Tag 204: Empfehlenswerte Literatur zu Corona

Nach über zweihundert Tagen (Tag Null war bei mir der 11. März) Pandemie möchte ich an dieser Stelle eine Art Best Of meiner bisher gelesenen (und verlinkten) Literatur präsentieren. Artikel, die fachlich in die Tiefe gehen und in denen man komprimierte Fakten erwarten darf.

Diagnostik

Quelle: RKI

Die Grafik vom RKI ist von zentraler Bedeutung, um den Sinn von PCR-Tests zu verstehen. Vom Zeitpunkt der Übertragung (Transmission) vergeht eine bestimmte Zeitspanne (Latenz), bis zu der eine infizierte Person ansteckend ist. Die Ansteckungsgefahr nimmt bis zum Symptombeginn deutlich zu. Die Zeitspanne zwischen Übertragungszeitpunkt und Symptombeginn wird Inkubationszeit genannt. Ab Ausbruch der Infektion kann die Virus-RNA über den PCR-Test nachgewiesen werden. Die Infektiösität beträgt 8-9 Tage, dann nimmt sie ab, wenn das Virus vom oberen in den unteren Respirationstrakt wandert (vom Rachen in die Lunge). Die PCR ist auch dann positiv, wenn der Patient nicht mehr infektiös ist. Etwa ab der zweiten Woche können Antikörper nachgewiesen werden (Serologie positiv). Da SARS-CoV-2-Viren nicht zur Normalflora des Menschen gehören, bedeutet nachgewiesene Viren-RNA ausnahmslos, dass eine Ansteckung stattgefunden hat. Auch eine nachträglich nachgewiesene Infektion ist eine wichtige Information, da sich so Infektionsketten rückermitteln und eventuelle Cluster entdecken lassen, die sonst verborgen geblieben wären.

Impfstoffe

Gewöhnlich dauert die Impfstoffentwicklung 5-10 Jahre, in einer globalen Pandemie mit katastrophalen Folgen arbeiten jedoch etliche Wissenschaftler zusammen und so sind die ersten Impfstoffe aktuell schon in Phase 3 mit menschlichen Probanten. Das ausführliche Tutorial des österreichischen Virologen Krammer erläutert, welche Impfstoffe es gibt und wie sie entwickelt werden. Ein Hauptproblem könnte sein, dass die ersten marktreifen Impfstoffe nur die Schwere der Erkrankung abschwächen, aber die Infektion nicht verhindern können. Ebenso gefährdet sind Kinder und ältere Menschen, die Impfstoffe meist schlechter vertragen. Selbst wenn die verursachte Immunität nur kurz anhält, ist das kein Drama, da ohnehin Auffrischimpfungen angedacht sind. In weiterer Folge werden bessere Impfstoffe kommen, die die ersten Impfstoffe ersetzen. Nachdem ein einziger Impfstoff unmöglich in so großer Anzahl produziert werden kann, um die gesamte Weltbevölkerung damit zu versorgen, ist es von Vorteil, dass derzeit mehr als 180 Impfstoffe weltweit entwickelt werden, davon befinden sich 40 in klinischen Studien und 10 bereits in Phase 3.

Medikamente

Neben der klassischen Impfung lief auch früh die Entwicklung sogenannter monoklonaler Antikörper, ein passiver Impfstoff, bei dem immunologisch aktive Proteine spezifisch auf das SARS-CoV-2-Virus „abgerichtet“ wurden. Der Wirkstoff Adalimumab, unter dem Handelsnamen Humira vertrieben, ist z.b. ein monoklonaler Antikörper, der gegen Rheumaerkrankungen eingesetzt wird.

  • antivirale Medikamente, die Vermehrung der Viren blockieren oder verhindern, dass sie in Lungenzellen eindringen
  • dämpfende Immunmodulatoren, die bei schwerem Lungenbefall die Abwehrreaktion des Körpers so begrenzen sollen, dass sie nicht mehr Schaden anrichten als die Viren selbst
  • Medikamente für Lungenkranke, die verhindern, dass die Lunge das Blut nicht mehr mit genug Sauerstoff versorgen kann
  • Herz-Kreislauf-Medikamente, die Komplikationen durch Blutgerinnsel oder Herzkrankheiten verhindern sollen

Immunität

Ein starkes Immunsystem ist nicht identisch mit Immunität! Auch kerngesunde Menschen jeden Alters können (schwer) erkranken, wie bei der Grippe auch. Vor der Infektion mit SARS-CoV-2 schützt ein starkes Immunsystem (z.b. eines Leistungssportlers) nicht.

Spätfolgen (Post-Covid, Long Covid)

Im medizinischen Kontext heißt milder Verlauf, dass die Erkrankung zuhause auskuriert wird. Betroffene empfinden die Erkrankung mitunter gar nicht als mild. Epidemiologin und selbst Longcovid-Betroffene Nisreen A. Alwan plädiert dafür, die Schwere der Covid19-Erkrankung an der Dauer zu festzumachen und nicht danach, ob jemand hospitalisiert werden muss.

Übertragung

Gegenüberstellung Evidenz der verschiedenen Übertragungsarten für bestimmte Situationen, Quelle: FAQ über Aerosole

Der Hauptübertragungsweg sind Aerosole, nicht Tröpfchen- oder Schmierinfektion. Nur Aerosole können Superspreading Events erklären.

Das wohl wichtigste Dokument zu dem Thema behandelt die Aerosole-Infektion und wie man sich davor schützen kann: FAQ on Protecting yourself from aerosol transmission (die deutsche Google-Translate-Version liest sich flüssig).

Prävention

Die zwei wesentlichen Aspekte von Vorsorgemaßnahmen sind ausreichend lüften und Masken tragen. Auch wenn österreichische Experten weiterhin Zweifel streuen, ist die Wirksamkeit von Masken bei Covid19 bewiesen. Gandhi und Rutherford argumentieren in ihrem Paper, dass Masken zudem die eingeatmete Virusdosis verringern und dadurch einen milderen Verlauf ermöglichen können. (abhängig von anderen Faktoren wie Alter, Vorerkrankungen).

Gesellschaft

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