Tag 222: Offene Fragen von Tag 41 großteils beantwortet

Welche Dosis macht das Gift?

In meinem Tagebucheintrag vom 21. April 2020 (Tag 41) habe ich zehn Fragen aufgestellt, deren Beantwortung bislang ausstand.

  1. Welche Viruslast ist notwendig, um überhaupt infiziert zu werden?
  2. Wie hoch ist der Prozentsatz durchwegs symptomfrei und präsymptomatisch?
  3. Wie wird symptomfrei definiert? Wie werden Symptome definiert?
  4. Was haben durchwegs symptomfreie Infizierte gemeinsam?
  5. Was haben Menschen mit schweren Verläufe ohne Vorerkrankungen gemeinsam?
  6. Ist das Ausmaß von Folgeschäden an der Lunge abhängig von der Viruslast bei der Infektion?
  7. Was sind die Hauptübertragungswege abseits Gesundheitspersonal im Lockdown-Zustand?
  8. Warum stecken sich im gemeinsamen Haushalt mit einer infizierten Person nur 12-17% neu an?
  9. Gibt es eine Grundimmunität durch die gewöhnlichen Coronaviren?
  10. Wenn Übertragung über die Luft nach diversen (Modell-)Studien möglich ist, warum lässt sich das Virus trotzdem so rasch eindämmen durch Lockdown-Maßnahmen? (Annahme: Übertragungen im Freien bei zu geringem Abstand wären gehäuft zu erwarten) Ist es vielleicht doch nicht so ansteckend wie befürchtet?
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Tag 220: Wissenschaftlicher Konsens zur COVID-19-Pandemie: wir müssen jetzt handeln

“Ich dachte, es könnte Spaß machen, Herdenimmunität auszuprobieren”,
Quelle: ECONOMIST

Am Donnerstag, 15. Oktober, 2020 erschien im ehrwürdigen MedJournal The Lancet das John Snow Memorandum, das inzwischen mehrere tausend Wissenschaftler weltweit unterzeichnet haben. Es ist eine Reaktion auf die “Great Barrington Declaration”, die am 4. Oktober auf einer Webseite publiziert wurde. In deren FAQ wird ein “American Institute for Economic Research” erwähnt, dass Hilfe angeboten hat. Dabei handelt es sich um eine libertäre Organisation des ultrarechten Milliardärs Charles Koch. Einen Tag nach dem Erscheinen der Deklaration kamen die Autoren einer überraschenden Einladung des Weißen Hauses nach. Die Deklaration enthält unhaltbare Annahmen zur Herdenimmunität und Schutzmaßnahmen. Als Reaktion wurde das John Snow Memo veröffentlicht. Der englische Arzt John Snow revolutionierte im 19. Jahrhundert die Medizin, indem er zeigte, dass die Cholera nicht nur Miasmen (Ausdünstungen), sondern durch Bakterien entsteht. Im Gegensatz zur Great Barrington Declaration weist das Memorandum zahlreiche Referenzen zu Fachartikeln in Topjournals auf und kommt ohne Finanziers wie einen dubiosen “Think Tank” im Hintergrund aus (Danke an @docjosiahboone für die Hintergründe!)

Im nachfolgenden meine deutsche Übersetzung des Konsenspapiers:

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Tag 219: Wie kommen wir durch den Winter?

Risikomatrix für Infektionsrisiko abhängig von verschiedenen Umgebungsfaktoren

In den letzten Beiträgen ging ich darauf ein, was Experten zu Experten macht und weshalb Österreich die gute Ausgangsposition nach der ersten Welle komplett verschissen hat – diesen Beitrag schrieb ich auf Englisch, da mir das manchmal leichter fällt, meine Gedanken auszuformulieren, und weil der Rest der Welt ruhig erfahren darf, was die Ischgl-Virenschleuder aus dem Versagen gelernt hat (nichts). Die aktuellen Zahlen geben keinen Grund zur Hoffnung. Die Corona-Ampel zeigt ein buntes Farbenspiel, bleibt aber ohne echte Konsequenzen. Politische Interventionen sorgen dafür, dass von Experten empfohlene Hochstufungen nicht umgesetzt werden. Die Schulampel bleibt absurderweise entkoppelt, dabei bringt eine starke Verbreitung innerhalb der Bevölkerung auch viele Infektionen in die Schulen.

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Day 216: Why did Austria fuck up the second wave?

Bucklige Welt, 10. Oktober 2020

The best connoisseur of a society is a non-native staying.

Georg Friedrich Simmel

Being autistic I feel like a stranger my whole life. It’s a different way of being and thinking. I can’t remember being ever happy about just following rules. I always wanted to know the reasons behind. Needless to say you will always have problems with authorities and hierarchy with such an attitude. Feel free to criticize but we decide whether it’s justified or not. Don’t ask, just carry out orders! I simply can’t live like that. Well before the lockdown I refused to built up stocks at home. I live alone and nobody told me what to buy. The situation has been very scary for me. I’m too young to feed upon 14 days of tinned food, not to mention baking bread which I never did. Actually I bought some meal but never used it. In contrast to all these recommendations supermarkets remained open throughout the lockdown and it has been completely nonsense to buy the shop out for toilet paper. I also remember painstakingly keeping distance to other people outside, rather changing the sidewalk at all instead of just passing by. In the first weeks of the lockdown, the government rose the impression the Coronavirus was like measles, black death or smallpox, instantly jumping from host to host. In this article, I try to sum up the biggest mistakes dealing with SARS-CoV-2 and to a lesser extent the economic mistakes.

As an outsider (german) and being autistic I do not suffer neither from a monarchistic heritage nor obedience to authority. It is therefore possible for me to think outside the box and look behind the reasoning of rules.

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Tag 215: Was macht Experten zu Experten?

Neuinfektionen nach Altersgruppe von Mai bis Oktober, Quelle: Erich Neuwirth, 12.10.20

Die kürzlich mit dem deutschen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Chemikerin und Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim hat am 8. Oktober einen wichtigen Youtube-Beitrag zum Thema Wissenskommunikation geliefert. Obwohl ich ein visueller Denker bin, tue ich mir mit bewegten Bildern immer schwer und zum nachträglich zitieren sind Videos eher ungünstig. Daher habe ich mir die Mühe gemacht, weite Teile des Beitrags zu transkribieren. Die Erkenntnisse daraus lassen sich grundsätzlich im Alltag anwenden, gelten aber gerade auch während der Pandemie in Österreich. Sie gelten nicht nur für Bhakdi und Wodarg, sondern auch für Haditsch und Eifler. Mehr noch: Selbst bei renommierten, bestens vernetzten Experten wie Allerberger, Apfalter und Sprenger lassen sich die Grundregeln seriöser Wissenschaft anwenden.

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Tag 212: Wien-Wahl

“Wiener Blick”, Lainzer Tiergarten

In Wien finden in zwei Tagen Gemeinderats- und Bezirkswahlen statt, rotgrün wird danach fortgesetzt. Wenn ich eine Prioritätenliste für die Bürger aufstellen müsste, stünde an erster Stelle genug zu Essen und zu trinken für sich und Familie, um zu überleben, dann Dach über den Kopf, Gesundheit, ein Job, Mobilität und weit abgeschlagen der Klimaschutz. Kann man diese Priorisierung verurteilen? Österreich befindet sich in der schwersten Rezession mit der höchsten Arbeitslosigkeit seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Das wird die meisten Länder der Erde betreffen.

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Tag 207: Die Rolle von Politik und Medien in der Coronakrise in Österreich

Meine vergangenen Beiträge über irreführende Aussagen in meinen (ehemaligen) Lieblingsnachrichtenquellen Ö1 und FALTER haben meinen wachsenden Unmut schon zum Ausdruck gebracht. Seit März haben mich vor allem Grüne, Ö1 und FALTER schwer enttäuscht, die verbleibenden drei Institutionen in Österreich, von denen man Anständigkeit und Seriösität in Entscheidungsfindungen und Informationsverbreitung erwarten konnte. Es erschüttert mich vor allem deswegen, weil es kaum Alternativen gibt. In den Tageszeitungen finden sich manchmal einzelne, gut recherchierte Artikel – positiv hervorheben möchte ich hier die WienerZeitung, aber kein durchgehend hohes Niveau. Ich hab Ö1 immer gleichwertig mit dem bundesdeutschen Deutschlandradio gesehen. Die Grünen waren für mich die einzige Wahlalternative, wenn auch meine Wahlmöglichkeiten als deutscher Staatsbürger beschränkt sind auf Bezirks- und EU-Wahlen. Die für mich wichtigsten Entscheidungen werden aber auf Gemeinde-, Nationalrats- und Staatsoberhauptebene getroffen. Ich konsumiere nicht ohne Grund am liebsten ausländische Presse zum Virus. Eine 90 Sekunden Video-Wortspende von Allerberger auf der AGES-Webseite kann niemals so gehaltvoll sein wie 90 Minuten NDR-Podcast mit Virologe Drosten. Ein Absatz im “FALTER” erreicht nie den Grad der Differenziertheit wie ein 12-Seiten-Artikel in “The Atlantic”. Es gibt in Österreich kaum Medien, bei denen über mehrere Seiten hinweg in epischer Breite in die Tiefe recherchiert wurde, idealerweise noch mit Angaben der Quellen. Beliebt sind dagegen Angaben wie “Viele Virologen” oder “Epidemiologen halten das für” und “manche Experten sehen das anders”, wobei die Experten nie namentlich genannt und deren zugrundeliegenden Annahmen überprüft werden können.

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Tag 205: Faktencheck Österreich

In der Natur ist die schwere Zeit für mich am besten aushaltbar
Josefswarte, Föhrenberge mit Blick zum Anninger und Hohen Lindkogel

Ich sag es, wie es ist: In Österreich sind viele Medien, Politiker und führende Ärzte auf einem veralteten Wissensstand zu Corona. Das führt zu der ganz bequemen Situation, sich mit bestimmten Folgeproblemen der Pandemie nicht auseinandersetzen zu müssen: Langzeitfolgen? Rolle der Kinder? Was geleugnet wird, muss auch nicht berücksichtigt werden. In der nachfolgenden Faktendarstellung möchte ich ein paar neue Behauptungen unter die Lupe nehmen, darunter leider wieder einmal aus dem FALTER.

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Tag 202: Österreichs Experten gegen wissenschaftliche Fakten

Wenn ich mir jetzt täglich die Finger wund schreiben muss, weil sich österreichische Experten verharmlosend zum Virus geäußert haben, dann werde ich hier überhaupt nicht mehr fertig. Ich wollte heute eigentlich etwas über Wien selbst schreiben. Darüber, dass die Pleitewelle begonnen hat, dass man in den Straßen immer mehr Geschäfte sieht, die Räumungsverkauf plakatieren, Geschäftsauflösung oder irrsinnig hohe Rabatte, die kaum wirtschaftlich sein können. Darüber, dass ich mich aufrege, weil der Flughafenbus VAL2 wahrscheinlich dauerhaft eingestellt bleibt, und das war meine kürzeste und bequemste Verbindung zum Arbeitsplatz, die nebenbei auch mein Jahresticket deutlich aufgewertet hat. Darüber, dass in Wien gerade Wahlkampf [Bezirks- und Gemeinderatswahlen am 11.10.] herrscht und die ÖVP so tief in den Dreck greift, wie man das vorher nur von der FPÖ kannte. Ich könnte über die Versuche von Wien schreiben, mit der Registrierungspflicht zu verhindern, dass eine vorgezogene Sperrstunde kommt – wodurch die ohnehin schon spärlichen Umsätze weiter sinken würden. Über das Chaos an den Schulen und die langen Verzögerungen beim Warten auf den Test und das Ergebnis, über tagelange Absonderung in häuslicher Quarantäne selbst bei negativem Bescheid. Natürlich wächst die Wut auf die Regierung. Dafür könnte man jetzt zwei Gründe haben. Zum Einen, weil sie den Sommer offenbar ungenutzt verstreichen ließen und denkbar unvorbereitet in den Herbst starten, angeblich überrascht vom starken Anstieg der Fallzahlen. Zum Anderen, und dahin kippt die österreichische Bevölkerung gerade, wird der Regierung vorgeworfen, die Maßnahmen wären überzogen und das Virus viel harmloser und den Aufwand nicht Wert. Dazu passt dann leider der heutige Beitrag bei Ö1, wo Radiodoktor Manfred Götz den Public-Health-Experten Sprenger und die Leiterin des Hygieneinstituts Apfalter interviewte.

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