Natürlich stellt man sich die Sinnfrage, wenn man seit über einem Jahr hier aufzuklären versucht, und die Mehrheit seriöser Wissenschaftler hinter sich hat, und dann so ein Bullshit von der Regierung kommt, anti-wissenschaftlich und völlig konträr zu den Handlungen in den anderen Ländern, die wegen DELTA die Daumenschrauben wieder anziehen. In den Entwicklungsländern mit Impfstoffmangel rauscht das Virus jetzt ohnehin durch und droht, neue Varianten zu erzeugen.
Ich hab am 08. Mai 2021 (Tag 418), kurz vor meinem Heimaturlaub in Deutschland, davor gewarnt, die sinkenden Inzidenzen nicht mit dem Ende der Pandemie gleichzusetzen. Am 28. Mai 2021 (Tag 442) hab ich mein Entsetzen über die weiteren Lockerungen ab 10. Juni und 1. Juli kundgetan. Seitdem hätte es immer noch die Möglichkeit gegeben, Lockerungen zu verschieben. Stattdessen schafft man sogar die FFP2-Maskenpflicht im Gesundheitswesen ab.
Aus dem Nachbarland tönen wissenschaftlich bodenständige Aussagen:
Es wäre ein schwerer Fehler, die Delta-Variante zu ignorieren. Die Mutation zieht nicht vorbei wie ein leichtes Gewitter. Es gilt: Nicht in Panik geraten, aber genau überlegen, wie wir reagieren. Dazu gehören die Schutzinstrumente Abstand und Maske und mehr Tempo beim Impfen.
Ministerpräsident von Bayern, Markus Söder, 28.06.21, Tweet
Was der Gesundheitsökonom Thomas Czypionka zur Gefahr von DELTA sagt (Tweetkette 29.06.21)
Bei einem R0 von 7-8 ist die Schwelle der Populationsimmunität bereits bei rund 86-88%.
Zudem können oder wollen viele gar nicht geimpft werden, und einige sprechen auf die Impfung nicht an.
Hinzu kommt, dass DELTA teilweise den Impfschutz durchbricht, also symptomatische, wenn auch mildere Erkrankung erzeugt. Mehr Geimpfte als bei Alpha sind Überträger.
Die Impfung wirkt umso schlechter, je älter man ist (Immunseszenz).
Es steht nicht annähernd genug Impfstoff für die Welt zur Verfügung. Covid19 wird somit dort noch viele Tote fordern und über Jahre eingeschleppt werden können und mutieren.
Fazit:
Nur maximale Impfanstrenungen werden den Herbst/Winter erträglich machen.
Ältere/Schwerkranke sind weiter einem erhöhten Risiko ausgesetzt (Impfversagen, erhöhtes Übertragungsrisiko trotz Impfzertifikat)
Im Herbst/Winter werden Maßnahmen nötig sein, um gleichzeitige Influenza/Pneumonie/Covid19 Spitzen zu vermeiden
Frühzeitiges Monitoring über Wasser und Stichproben, aggressives Contact Tracing warnen schon jetzt vor bzw. verringern die Ausgangslast vor dem Herbst
Vor allem bedeutet Delta eine Verlängerung, da die Hürden für Bevölkerungsimmunität zu hoch geworden sind, mit gehäuftem endemischen Auftreten.
Eigentlich keine besonders neue Schlagzeile, denn ich hab in der Vergangenheit regelmäßig darüber gebloggt und getwittert. Es wollte nur kein Medium aufgreifen. Jetzt ist ein Interview mit Allerberger auf einer Leerdenkerplattform erschienen, geführt von einem Leerdenker. Schlagartig wird deutlich, dass meine monatelangen Recherchen mit Vermutungen über mögliche Verbindungen der AGES in die rechte Covidleugner-Szene ihre Berechtigung hatten. Die Enthüllungen würden für einen handfesten Skandal ausreichen. In einem Land, wo eine rechtsextreme Partei seit Jahrzehnten in allen Landesparlamenten, im Nationalrat, in der Regierung und in zahlreichen Aufsichtsrat- und Geschäftsführerpositionen sitzt, lockt das leider niemanden mehr hinterm Ofen vor.
Ich hab seit meinem ersten Faktencheck im Herbst gehofft, dass das bezahlte Journalisten eines reichweitenstarken Mediums aufgreifen. Mir sind seitdem auf Twitter zahlreiche Journalisten gefolgt. Das mag für Bauchpinselei ausreichen, davon kaufen konnte ich mir aber nichts. Ich hatte auch gehofft, dass Organisationen wie FIPU, DÖW oder “Stoppt die Rechten” sich für die teils offen fremdenfeindlichen Aussagen, aber auch die ideologischen Hintergründe interessieren. Bis heute ist nichts passiert. Auf Twitter tummeln sich nur rund 4% von Österreichs Bevölkerung. Retweets haben Null Bedeutung für Realpolitik und Medienreichweite.
Ich hab im Laufe der letzten Monate so viel recherchiert, dass es immer mühsamer wird, das noch auf verträglicher Länge zu verbloggen. Daher versuch ich das jetzt ein wenig zu kondensieren, dass man die wichtigsten Fakten und Aussagen gebündelt hat.
Der Profifußball hat mich schon vor der Pandemie aufgeregt. Immer weniger Live-Übertragungen im Free TV. Mit dem Wegfall des freien Mittwoch-Spiels in der Champions-Leaque interessierte mich auch meine Lieblingsmannschaft nicht mehr – ich konnte buchstäblich kein einziges Spiel mehr live sehen. In der Pandemie galten für Profifußball andere Maßstäbe als für Amateursport generell. Ich bekam am Rande mit, dass manche Wettbewerbsspiele im Ausland ausgetragen wurden, weil dort die Coronaregeln lockerer waren (z.B. in Ungarn). Währenddessen hat man selbst Kindern den Outdoor-Sport verwehrt, weil man nicht in der Lage war, Outdoor- und Indoor-Risiken zu unterscheiden. Es hätte Wege gegeben, mit gepoolten PCR-Tests zum Beispiel. Aber Kinder und Jugendliche bringen halt kein Geld ein – jedenfalls nicht sofort.
Irgendwie ist die Qualifikation unbemerkt an mir vorübergegangen und ich hab spät mitbekommen, dass erstens jetzt eine Europameisterschaft stattfindet, und das nicht vor leeren Stadien wie die Ligaspiele, sondern vor Zuschauern. In Budapest mit maximaler Auslastung (68000), wie beim Spiel von Ungarn gegen Portugal am 15. Juni 2021. Volles Stadion und keine Maskenpflicht.
Eine kürzlich erschienene Studie des RWI-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung zur Infektionsgefahr in Fußballstudien belegt, dass es bei Tragepflicht auch am zugewiesenen Platz keine erhöhten Infektionszahlen gibt, wenn sie aber nur am Weg zum Sitzplatz getragen werden, schon.
Viel Resonanz hat mein letzter Blogtext nicht erfahren. In Österreich ist man anscheinend noch nicht soweit. Aber dazu ein anderes Mal mehr. Heute kam der neueste “Public Health England”-Report heraus. Die Zusammenfassung der Epidemiologin Deepti Gurdasani lautet:
über 90% der Fälle in England sind nun Delta (B.1.167.2, Indische Variante) zuzuordnen
Delta ist rund 60% übertragbarer als Alpha (B.1.1.7, Britische Variante), die bereits 30-60% übertragbarer als der Wuhan-Stamm war
Die meisten Fälle treten bei Kindern im Schulalter auf (im Mai wurde die Empfehlung für Masken in den Schulen aufgehoben
2fach erhöhtes Risiko für schwere Verläufe (Hospitalisierung), LongCOVID!
30% aller Tote waren unter Vollgeimpften und 17% bei Teilgeimpften
entkommt recht leicht der Immunabwehr nach durchgemachter Infektion (“Genesen”)
Es gibt Fälle mit der Delta-Sublineage mit K417N-Mutation
Neben der deutlich erhöhten Übertragbarkeit verursacht Delta auch schwerere Verläufe (2,7fach höhere Hospitalisierungsrate). Die Fluchtmutation ist vergleichbar mit Beta (B.1.351, Südafrika-Variante).
Der R-Wert von Delta geht Richtung 8, das ist nicht mehr weit von Masern (9-12) entfernt.
Delta wurde jetzt auch in Niederösterreich festgestellt. Das Contact Tracing konnte zwar Folgefälle vermeiden, aber weiß nicht, wo sich die betroffene Person angesteckt hat (Quellcluster-Tracing).
So viel kann man jetzt schon sagen: Es ist immens wichtig, dass alle ihre zweite Impfung bekommen, ausgenommen natürlich jene mit Johnson & Johnson. Ebenso sollten sich die Überlebenden einer durchgemachten Infektion wenigstens einmal impfen lassen.
Bisher scheinen alle Impfstoffe, einschließlich Johnson & Johnson gegen die Varianten zu wirken. Alter et al. (09.06.21) wiesen nach, dass die zelluläre Immunität auch bei Alpha, Beta und Gamma (P.1., Brasilianische Variante) bestehen bleibt, während es bei Beta zu einer massiven Reduktion neutralisierender Antikörper (humorale Immunantwort) kommt.
Schwere Erkrankungen und Todesfälle trotz zweifacher Impfung treten dann auf, wenn die zelluläre Immunantwort offenbar zu schwach ausfällt, was vor allem bei älteren und immunschwachen Menschen der Fall sein kann. Mit wachsender Impfrate wird übrigens schon rein statistisch der Anteil erkrankter Geimpfter wachsen. Das heißt nicht, dass man mit Impfung anfälliger für das Virus wäre. Ich gebe aber zu bedenken, dass sich Vollgeimpfte im Schnitt vermutlich sorgloser verhalten als Un- und Teilgeimpfte, und so eher Situationen aussetzen, wo sie hohen Viruslasten ausgesetzt sind. Kommt es dann trotz Impfung zu einer Erkrankung (“breakthrough infection”), kann diese genauso schwer verlaufen wie bei Ungeimpften.
In Summe heißt das: Impfen, impfen, impfen und weiterhin vorsichtig sein. Doch was heißt das für die Kinder?
Österreichs politischer Kurs profitiert seit Jahrzehnten von der Dominanz der Boulevardzeitungen. Außerhalb der Städte findet man außer KRONE und ÖSTERREICH höchstens noch die Landeszeitungen (Parteizeitungen) in den Zeitungsständern. Meinungsfreiheit existiert, aber der kritische Diskurs findet in den auflagenstarken Zeitungen kaum statt. “Das war schon immer so”, aber nie hatte es so schwerwiegende Folgen wie unter Kanzler Kurz in der Zweiten Republik.
Der österreichische Internist und Onkologe Christoph Zielinski fasst die Stimmungslage in diesem Tweet gut zusammen (28. Mai 2021):
“Man bleibt sprachlos, was innerhalb kurzer Zeit aus diesem Land geworden ist. Jeder Kommentar verharmlost die Realität.”
Mein folgender Kommentar versucht sich der Frage zu nähern, wie die Pandemie instrumentalisiert wurde, um politische Ziele durchzusetzen.
Michel Reimon, einer der prominentesten grünen Politiker, hat sich gestern als LongCOVID-Betroffener geoutet und damit die immune Grundnaivität der grünen Abgeordneten entlarvt. Die burgenländische Landtagsabgeordnete Regina Petrik: “Wir müssen dieses Virus noch viel ernster nehmen, als wir dachten.” und Stefan Wallner, Kabinettschef von Vizekanzler Kogler: “Viele von uns unterschätzen das.” Aussagen, die man als symptomatisch für das grandiose Fehlversagen im Gesundheitsministerium betrachten kann.
Gewissermaßen das I-Tüpfelchen ein (nach massiver Kritik gelöschter) Tweet der ehemaligen Pressesprecherin vom Gesundheitsministerium Margit Draxl, die in ihrem Abschiedsthread viele Betroffene und Angehörige vor den Kopf stieß mit ihrer Aussage: “Wer nicht die letzten eineinhalb Jahre im Gesundheitsministerium gearbeitet hat, hat Corona nicht erlebt.”
Wir – das sind NoCovid-Anhänger, Mediziner, Wissenschaftler und Citizen Journalists – haben vor den Spätfolgen von Corona nicht gewarnt, um Panik zu verbreiten oder das Standing der Grünen gegenüber dem türkisen Koalitionspartner zu schwächen. Wir schauten einfach über den Tellerrand: Die erste Welle hat Länder wie UK oder USA hart getroffen – gleichzeitig gibt es dort eine hohe Datentransparenz und viel wissenschaftliche Forschung. Daher wussten wir schon frühzeitig, was sich auch bei uns unter dem Radar abgespielt hat und noch auf uns zukommen sollte.
Ich komme mir langsam vor wie ein Teilnehmer in einem großen Satireprojekt. Groundhog day. Hier laufen ja mehrere Dinge gleichzeitig ab und es ist durchaus Absicht, die Menschen laufend im Empörungs- und Ungewissheitszustand zu halten. Solange die Erregtheit hoch ist, hat man keine Zeit zu durchschauen, was im Hintergrund eigentlich abläuft. Da wäre zum einen die Pandemie, die immer noch nicht vorbei ist. Ich hab die Pressekonferenz heute gehört, ich hab die Reaktionen darauf gesehen. Viele freuen sich auf einen ruhigen Sommer. Dann hab ich auf die bisherigen Impfstatistiken geschaut: Knapp 40% sind teilimmunisiert, aber erst 15% vollimmunisiert. Unter 16 Jahren ist mit ein paar off-label-Ausnahmen noch niemand geimpft.
Mir unterlaufen selbstverständlich auch immer wieder Irrtümer. Folgende Liste (nicht chronologisch) klärt über meine größten Irrtümer und Fehler auf mit beigefügter Richtigstellung. Die Liste wird laufend aktualisiert.
Stand 28.01.24
1. Impfreaktion nach den Teilimpfungen ist nicht erwünscht und korreliert nicht zwingend zum Aufbau von Antikörpern.
Irrtum: Je stärker die Impfreaktion, desto mehr Antikörper. Keine Impfreaktion weniger Antikörper.
Wahrheit:Korrelation nicht zwingend vorhanden. Jemand kann bei beiden Teilimpfungen kaum Impfreaktionen verspüren und trotzdem hohen Antikörpertiter entwickeln. Umgekehrt kann jemand trotz starker Reaktion (hohes Fieber) auf die Impfung keine Antikörper entwickeln (z.B. wegen Immunsuppression).
2. Vitamin C/D/Zink als Hausmittel bei Heimpflege haben keinen Einfluss auf die Schwere des Verlaufs.
Irrtum: Wenn man positiv getestet wird und zunächst zuhause auskuriert, kann man mit hochdosiertem Vit C/D/Zink den Verlauf beeinflussen (vgl. Tag 242)
Wahrheit: Ein Nutzen ist nicht belegt, weder bei Vitamin C noch Zink. Bei Vitamin D ist er unklar. Der empfohlene Einsatz kommt aus der orthomolekularen Medizin, einer alternativmedizinischen Behandlungsmethode, für die es allerdings keinen wissenschaftlichen Nachweis gibt.
Nobelpreisträger Linus Pauling war überzeugt, dass hochdosiertes Vitamin C nicht nur vor Erkältungen, sondern auch vor Krebs schützt. Nguyen-Kim klärt auf: Vitamin C verringert das Erkältungsrisiko im Schnitt um 3%, verkürzt aber die Erkrankungsdauer bei Erwachsenen um 8%, bei Kindern um 14%. Ob das bei Covid19 den schlagenden Erfolg hat, sei dahingestellt.
Von der dauerhaften Einnahme von hochdosierten VitC/D-Präparaten ist jedenfalls abzuraten, weil man damit u.a. die Bildung von Nierensteinen fördert.
3. Der Aufenthalt im Wald steigert wahrscheinlich nur kurzzeitig die T-Zellen-Aktivität.
Irrtum: Clemens Arvays Buch “Biophilia-Effekt” versprach, dass man mit langen Waldspaziergängen seine Immunabwehr steigern könnte. Ich klammerte mich bei Beginn der Pandemie daran (hatte das Buch erst wenige Wochen vorher gekauft).
Wahrheit: Zu Arvay hab ich bereits ein Erratum verbloggt (Tag 47). Für die heilsame Wirkung von “Waldbädern” nannte er vor allem japanische Studienautoren (vgl. hier bzw. Tsao et al. 2018 ). Es geht vor allem um die Terpene in Nadelwäldern. Diese sorgen aber nur für temporär für gesteigerte Killerzellenaktivität. Leider kann ich die entsprechende Studie gerade nicht nachliefern. Zumindest war zweifelhaft, ob der Effekt von Waldspaziergängen über Tage hinaus gehen würde. Man sollte sich jedenfalls nicht darauf verlassen, denn es sind auch viele gut trainierte Sportler und Bergsteiger schwer erkrankt bzw. leiden unter Long COVID.
4. Nasensprays mit Carragelose haben keinen nachgewiesenen vorbeugenden Schutz vor Covid19-Infektion/COVID-Erkrankung
Irrtum: Seit letztem Sommer hab ich auch das Coldamaris-Nasenspray beworben, dessen Rotalgenextrakt Carragelose (Carrageenan) das Virus angeblich neutralisiert und die Zellen vor einer Infektion schützen soll (siehe Aussendung von Hersteller Marinomed).
Wahrheit: Generell sollen Gurgellösungen, Nasensprays und Lutschtabletten helfen, die Schleimhäute feucht zu halten, damit Viren schlechter anhaften können (Quelle). Zumindest für die Rotalgen-Nasensprays wie das oft beworbene Coldamaris Plus ist ein Nutzen aber nicht belegt (Quelle: medizin-transparent). Die öfter angesprochene klinische Studie fand unter Leitung von Christoph Wenisch im SMZ-Süd beim Spitalspersonal statt. Davon hat man allerdings seit dem Jahreswechsel nichts mehr gehört, und mit der Durchimpfung des Spitalspersonals hätte die Studie enden oder angepasst werden müssen.
5. Ein starkes Immunsystem schützt nicht vor schwerer Erkrankung und Tod
Irrtum: Mitte März 2020 ging ich – wohl wie die meisten – noch davon aus, dass vorwiegend Ältere und chronisch Kranke mit schwachem Immunsystem einen schweren Verlauf bekommen könnten.
Wahrheit: Vorerkrankungen und zunehmendes Alter erhöhen zwar das Risiko für einen schweren Verlauf, doch können auch vorher kerngesunde, sportliche und junge Menschen schwer erkranken oder versterben. Bei einer internationalen Studie fand man bei 100 von 1000 Covid-Patienten mit lebensbedrohlichen Lungenentzündung Antikörper, die zentrale Immunsystemproteine (Interferone) blockieren. Diese Autoantikörper wurden nicht bei 663 Leuten mit milden oder symptomfreien COVID-Infektionen gefunden. Nur 4 von 1227 gesunden Individuen hatte Autoantikörper.
In einer anderen Studie waren 94% der Patienten mit Autoantikörpern Männer, ein unerwartetes Ergebnis, weil Autoimmunerkrankungen für Frauen typischer sind. (Quelle). In Summe hängt es also nicht nur davon ob, wie viel Sport man treibt, sich gesund ernährt oder Vorerkrankungen hat, sondern ob man diese Autoantikörper besitzt – die lange stumm bleiben können.
Nicht zufällig kommt der Spin, ein starkes Immunsystem würde vor Erkrankung schützen, tendenziell aus dem rechten Eck.
Hier treffen sich auch rechte Ideologie und Esoterik : An Krankheit und Schwäche ist man selbst schuld. Feindbilder und Sündenböcke (Ausländer bzw. Andersdenkende, Pharmaindustrie, Schulmedizin), dazu Wissenschaftsfeindlichkeit. Nicht zufällig befinden sich auf der “Animap” der Coronagegner zahlreiche “alternativmedizinische” Unternehmen wie Ganzkörpertherapie, Massage-Praxen, Esoterikläden, alternative Psychotherapeut*innen, etc.
6. Herdenimmunität war nie über Durchseuchung erreichbar
Irrtum: Jeder muss die Infektion durchmachen, aber wir müssen die Kurve flach halten, damit das Gesundheitssystem nicht überlastet wird, bis sich genug infiziert haben, damit die Pandemie zum Stillstand kommt.
Wahrheit: Bis zu den ersten Berichten von chronifizierten Symptomen (LongCOVID) nach durchgemachter, selbst milder Infektion Ende April bzw. Ende Mai glaubte ich selbst lange Zeit, es würde nur diesen Ausweg geben. In Österreich war NoCovid nie Teil einer grundsätzlichen, offen geführten Debatte, welche Strategie wir einschlagen sollten. Tatsächlich kann und konnte Herdenimmunität nie durch das alleinige Durchlaufenlassen der Infektion in der Bevölkerung erreicht werden, wie uns die Great-Barrington-Sympathisanten Allerberger, Schmid, Weiss, Apfalter und alle anderen Pseudo-Experten und Politiker mit dem Motto “Wir müssen mit dem Virus leben” weismachen wollten.
Saisonale Coronaviren zirkulieren jedoch dauerhaft in der Bevölkerung, obwohl es nur vier davon gibt. Reinfektionen können im jährlichen Abstand auftreten. Auch nach milden COVID19-Infektionen wurden Reinfektionen beobachtet. Dazu kommt die Entstehung von Virusvarianten mit Fluchtmutationen (Schwächung der Immunantwort nach Impfung oder durchgemachter Infektion, aber auch bei Therapie mit monoklonalen Antikörpern). Im Laufe der nächsten Jahre wird jeder Mensch mit dem Virus in Kontakt kommen, doch wird man sich je nach Impfstoffverfügbarkeit aussuchen können, ob das vor oder nach der Impfung geschieht. Ein weiteres Thema ist, dass die Impfstoffe und durchgemachte Infektion keinen dauerhaft sterilen Impfschutz erzeugen, d.h., die IgG/IgA-Antikörper auf der Schleimhaut schwinden mit der Zeit. Der Schutz vor schweren Verläufen (und LongCOVID) bleibt wahrscheinlich länger erhalten, doch kann die Infektiösität zunehmen – damit können auch Geimpfte nach gewisser Zeit wieder ansteckend werden.
Mathematische Modelle bestätigen diese Schlussfolgerungen. Ohne nonpharmazeutische Interventionen (Masken, Kontaktbeschränkungen) würden selbst 85% steriler Impfschutz nicht ausreichen, um die Reproduktionszahl R unter 1 zu halten.
7. Saisonale Effekte gibt es weniger auf die Übertragung als auf die Empfänglichkeit potentieller Wirte
Irrtum: Das Wetter [draußen] hat höchstens indirekte Effekte auf das Infektionsgeschehen wie geändertes Lüftungs- und Freizeitverhalten, nachdem es draußen höchstens und nur in seltenen Fällen zu einzelnen Übertragungen kommt.
Hauptfaktoren sind Wetter, Raumklima und unser Sozialverhalten, welche die Virusausbreitung beeinflussen – und zwar die Überlebensfähigkeit/Übertragbarkeit von Viren, unsere Rate an sozialen Kontakten und die Immunantwort.
bekannt: größere physische Nähe im Winter in öffentlichen Verkehrsmitteln und Innenräumen.
Wettereinfluss viel komplexer: Temperatur und (oft unterschätzt) Luftfeuchtigkeit.
trockene Luft im Winter lässt Tröpfchen schneller verdunsten und stabile, schwebende Aerosolkerne bilden
Viren sind bei kühler Luft häufig deutlich stabiler
mittlere Luftfeuchtigkeit am ungünstigen für Viren
Atemwege werden selbst gereinigt durch “mukociliäre Clearance” (Partikel in der Atemluft werden mit Hilfe des Schleims aus der Lunge befördert) – bei trockener Luft stark beeinträchtigt. Ohne gute Selbstreinigung steigt Gefahr, dass ein Virus auf eine Zelle trifft und sie infiziert.
==> selbst in diesem Fall gibt es noch die zelleigene Immunantwort mit Interferon als Hauptakteur. Bei 37°C ist diese biochemische Reaktion optimiert.
Problem: Oberfläche der Atemwege ist der Atemluft ausgesetzt, und damit immer etwas (im Winter deutlich) kühler als die Körperkerntemperatur. Die Aktivierung der zelleigenen Immunantwort ist bei 28°C deutlich verzögert. Die Verzögerung der Abwehrmechanismen kann entscheidende Rolle spielen (Viren vermehren sich schnell).
Das Interferon-System spielt eine wichtige Rolle bei der Kontrolle der SARS-CoV2-Infektion und Verlauf von COVID-19, genetische Defekte in der Interferon-Antwort erhöhen das Risiko für schwere COVID-19-Verläufe stark, ebenso Autoimmun-Antikörper gegen Interferon.
Einfluss saisonaler Klima-/Wetter-Effekte höchstens moderat: siehe starke Anstiege bei uns im September und schleichender Anstieg ab Mitte Juni auf niedrigem Niveau.
Eigene Überlegungen dazu: Kulturelle Unterschiede in Ländern mit hoher Klimaanlagen-Dichte, z.B. USA, wo Innenräume im Sommer stark heruntergekühlt und häufig auch zu trocken werden, kann mitverantwortlich für die zweite Welle im Sommer 2020 dort sein.
8. Aus dem Virus wird (vorerst) kein Schnupfen
Strenggenommen ist das nicht mein Erratum, sondern das von Virologe Drosten am 09. Juni 2020 (Folge 47)
“Und dieses Anpassen, das kann eben durch zueinander Zufügen von unterschiedlichen Mutationen in unterschiedlichen Populationsabteilungen passieren. Und die phänotypischen Veränderungen, die dabei entstehen können, wären zum Beispiel, dass das Virus noch besser in der Nase repliziert und besser übertragen wird. Aber in der Nase werden wir nicht allzu krank davon. Das heißt, das Ganze wird auf lange Sicht zu einem Schnupfen, der sich für die Lunge gar nicht mehr interessiert. So etwas könnte passieren.”
Das hat man sich zwar gemerkt, aber nicht den zweiten Teil der Aussage danach:
“Wir können uns natürlich auch sagen: Na ja, das Virus ist ja offenbar schon auf die Nase optimiert. Das heißt, was es jetzt noch machen könnte, wäre allgemein sein Replikationsniveau steigern in allen Schleimhäuten, und das würde dann auch wieder die Lunge mitbetreffen. Und dann würde es eine schwerere Erkrankung werden. Und wie das dann am Ende wirklich kommt, da ist der Evolutionsbiologe erstmal vollkommen unemotional und betrachtet das einfach und stellt dann auch vielleicht Zusatzüberlegungen an. Wenn so ein Virus sich noch besser auf die Nase fokussiert und uns noch weniger in der Lunge krank macht, dann laufen wir vielleicht noch längere Zeit mit einer laufenden Nase durch die Gegend und fühlen uns überhaupt nicht krank. Und dann wird das Virus noch besser übertragen. Und auf Populationsebene hätte es dadurch eindeutig ein Selektionsvorteil. Wenn wir jetzt überlegen: Das Virus optimiert sich auf die Nase und sagen wir mal, lässt die Lunge außer Acht, dann wird das ein Vorteil für das Virus sein.
Im anderen Fall, wenn das Virus in seiner Evolution das allgemeine Replikationsniveau steigert, dann haut das überall so richtig rein – in der Nase, aber auch in der Lunge. Und wir fühlen uns dann schneller krank oder viel mehr von uns fühlen uns krank. Und unter dem Wissen, dass hier eine gefährliche Infektionskrankheit umgeht, werden wir dann ja auch eher zu Hause bleiben und weniger Patienten in der nächsten Generation infizieren. Und das wäre für das Virus ein Nachteil. Und jetzt werde ich wieder vom Evolutionsbiologen zum Menschen, der wieder vorsichtig optimistisch sagt, dass ich glaube, dass das einer der Treiber ist, der dazu führt, dass erfahrungsgemäß tatsächlich Virusepidemien über die Zeit [Anm.: gemeint sind 5-10 Jahre!] harmloser werden.”
9. Kreuzimpfungen sind nicht zwingend wirksamer bei der Booster-Impfung
Es geht um diese Grafik aus Atmar et al., “Heterologous SARS-CoV-2 Booster Vaccinations – Preliminary Report” (15.10.21, preprint), die sich rasch über Twitter verbreitet hat. Auch Karl Lauterbach und Eric Feigl-Ding haben sie geteilt, wobei zumindest Feigl-Ding explizit darauf hingewiesen hat, dass in der Studie noch eine volle Moderna-Dosis für die dritte Impfung verwendet wird. In Europa hat die EMA seit ein paar Wochen aber nur noch eine halbe Dosis zugelassen.
Gemäß der Grafik würde die volle Dosis Moderna nach Pfizer, sowie Pfizer nach Moderna eine etwas höhere Antikörperbildung verursachen als homologe Impfschemata. Bei Janssen fällt der Unterschied am größten aus.
Aber: “Our study has limitations. It was not designed to directly compare responses between different booster regimens.”
Die Größe der Studienteilnehmer war mit 458 relativ klein, Freiwillige wurden nicht zufällig in die Gruppen ausgewählt. Heterologe Impfschema sind sicher und wirksam, Nebenwirkungen treten ähnlich wie bei homologem Impfschema auf.
Empfehlungen des NIG, Stand 04.11.21
Das NIG empfiehlt derzeit die dritte Impfung sowohl mit Pfizer (Corminaty) als auch mit Moderna (Spikevax), wobei Spikevax nur mit der halben Dosis verimpft wird. Manche Ärzte, z.B. in Wien, raten zu einem homologen Impfschema, manche machen es davon abhängig, wie man die vorherigen Impfungen vertragen hat.
In den ersten Wochen der Pandemie habe ich parallel zum NDR-Podcast mit Virologe Drosten täglich die Youtube-Erklärungen von Dr. Campbell, einem Krankenpfleger-Lehrer in Pension, verfolgt. Er informierte über die Situation in UK, weltweit und stellte meist ein oder mehrere Paper vor. Durch ihn hatte ich frühzeitig die Info, dass etwa Übergewicht (BMI) ein bedeutender Risikofaktor für einen schweren Verlauf ist.
Schon früh machte Campbell Vitamin D als mögliche präventative und akute Therapie für Covid19 zum Hauptthema. Aus dieser Zeit stammen auch meine Literaturhinweise auf Vitamin D. Meine Twitter-Timeline, darunter auch viele Ärzte, waren von Beginn an skeptisch bezüglich Nutzen von Vitamin D. Zugegeben, und das war meine Achillesferse in den ersten Monaten, hing ich da selbst Wunschdenken nach und sehnte mich wie so viele Menschen nach einer einfachen, praktikablen Lösung – als ob hochdosierte Vitamine und andere rezeptfreie Hausmittel das individuelle Risiko senken könnten. Doch ist dem nicht so. Ich hätte auf die Ärzte hören sollen, die genervt sofort abgewunken haben, sobald man Vitamin D erwähnt hat.
Im Laufe des Sommers 2020 wurden mir die Podcasts zunehmend zu langwierig, denn ich hatte mittlerweile eine schlagkräftige, kompetente Timeline aus Expertinnen und Experten zusammengestellt. Zudem sah ich meinen Irrtum mit Vitamin D zunehmend ein und konnte die Fixierung darauf nicht mehr mitgehen. Seitdem hab ich nichts mehr verfolgt.
Dr. Rohin Francis (Kardiologe, @MedCrisis) stellte am 24.01.22 wegen eines YT-Beitrags von Campbell nüchtern fest:
“John Campbell has completed his inexorable and predictable journey from sensible health educator to full-on crank.”
In dem verlinkten Beitrag behauptet Campbell, dass nur 17371 der 137133 Toten bis September 2021 ohne Vorerkrankungen, also durch Covid selbst bedingt waren. Die Mehrheit wäre “mit” und nicht “an” Covid gestorben, was kompletter Bullshit ist. Insbesondere weil “Vorerkrankungen” suggeriert, dass sie ohne Covid19 an was anderem gestorben wären – dabei hätten viele noch Jahrzehnte zu leben gehabt. Hier auf YT nehmen Ärzte Campbells Aussagen auseinander. Wer lieber einen Text leben mag, wird hier glücklich.
Crisis ergänzt, dass Campbell inzwischen 2,14 Millionen Zuseher hätte, 427 Millionen Klicks auf beinahe 2000 Videos. Durch Youtube-Werbeschaltung würde er monatlich zehntausende Pfund einnehmen. Eine Userin bezeichnet es so:
“Audience capture is a worse disease than covid.”
Das trifft wohl auch auf viel Publikumslieblinge in Österreich zu, die immer wieder Falschaussagen treffen (Beispiele in meiner Zitatsammlung).
11. Unwirksamkeit von Gurgellösungen?
Es geht um die Behauptung, dass Gurgellösungen wie z.B. Listerine vorbeugenden Effekt gegen Covid19-Infektionen haben können.
Jede antivirale Lösung kann die Viren, die bereits in Zellen eingedrungen sind, nicht mehr erreichen. Eine Milderung der Symptome ist damit unwahrscheinlich.
Gurgeln erreicht auch nur den Rachen, nicht die Nasenschleimhäute, wirkt also nur begrenzt und kurzzeitig.
Als Ersatz fürs Maskentragen kann Gurgeln daher nicht herhalten.
12. Anonyme Accounts sind fachlich nicht zwingend korrekt
Es geht hier um Twitter-Accounts, die vollständig anonym schreiben, aber keine Biographie oder Webseite angeben. Wie kann man einschätzen, ob es seriöse User sind oder Hochstapler? Fachliche Abhandlungen können auch einfach gelehrig klingender Schwachsinn sein. Hier hilft check check, doublecheck. Sieht der wissenschaftliche Mehrheitskonsens das auch so? Oder sind es überhöhte Einzelmeinungen? Wie reagieren sie auf Kritik? Werden sie gleich ausfällig oder herablassend? Benutzen sie häufig Screenshots anderer Wissenschaftler? Schreiben sie wiederholt darüber, von wem sie geblockt wurden? Kein seriöser Wissenschaftler hat Zeit für solche Diskussionen, jedenfalls nicht ständig.
Im Frühling 2023 hab ich eine große XBB.1.16-Welle nach der XBB.1.5-Welle folgen gesehen, die nicht eingetroffen ist. Ich hatte mich auf die falschen Prognostiker verlassen, die sich gegenseitig emotionalisiert haben. Diese sahen auch ständig neue Todesvarianten, die so nicht eingetroffen sind. Ebenso wenig wird in wenigen Jahren die gesamte Weltbevölkerung LongCOVID haben. Novavax ist nicht das nonplusultra und mRNA nicht automatisch schlecht. Ich bin kein Immunologe und habe keine Ahnung, welche Auswirkungen IgG4-Antikörper haben, aber ich bin 7x geimpft und weder daran krepiert noch jemals infiziert worden. Einen kumulativ schädlichen Effekt der Impfung würde man in den Realdaten sehen. Pfizer hat eine Monopolstellung und bekommt viele staatliche Aufträge. Novavax kommt leider oft zu spät und muss sich gegen den Platzhirschen behaupten. Es ist unseriös, nur auf herstellerfinanzierte Studien zu verweisen oder auf Autoren mit Interessenskonflikten – das galt natürlich auch für Pfizer in der Anfangszeit mit den theoretischen 99% Wirksamkeit.
Sonst gelten folgende Anhaltspunkte:
Personen, die viel auf Twitter schreiben, haben nicht zwangsläufig die besten Argumente, sondern womöglich einfach am meisten Zeit.
Personen mit ausgefalleneren Qualifikationen haben nicht immer Recht und nicht jede laute Stimme mit begrenzter Erfahrung erzählt tapfer die Wahrheit
Zweifelhafte Ansagen wie “Oh, schau Dir diese komplizierte Sache an, die ich verstehe, aber Du nicht” werden eingesetzt, um anzudeuten, dass man superclever ist, und verraten das Gegenteil
Jene, die sich gegen den wissenschaftlichen Konsens auflehnen, nur jeder denkt, dass Du falsch liegst, macht es aus Dir keinen Galileo!
Jene, die festhalten “Ich weiß es nicht” oder “Ich lag falsch.” sind viel glaubwürdiger als solche, die das nie tun
Für professionelle Wissenschaftler sind Publikationen viel wichtiger als Likes oder Retweets. Wenn jemand seine Ideen vor allem über Social Media vorantreibt und nicht durch wissenschaftliche Veröffentlichungen, ist das kein gutes Zeichen, sich den Segen auf Twitter abzuholen
Benehmen ist wichtig: Wenn jemand wiederholt grob zu jenen ist, die nicht mit ihm übereinstimmen, und vor allem wenn sie jene angreifen, die weniger Macht besitzen, ist das ein wirklich schlechtes Zeichen.
Mehr Aufmerksamkeit jenen schenken, die in einer respektiven Art und Weise mit ihren Kritikern diskutieren und ihre eigenen Sichtweisen überdenken. Jene, die sich verbeißen und auf ihrem Standpunkt beharren, sind nicht so glaubwürdig.
13. Open Window Effect
“Wenn man jeden Tag 200 km am Limit Rad fährt, dann ist das Immunsystem schon ein bisschen geschwächt.”
Ich kann mich noch an die Aussagen von Sportminister Werner Kogler (Grüne) zu Beginn des ersten Lockdowns erinnern, als es zwar keine expliziten Verbote, aber Empfehlungen gab, nicht zu lange und zu exzessiv Sport zu treiben. Damals tat ich diese Aussagen als absurd und irrelevant ab.
Tatsächlich ist der “Open Window Effect” für Profisportler und exzessiv trainierende Hobbysportler aber schon länger wissenschaftlich untersucht (D.C. Nieman 1995, Neil P. Walsh 2018, Simpson et al. 2020). Bis zu 8 Stunden nach dem Training ist die Aktivität von Lymphozyten, Killerzellen herabgesetzt (Kakanis et al. 2010) und das Immunsystem empfänglicher für Infektionen. Ein Mini-Review ergab keine klaren Empfehlungen für oder gegen Intensivtraining während der Anfangsphase der Pandemie (Ferreira-Júnior et al. 2020). Tourfahrer T. Pogacar bekommt regelmäßig während der langen Grand Tours Herpesbläschen, weil sein Immunsystem so geschwächt ist, dass Herpesbläschen reaktiviert werden. Gelegenheitssportler neigen dazu, zu intensiv zu trainieren und fallen dann besonders leicht ins Offene Zeitfenster, wo das Immunsystem beschäftigt ist, Zellschäden zu reparieren und die Stresshormone herunterzufahren.
Weitere Faktoren, die ein “Open Window” sein können:
Kälte und zu dünne Bekleidung
ausgekühlte Schleimhäute (Filtereigenschaft der Nasenschleimhaut herabgesetzt)
nasse Haare, kalte Klimaanlage, Luftzug
Schlafdefizit
Stress
Wichtig ist aber: Ausgenommen von Herpesviren können Infektionskrankheiten (“ich hab mich verkühlt”) nur auftreten, wenn es einen Erreger von außen gibt! Wer nach einer intensiven Sporteinheit also nach Hause fährt, sollte große Menschenmengen oder symptomatische Personen (Öffentliche Verkehrsmittel, Einkaufen, Lokalbesuch) besser meiden bzw. eine Maske tragen. Nach moderaten Einheiten ist der Open Window Effect sicherlich kürzer als nach einer Tour de France Etappe.
Beispiel aus eigener Erfahrung: Ich machte einmal eine anstrengende Schneeschuhtour mit über 1000 Höhenmetern und 19km Länge. Danach fuhr ich mit den Öffis heim. Neben mir saß ein schwer symptomatischer Fahrgast mit Husten, fahler Haut und glasigen Augen. Ich hatte anschließend noch Nachtdienst. Am Abend darauf lag ich bereits flach mit akuten respiratorischen Symptomen und fieberte eine Woche lang hoch. Hätte ich damals (vor 11 Jahren) gewusst, dass ich mich mit einer FFP2-Maske hätte schützen können, wäre ich wahrscheinlich nicht erkrankt.
Zum Zeitpunkt der Kogler-Aussagen gab es noch keine Empfehlungen für Masken. Damit war sein Hinweis richtig und wichtig, um erhöhte Empfänglichkeit für Infektionen zu verhindern. Umgekehrt schützt aber auch moderater Sport nicht vor einer Infektion oder Long COVID, sondern nur eine kürzliche, angepasste Impfung und Schutzmaßnahmen.
Wenn man die Superspreading-Events in Ischgl denkt, war eine vollgestopfte Bar mit rotzenden und alkoholisierten Menschen nach dem Skisport ideal, damit sich Menschen gehäuft und leichter ansteckten.
Schlimm genug, dass NoCovid in Österreich nie mehrheitsfähig war – es wurde auch nie eine Debatte darüber zugelassen. Es ist eigentlich unfassbar: Die NoCovid-Befürworter sind doch keine Leerdenker, keine Spinner. Sie sind davon überzeugt und werden von der Wissenschaft (Alwan et al. 2020, Priesemann et al. 2020) gestützt, dass nur eine Eliminationsstrategie sowohl Gesundheit als auch Wirtschaft rettet (Oliu-Barton et al., April 2021). Virologin Brinkmann bringt es in 101 Sekunden auf den Punkt, weshalb es sinnvoll ist, die Inzidenzen so niedrig wie möglich zu halten. Ebenso wurde seit dem Herbst oft genug unisono deutlich kritisiert, dass es zu spät ist, wenn man strengere Maßnahmen wie Lockdowns erst setzt, wenn die Intensivkapazitäten erschöpft sind. Lockdowns sind ein Zeichen dafür, bei der Aufklärung und Information versagt zu haben.
„Wenn Sie sagen, ein Lockdown macht keinen Sinn, wenn die Bevölkerung nicht mitmacht, dann könnte man auch sagen, das ist das Eingeständnis eines politischen Scheiterns. Sie können die Menschen nicht mehr überzeugen, Sie haben kapituliert.“
(Sandra Maischberger zu Bundeskanzler Kurz, 24.02.21)
Seit meinem letzten Blogeintrag habe ich eine schöpferische Auszeit genommen – ich war nämlich das erste Mal seit einem Jahr und 3 Monaten wieder in meiner unterfränkischen Heimat bei meinen Eltern. So eine lange Durststrecke gab es seit meiner Emigration nach Österreich noch nie. In den letzten Jahren war ich allerdings auch höchstens auf Kurzbesuch – mein Lebensmittelpunkt ist Wien. Ich hielt es nie lange aus, sondern sehnte mich nach Österreich. Das war dieses Mal anders. Ich freute mich richtig auf zuhause und blieb über eine Woche – so lang wie noch nie. Und ich fühlte mich befreit, auch das ein neues Gefühl. Das auch damit zusammenhing, dass mich zwei Tage vorher der “Standard” (nachträglich) abgelehnt hatte, als es um ein Interview über “Citizen Journalists” ging – in das ich mit Klarnamen (und Risiko) gegangen wäre, weil mir diese Aufklärungsarbeit so wichtig ist. Das hat gekränkt und meinen letzten Rest Hoffnung auf ehrliches Interesse an Aufklärung zur Pandemiebekämpfung genommen.
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