCOVID, zur Aerosolübertragung und zur wahren Auslastung der Spitäler (inklusive krankes Personal und Kollateralschäden), bzw. werden Dauergäste, die wiederholt daneben lagen, nicht mit ihren Fehleinschätzungen konfrontiert.

Ich dachte trotz allem, dass die Impfstoffe wohl die Wende bringen werden. Dann kam ALPHA, dann kam DELTA, und dann OMICRON. Aus OMICRON wurden noch zwei Wellen. Die von Komplexititätsforscher Klimek angekündigte Welle wie eine Wand, die genauso schnell wieder abschwellen würde, zog sich in die Länge, statt in einem Monat vorbei sind wir jetzt im vierten Monat und haben täglich weiterhin über 10000 Fälle, der politisch festgelegte Schwellenwert für den vierten Lockdown im November 2021. Obwohl wir jetzt weniger testen.

Quelle: ORF.at, abgerufen am 11.04.22

Schon auffallend, dass mit dem Abdrehen der Gratis-Tests die Inzidenzen in Tirol, Salzburg, Kärnten und der Steiermark deutlich stärker gesunken sind als in Ober- und Niederösterreich, Wien und dem Burgenland.

Die Impfungen haben nicht die Wende in der Pandemie gebracht, weil OMICRON den Impfschutz zu stark unterläuft und damit erneut eine Gefahr für all jene Risikogruppen darstellt, die wir in der ersten Welle noch schützen wollten. OMICRON hat man trotzdem durchlaufen lassen, weil das Hauptkriterium für Maßnahmen die Belastung der Intensivstation war, und erste Einschätzungen darauf hinwiesen, dass OMICRON weniger schwer als DELTA ausfallen würde, wodurch diese Belastung nicht mehr eintreten würde. Dass ein neuer Serotyp auch alle Geimpften wieder betreffen würde und die schiere Menge an Infizierten dennoch zu einem Kollaps der Spitäler führen würden, da nun auch das Personal verstärkt erkranken würde, nahm man wohl in Kauf, denn der Schutz des Personals stand nicht im Blickpunkt.

Wie geht’s nun weiter?

Weltweit werden Maßnahmen aufgehoben, ohne langfristige Verbesserungen einführen zu wollen (saubere Raumluft, mehr Arbeitnehmerschutz, Kinderrechte, höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen für Erzieher- und Gesundheitspersonal, allgemein prekäre Arbeitsverhältnisse, etc.). Die Überwachung neuer Virusvarianten wird zurückgeschraubt (UK), die Entwicklung neuer Impfstoffe und Medikamente hat nicht mehr oberste Priorität bei der Finanzierung und wird länger dauern als in den ersten zwei Jahren. „Operation Warp Speed ist vorbei.“, sagte Virologe Florian Krammer auf Twitter.

Great-Barrington zwingt die letzten ZeroCOVID-Staaten zum Öffnen

Und jetzt ist der worst case eingetreten, was die weltweite Pandemiebekämpfung betrifft. ZeroCOVID-Staaten haben dann alles richtig gemacht, wenn sie das Virus so lange eliminieren konnten, bis die Gesamtbevölkerung eine hohe dreifache Durchimpfungrate aufwies. Hätte man weltweit auf Viruseindämmung und hohe Durchimpfraten gesetzt, könnte man nun mit geringem Risiko öffnen, bei niedriger Viruszirkulation könnte man sich die vierte Impfung sparen und auch antivirale Medikamente gerechter verteilen. Um LongCOVID zu vermeiden, auch bei Geimpften, hätte aber ein Paradigmenwechsel bei Arbeitnehmerrechten stattfinden müssen: Niemand darf mehr krank zur Arbeit gehen, im Krankenstand erhöhter Kündigungsschutz und weiterhin volles Gehalt. In Österreich gibt es zwar das volle Gehalt, aber kein Kündigungsschutz, in Tschechien gibt es auch beim Gehalt Abzüge.

China ist eine Diktatur und reagiert mit totalitären Maßnahmen. Da gibts nichts zu rechtfertigen. Gleichzeitig gibt es eine ZeroCovid-Strategie, die auch in demokratischen Staaten funktioniert hat. Lockdowns sind die ultima ratio. Der Umstand, dass China jetzt strenge Lockdowns einsetzt, ist die Folge ihres Versagens mit der Durchimpfung, aber auch, dass sie einen Impfstoff entwickeln wollten, der auch gegen Übertragung schützt, und jetzt hat er eine geringere Wirksamkeit als mRNA-Impfstoffe sogar gegen schwere Verläufe. Dass China so hart reagiert ist aber kein Versagen der ZeroCovid-Strategie an sich. Nur werfen das neoliberale und Schwurbler jetzt gerne durcheinander, um ZeroCovid-Befürworter und Wissenschaftler zu diskreditieren, die diesen Ansatz unterstützt haben.

Die Pandemie ist aber noch nicht vorbei, auch wenn die Politik den Anschein erwecken will. In Südafrika und einzelnen anderen Ländern wurden kürzlich die Subvarianten BA.4 und BA.5 gefunden, die zumindest in Südafrika BA.2 zu verdrängen scheinen. Über Infektiösität, Symptomveränderungen und Schwere der Verläufe ist noch nichts bekannt, aber sie haben zumindest zwei Mutationen, die Immun Escape verstärken können (L452R und F486V). Es ist aber nicht gesagt, dass die dominante Variante im Herbst eine Fortentwicklung von OMICRON bzw. der BA-Subvariantengruppe ist, sondern sie kann wie OMICRON selbst aus einer früheren Variante kommen. Das macht die Anpassung eines variantenspezifischen Impfstoffs schwierig.

Ist es daher besser, man infiziert sich jetzt, um eine möglichst breite Immunantwort aufzubauen? Nein!

Jonathan Mesiano-Crookston stellt auf Twitter klar:

„Leute, die COVID so gut es geht vermeiden, tun das Richtige. Niemals zuvor gab es kein Virus, das so ansteckend war mit einem so hohen R-Wert und ACE2 als breiten Eintrittsfaktor benutzte. Das wird ein Alptraum an LongCOVID-Folgen. Denke daran, Du liegst richtig und alle anderen liegen falsch!

Ihre Reaktion ist Angst und Verleugnung und Deine ist rational. Und es spielt keine Rolle, wie viele es sind, Du hast Recht!

Es ist verrückt. Es handelt sich um eine völlige Massenverleugnung, eine Art von Massenpsychose. Man sollte Psychologen und Soziologen suchen, die das diskutieren.“

Der vernünftigste Plan ist daher, sich so selten wie möglich zu infizieren – zumindest, bis es noch angepasste Impfstoffe, neue Impfstoffe, die den Schleimhautschutz verbessern, und breiter verfügbare Medikamente für die Allgemeinheit gibt, womit man das Virus aus dem Körper entfernen kann, bevor es darin Unheil anrichten kann.

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