Tag 47: Arvays Entzauberung und der Mangel an Aufklärung in Österreich

Ich hab aus meinen früheren Blogeinträgen die Links zu den Videos des österreichischen Biologen Clemens G. Arvay entfernt, ebenso seinen Videokanal unter den täglichen Infoquellen meiner Übersichtsseite. Meine Webseite soll unabhängig informieren und keine Plattform für Verschwörungstheorien sein.

Einige seiner Ansichten erschienen mir plausibel, so äußerte er früh Kritik an der Vergleichbarkeit der Situation in der Lombardei mit Österreich aufgrund der hohen Feinstaubbelastung dort. Er steht der Maskenpflicht kritisch gegenüber aus den Gründen, die auch die WHO ursprünglich anführte.Eer hielt es für falsch, den Menschen die (öffentliche) Fahrt ins Grüne zu verbieten, im Einklang mit Public-Health-Experte Martin Sprenger und etlichen anderen Psychologen, Ärzten, Virologen. Für den Biophilia-Effekt hat er nachvollziehbare wissenschaftliche Quellen angeführt, d.h. wie gesund Bewegung im Wald sei und dass dies die Zahl der NK-Zellen im Blut steigere. Dieselben Quellen hat auch mein damaliger Kurpsychologe angeführt, ohne direkt auf Arvay zu verweisen. Selbst wenn es keinen direkten physischen Effekt auf das Immunsystem hätte, so haben Naturspaziergänge doch einen nachweislich positiven Effekt auf die Stimmung und wirken stressreduzierend, was sich wiederum positiv auf das Immunsystem auswirkt.

Ich habe mir im Februar auf eine Empfehlung hin sein Buch über den Biophilia-Effekt gekauft. Ich fand auch den Umstand interessant, dass er einen autistischen Sohn hat und so, wie er im Video artikuliert, würde ich doch gewisse autistische Züge auch bei ihm vermuten. Für einen wander- und naturbegeisterten Menschen wie mich war der Inhalt des Buches faszinierend. Schockiert war ich allerdings über das Vorwort, das ausgerechnet der bekannte Esoteriker Rüdiger Dahlke schrieb, von dem der ORF die umstrittene Dokumentation über Lichtnahrung zeigte. Dadurch konnte ich das Buch nicht mehr objektiv lesen und war skeptisch bei den Schlussfolgerungen, vielleicht überskeptisch, selbst bei verschiedenen wissenschaftlichen Studien, die die positiven Effekte hervorheben. Dann fand ich einen Gastbeitrag von Arvay auf dem Forum Sempervivum, dessen Team unter anderem von Wolf-Dieter Storl geleitet wird. Dessen Namen musste ich googeln, er leugnet offen den vom Menschen verursachten Klimawandel und behauptet, das seien natürliche Schwankungen.

Seine Kritik an Bill Gates und den RNA-Impfstoffen ist unzutreffend (vgl. Link) – immerhin sind die RNA-Impfstoffe derzeit in der engeren Auswahl der vielversprechenden Impfstoffe. Arvay distanziert sich auf seinem YT-Kanal ausdrücklich von den Kommentaren unter seinen Videos, er betont auch jedes Mal, er sei kein Verschwörungstheoretiker und man solle seine Videos zu Ende ansehen, er leugnet auch nicht die Gefährlichkeit des Virus oder sei kein Impfgegner. Ich nehme ihm das durchaus ab, aber für die Glaubwürdigkeit wäre es hilfreich, sich dann nicht im Umfeld von Esoterikern und Klimawandelleugnern zu bewegen, das eine ist ein Vorwort zum Buch, darauf hatte er direkten Einfluss, das andere ist ein Gastkommentar, den er hätte ablehnen können.

In Summe ist das natürlich schade, ich hatte seine Äußerungen mehrfach in meinen Beiträgen herangezogen, vor allem weil ich nach wie vor der Überzeugung als Privatmensch bin, dass die Strategie der Welt falsch ist, die Leute daheim einzusperren, es sollten selbst mild erkrankte Betroffene nach draußen gehen, isoliert von den anderen, mit Feldlazaretten statt Messehallen, wenn man den Schlussfolgerungen und Empfehlungen aus der Spanischen Grippe folgt. Glücklicherweise sind auch seriöse Wissenschaftler dieser Ansicht. Arvays Hintergrund konterkariert leider diese Argumentation.

Was in Österreich fehlt:

Einen Fachjournalistin oder -journalistin, etwa nach dem Vorbild von Mai Thi Nguyen-Kim in Deutschland, einen Forscher wie Drostens Podcast oder andere Fachjournalisten und Mediziner, die regelmäßig twittern oder einen Youtube-Kanal besitzen und darüber informieren und aufklären. Drosten hat ein exzellentes Interview in der zib2 bei Armin Wolf gegeben, das leider nach einer Woche wieder aus der Videothek verschwindet. Auch das Print-Interview im „The Guardian“ ist äußerst informativ. Es gibt sonst leider keine breitenwirksame Informationen auf regelmäßiger Basis, die die neuesten Verordnungen, Maßnahmen, Gesetzesbeschlüsse und Angaben der unzähligen Pressekonferenzen in Österreich begleitet und einordnen kann.

Auf Twitter sind zahlreiche User immer ungeduldiger mit der Frage, wo und bei was man sich denn derzeit eigentlich am häufigsten ansteckt. Sie wollen wissen, wie sicher es ist, Schulen zu öffnen, ob Kinder schwer erkranken können, wie ansteckend sie selbst sind. Viele Fragen konnte Drosten für den Moment beantworten, aber es gibt natürlich ständig neue Studien. Auf der anderen Seite wäre es in meinen Augen enorm wichtig, auf die hiesige Demographie und Mobilität einzugehen, die Unterschiede zwischen Italien, Spanien und Großbritannien und Österreich herauszuarbeiten. Immerhin hat die Regierung mit Angstmache gearbeitet, um die Bevölkerung zum Befolgen der Maßnahmen zu zwingen.

Auch laut Reinprecht ist eine der Schlüsselfragen, wie verhindert werden kann, dass durch das Social Distancing Vereinsamung und Vereinzelung entstehen. Der Rückzug von Risikogruppen berge große Gefahren, denn im öffentlichen Raum baue man normalerweise soziale Beziehungen auf, auch wenn diese zufällig zustande kommen. Dass derzeit kaum über Begleitmaßnahmen zum Social Distancing diskutiert werde, sei ein großes Problem.

Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000117050689/fuer-arme-und-alte-ist-die-stadt-ein-verbotener-ort?

In Österreich muss man sich aus vielen Quellen seine Informationen zusammensuchen. Das Big Picture, das insbesondere auch psychische Folgen und langfristige Risiken miteinbezieht, fehlt. Die Interviews mit Martin Sprenger, Ex-Angehöriger des Expertenstabs der Regierung und Public-Health-Experte, ist derzeit vermutlich die einzige umfassende, weil interdisziplinäre Information, selbstverständlich sind auch manche seiner Aussagen umstritten. Ich möchte mich aber nicht nur auf Sprenger verlassen, zumal dieser nicht die 70%-Boulevardleserbevölkerungsanteil erreicht und von der Regierung diskreditiert wurde. Naja, letzendlich Wunschdenken, Information des Wählervolks nur top down von der Regierungsspitze, dabei sind das keine Virologen, Epidemologen, Psychologen, Soziologen, Mediziner, etc…

Ich hätte gerne noch über was anderes geschrieben, aber seit 08.00 morgens hab ich Baustellenlärm in jeder Ecke meiner Wohnung mit piepsenden Maschinen. Kann nicht mehr klar denken.