Tag 945: Gaslighting

Raman et al., Long COVID: post-acute sequelae of COVID-19 with a cardiovascular focus (18.02.22)

Da löst eine einflussreiche WELT-Journalistin einen Shitstorm gegen eine LongCOVID-Betroffene und Kollegin von einem anderen Blatt aus, die ihrer Meinung nach nicht krank genug ist, um glaubwürdig zu sein. Wie muss man sich denn verhalten, um glaubwürdig schwerkrank zu sein? Viele LongCOVID/MECFS-Betroffene sind ohnehin hausgebunden oder gar bettlägerig. Leichtere Verläufe können sich dahingehend äußern, dass noch Teilzeit- oder Homeoffice-Arbeit möglich sind. Dürfen sich Betroffene nicht hübsch machen? Sich nicht gutes kochen oder etwas gönnen? Jede “Belohnung” ist ein Lichtblick in einem Leben, das überwiegend von der chronischen Erkrankung bestimmt wird – nicht nur bei LongCOVID übrigens. Manchen Betroffenen sieht man auch gar nicht an, dass sie schwerkrank sind – etwa beim dauerhaften Verlust des Geruchs- und Geschmacksinns. Für einen Koch genauso existenzvernichtend wie für Flugbegleiter, die keinen Brandgeruch mehr in der Kabine wahrnehmen können. Dazu kommt ein erheblicher Verlust an Lebensqualität, speziell wenn noch eine Parosmie vorhanden ist, also Lebensmittel nach verfaultem oder verschimmeltem riechen bzw. schmecken.

Ich schrieb mal, dass die Regierung das große “Glück” habe, dass die Covid19-Pandemie nicht so entstellend wie Polio oder Affenpocken wären. Denn dann könnte man die schiere Menge an Betroffenen nicht mehr verleugnen. So arbeiten LongCOVID-Betroffene mit leichteren Verläufen vielfach weiter und reden nicht drüber, entweder weil sie ihre Einschränkungen nicht in Zusammenhang mit LongCOVID bringen, oder weil sie berechtigte Angst haben, den Job zu verlieren. Schwerer Betroffene sind hingegen meist nicht mehr im öffentlichen Raum anzutreffen und daher unsichtbar. Jene, die sich selbst oder ihr betroffenes Kind mit Rollstuhl in die Öffentlichkeit wagen, steht nicht LongCOVID auf die Stirn geschrieben. Dann wiederum sorgt oft mangelnde Barrierefreiheit im öffentlichen Raum dafür, dass sie kaum wahrgenommen werden. So oder so ist das wahre Ausmaß von LongCOVID in der Bevölkerung immer noch nicht angekommen.

„Obwohl wir die Tendenz vermutet hatten, waren wir doch sehr erstaunt, wie viele jüngere Personen mit zunächst unkomplizierter akuter SARS-CoV-2-Infektion ein Risiko für Long Covid haben.“ Studienleiter Prof. Dr. Winfried Kern, Klinik für Innere Medizin II der Uniklinik Freiburg

Peter et al., Post-acute sequelae of covid-19 six to 12 months after infection: population based study (13.10.22)

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Tag 942: Kampf gegen die Desinformation

Zahl der Patienten im Krankenhaus in Österreich seit Pandemiebeginn – mit der jeweiligen Virusvariante, Das sind nur Covid19-Patienten. Dazu kommt der massive Personalmangel durch covidkranke Mitarbeiter (oft 2 Wochen lang), Pflegefreistellung wegen kranker Kinder und andere Aufnahmegründe (“Kollateralschäden”). Quelle: Our World in Data, 12.10.22

Nur ein Beispiel für den aktuellen Zustand des österreichischen Journalismus. Der ORF schreibt über “Erkältungssaison trifft auf CoV-Herbstwelle” und bemüht dabei wissenschaftsfeindliche bzw. faktenwidrige Argumente, um offenbar mit Biegen und Brechen den “günstigsten Fall” des Variantenmanagementplans herbeizureden. Wir erinnern uns – die Expertinnen und Experten der Future Operations haben mit ihrem Arbeitspapier die Vorarbeit für die Verharmlosung der OMICRON-Varianten geleistet.

Im Originaltext um 08 Uhr MESZ standen diese beiden Sätze:

“Für Optimismus sorgt bei den Experten jedenfalls, dass neben der derzeit dominanten Omikron-Subvariante BA.5 kaum andere – und schon gar keine neuen – Varianten in Sicht sind.”

“Auch wird auf andere Länder verwiesen, die keine Maskenregelungen mehr haben, auch weil unklar sei, was die Maske in der Pandemiebekämpfung insgesamt bringt.”

Nach massiver Twitterkritik wurde der Text um 10:30 Uhr erstmals abgeändert:

Für Optimismus sorgt bei den Experten jedenfalls, dass neben der derzeit dominanten Omikron-Subvariante BA.5 kaum andere in Sicht sind. Unter Beobachtung steht die BA.5-Subvariante BQ.1.1.

“Auch wird auf andere Länder verwiesen, die keine Maskenregelungen mehr haben, auch weil unklar sei, was eine Maskenpflicht in punktuellen Settings in der Pandemiebekämpfung insgesamt bringt.”

Um 11:55 Uhr wurde erneut nachgebessert:

“Auch wird von Kritikern auf andere Länder verwiesen, die keine Maskenregeln mehr haben. Während die Maske unbestritten individuellen Infektionsschutz bietet, sei – so die Kritik – nicht ganz klar, was eine Maskenpflicht in punktuellen Settings in der Pandemiebekämpfung insgesamt bringe.”

Wie sie es auch schreiben – es ist falsch. Ich teile die Ansichten von ORF-Politikchef Bürger vielfach nicht, aber hier sprach er viel aus, was man sich als Bürger lange dachte:

“Das war für mich sicherlich die schwierigste Zeit im Unternehmen. Der ORF hat irgendwann einmal klargemacht – nicht nur der ORF, auch die Opposition am Anfang –, dass wir die Gesundheitspolitik der Bundesregierung nicht ganz groß infrage stellen. (…)”

Das Interview vom 15.09.22 ist mir offenbar entgangen.

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Tag 935: Wahrnehmungsstörungen

Normalbettenkapazitäten, Stand 06.10.2022

Österreich führt derzeit nicht nur in Europa, sondern weltweit die Infektionszahlen an. Laut den Gensequenzen von Bergthaler und Elling wird die aktuelle Welle zu 95% von BA.5+R456T getrieben. R456T ist eine Spike-Mutation, die auch bei anderen Varianten (z.B. BA.4.6) auftritt und mit Immunflucht verbunden ist. Die ohnehin hochinfektiöse BA.5-Virusvariante, die auch zu einem gewissen Teil für Reinfektionen bei jenen sorgt, die im Frühjahr BA.1 oder BA.2 hatten, kann damit noch leichter den Antikörperschutz durch Infektion und/oder Impfung umgehen.

Warum gerade Österreich? Immerhin wird nicht nur viel getestet im Vergleich zu anderen Ländern, sondern auch die Positivraten schießen durch die Decke. Epidemiologe Zangerle hat sich dieser Frage bereits in seiner letzten Seuchenkolumne gewidmet. Mein Senf dazu wäre: Die verharmlosende Saat aller (!) Parteien in Österreich ist aufgegangen. Die weiterhin obrigkeitshörige Bevölkerung hinterfragt die Maßnahmenpolitik nicht. Wenn ab Wiener Stadtgrenze stadtauswärts keine Maskenpflicht mehr gilt, kann man sie auch im Wienerwaldtunnel schon abnehmen. Die roten Gewerkschaften schweigen, am Land hat die Pandemie nie existiert. Unverhältnismäßig viele Menschen sind trotz Symptomen ohne Maske unterwegs und gefährden andere. Davon sind wahrscheinlich viele ungetestet, auch mangels PCR-Testmöglichkeit abseits von Wien. Dass erneute Covid19-Infektionen auftreten können, ist ebenso unbekannt wie das LongCOVID-Risiko nach Impfung und Infektion. Meiner Beobachtung nach ignorieren auch viele ältere Menschen, die man zur vulnerablen Gruppe zählen würde, ihr eigenes Erkrankungsrisiko, leben und verhalten sich wie vor der Pandemie. Problematisch sind hier vor allem die mageren Impffortschritte bei der vierten Impfung. Viele Dreifachgeimpfte, die es bis hierher ohne Infektion geschafft haben, infizieren sich gerade kurz vor ihrem BA.5-Variantenboostertermin. Zudem ist auch bei Kindern und Jugendlichen die Durchimpfungsrate weiterhin gering – sie verharrt seit Monaten bei 22% für zwei Stiche und sogar nur bei 6,5% für drei Stiche. Ohne jegliche Schutzmaßnahmen wird sich ihre Impfrate auch kaum erhöhen, weil sie sich in kürzeren Intervallen erneut infizieren. Das treibende Bundesland in Österreich ist derzeit Oberösterreich, wo jeder zweite bis dritte PCR- und Antigentest positiv ausfällt. Dort ist das Schwurbeltum besonders ausgeprägt, Sprenger tourt mit rechtsextremen TV-Sendern, aber auch mit der SPÖ durchs Bundesland.

Obwohl nicht nur die Infektionszahlen rasch steigen, sondern auch die Spitalszahlen, kommen keine neuen Maßnahmen. Der Grund ist so banal wie opportunistisch: Am 9. Oktober ist die Wahl des neuen (alten) Bundespräsidenten. Nächstes Jahr finden außerdem in Niederösterreich Landtagswahlen statt, die ÖVP könnte die absolute Mehrheit verlieren und die Schwurbelpartei MFG einziehen. Polaschek und Rauch haben seit Amtsantritt offenbar beide beschlossen, die Pandemiewellen auszusitzen und machen einfach nichts. Zum Sinneswandel von Rauch vor und nach Amtsantritt habe ich am 21.06.22 gebloggt. Zum mangelnden Vertrauen in die Politik schrieb Jurist Nikolaus Forgó am 06.10.22 einen Gastbeitrag im STANDARD.

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Tag 935: Zweite BA.5-Welle, dann erneut gefährlichere Varianten?

Das Virus lauert schon. Wir sind die Mäuse.

Virologe Paul Darren Bieniasz, britisch-amerikanischer HIV-Forscher der Rockefeller Universität, hat den folgenden Text am 2. Jänner 2021 auf Twitter verlinkt. Die erste SARS-CoV2-Variante ALPHA (B.1.1.7) wurde Anfang Dezember rund um Kent im Südosten von England entdeckt. Molekularbiologe und Wissenschaftsjournalist Kai Kupferschmidt hat darüber am 20. Dezember 2020 im Magazin “Science” berichtet. Es wurde rasch klar, dass ALPHA deutlich leichter übertragbar war als der Ursprungstyp. Am 4. Jänner 2021 schrieb er einen ausführlichen Thread zu ALPHA. Ich erinnere mich noch gut an sein Fazit:

“Das will niemand hören, doch die kommenden Monate könnten die schwierigsten der Pandemie werden. Wenn man von den Impfstoffen als Licht am Ende des Tunnels gedacht hat: Ja, das Licht ist da, so hell wie immer. Doch der Tunnel wurde noch ein wenig dunkler und länger.”

Kai Kupferschmidt, 04. Jänner 2021

Später wurde in einzelnen Virus-Sequenzen von ALPHA auch die Mutation E484K gefunden, eine Fluchtmutation, die später auch in der Fluchtvariante BETA (“Südafrika-Variante”) entdeckt wurde. Diese Mutation hat nachweislich die Wirkung einzelner therapeutischer Antikörper sowie vom Schutz durch Impfung herabgesetzt (Yang et al. 2022). ALPHA hat generell für schwerere Verläufe gesorgt (z.B. Bager et al. 2021, Davies et al. 2021).

Die zugelassenen Impfstoffe wirkten jedoch auch gegen ALPHA (und später sogar noch gegen DELTA mit drei Impfdosen als abgeschlossene Grundimmunisierung) und verhinderten zu einem hohen Prozentsatz schwere Akutverläufe (Shinde et al. 2021).

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Tag 920: Und jährlich grüßt das Murmeltier

Inzidenzen der 0-4jährigen [Kindergarten], 5-14jährigen [Volksschule und Sekundarstufe] sowie alle Altersgruppen, Quelle: ORF Infopoint, abgerufen am 16.09.22

Vor zwei Wochen startete in Ostösterreich die Schule. Aus mir völlig unbegreiflichen Gründen steigt die Inzidenz der Kinder und Jugendlichen stark an. Dabei ist die Pandemie doch vorbei :D

Mein letzter Blogeintrag wurde dem ÖVP-Abgeordneten Philipp Hartig verlinkt, der regierte auf Twitter auf die Forderung nach Luftreinigern so:

“Stoßlüften ist imho wirkungsvoller.” (10.09.22)

Im aktuellen Variantenmanagementplan, Aufgabenbereich des grünen Gesundheitsministers, wird Fensterlüften als “ausreichend” betrachtet. Luftfilter wären “unverhältnismäßig teuer und aufwendig“.

Naturgemäß sieht das die Initiative für Gesundes Österreich (IGÖ) anders und stellte ihre Forderungen an die Bundespolitik in einem erstmaligen Pressegespräch der Öffentlichkeit vor. Ich bin als Unterstützer des IGÖ gelistet (komme aber derzeit aufgrund anderer Verpflichtungen nicht dazu) und stehe voll hinter ihrem Engagement für saubere Luft in den Kindergärten und Schulen.

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Tag 914: Keine Lernkurve erkennbar

7-Tages-Durchschnitt Inzidenzen in Österreich auf der logarithmischen Skala, Quelle: Our World in Data

Im Rückblick sieht man erst, wo wir gelandet sind: Bei Inzidenzen, die trotz der inzwischen niedrigen Testrate konstant über 100 liegen. Eine sogenannte “Niedriginzidenz” haben wir zuletzt im Sommer 2021 erreicht, dank der Wirksamkeit der zweifachen Impfung gegen die ALPHA-Variante und dem noch weitgehenden Verbot der Nachtgastronomie und Großveranstaltungen. Im 1. Pandemiejahr gab es mit dem Wuhan-Typ noch eine Frühlings- und Herbstwelle, im 2. Pandemiejahr mit den Wuhan-Varianten ALPHA und DELTA ebenfalls eine Frühlings- und Herbstwelle. Im 3. Pandemiejahr mit der Entstehung des neuen Serotyps OMICRON haben wir bereits drei Wellen durchlebt. Bemerkenswerterweise mit BA.1 und BA.2 eine langgestreckte Doppelwelle (statt “steil wie eine Wand und genauso schnell wieder abebbend”) und mit BA.5 die erste signifikante Sommerwelle, die vom Peak die Höhe der zweiten Welle noch übertraf.

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Tag 900: Was sollte ich jetzt wissen?

Macht es wie die Rehe – haltet Euch von Menschen fern, dann passiert Euch nichts!

Ich unterbreche meine Pause kurzzeitig (wird nächste Woche fortgesetzt), um ein paar allgemeine Bemerkungen über Infektionsgefahr und Ablauf der Infektion loszuwerden.

Stand 27.08.22, Quelle: Erich Neuwirth

Auch eine Autobahn bekommt Risse im Asphalt, wenn über viele Jahre starker Verkehr herrscht, so wie die Südosttangente. Die muss daher ständig saniert werden nach einer gewissen Zeit. So haben auch die Spitäler nicht mehr dieselben Kapazitäten wie zu Beginn der Pandemie, nachdem seit zwei Jahren Dauerbelastung ausgesetzt sind. Das Sommerloch 2021 musste genutzt werden, um etliche Operationen nachzuholen, die wegen der zweiten und dritten Welle verschoben werden mussten. Seitdem hat die Dauerbelastung aus hoher Zahl an Covid-Patienten, hoher Zahl an erkrankten MitarbeiterInnen und ständig nachzuholenden Operationen nicht mehr nachgelassen. Die Zahl der Patienten ist aber nicht gesunken. Seit die Bewegungseinschränkungen gefallen sind, gibt es die alltäglichen Unfälle wieder, und die sonstigen medizinischen Gründe eben auch, weswegen jemand eine Behandlung braucht. Das Personal hat aber stark abgenommen. Viele Ärzte und PflegerInnen haben gekündigt, den Job oder Bereich gewechselt, sind im Burnout oder wegen LongCOVID im Dauerkrankenstand. Im Sommer waren die Kinderambulanzen voll. Geplante OPs oder Untersuchungen mussten verschoben werden. Derzeit gibt es in Wiener Spitälern zahlreiche Gefährdungsanzeigen wegen Personalmangel. Lange Wartezeiten gibt es auch bei den niedergelassenen Ärzten, teils für wichtige Untersuchungen oder beim Spezialisten, etwa Neurologen. Grund dafür ist auch die Longcovid-Welle.

Die Aussichten sind düster – gesamtgesellschaftlich gesehen – auch ohne Krieg, Klima- und Energiekrise. Für das kommende Schuljahr haben erwartungsgemäß weder Bildungsminister Polaschek noch Gesundheitsminister Rauch Vorbereitungen getroffen. Die Vorschläge für sichere Kindergärten und Schulen lagen am Tisch, haben aber niemanden interessiert.

“Ergebnisse legen nahe, dass die Kombination von Testungen und Hygienemaßnahmen den Präsenzunterricht für Grundschulen in Bayern zu weiten Teilen gesichert hat”

Deutsches Ärzteblatt, 26.08.22

Solange Kinder, mit unterirdischer Impfquote übrigens, nicht geschützt werden und sich wiederholt infizieren, wird man auch die “vulnerable” Gruppe nicht schützen können. Darunter zahlreiche Menschen, die mitten im Berufsleben stehen, Kinder haben, Teil der Gesellschaft sind. Auch Erzieher- und Gesundheitspersonal setzt man so schutzlos den nächsten Infektionswellen aus – von Affenpocken, Grippe und anderen Viren reden wir da noch gar nicht.

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Blogpause

Während die Pandemie politisch beendet wurde und alle wieder Normalität vortäuschen, komm ich momentan einfach nicht zum Bloggen. Der längere Krankenstand im Juli/August hat auch Projekte verzögert, die ich jetzt angehen muss. Daher leg ich jetzt mal eine Pause ein.

Die Seiten versuch ich einigermaßen aktuell zu halten mit neuesten Papern, ansonsten fließt meine Energie jetzt mal woanders hin.

Mit Bitte um Verständnis.

Bis bald!

Tag 882: Der vorenthaltene Booster und abgewälzte Verantwortung

One-Way-Masking funktioniert nicht über längere Zeit (z.B. am Arbeitsplatz, in Klassenräumen, bei längeren Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln) und bei schlechter Durchlüftung (CO2-Werte über 800ppm) sowie bei hoher Luftfeuchte (Hochsommer in unklimatisierten Verkehrsmitteln)

Es wird gerne auf andere Länder verwiesen, um zu suggerieren, dass sie auch alle die Maßnahmen fallen gelassen haben, etwas, das Mike Ryan (WHO) als Lemmingsyndrom bezeichnet hat. Ein genauerer Blick zeigt, dass Länder wie Spanien, Niederlande, Portugal, Italien, Montenegro, Griechenland, Deutschland, Nordmazedonien und teilweise Bulgarien weiterhin gänzlich oder bereichsweise eine Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln haben – sonst beschränkt sich die Maskenpflicht in allen Ländern auf medizinische Einrichtungen. Great-Barrington-Vertreter haben gewonnen: In ganz Europa wurde “focused protection” umgesetzt, die nicht funktioniert, wenn Angehörige und Kinder von “vulnerablen” Gruppen infiziert werden. Focused protection mit Maskenpflicht nur im Gesundheitswesen ist so, wie man barrierefreie Zugänge für gehbehinderte Menschen nur für Apotheken, Praxen und Spitäler baut, nicht aber im Stadion, im Restaurant oder Kino. Ohne Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln ist so, wie wenn ständig der Lift am Bahnsteig kaputt ist, das Personal fehlt, um die Hebebühne am Zug zu bedienen oder nur alte Straßenbahngarnituren fahren statt Niederflurbahnen. Gesellschaftliche Teilhabe wird ausgeschlossen. “Ein paar Schritte wirst halt gehen müssen” alias “Trag halt selbst Maske!”

Nur ist dieses One-Way-Masking längst nicht so effektiv über längere Zeit, wie wenn beide Maske tragen oder die Inzidenz eben dauerhaft so niedrig wäre, dass man ein gewisses Risiko einzugehen bereit ist. Ganz anders eben zur saisonalen Grippe, wo selbst hochvulnerable Personen ganz gut mit der Surveillance der Influenza fahren, und z.B. im Sommer mit kalkulierbaren Risiken auch Indoorveranstaltungen besuchen können. Was passiert, wenn man zu wenig für Inklusion tut? Die benachteiligten Menschen verschwinden aus dem sichtbaren Alltag. So bleiben die Schattenfamilien unsichtbar, die mit Hochrisiko meiden gesellschaftliche Anlässe weitgehend, und wer erstmal LongCOVID hat und die Wohnung nicht mehr verlassen kann, verschwindet ohnehin dauerhaft.

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Tag 879: Suche nach Antworten

Die österreichische Regierung hat alle Käsescheiben entfernt, um SARS-CoV2 effektiv einzudämmen. Handhygiene spielt eine untergeordnete Rolle, Impfstoffe sind ohne Aufklärungskampagnen wenig effektiv, wenn die Grundimmunisierung (drei Impfdosen) nicht mehr auf neue Varianten angepasst wird.

Aufgrund Routinekontrollen hatte ich die letzten Wochen aktiv das Gespräch mit Ärzten gesucht, und kam dabei auch auf die Aufhebung der Absonderungsregeln zu sprechen. Dabei war ich verwundert, dass diese sogar befürwortet wurden. Covid19 müsse eine normale Erkrankung werden, Quarantäne und Massentests seien auf Dauer für den Staat zu teuer. Für mich jedoch ist die Abschaffung jeglicher Schutzmaßnahmen ein unrühmlicher Bestandteil meines Genesungsfortschritts, nämlich die mangelnde Bereitschaft, sich nach einem langen Krankenstand anzustecken und erneut krank zu sein. Weiters habe ich einige Bekannte und Freunde in der “Hochrisikogruppe”, die trotz mehrfacher Impfung nur unzureichend neutralisierende Antikörper aufbauen können, oder nicht geimpft werden können. Wie geht es für sie weiter? Sollen sie sich dauerhaft isolieren fürs restliche Leben? Was ist das für eine Perspektive?

Ich möchte die getätigte Aussagen nachfolgend einem Faktencheck unterziehen – basierend auf dem neuesten Kenntnisstand.

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