Influenzaimpfung jetzt ratsam!

Aktuelles Covid-Abwassermonitoring in Österreich

Der vorläufige, wahrscheinlich aber auch einzige Peak der Herbstwelle von SARS-CoV2 scheint Mitte Oktober erreicht worden zu sein und hat auch nach Ende der Herbstferien nicht noch einmal Fahrt aufgenommen. Der Grund für die Infektionswelle war vor allem XFG und seine Nachfolgevarianten, die die bisherigen Varianten fast vollständig verdrängt haben. Das war auch mit ein Grund, weshalb ich mich nach meiner Covid-Erstinfektion im Juli nicht mit dem LP.8.1-Impfstoff habe impfen lassen. Meine mutmaßliche XFG*-spezifische Immunität sollte noch ausreichend Schutz bieten. Reinfektionen mit derselben Variante waren und sind äußerst unwahrscheinlich. Für alle anderen, bei denen die letzte Infektion oder Impfung mindestens ein Jahr oder länger zurück liegt, ist der LP.8.1-Booster aber dennoch ratsam, er verbreitert die Immunantwort auch gegenüber neuen Varianten (nicht boosterspezifisch, siehe Reinholm et al. 2025). Ein Preprint hat bereits einen guten Schutz gegen XFG nachgewiesen (Happle et al. 2025, kleine Teilnehmerzahl). Zu beachten ist dabei, dass die Booster einen gewissen, mit der Zeit nachlassenden Schutz gegenüber symptomatischen Infektionen (Erkrankung) bieten können, und dabei natürlich auch die Viruslast und Dauer der Infektiösität verringern. Der Schutz gegen schwere Verläufe und Tod bleibt bestehen.

Anzahl stationäre Covid-Aufnahmen (Normal+Intensivstation) bis KW43

Die Hospitalisierungsrate lag in dieser Welle mit Spitzen um 400 Aufnahmen pro Woche deutlich unter jener vom Vorjahr (1000) und betrug nurmehr ein Viertel der JN.1-Welle vom Herbst 2023 (1600). Die verringerten Abwasserwerte sind also real und glaubwürdig und durch die steigende Immunisierung nimmt die Zahl schwerer Verläufe weiter ab. Internist Wolfgang Hagen spricht im Buch von Valin/Schuberth (Die verdrängte Pandemie 2025) davon, dass schwere Verläufe mittlerweile zur “Rarität” geworden sind. Betroffen sind vor allem sehr alte (multimorbide, Immunosenescence) und schwer immungeschwächte Personen.

Zu Long Covid wissen wir, dass die Impfung das Risiko reduziert – es ist natürlich nie Null. Dennoch sollte man bei Statistik aufpassen, was eigentlich ausgesagt wird. So haben zahlreiche Medien, von der ÄrzteZeitung bis zur PRESSE ein Lancet-Paper damit getitelt, dass die zweite Infektion das Long Covid Risiko bei Kindern verdoppeln würde. Tatsächlich steigt das absolute Risiko von 0,09 auf 0,18%. In der Akutphase der Pandemie kursierten Zahlen von 10-20%, später 5-30%, in einer Übersichtsarbeit von Nittas et al (2022) waren es 2,2-3,5%. Das Lancet-Paper zeigt also eine deutlich niedrigere Inzidenz von ~ 0,1% als bisher angenommen. Das bedeutet in Österreich rund 1700-2000 betroffene Kinder mit Long Covid, die leider ein ähnliches Schicksal haben wie die Erwachsenen (mangelnde Anerkennung der Diagnose, fehlende Therapien, Stigmata) und denen zusätzlich ein Verlust an vielen gesunden Lebensjahre droht.

Nun könnte man davon ausgehen, dass die Dunkelziffer der Betroffenen viel höher ist, weil viele gar nicht beim Kinderarzt vorstellig werden, es könnten aber auch die untersuchten Symptome zu unspezifisch sein und andere Ursachen haben. Es könnten nur besonders stark betroffene Kinder zum Arzt gehen, genauso aber auch viele Infektionen sehr mild oder symptomfrei verlaufen. Welcher Faktor überwiegt, bleibt in der wissenschaftlichen Debatte umstritten und erfordert eine Einigung auf Definitionen und bestenfalls Biomarker. Das sehr niedrige absolute Risiko finde ich die größere Erkenntnis als die Verdopplung auf sehr sehr niedrigem Ausgangsniveau. Das bedeutet natürlich nicht, dass Kinder keinen Schutz bedürfen würden – sie baden regelrecht in Viren während ihrer Kindergarten- und Schulzeit und leiden unter teilweise deutlich erhöhten Kohlendioxidkonzentrationen in den Unterrichtsräumen.

Influenza-Saison beginnt früher

Im österreichischen Sentinelsystem sind die Anzeichen dafür noch verhalten – vereinzelt gibt es Fälle von Influenza A ohne Reiseanamnese – das heißt, Community-Transmission findet sporadisch bereits statt. Im SARI-Dashboard ist noch kein Trend erkennbar. Anders in anderen Ländern der Nordhalbkugel. So melden Norwegen, Spanien, England und Japan bereits erhöhte Influenzaaktivität. In Kanada ist man beunruhigt, dass der aktuelle Influenzaimpfstoff nicht zur Driftvariante K (H3N2) passen könnte. Auch in England fürchtet man die Variante K, welche sieben Mutationen aufweist.

Diesbezüglich scheint es nun eine vorläufige Entwarnung zu geben, denn ein Preprint zeigt, dass der Impfstoff gegen die Driftvariante weiterhin wirksam zu sein scheint. Besonders das Nasenspray für Kinder (Lebendimpfstoff Fluenz) scheint besonders gut zu wirken (Kirsebom et al. 2025). Selbst bei einem verminderten Schutz gegen H3N2 sollte man beachten, dass auch andere Influenzastränge während der Saison zirkulieren, die im Impfstoff enthalten sind. Wie bei Covid gilt: Der Impfstoff verhindert nur zum Teil symptomatische Infektionen. Wer dennoch ordentlich krank wird, sollte daran denken, wie krank man erst ohne Impfung geworden wäre.

Aus eigener Erfahrung diese Woche: Wenn beim Primärversorgungszentrum Impfwillige gemeinsam mit schwer symptomatischen Personen bei der Ordination anstehen, dann kann im blödsten Fall am Tag der Impfung eine Ansteckung erfolgen. Zudem dauert es auch bei der Influenza-Impfung bis zu 14 Tage, bis der vollständige Schutz gegeben ist. Ich hab daher eine gut sitzende, frische FFP3-Maske getragen, als ich impfen gegangen bin. Influenza ist übrigens deutlich weniger ansteckend als Covid, es braucht dafür vor allem engen Kontakt. Sonst hätten die Pandemiemaßnahmen einen von vier Influenzasträngen nicht ausrotten können.

Letzter Punkt: Soll man Covid und Influenza gemeinsam impfen?

Ich würde das normalerweise davon abhängig machen, wie die Inzidenzen gerade so sind. Die Covid-Wellen scheinen im Rückblick der letzten fünf Jahre gesehen meist zeitiger zu kommen als Influenza. Die Wirkung des Influenzaimpfstoffs lässt über die Saison hinweg nach. Vor allem immungeschwächte Patienten wissen das meist selbst, dass man einen günstigen Zeitpunkt – nicht zu früh – erwischen sollte, damit der Schutz möglichst lange hält.

Heuer scheint es so zu sein, dass die Covid-Welle langsam abflacht, aber noch erhöht nachweisbar ist im Abwasser, während Influenza an Fahrt aufnimmt. Auch in Deutschland aktuell meines Wissens schon erhöhte Nachweisaktivität. Eine Doppelimpfung ist daher in meinen Augen kein Fehler, sofern man beide Impfungen gut verträgt – sonst würde ich etwas Abstand lassen.

Verantwortungslose User auf X und Bluesky verbreiten leider immer wieder Furcht vor Impfungen. Anfangs ausschließlich von Impfgegnern, inzwischen auch von ZeroCovid-Accounts. So wurde neulich behauptet, beide Impfungen gleichzeitig würden weniger gut wirken als in Abständen gegeben (Schiavoni et al. 2026). Der Immunologe Marc Veldhoen, der unermüdlich für die Impfung eintritt und Zweifel von allen Seiten versucht zu widerlegen, stellt klar, dass es sich um eine sehr kleine Studie mit nur 29 Teilnehmern handelt. Die Korrelation zwischen Antikörpern und Entzündungsstoffen sei schwach, es würde sehr vom Immunstatus der Teilnehmer abhängen. Zu wenige von ihnen für statistisch signifikante Erkenntnisse. Eine frühere Studie mit 42 Teilnehmern zeigte hingegen eine gesteigerte Immunantwort, wenn man Covid und Influenza gleichzeitig geimpft hat (Barouch et al. 2023).

Bitte nicht davon verunsichern lasssen – jede Impfung ist besser als keine Impfung und eine Doppelimpfung ist besser als Influenza oder Covid auszulassen und dann länger krank zu sein oder Weihnachten zu verpassen.

Maske und saubere Luft schützen besser als Händewaschen

Abschließend noch: Die Gesundheitsbehörden scheinen nichts aus der Pandemie gelernt zu haben und empfehlen oft an erster Stelle Händewaschen gegen Influenza- oder Covidinfektion. Nach wie vor gelten die Erkenntnisse der letzten Jahre und auch vor der Pandemie schon, die sich aber jetzt erst in der wissenschaftlichen Community durchgesetzt zu haben scheint: Erkältungsviren werden über die Luft übertragen und winzige Tröpfchen (Aerosole) inhaliert. Dagegen schützen FFP2-Masken am effektivsten. OP-Masken schützen mitunter schlechter als dicht getragene Stoffmasken. Frischluftzufuhr verringert die Aerosolkonzentration in der Luft und Luftreiniger/HEPA-Filter filtern infektiöse Aerosole aus der Luft. Händewaschen ist wichtig, aber nicht gegen Influenza oder Covid!

Und weil ich das Ende heute nicht finden kann: Covid verursacht wie Influenza, Parainfluenza, saisonale Coronaviren zu Beginn der Erkrankung klassische grippale Symptome: laufende Nase, Halsweh, Kopf- und Gliederschmerzen, manchmal Fieber und Schüttelfrost. Daher zählt SARS-CoV2 (jetzt) zu den Erkältungsviren – unabhängig davon, dass Covid auf die Gefäße und Organe gehen kann. Die Symptome sind heute aber großteils nicht mehr vom Virus selbst, sondern von der hochgefahrenen Immunabwehr verursacht, weil das Immunsystem den Erreger bereits erkannt hat. Die nachfolgende Entzündungsreaktion ist meinem Verständnis nach durch die adaptive Immunabwehr oft schon abgeschwächt, weshalb schwere Verläufe (“Zytokinsturm”) seltener geworden sind und – das wäre meine Vermutung – damit auch Long Covid (= anhaltend erhöhte Immunaktivität) deutlich seltener auftritt als zu Beginn der Pandemie bzw. vor der Impfung.

Neue Menüstruktur

Ich hab die Menüstruktur hier geändert, um mich das zurückzubesinnen, was ich als meine Aufgabe während der Pandemie gesehen habe: Citizen Journalism, nicht Hobbymediziner oder Hobbyimmunologe. Damit wird der medizinische Teil der Pandemie zwangsläufig ein kleiner Teil sein, während ich mehr über politische und gesellschaftliche Entwicklungen schreiben kann, wo es mehr um Meinung geht als um medizinisch tiefgründige Recherchen, wo mir das Hintergrundwissen fehlt.

Aber … gut Ding will Weile haben, und derzeit verbringe ich die Zeit lieber in der Natur und nicht zu lange vor dem Computer. Das war die Pandemiejahre viel zu viel und büße ich gerade mit Rückenbeschwerden. Daher hat der Blog gerade keine Priorität. Das nur zur Erklärung, weshalb nur langsam etwas weitergeht.

Derweil…. die aktuelle Covid-Welle zeigt erste Tendenzen für einen Peak, aber noch nicht überall – mal schaun, ob die Herbstferien die Wien-Welle endlich abbremsen kann. Die Rhinovirus-Welle geht etwas zurück, Influenza bisher nur sporadisch nachgewesen (Sentinelsystem für KW43).

Covid-Spitalsaufnahmen steigen noch, liegen mit rund 350 Aufnahmen pro Kalenderwoche aber deutlich unter der Spitze der letzten Herbstwelle 2024 (800-1000). Beim Peak 2024 gab es ca. 360 Viruskopien-Einheiten, aktuell sind es 220. Anders gesprochen – obwohl die Viruslast im Abwasser rund 2/3 der letzten Winterwelle beträgt, ist die Hospitalisierungsrate nur halb so hoch. Das spricht für steigende Immunität in der Gesamtbevölkerung. Das ist ein gutes Zeichen und bedeutet insgesamt weniger neu auftretende Spätfolgen als die letzten Jahre. Das ändert nichts an der Sauerei, wie mit den Betroffenen selbst umgegangen wird.

Benefiz-Aktion „Höhenmeter für MECFS“ seit September 2025

Schnittmengen postakuter Infektionssyndrome (PAIS) mit MECFS und Long Covid (von Kathryn Hoffmann), MECFS ist per definitionem mit PEM verbunden.


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Der lange Weg zurück …

Ich habe jetzt begonnen, Inhalte von coronafakten.com auf coronawissen.com zu übertragen, und gehe dabei behutsam vor. Nur dort, wo ich mir sicher bin, keinen Unsinn zu verzapfen, werde ich Inhalte behalten, sonst mich von ihnen trennen. Wer meine Blogtätigkeit der letzten Jahre verfolgt hat und meine Schreibwütigkeit kennt, weiß, was für ein immenser Aufwand das ist. Es ist jedoch notwendig geworden. In der letzten Zeit gab es unterschiedliche Reaktionen auf meine zunehmend selbstkritischen Beiträge. Es sei nicht alles an meinem Aktivismus schlecht gewesen, ich solle mich nicht schlechter machen. Damals sah ich eben manches anders, irren und Fehler der Vergangenheit würde dazu gehören – sie seien Teil des Mensch seins, gehören zum Lernen dazu. Manche Stimmen sagen, bei mir sei es nicht so schlimm gewesen, dass ich übertrieben hätte, während Coronaleugner mit ihrer Haltung und politischen Einflußnahme Menschenleben gekostet haben. “Sie verrennen sich da in etwas!” hörte ich von einem HIV-Experten, als ich postulierte, dass Covid die Immunsystem schwächen würde. Man würde Desinformation verbreiten, sagten andere Experten, das sei schädlich für die Öffentlichkeit. Ausgerechnet mir, der sich auf die Fahnen schrieb, mit seinem Blog Desinformation bekämpfen zu wollen. Doch kann man Desinformation nicht mit Desinformation bekämpfen – beides schadet der Wissenschaft, egal aus welchen Gründen. “Ich habe einen Therapeuten gebraucht, um wieder ohne Panik in einem Lokal essen zu können. Das hat die ZeroCovid-Bubble bei mir angerichtet” schrieb ein aufgebrachter Twitter-User vor ein paar Jahren und klagte dabei auch mich an. Lange Zeit fühlte ich mich im Recht und seine Kritik als abstrus, zumal er danach begann, einen privaten Shitstorm gegen ZeroCovid-Anhänger zu führen. Heute denke ich anders darüber und es sind gerade diese beiden Zeilen, die mir bis heute keine Ruhe lassen. Ja, ich führte immer als Argument an, dass ich Leben retten wollte und damit im Zweifel im Recht sein würde. Doch besteht das Leben nicht nur aus der Abwesenheit von Viren und Bakterien. Der Mensch ist ein soziales Wesen und daher war der grundsätzliche Ansatz, das Gemeinschaftsleben rasch wieder wiederherzustellen, wichtig und richtig – mit weniger Egoismus und Sozialdarwinismus hätte es auch so wie Neuseeland oder Australien laufen können, die besser durch die Pandemie kamen.

Folgenden Beitrag schrieb ich zuerst auf Bluesky:

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Als ich nach Aufhebung der Schutzmaßnahmen fabulierte, dass Infektionswellen anderer respiratorische Viren Folge Covid-geschwächter Immunsysteme sein würden, hatte ich noch keine Ahnung davon, dass z.B. Rhinoviren rund 160 Subtypen haben und viele virale und bakterielle Erreger in Zyklen zirkulieren. Erst danach hab ich sukzessive Infos über RSV, die vier humanen Coronaviren (hCoV), Rhinoviren, Influenzadrift, Parainfluenza (vorher nie etwas davon gehört) gesammelt, und auch z.b. Zyklen bei Mycoplasmen, die durch die Pandemie unterbrochen wurden (-> mehr empfängliche Personen). Ich hab etwa bewusst unter den Tisch fallen lassen, dass auch ZeroCovid-Länder wie Neuseeland, Japan und Australien starke RSV-Wellen hatten, weil das nicht in die Argument gepasst hätte, dass nur Länder mit Durchseuchung betroffen sein würden. Zum Einen hat es natürlich mein einfältiges Bild zurechtgerückt, wie Viren, Bakterien, Immunität, etc. funktionieren. Zum Anderen ist es mit keinem Infekt lustig, andere anzustecken, weder Viren noch Bakterien. Man lernt und bleibt daheim, trägt Maske beim Rausgehen, bis Symptome weg sind.

Erst durch das SARI-Dashboard (Hospitalisierung mit gefährlichen Atemwegserregern) ist heute übrigens klar, wie weit gefährlicher RS-Viren für Kleinkinder sind als Covid/Influenza (KW19 2023 bis KW 41 2025, 0-4 Jahre: 1976 Covid-PatentInnen, 1003 Influenza-PatientInnen, 3412 RSV-PatientInnen). Und wichtig es ist, diese bzw. die Mutter noch in der Schwangerschaft gegen RSV zu impfen. Aber auch die generelle Gefährlichkeit im Kleinkindalter aller drei Viren.

In gewisser Weise ist das schon alles “Rocket Science”, das lernt man nicht nebenher in drei Jahren Pandemie. Das ist alles hochkomplex, wie man sieht. Etwas mehr Demut hätte gut getan in der Zeit, gilt natürlich weitaus mehr noch für die ganzen Schwurbler, die verharmlost haben.

Über diverseste Gespräche hab ich erfahren, dass es nicht so leicht ist, wie ich mir das vorstellte. Dass man Kinder nicht bei jedem Infekt mit Symptomen aus der Schule nehmen kann, da es nur begrenzte Anzahl von Pflegefreistellung gibt. Wenn überhaupt. Dass es um Meilensteine geht (Schularbeiten). Das ist ein Systemproblem, nicht abzuwälzen auf die Eltern und Kinder. Leistungsdruck großes Problem. Und wie wir alle wissen, die Luftqualität in Klassenräumen, die zu verbessern, würde Infektionswellen ausdünnen. Weniger krank sein würde gesellschaftlich gut tun, ganz verhindern werden wirs nicht.

Das wäre vermutlich auch nicht gesund in dem Sinn, dass nach längerer Infektionspause eine umso größere Welle kommen würde. Je nach Erreger vielleicht noch eine böse Driftvariante von etwas, gegen das kaum Kreuzimmunität da ist. Das kann man nicht wollen. Aber mehr tun als jetzt geht schon. Auch etwa im Hinblick auf Allergene oder Schimmelsporen in der Luft, die wirklich kein Mensch braucht. Es war aber etwa naiv zu glauben, ein Hüttenwirt könnte mit CO2-Werten etwas anfangen. Was soll er machen bei Kälte? Viel lüften, bis die Heizkosten explodieren? Manche Hüttenwirte, etwa vom Alois-Günther-Haus am Stuhleck, schreiben explizit, man soll nur im gesunden Zustand kommen. Sollte in der Benimmkampagne des Alpenvereins stehen – weil selbstverständlich ist das leider nicht.

Es war für mich ein langer, steiniger Weg mit vielen Reibungsverlusten in jede Richtung, an diesen Punkt zu kommen, dass meine Priorität nicht nur die Abwesenheit von Covid ist. Ja, Rauch hat das ähnlich formuliert, aber imho zu früh. 2022 sind ähnlich viele Menschen gestorben wie 2020. Schuld war “Omicron ist mild”-Mythos. Das galt nur mit Impfung, und es waren viele noch ungeimpft. Dazu Omicron viel ansteckender. Intensivstationen sind nicht mehr kollabiert, aber Normalstationen. Und es war Spitalspersonal gleichermaßen betroffen über die Kinderdurchseuchung -> “milde Engpässe?”

Ich sehe es heute als große persönliche Errungenschaft an, dass ich Sozialkontakte nicht nur als potentielle Infektionsquelle betrachte, ja entmenschliche (außer, diese sagen aktiv, sie sind krank). Gesundheit ist kein Taubenschach spielen. Gesundheit ist überdies auch soziale Gesundheit. Natürlich trägt wesentlich bei, dass ich nicht betroffen bin von einem Immundefekt, und mir diese Sichtweise erlauben kann. Doch hab ich in der Akutphase der Pandemie wiederholt immungeschwächte Menschen erlebt, die mehr unter Leute gegangen sind als ich. Die keinen “Retter” gebraucht haben. Das war vielleicht auch eine gewisse Form der Entmündigung für Menschen sprechen zu wollen, die für sich selbst sprechen können. Das tut mir heute leid, wenn ich hier “zu viel” wollte, und glaubte, sie müssten sich jetzt dauerhaft alle einsperren – dabei entschieden sie das selbst. Aber das sind Gedanken am Rande, die bei mir kommen und gehen, und wo ich mich frage, wo die Grenzen vom Advokatismus liegen – für andere sprechen wollen und gar nicht betroffen sein. Ebenso wenig wie ich für alle Eltern sprechen kann als kinderloser Mensch, alle Grautöne nicht kenne. esser ist es eigentlich, sie für sich selbst sprechen zu lassen und diese Position, wenn es eine Konsensposition gibt, zu verstärken als “Ally” – sofern man wesentlich übereinstimmt, und nicht diverse Biase/Verzerrungen vorliegen, die mitunter einen Bärendienst erweisen.

Beispielsweise ständig aufkochende HIV/AIDS-Vergleiche, und extrem breit gefasste LC-Symptome, was Studienpopulationen verfälschen kann, wo gar nicht LC die Ursache ist, sondern etwas anderes – und das letztendlich dazu führt, dass für die wirklich LC-Betroffenen kein Durchbruch erzielt werden kann. Ich sehe es heute auch rückblickend als einen Fehler ein, meine Unterschrift für ein Memorandum der pseudowissenschaftlichen WHN hergegeben zu haben. Die Österreichische Gesellschaft für MECFS unterstütze ich hingegen guten Gewissens – auch unterstützt durch die Ströck-Stiftung (weandme).

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Meine Blogbeiträge (“Chronik”) auf coronawissen.com wird man heute mit einem “grain of salt” behandeln müssen. Manches war richtig und wichtig, anderes überschießend. Auf der statischen Seite, also das, was über die einzelnen Menüpunkte abrufbar ist, möchte ich künftig nur noch Inhalte stehen haben, die ich guten Gewissens vertreten kann. Was coronafakten.com betrifft, kann ich das so wie bisher nicht stehen lassen – Fakten sollten Fakten sein und kein Cherrypicking.

Abschließend sei gesagt, dass meine Kompetenzen und Stärken eigentlich ganz woanders liegen – in der Meteorologie und beim Bergwandern, und ich darüber lieber in meiner Freizeit schreibe und mir durch stundenlanges Sitzen am Computer den Rücken ruiniere als über Themen, wo ich mich mangels Studium nicht gut auskenne.

Coronawissen wird 2026 wieder zum Hauptblog.

Quelle: Abwassermonitoring.at (im Herbst 2025 wird auch der “alte” Novavax JN.1 wahrscheinlich verfügbar sein)

Der Blog wurde 2020 ins Leben gerufen. Im Sommer 2023 hatte ich technische Probleme und schuf eine Backup-Lösung mit coronafakten.com. Das hab ich zum Anlass genommen, die gesammelten Artikel und Beiträge auszumisten und Texte zu vereinfachen.

Coronawissen.com lief kurzzeitig als Kolumne weiter, wurde dann aber im wesentlichen stillgelegt. Warum? Weil das Thema medial durch war und kaum noch Expertinnen und Experten über das Virus schrieben. Weder bin ich hauptberuflich Journalist und daher ständig dran am Thema noch habe ich spezielle Vorbildungen in dieser Richtung. Am Ball bleiben ging einfach nicht mehr neben einem Vollzeitjob. Nun erscheinen auch auf coronafakten.com kaum noch neue Inhalte, aber die Webseite ist selbst gehostet und kostet eine Stange Geld im Jahr. Und das lebenslang?! dafür, dass kaum neue Inhalte erscheinen werden? Da stimmt für mich die Verhältnismäßigkeit nicht mehr.

Deswegen werde ich ein letztes Mal übersiedeln und zwar zurück von coronafakten auf coronawissen.com – dabei unterziehe ich die gesammelten Texte nochmal einer gründlichen Prüfung, was ich davon behalten will und was kritisch ist vom Faktengehalt, und wo ich mich mitunter im Ton vergriffen habe. Der Umzug wird dann nächstes Jahr peu à peu vonstatten gehen. coronawissen.com wird zu pandemiearchiv.wordpress.com und kostenlos weiterlaufen – coronafakten.com wird dann abgeschaltet.

Mir ist wichtig, dass das Wissen über die Pandemie und das (bleibende) Virus und seine Folgen nicht verloren geht. Speziell über Prävention und Long Covid/MECFS, aber auch den Verlauf der Pandemie über viele Jahre und die politisch strittigen Entscheidungen dazu. Gleichzeitig ist mir sehr wohl bewusst, dass Profi-JournalistInnen sehr wohl faktenbasiert und leidenschaftlich darüber berichten, ebenso wie es viele Selbsthilfeorganisationen gibt, die sich wesentlich besser auskennen als ich. Ich möchte dann auf meinem Blog kein Halbwissen oder veraltetes Wissen verbreiten, weil ich die neuesten Studien nicht gelesen habe. Ich bitte um ein wenig Verständnis für diese Vorgehensweise.

Das bedeutet nicht, dass keine neuen Beiträge mehr erscheinen werden – wenn es signifikante neue Varianten gibt oder Impfupdates bzw. andere relevante Erkenntnisse (z.B. Durchbrüche bei LC/MECFS-Forschung), melde ich mich hier zu Wort. Auch Benefiz-Aktionen zu MECFS wird es weiterhin geben.

Also zusammengefasst: coronafakten.com wird zu pandemiearchiv.wordpress.com.

PS: Im Zuge der Erneuerung werde ich auch die Blogtexte von coronawissen.com darauf prüfen, ob ich sie wirklich behalten will.

Wie soll ich mit der Vergangenheit umgehen?

Manchmal fühlt man sich ertappt.

Rückblickend bin ich nicht mit allen Blogeinträgen glücklich, die ich die letzten Jahre geschrieben habe. Was mir im Moment des Schreibens richtig erschien, ist mir heute teilweise unangenehm, teils schäme ich mich für geäußerte Vorwürfe und Unterstellungen – insbesondere PolitikerInnen und WissenschaftlerInnen gegenüber, aber auch bei JournalistInnen war ich nicht immer zimperlich im Tonfall. Ich ließ mich anstacheln und aufstacheln, aber ich bin ein erwachsener Mensch und selbst verantwortlich für mein Handeln.

Short cut:

Ich hab hier in epischer Breite gebloggt, auch Aussagen getroffen, zu denen ich heute nicht mehr stehe. Soll ich ganze Blogtexte entfernen, einzelne Passagen entfernen oder sie mit einem Kommentar versehen? Ich kann es im Prinzip beantworten, da ich einzelne Blogeinträge bereits entfernt habe. Schließlich soll der Blog kein Archiv für Desinformation sein. Aus Zeitgründen schaff ich es leider kaum, jeden einzelnen Beitrag nochmal auf Herz und Nieren zu überprüfen. In der Wissenschaft ist es übrigens normal, dass man mit fortschreitender Erkenntnis Meinungen ändert und anpasst. Manchmal müssen eingereichte Fachartikel auch zurückgezogen werden, etwa weil es gravierende Methodik- oder Datenmängel gibt.

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Stellungnahme zu diversen Vorwürfen

Es ist schwierig auf Vorwürfe und Unterstellungen zu reagieren, wenn man nicht mehr auf der Plattform ist oder geblockt wurde. In den letzten Monaten musste ich mir einiges gefallen lassen, etwa, dass ich zu bequem sei, andere zu schützen, dass ich nicht mehr Covid-vorsichtig sei, dass ich Infekte jetzt gut finden würde, dass ich nur aus sozialem Druck keine Maßnahmen mehr mittragen würde und unter anderen beruflichen Voraussetzungen weiterhin Teil von TeamVorsicht sei, oder dass ich LC nicht mehr für ein Problem hielte, weil ein Freund mit LC wieder gesund wurde. Mein Original-Beitrag hier wurde als “kontraproduktiv” empfunden und ich würde den vorsichtigen Menschen einen Bärendienst erweisen. Mehrmals hörte ich auch, ich solle meinen “Sinneswandel” gefälligst für mich behalten, was ich ehrlich gesagt für übergriffig und auch undankbar empfinde.

Denn meinen missionarischen Eifer, über die Pandemie und ihre Folgen aufzuklären, obwohl ich weder einen medizinischen noch biologischen Fachhintergrund habe, und dass ich viele Jahre meiner Freizeit dafür verwendet habe, aufklärerisch unterwegs zu sein, und mein eigenes Wohlbefinden, meinen Job und Wohnungssuche hintangestellt habe, und dabei mehrfach nahe dran war, meinen Job aufs Spiel zu setzen, – das hat man wohlwollend genommen und geflissentlich übersehen, dass darunter auch fehlerhafte Informationen waren – eben schlicht wegen dem mangelnden Hintergrund und dem Setzen auf Pseudoexperten, die es nicht nur unter Pandemieleugnern gibt. Außenstehende haben bisweilen zurecht Zweifel gehabt, “einem Meteorologen” Glauben zu schenken – speziell nach dem Jahr 2022, als die Schutzmaßnahmen schrittweise aufgehoben wurden. Ich möchte daran erinnern, wie ich vor der riesigen XBB.1.16-Welle gewarnt hatte, die dann vollständig ausblieb – was niemanden überraschte von den echten ExpertInnen.

Mein Blog begann hier als therapeutisches Verarbeitungsinstrument, um die ersten Wochen der Pandemie mental bewältigen zu können. Das hab ich öffentlich gemacht, ein privates Tagebuch hätte auch gereicht. Der innere Drang und die Neugier, daraus eine wissenschaftliche Begleitung der Pandemie zu machen, gewürzt mit einer gehörigen Portion Aktivismus, kam erst später und hat sich dann verselbständigt. Bis 2022 hatte ich eine ordentliche Reichweite aufgebaut und zunehmend Kontakte zu diversen, meist seriösen WissenschaftlerInnen. Daraus hab ich die Legimitation gezogen, den Blog weiterzuführen und zahlreiche Themen rund um die Pandemie anzusprechen. Mit dem politischen Ende der Pandemie 2023 haben aber immer mehr meiner Wissenschaftlerkontakte begonnen, sich wieder ihrem daily business zuzuwenden. Viele schrieben jetzt von der postpandemischen Zeit, während es für große Teile von TeamVorsicht “mitten” in der Pandemie war. Diese kognitive Dissonanz ist über die letzten Jahre immer weiter gewachsen – wie konnten ausgerechnet jene ExpertInnen, von denen ich großteils meine Infos bezog, behaupten, dass die Pandemie hinter uns lag und auf öffentlichen Veranstaltungen keine Maske mehr tragen? Ich bemerkte, wie diese ExpertInnen zunehmend aggressiv angegangen und diffamiert wurden, und das ließ mich nachdenklich werden – denn ad hominem-Angriffe kannte ich bisher nur von der Leugnerseite.

Aktuell bin ich in einer Übergangsphase angekommen: Im Alltag ist die Pandemie lange Vergangenheit. Die mediale und politische Aufarbeitung sehe ich weiterhin mit großer Sorge, dass die falschen Lehren gezogen werden. Die Wissenschaftscommunity schreibt kaum noch über neue Erkenntnisse, zu präsent sind die gravierenden Umwälzungen durch das Trump-Regime in den USA, gleichzeitig ist die Viruszirkulation niedrig und Spitalsaufenthalte betreffen meist ältere Menschen, die sich zuhause nicht mehr versorgen können und vorsorglich eingeliefert werden. Ich bin nicht ganz vom Schuss, habe meine Listen und informiere mich regelmäßig über den Status der Virusvarianten-Evolution. Ich war bisher auch noch alle halbe Jahre impfen und meines Wissens kein einziges Mal symptomatisch infiziert, bei unklaren Symptomen teste ich. Das auch zum Vorwurf, ich würde auf jeden Schutz pfeifen und andere anstecken. Ja, ein Freund hatte eine unerkannte Lungenembolie durch Covid und wurde dank Blutverdünner wieder gesund, aber ich habe andere Bekannte und Freunde, die nicht mehr gesund wurden und ich sehe die Betroffenen mit MECFS – man muss schon sehr selektiv lesen, um daraus zu konstruieren, ich würde Long Covid für kein Problem mehr halten.

In anderen Punkten, was die Vermeidung aller respiratorischer Infektionen für immer und ewig betrifft, bin ich skeptischer geworden, ebenso meinen Umgang damit und meine Äußerungen dazu auf Social Media und am Blog. Ich hab mir vor zwei Jahren mit großer Selbstsicherheit den Janeway gekauft, ein großes Fachbuch über Immunologie, musste dann aber kleinlaut schon bei der Einleitung aufgeben, denn ich verstand nichts davon – dafür studiert man Biologie und spezialisiert sich auf Immunologie oder Virologie, und dann versteht man etwas davon. Wie sollte jemand, der nicht über die Einleitung hinauskommt, anderen erklären können, wie schädlich respiratorische Infektionen (allgemein) wirklich waren oder reihenweise Fachartikel zitieren, ohne Methodik und Limitationen tiefer verstehen zu können?

Ich weiß, was jetzt kommt: Diese Form der Selbstkasteiung mag peinlich beschämen – sich so in Selbstzweifel zu ziehen, aber ich nenne es eine reife Form der Selbstreflexion und auch eine gewisse Demut vor dem studierten Wissen Dritter – ein bisschen googeln (OSINT), anonyme Pseudoexperten auf Social Media lesen und selbst Fachartikel überfliegen reicht nicht, um etwa in Immunologie bestehen zu können. Damit wird nicht alles falsch, was ich die letzten Jahre geschrieben habe. Ich hab übrigens meinen Blogtext, welche Lehren aus der Pandemie gezogen werden sollten, immer noch nicht abgeschlossen – der würde viel Wind, ich hätte mich komplett gedreht, aus den Segeln nehmen.

Abschließend lautet mein Appell, sich durchaus öfter selbst zu hinterfragen und nicht dem Confirmation Bias auf den Leim zu gehen. Diese Form der statistischen Verzerrung ist die gefährlichste durch Social Media und gilt für alle Themen, mit denen man sich intensiv beschäftigt. Ich könnte das wieder weitreichend ausführen und erläutern, weshalb ich die Vorwürfe für ungerechtfertigt empfinde und es mich ebenfalls verletzt, ich würde hier scheinbar grundlos die Seite gewechselt haben, aber ich lass das jetzt. Mir war und ist immer wichtig, mein eigenes Handeln begründen zu können – etwas nach bestem Wissen und Gewissen zu tun. Daran hat sich nichts geändert – ich bin jetzt wieder etwas klüger geworden als vor einigen Jahren. Letztendlich waren unsere gemeinsamen Berührungspunkte der Umgang mit der akuten Pandemiebedrohung und jetzt trennen sich unsere Wege wieder, außer man hat weitere gemeinsame Interessen.

Zuletzt möchte ich daran erinnern, dass ich die letzten Monate trotz schwindender gehaltvoller Infos auf Social Media weiterhin über die aktuelle Viruslage aufgeklärt gehabe, und somit auch Gelegenheit gab, sich um Boosterimpfungen rechtzeitig zu kümmern – statt rein auf die öffentliche “im Herbst impfen”-Strategie zu setzen.

PS: Und weil viele, die mich rein virtuell kennen und offenbar wenig von meiner Lebensrealität wissen, nun geäußert haben, sie seien enttäuscht, schockiert, entsetzt von meinen Aussagen – was glaubt ihr, wie es die letzten Jahre den Menschen ging, die mich persönlich kannten und kennen, und ich jeden, der sich räuspern oder husten musste, mit finsterer Miene angeschaut habe, als wolle er mich absichtlich umbringen? Und ich selbst Leute, die immer Maske trugen, aber ständig unterwegs waren, als unsolidarisch abwertete? Ich merke bis heute die Kluft im realen Leben, und das sind nun mal die Menschen, mit denen ich täglich zu tun habe, und die sich mit etwas Abstand betrachtet überwiegend vernünftig verhalten haben..

USA: Schlechte Nachrichten für LC/MECFS Betroffene

Es hat sich leider abgezeichnet und jetzt sind unter dem rechtsextremen Coronaleugner- und Impfgegnergespann RFK Jr und Jay Bhattacharya massive Förderungskürzungen für die Covidforschung angekündigt worden, die auch zahlreiche Longcovid Studien betreffen.

Wien könnte ab 2027 (!) Modellregion für MECFS Betroffene werden. Eine Entwicklung, sicher besser spät als nie, die für viele Betroffene leider zu spät kommen wird. Salzburg zieht laut Berichten doch nicht nach wie zuerst erhofft und angekündigt.

Landesrätin Daniela Gutschi (ÖVP) behauptet, bei ihr hätten sich noch keine enttäuschten Patienten gemeldet. Ihr könnt das ändern!

Immerhin eine gute Nachricht: DIe ÖGNR stellt klar, dass LC und MECFS somatische Erkrankungen sind und keine psychische Erkrankung.

Nachruf auf Judith Schossböck (1981-2024)

Mit Trauer und Bestürzung habe ich heute gelesen, dass sich Judith Schossböck am 10. Dezember für Euthanasie entschieden hat, um ihrem schweren MECFS-Leiden ein Ende zu setzen. Ihre Abschiedsnachricht und die Mitteilung von ihrem Partner findet ihr auf ihrer Webseite.

Ich bin im Laufe der Pandemie auf ihren Twitteraccount @judyintheskynet gestoßen und habe ihre Geschichte mit MECFS verfolgt. Sie hat mich neben vielen weiteren Betroffenen darin bestärkt, sich dafür zu engagieren, diese schwere chronische Erkrankung bekannter zu machen, die seit der Pandemie deutlich häufiger geworden ist – und leider immer noch wird, da SARS-CoV2 und auch andere Viren weiterhin MECFS auslösen können. Im August 2023 hab ich ihre Ausstellung im Künstlerhaus Wien besucht und war beim Symposium mit spannenden Vorträgen dabei, die zugleich aufgezeigt haben, wie dringend politisches Handeln ist. Persönlich hab ich sie nie gesehen oder kennengelernt, aber sie zählt zu den MECFS-Schicksalen der letzten Jahre, die mich innerlich berührt haben. Sie gehört zu der Minderheit an Betroffenen, bei denen die Impfung die Erkrankung leider verschlechtert hat. Das ist kein Plädoyer gegen die Impfung. Betroffene anerkannter Impfschäden haben genauso das Recht verdient, gehört statt instrumentalisiert zu werden. Letztendlich ist es durchaus wahrscheinlich, dass ähnliche Mechanismen die Erkrankung auslösen oder beschleunigen, und eine umfasssende Erforschung der Erkrankung hilft dann auch den wenigen Betroffenen, wo die Impfung tatsächlich der Auslöser war.

Wenn junge Menschen keinen anderen Ausweg als assistierten Suizid sehen, um ihre qualvollen Leiden zu beenden, dann läuft etwas gewaltig schief in der Aufmerksamkeit für und der Reaktion auf diese Erkrankung! Ihr Schicksal ist kein Einzelfall! Long Covid und MECFS-Betroffene haben deutlich häufiger Suizidgedanken als die Durchschnittsbevölkerung oder bei anderen, besser therapierbaren Erkrankungen. Die öffentliche Berichterstattung während der Pandemie bis zum Ende der Schutzmaßnahmen war ausgesprochen deprimierend, lange Zeit Spätfolgen negierend. Inzwischen häufen sich sich die Berichte hierzu, doch mit wechselnden politischen Verhältnissen ist nicht gewährleistet, dass auch mittelfristig in den Aufbau von Versorgungsstrukturen investiert wird. Gesundheitsminister Rauch finanzierte zwar das Nationale Referenzzentrum mit einem niedrigen Millionenbeitrag, aber Anlaufstellen für Betroffene sind Ländersache. Wo er Einfluss gehabt hätte, hat er ihn nicht genutzt – indem MECFS nicht in die Einschätzungsverordnung aufgenommen wurde, um einen Grad der Behinderung festzustellen. Was ist der Nationale Aktionsplan für PAIS dann wert, der keine anvisierte Zieldaten enthält?

In die richtige Richtung geht momentan die wachsende Aufmerksamkeit bei MECFS, die aber nicht vergessen darf, dass es auch sehr viele leicht bis moderat Betroffene gibt, die sich kontinuierlich verschlechtern, wenn man sie nicht ernstnimmt, falsch diagnostiziert, falsch therapiert, sie durch unkontrolliert zirkulierende Viruswellen gefährdet und durch die sozialen Netze fallen lässt. Was fehlt, ist neben sozialer Absicherung auch ein klares Bekenntnis der Politik, sich für Forschung einzusetzen, viel Geld zu investieren, um Medikamente zu entwickeln, die die Krankheit verlangsamen, aufhalten, bestenfalls heilen können. Ein Referenzzentrum, wo bestehendes Wissen gebündelt und an die Ärzteschaft weitergegeben wird, deckt die Grundlagen ab, aber nicht mehr. Da ist noch viel zu tun.

Es tut mir für sie leid, dass sie den Zeitpunkt nicht mehr erleben durfte, wo es wirklich einen Durchbruch in der Forschung geben wird. Ich hoffe, viele weitere Betroffene, die um ihr Leben im wahrsten Wortsinn kämpfen, können dies noch erleben.

Rest in peace, Judith.

Long Covid und Prävention lassen sich nicht trennen

Greenhalgh et al., Long COVID: a clinical update (07/2024), Zusammenfassung auf Substack

“Eine Behandlung der Ursache gibt es nicht, nur die Symptome können therapiert werden. Die erste Prävention ist laut Vizerektor Enzinger ein gesunder Lebensstil, das stärke das Immunsystem. Die zweite Präventionsmaßnahme sei, „die Infektion selbst zu vermeiden und sich durch eine Impfung vor einer Infektion zu schützen.“

ORF Steiermark: Long Covid: Neue Maßnahmen angekündigt (21.11.24)

An sich ein guter und wichtiger Artikel, bis auf den letzten Absatz. Bekanntermaßen sind am häufigsten Menschen betroffen, die mitten im Leben stehen, mehrheitlich Frauen und darunter viele, die vor der Infektion mit SARS-CoV2 oder einem anderem Virus kerngesund waren. Am ungesunden Lebensstil kann es also nicht gelegen haben. Und wie soll man damit etwa als prekär lebender Mensch umgehen, der auf einen stressigen oder körperlich anstrengenden Job angewiesen ist, um durchzukommen? Die ersten beiden Aussagen wälzen die gesamtgesellschaftliche Verantwortung, Gesundheit zu ermöglichen und Viruszirkulation zu verringern, auf den Einzelnen ab. Nach den aktuellen Impfplänen wird die Impfung nur Risikogruppen eines schweren Verlaufs, nicht aber allgemein empfohlen. Zwar kann man sich impfen lassen, wird aber nicht explizit darauf hingewiesen, es zu tun. Diesen Winter gab es auch keine Alternative zu mRNA-Impfstoffen (Pfizer), der Proteinimpfstoff Novavax ist wahrscheinlich erst im Dezember verfügbar. Die Impfung schützt nach jetzigem Wissensstand höchstens wenige Wochen bis Monate vor einer Infektion, was bei einem jährlichen Impfrhythmus zu wenig ist, wenn man bedenkt, dass das Virus ganzjährig zirkuliert, so wie das vergleichsweise deutlich harmlosere Rhinovirus.

Ich hoffe, die künftigen Empfehlungen vom Vizerektor der MedUni Graz fallen zielgerichteter an die Politik und Gesellschaft, aber auch an die Gesundheitsbehörden und insbesondere die Gesundheitslandesrätinnen aus, denn das Umdenken kann in Österreich nur von oben herab erfolgen.

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