Ende der Pandemie

Der Eintrag beginnt mit einem persönlichen Eingeständnis: Ich bin nach dem erklärten Ende des Internationalen Gesundheitsnotstands im Mai 2023, der weltweit mit dem Ende der Pandemie gleichgesetzt wurde, lange der Auffassung geblieben, dass wir uns (auch) medizinisch immer noch inmitten der Pandemie befinden, und habe das an unterschiedlichen Definitionen für Pandemien festgemacht, etwa die über mehrere Kontinente stattfindende Ausbreitung der Virusvarianten. Aufgrund meiner Sichtweise habe ich jeden journalistischen Beitrag und jede Äußerung von Expertinnen und Experten hart kritisiert, die von “nach der Pandemie” sprachen – immer mit dem Verweis auf die WHO, die die Pandemie gar nicht beendet habe. Erst spät begann ich zu recherchen, wie die WHO selbst Pandemien definiert und deklariert – dabei erlebte ich mein Aha-Erlebnis. Auch der australische Virologe Ian M. Mackay schrieb dazu einen ausführlichen Beitrag (24. Juli 2025), der meine Überlegungen bestätigte.

Hintergrund

Der SARS-CoV2-Ausbruch wurde von der WHO am 30. Jänner 2020 als Internationaler Gesundheitsnotstand (PHEIC) deklariert und am 05. Mai 2023 wieder beendet. Das begleitende Statement von WHO-Chef Tedros ließ anklingen, dass das PHEIC auf Druck der Mitgliedsstaaten aufgehoben wurde.

it no longer fit the definition of a PHEIC. This does not mean the pandemic itself is over, but the global emergency it has caused is, for now.”

“This virus is here to stay. It is still killing, and it’s still changing. The risk remains of new variants emerging that cause new surges in cases and deaths. The worst thing any country could do now is to use this news as a reason to let down its guard, to dismantle the systems it has built, or to send the message to its people that covid-19 is nothing to worry about.”

Die Kriterien für ein PHEIC sind erfüllt, wenn …

  • ein außergewöhnliches Ereignis vorliegt
  • ein Öffentliches Gesundheitsrisiko für andere Staaten durch internationale Verbreitung besteht
  • international koordiniertes Vorgehen erforderlich ist

Die Ausrufung und Beendigung des PHEIC hat mehr rechtliche Konsequenzen für die Staaten als gesundheitliche für den Einzelnen. Zudem wurde das Ende der PHEIC unter Wissenschaftlern durchaus kritisch gesehen, wie diese Zusammenstellung des britischen Science Media Centres zeigt – es würde lediglich die politische, aber nicht die epidemiologische Realität widerspiegeln.

Die WHO und die Pandemie

Am 24. Februar 2020 sagte ein WHO-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters, dass sie den Begriff Pandemie nicht länger verwenden, aber der Covid19-Ausbruch ein internationaler Notfall bliebe, der sich wahrscheinlich weiter ausbreiten würde.

Es gebe keine offizielle Kategorie für eine Pandemie – das alte System der 6 Phasen (Phase 1: vorwiegend Berichte von tierischer Influenza, bis Phase 6: Pandemie) wie bei H1N1 von 2009 werde nicht mehr verwendet. Damals gab es Kritik an der schnellen Ausrufung der Pandemie, weil die Verläufe meistens mild waren und Pharmakonzerne verfrüht zur Entwicklung von Impfstoffen gezwungen wurden, die dann nicht mehr notwendig waren. Entsprechend würde eine Pandemie einen Ausbruch eines neuartigen Erregers bezeichnen, der sich weltweit leicht von Mensch zu Mensch überträgt.

Die Pandemie wurde am 11. März 2020 durch die WHO ausgerufen, obwohl die führende Coronavirus-Expertin der WHO sagte, dass sie keine Pandemien ausrufen.

“While the international public health emergency may have ended, the pandemic certainly has not.”

behauptete WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Henri P. Kluge am 12. Juni 2023.

Für die WHO spielt es daher keine Rolle, wie ansteckend und krankmachend das Virus ist und wie viel Bevölkerungsimmunität da ist. Pandemie herrscht, wenn das Virus mehrere Länder abdeckt. Endemisch wird es dann genannt, wenn es auf eine bestimmte Region begrenzt ist, wie Malaria etwa in manchen afrikanischen Ländern. Eine Pandemie kennt keine Grenzen, während eine Epidemie innerhalb einer bestimmten Region wütet, aber meist eingedämmt oder kontrolliert werden kann.

WHO-Exekutivdirektor Mike Ryan ging noch einen Schritt weiter. In den meisten Fällen würde eine Pandemie wahrhaftig erst dann enden, wenn die nächste beginnt. Ryan sagte, dass es keinen Zeitpunkt geben wird, wo die WHO herkommt und sagen würde, die Pandemie sei beendet.

Herr Krammer, ist die Corona Pandemie für Sie eigentlich vorbei?

Florian Krammer: Für mich nicht. Für mich sind auch Influenza-Pandemien der Jahren 1968 und 2009 nicht vorbei. Wir müssen uns mit den Konsequenzen beschäftigen, und wir müssen uns damit beschäftigen, wie unser System darauf reagiert und wie man sich besser davor schützen kann. Diese Viren zirkulieren ja weiter. Also für mich ist die Pandemie in dem Sinne nicht vorbei.

Interview von Elke Ziegler, ORF (04.04.24)

Krammer führte jedoch weiter auf Twitter aus, dass wir auf Influenza bezogen dann sagen müssten, dass wir immer noch in der 1968er H3N2-Pandemie sein würden. Auch saisonale Influenza würde jährlich 290 000 bis 650 000 Tote hervorrufen, ein Großteil davon durch H3N2. Nur durch den Umstand, dass das Virus weiterhin zirkuliert und enorme Schäden anrichtet, hätten wir viele Pandemien, die immer noch andauern. Die WHO sei diesbezüglich inkonsequent, wann eine Pandemie vorbei sei und wann nicht (siehe HIV vs. Influenza, die HIV-1-Pandemie ist formal nicht beendet). Er würde dafür auch Faktoren wie die Fallsterblichkeitsrate (CFR), verfügbare Gegenmaßnahmen und Vorliegen eines Internationalen Gesundheitsnotstands betrachten. Eine große Welle wie im Frühwinter 2023/2024 JN.1 wäre noch kein Beleg für eine Pandemie, das hätte es 1947 auch mit der “pseudopandemischen” Influenza gegeben. Wie sinnvoll ist also die Aussage, dass wir uns weiterhin in einer Pandemie befänden, wenn sie keinerlei Handlungsrelevanz hat?

Mit Stand 01. Juni 2024 haben sich die WHO-Mitgliedstaaten in Genf darauf geeignet, dass die WHO künftig einen „pandemischen Notfall“ (pandemic emergency) ausrufen darf. Dieser ist über folgende Kriterien, die alle vorhanden sein müssen, definiert:

Kriterien für die Ausrufung eines „pandemischen Notfalls“

A Pandemic Emergency aims to trigger a more effective international collaboration in response to events that are at risk of becoming, or have become, a pandemic.

Nach aktuellem Stand, November 2025, erfüllt SARS-CoV2 nicht mehr länger die Kriterien 1, 4 , 5 und 6. Demzufolge sollte die WHO die Pandemie beenden, so wie sie die am 10. August 2010 die A(H1N1)pdm09-Pandemie beendet haben. Darüberhinaus hat das Kriterium 1 mit dem Ende des PHEIC am 5. Mai 2023 gleichzeitig die Pandemie beendet – so wie es Politiker, Wissenschaftler und Journalisten von Beginn an zutreffend gesagt haben.

Rosinen picken

Die WHO wird immer wieder heftig und sicherlich berechtigt dafür kritisiert, dass das PHEIC zu spät ausgerufen wurde, dass aus Rücksicht auf China zunächst auf die Bezeichnung SARS-2 verzichtet wurde und mit Covid19-Virus verhindert wurde, aus SARS-1 zu lernen. In einer Pressekonferenz im Februar 2020 korrigierte Mike Ryan Tedros bei der Verwendung des Begriffs “airborne” – fortan wurde nur von Tröpfchen geredet. Händewaschen wurde und wird überbetont. Das Abstand halten blieb ohne Evidenz, Aerosole wurden sehr spät erst anerkannt, entsprechend auch die Notwendigkeit von FFP2-Masken.

Es mutet daher nach cherrypicking an, die WHO für die Bewältigung der Pandemie vielfach zu kritisieren, aber ihre Aussage, dass die Pandemie ewig anhalten würde, unkritisch zu übernehmen. Wir sollten vielmehr unabhängig vom Pandemiestatus für Prävention eintreten, denn die Zeiten werden sich ändern, neue WHO-Führungskräfte werden kommen und die vertreten womöglich eine andere Ansicht dazu.

Mehrere Definitionen für ein Ende der Pandemie

Historiker unterscheiden das medizinische Ende, wenn die Zahl der Erkrankten stark zurückgeht vom sozialen Ende, wenn die Angst vor der Krankheit abnimmt, die Menschen die Einschränkungen nicht mehr hinnehmen wollen – und lernen, mit der Krankheit zu leben (siehe Beitrag auf Quarks, 08.09.20)

Molekularbiologe Ullrich Elling hat im Juli 2021 die entscheidende Frage gestellt:

„Die Frage wird sein, wie viele Tote und Long-Covid Patienten versus wie viel Lockdown die Gesellschaft akzeptiert.“

Wie wir bereits 2021 durch Parteigründungen wie MFG, Partei-Initativen wie „Grüne gegen Impfung“ und die massive Abwehr zur Beibehaltung von Tests, Masken, Isolation und anderer Schutzmaßnahmen quer durch die Gesellschaft gesehen haben, war die Bevölkerung offenbar schnell bereit, „Vulnerable“ zu opfern, um „in mein normales Leben“ zurückzukehren. Lufthygiene-Maßnahmen wurden weder politisch, wissenschaftlich noch medial so breit diskutiert wie es einer echten Lernkurve aus der Pandemie entsprochen hätte. Stattdessen dominierte die Mär vom “milden Omicron”, das auf Bevölkerungsebene aber bis in den Herbst 2023 für eine hohe Übersterblichkeit gesagt hat. Mit höherer Durchimpfungsrate (Aufklärung statt Angst) als mageren 7% und genügend Paxlovid hätten viele Tote verhindert werden können.

Die Medizinhistorikerin Dora Vargha weist darauf hin, dass die Pandemie von unterschiedlichen Gruppen anders erlebt wird. Sie sprach schon im März 2021 davon, dass es im besten Fall eine „neue Normalität“ geben würde.

„Dass eine Epidemie zu Ende ist, wissen wir erst lange nach ihrem eigentlichen Ende.“

Pandemien gehen nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich unterschiedlich zu Ende. Bestehene Ungleichheiten können sich verfestigen, etwa anhaltend hohe Wellen in Entwicklungsländern mit immungeschwächter Bevölkerung und geringere Wellen in Ländern, wo seit jeher eine andere Kultur im Umgang mit Infektionskrankheiten besteht, etwa in Asien.

I think there is this sort of social psychological issue of exhaustion and frustration,” the Yale historian Naomi Rogers said. “We may be in a moment when people are just saying: ‘That’s enough. I deserve to be able to return to my regular life.’”

New York Times, Mai 2020 (Update Dezember 2021)

In Österreich ging die Pandemie wahrscheinlich schon 2022 gesellschaftlich zu Ende – neben dem sukzessiven Abbau aller Covid-Maßnahmen normalisierte sich auch die Mobilität der Mehrheitsbevölkerung und ihr Sozialleben.

Übergang von der Pandemie in die Endemie

“It is an unfortunate coincidence that the word endemic begins with end. The arrival of endemicity is actually the beginning—of a long and complicated relationship between a pathogen and its host population. En demos. In the people.”

Jacob Stern and Katherine J. Wu (The Atlantic, 01. Februar 2022)

  • Endemisch ist definiert als „auf eine bestimmte Region beschränkt“, z.B. ist Malaria in Afrika endemisch – endemisch bedeutet nicht harmlos
  • Eine Epidemie sind regionale Ausbrüche mit Infektionswellen.
  • Bei einer Pandemie finden die Ausbrüche kontinentübergreifend statt.

Virologe Drosten und weitere ExpertInnen sahen das Ende der Pandemie dann gegeben, wenn der Großteil der Bevölkerung nicht mehr immun-naiv war, also nach Kontakt mit dem Antigen durch Infektion und/oder Impfung.

Veldhoen und Simas (2021) waren früh in der Pandemie davon überzeugt, dass endemisches SARS-CoV2 die post-pandemische Immunität aufrechterhalten werde. Die Impfungen würden die Pandemie beenden. Die Bevölkerungsimmunität wird durch die kontinuierliche Viruszirkulation weiter aufgebaut.

Epidemiologische Betrachtungen

Abseits von Interventionen bezieht sich die Basisreproduktionszahl R_o auf die durchschnittliche Zahl weiterer Personen, die eine Person infizieren kann. In der Frühphase der Pandemie wuchsen die Infektionen exponentiell. Doch diese Phase dauert nicht ewig, weil sich durch die Infektionen Immunität aufbaut, auch wenn sie nicht von Dauer ist. Doch sie ist breit genug, um die Reproduktionszahl auf um 1 zu bringen, das heißt R_eff ist in der endemischen Phase nahe 1 und damit wird eine weitere Person infiziert. Wenn R_eff kleiner als 1 ist, nimmt die Inzidenz ab, bis die Immunität nachlässt, dann nimmt sie wieder zu.

R_eff in Österreich, basierend auf 48 Regionen im Nationalen Abwassermonitoring mit 95% Konfidenzintervall (hohe Stichprobenunsicherheit, außer die Fallzahlen gehen deutlich zurück wie nach JN.1 und KP.3.1.1.

R_o hat sich nicht geändert, sie liegt bei SARS-CoV2 bei 6-10, im Durchschnitt also 8. Ohne Bevölkerungsimmunität würde eine Person acht weitere Personen infizieren, aber wegen Immunität nur eine weitere. Also sind 7 von 8 Personen immun. Es gibt also eine Art Gleichgewicht, bei dem neue Infektionen die Immunität erhöhen, während die Immunität mit der Zeit nachlässt.

Graph von Physiker Michael Fuhrer: Auf der x-Achse die Reduktion von R_o durch Maßnahmen, auf der y-Achse die Infektionsrate (17.04.25)

Wenn man jetzt erneut Schutzmaßnahmen einführt, sinkt zwar die Inzidenz, aber die Bevölkerung wird wieder empfänglicher für Infektionen, weil weniger Personen durch die Infektion immun werden. Das würde langfristig die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen abschwächen, weil die Bevölkerungsimmunität abnimmt (Baker et al. 2022).

Wenn R_o hoch (rot) ist, erzeugen moderate R_o-Verringerungen durch Maßnahmen für viel kleinere Inzidenzrückgänge. Die gleiche Intervention, die Infektionen 87fach in der epidemischen Phase reduziert hat, tut das nur mehr um den Faktor 1,03 in der endemischen Phase. Immunität ist in der endemischen Phase also notwendig, um Infektionen zu kontrollieren.

Deshalb haben wir 2025 großteils keine Maßnahmen mehr als 2020. Ausnahme: Impfungen! Sie bieten keinen perfektiven Schutz vor Infektionen oder dauerhafte Immunität, aber Infektionen tun das auch nicht. Vor den Omicron-Varianten betrug der sterile Schutz noch über 80% für mehrere Monate. Auch heute könnten sie noch für mehrere Monate bevölkerungsweit die Infektionsraten um 30-50% reduzieren. Daher wären hohe Durchimpfungsraten so wichtig – um auch jene zu schützen, die weniger von der Impfung profitieren (immungeschwächte Personen) oder noch nicht geimpft werden können (Säuglinge).

Die Vorteile von Luftreinigungsmaßnahmen wären gering. Im öffentlichen Raum verringern sie die Übertragung nicht deutlich genug, um sich sicherer zu fühlen – mit Ausnahme Schulen und Gesundheitssystem. Da sind FFP2-Masken effektiver.

Endemische Phase im Hinblick auf neue Varianten

Infektiologe Kristian G. Andersen erklärt, warum hochmutierte Varianten sich kaum (bis auf BA.1 und JN.1) gegen den bestehenden Variantenzoo durchsetzen können:

Re (Rt), die effektive Reproduktionszahl ist entscheidend. Über 1 tritt eine Welle auf, darunter nehmen die Infektionen ab. Die meisten zirkulierenden Varianten haben derzeit Re ~ 1.

Re ist vereinfacht gesagt eine Funktion aus zwei Hauptbestandteilen: inhärente Übertragbarkeit einer Variante (R0, die Basisreproduktionszahl) und die Fähigkeit, die Bevölkerungsimmunität zu überwinden (Immunflucht).

  • R0 ist die erwartete Fallzahl, die direkt durch einen Fall in einer vollständig naiven Bevölkerung erzeugt wird (das heißt, die inhärente Fähigkeit des Virus, seine Wirtsbevölkerung zu infizieren).
  • Rt ist andererseits die Zahl der Fälle, die im derzeitigem Stadium der Bevölkerung erzeugt wird, was im Fall von SARS-CoV2 heißt: Es gibt eine breite Bevölkerungsimmunität.

R0 entspricht Rt nur dann, wenn es wenig bis keine Immunität gibt. Danach entscheidet Rt.

Die derzeit hypermutierten Varianten (z.B. BA.3.2) sind höchstwahrscheinlich in einem chronisch infizierten Patienten entstanden. Im Zeitraum der Mutationen übertragen sie sich aber nicht auf andere Personen (oder nur sehr selten), weshalb sie an Übertragbarkeit verlieren können (R0 wird geringer).

Derzeitige Varianten (Stand Herbst 25) wie XFG haben hohe R0-Werte, weil sie gut übertragen können, aber niedrige Rt-Werte, weil sie unseren Immunitätswall nicht überwinden können (bis die Immunität nachlässt). BA.3.2 besitzt wahrscheinlich deutlich mehr Immunflucht, aber zugleich schlechtere Übertragbarkeit.

Die Ursache für diese Entwicklung ist wahrscheinlich unsere hochkomplexe Immunitätslandschaft: Varianten, die durch die Bevölkerung „driften“, sammeln sukzessive günstigere Mutationen an, während hochmutierte Varianten von Zeit zu Zeit auftauchen, mit Rt-Werten um 1 aber im Wettbewerb mit etablierten Varianten unterlegen sind.

Irgendwann könnte es durchaus passieren, dass eine der hochmutierten Varianten genügend vorteilhafte Mutationen aufsammelt, um seine Übertragbarkeit zu erhöhen. Ob und wann das nochmals passiert, erscheint aber unklar.

Quo vadis Virus-Evolution?

Mit Stand Herbst 2025 werden die Intervalle zwischen den einzelnen, abgegrenzten Infektionswellen immer länger und die Peaks nehmen weiter ab. Das ist bei der Hospitalisierung noch deutlicher zu beobachten und spricht für eine zunehmende Immunisierung der Bevölkerung, im besseren Fall durch Boosterimpfungen, im überwiegenden Fall durch Reinfektionen.

Abwassermonitoring in Österreich, Stand 07. November 2025

Bei einem shift-Ereignis wird ein Virus mit einem komplett neuen Antigen erzeugt, etwa mit dem Influenzavirus, das in den Jahren 1918 (Spanische Grippe), 1957 (Asiatische Grippe), 1968 (Hong Kong Grippe) und 2009 (H1N1, “Schweinegrippe”) jeweils eine Pandemie ausgelöst hat.

Die Voraussetzungen für eine Pandemie sind demnach dann erfüllt, wenn ein neuartiger Erreger auf eine immun-naive Bevölkerung trifft – im Unterschied zur saisonalen Influenza, die jährlich während einer bestimmten Jahreszeit auftritt und typischerweise weniger schwere Erkrankungen verursacht, weil es von vorhergehenden Virussträngen Kreuzimmunität gibt.

Schlussfolgerungen

Die Pandemie ist nach der eigenen WHO-Definition vorbei, hätte offiziell von der WHO aber auch nie ausgerufen werden können. Es ist daher müßig, sich ewig auf einzelne WHO-Funktionäre zu stützen, nach denen die Pandemie immer noch andauern würde. SARS-CoV2 ist kein neuartiger Erreger mehr und im letzten Winter war die Anzahl der Grippetoten teilweise schon höher als die durch Covid19. Trotzdem sprechen wir nicht von einer Grippepandemie. Es ist schon auch wichtig, wie Ian M. Mackay in seinem Artikel betont, dass Begriffe Absichten verfolgen und Bedeutung haben. Dass es weiterhin sinnvoll ist, sich regelmäßig Booster zu holen, ist Aufgabe der Öffentlichen Gesundheitsbehörden und der aufklärenden Ärzte, aber der Begriff Pandemie würde entwertet, wenn wir sie ewig andauern lassen.