Abends am Salzburger Hauptbahnhof

Mich stören nicht die Obdachlosen, auch nicht die Betrunken, die Sinti und Roma, die scheinbar am Bahnhof leben, die sich unbequem auf ein Gestänge setzen müssen, weil man die wenigen Sitzgelegenheiten so konstruiert hat, dass sich niemand mehr hinlegen kann. Mich stört weniger die Trostlosigkeit des Platzes an sich, die Kälte in der Bahnhofshalle, die durch die modernisierte Dachkonstruktion luftig und nicht hermetisch abgeriegelt von Wind und Wetter ist, wo man sich auch im Winter nicht länger aufhalten möchte als unbedingt nötig.

Mich stört vor allem die schlechte öffentliche Anbindungen abends am Wochenende, wenn die S-Bahn nur alle halbe Stunde fährt und der 2er Richtung Maxglan nur alle 20min. Die Railjets von Wien kommend haben Ankunftszeit 18.48, oft zwei bis fünf Minuten später. Der Bus nach Maxglan fährt planmäßig 18.52, aber je länger die Intervalle, desto größer die Gefahr, dass er zu früh abfährt, was mir schon mehrfach passiert ist. Das heißt für mich dann, zwanzig Minuten warten auf einen Bus, der zwischen Bahnhof und Flughafen pendelt und entsprechend oft überfüllt ist, ganz zu schweigen von den vielen Eltern mit Kinderwägen, die vom Bahnhof in den Stadtteil Lehen wollen. Egal, wo ich stehe, ich bin im Weg. Mit Wanderrucksack und Stecken wirds noch schwieriger. Zwanzig Minuten also am Bahnsteig warten, wo kein Rauchverbot existiert bzw. nicht kontrolliert wird. In zwanzig Minuten habe ich gefühlte zwanzig Mal die Position verändert, um Rauchern auszuweichen. Dann ist nie klar, wo der Bus genau halten wird, ob der vorausgehende Bus vorher noch abfährt oder noch stehen bleibt. Also vor, zurück, vor, zurück. Gedrängel um freie Plätze. Zehn Minuten Fahrt, aber dann bin noch immer nicht zu Hause, sondern muss noch zehn Minuten hatschen. Vierzig Minuten nach Hause also, mit dem Taxi sinds gute zehn Minuten. Dafür zahle ich also die Jahreskarte, um genervt und erschöpft nach Hause zu gelangen, oder zehn Euro extra für ein Taxi zu blechen. Die Taxifahrer wiederum leben großteils auch in Salzburg und beklagen sich selbst über den öffentlichen Verkehr, auch wenn sie davon profitieren, gerade zu den Randzeiten, die in Großstädten noch zur Rush Hour zählen würden (6-8, 18-20).

Genau deswegen braucht Salzburg Alternativen zu den bestehenden Busanbindungen. Das finge schon damit an, reine Ausstiegsstellen am Bahnhof zu errichten, weil die bestehenden Bussteige nicht mehr ausreichen – es passen ja nur maximal zwei Busse auf einen Steig. Das ginge weiter damit, die Stieglbahn unterirdisch bis zum Flughafen zu verlängern, um eine individualverkehrsunabhängige Anbindung zu schaffen und die Innsbrucker Bundesstraße bzw. Ignaz-Harrer-Straße zu entlasten. Und das würde darin gipfeln, die Takte auch in den Früh- und Abendstunden zu erhöhen, gerade auch am Wochenende, wenn viele Touristen und Tagesgäste unterwegs sind, die ihr Auto auch mal außerhalb der Innenstadt stehen lassen könnten. Aber selbst unter schwarzgrünpink wird das vorerst ein Wunschtraum bleiben, vielleicht ziehe ich eines Tages nach Salzburg zurück, wenn es keine reine Autofahrerstadt mehr ist.

“NS-Vergangenheitsbewältigung” in Salzburg

Eine Schande für die Opfer des Nationalsozialismus.

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Das erst seit 2002 bestehende sogenannte Antifaschismus-Mahnmal am Südtiroler Platz fristet ein erbärmliches Dasein. Es ist mir bis auf einen kürzlich erschienenen Zeitungsartikel noch nie bewusst aufgefallen, weil es zwischen Fahrradständern und Parkplatzreihen eingekeilt ist. Von weitem sieht es aus wie eine Überdachung für Fahrräder.

Den ersten Antrag auf ein entsprechendes Mahnmal gab es schon im Jahr 1946. Es hat dann aber bis 1985 gedauert, bis der damalige Salzburger Bürgermeister Josef Reschen sich für ein Ehrenmal für die Opfer des Faschismus einsetzte. 1999 hat man sich dann für den Südtiroler Platz entschieden. 56 Jahre später stand das Mahnmal dann.

Ein bloßes Lippenbekenntnis, wie der heutige Anblick belegt und ein weiterer Beleg dafür, dass bei der österreichischen Vergangenheitsbewältigung und Aufklärung vieles versäumt wurde.