
PLURV.
Podcast Nr. 82 mit Christian Drosten deckte sehr gut die wesentlichen Eckpfeiler der Desinformation auf, mit dem die Gegner einer effektiven Pandemiebekämpfung seit Beginn hausieren gehen. Deutschland steht in Summe immer noch besser da als Österreich, viele der genannten Desinformationskampagnen waren aber in Österreich wesentlich effektiver als in Deutschland und führten nicht nur zu über 9000 Toten, einer unbezifferbaren Zahl an Long COVID-Betroffenen im hohen fünfstelligen Bereich, sondern auch zum schwersten Wirtschaftseinbruch in der EU.
Weshalb Desinformation in Österreich auf viel fruchtbareren Boden fällt? Das liegt nicht nur an der “top-down-“Risikokommunikation, in der sich Wissenschaftler kaum direkt an die Bevölkerung wenden dürfen, sondern auch an der gleichförmigen Medienlandschaft, in der niemand die eingeschlagene Strategie kritisiert, geschweige denn pro NoCovid argumentiert (wenige Ausnahmen). Schließlich spielt auch die gesetzlich verankerte Verschwiegenheitspflicht eine tragende Rolle, durch die etwa das Ausmaß an Infektionsgeschehen in den Schulen oder die Alters-, Berufs- oder Ethnien-Zugehörigkeit der Schwerkranken nicht nach außen dringen darf. Dazu kommen Amtsgeheimnis und Datenschutz, die gerne dann eine Lecklage haben, wenn man Migranten einseitige Schuldzuweisungen machen kann (“Migranten am Semmering”, “Virus vom Westbalkan wieder eingeschleppt”). Desinformation ist auch die Folge geringer Wertschätzung wissenschaftlicher Arbeit, die sich in veralteten Datenbanksystemen (unzuverlässige AGES-Daten), wenig internationaler Teilnahme an Studien und erschreckenden Kenntnissen der Grundlagen von Mathematik und Physik in der Gesamtbevölkerung äußert. Der Föderalismus ist wie im Rest der Welt dann das I-Tüpfelchen. Unpassendes Wettbewerbsdenken zwischen den Ländern und gegenüber dem Bund. Wahlkampf zu Unzeiten.
Die folgende Analyse ist ein erster Versuch das Ausmaß der (gezielten) Desinformation zu ergründen:
Wissenschaftlich gesehen fußt das Versagen in Österreich auf 3 Säulen:
- Lokalpatriotische Inkompetenz
- Epistemic Trespassing
- Ideologie und Interessenskonflikte
Diese drei Faktoren wird man in jedem “Non-Zero-COVID”-Land in unterschiedlicher Ausprägung und Gewichtung finden. Ein beliebtes Totschlagargument, um das Versagen hierzulande zu relativieren, lautet immer: “Ganz Europa ist betroffen.” Auffallend ist aber schon, dass wir nur dann ins Ausland schauen, wenn es um unsere Selbsterhöhung geht, und nicht, um von deren Versagen zu lernen und deren Fehler nicht zu wiederholen.
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