Positive Signale aus der Politik: Reicht das?

Die seit Freitag, 25. Mai, konstitutierte Landesregierung aus ÖVP, Grünen und NEOS (was für eine Kombination!) hat ein paar Lebenszeichen von sich gegeben, was die öffentliche Mobilität im Land Salzburg betrifft. So soll endlich ein 365€-Ticket für das ganze Bundesland eingeführt werden – das sind 1000€ weniger als bisher! Das dürfte etliche Pendler zum Umstieg auf die öffentlichen Verkehrsmittel bewegen – vorausgesetzt, und hier ist das große Aber, die Intervalle werden erheblich verdichtet. Das gilt nicht nur für die Verbindungen zwischen den umliegenden Gauen und Salzburg-Stadt, sondern auch innerstädtisch. Die Zukunftsversion der Landesregierung ist ein Ausbau der Lokalbahn über den Mirabellplatz hinaus bis Hallein, was naturgemäß noch Jahrzehnte dauern wird, wenn bereits rund 700m Strecke bis Mirabellplatz sechs Jahre in Anspruch nehmen sollen.

Weniger zeitaufwändige Sofortmaßnahmen?

Nachdem die heilige Kuh Auto weiterhin nicht angegriffen wird, darf ich hier fröhlich dahinwunschdenken:

sbg

Stadtplan Salzburg (Google Map)

Ich achte seit ein paar Monaten verstärkt auf die Autokennzeichen – es ist bei weitem nicht nur der Durchreiseverkehr, der in Salzburg für ein Verkehrschaos sorgt und bei den Bussen für massive Verspätungen. Sondern es überwiegen die einheimischen Pendler, quasi ein hausgemachtes Problem. Was ich hier nicht den Pendlern an sich anlasten möchte, sondern der miesen Verkehrs- und Stadtplanung geschuldet ist. Neue Wohngebiete, die öffentlich schlecht oder gar nicht angebunden sind. In Wien wird bei Wohnungen und Firmen mit der öffentlichen Anbindung geworben, in Salzburg sind es die Parkplätze vor der Tür oder der „nahe Autobahnanschluss“.

Wenn ich alleine an Wals [1] und Siezenheim [2] denke, deren Einwohnerzahlen sich in den letzten 50 Jahren verdoppelt haben. Die Ortsmitte von Wals ist überhaupt nicht angebunden, Siezenheim mit dem 28er umständlich und in unzumutbaren Intervallen. Der 2er ist stauanfällig durch die Innsbrucker Bundesstraße, Ignaz-Harrer-Straße, Hauptbahnhof und in weiterer Folge auch in Schallmoos und Gnigl.

Mit der veränderten Routenführung des 4ers seit dem Fahrplanwechsel 2017/2018 haben die Bezirke westlich der Salzach nur noch den 2er als Direktverbindung in die Bezirke östlich der Salzach. Jede Umstiegsverbindung ist problematisch aufgrund der Lage der Haltestellen (Kreuzungen, Ampelschaltung) und der Verspätungen. Die Busse sind etwas für Pensionisten und Touristen, nichts für Menschen, die voll im Berufsleben stehen und schnell von A nach B kommen wollen.

Ein nicht zu vernachlässigender Anteil des Verkehrs, gerade am Wochenende, geht auf Kosten des motorisierten Gaisbergtourismus [3]. Ich plädiere hier für drei Maßnahmen, die den massiven Individualverkehr rasch verringern würden:

  • Einbindung der Gaisbergspitze in den Verkehrsverbund Salzburg-Stadt, dann gelten auch die Salzburg-Tickets durchgehend.
  • Verdichtung der Intervalle des Gaisbergbusses auf 60 statt 90min.
  • Werbeoffensive für den Gaisbergbus – offenbar wissen viele gar nicht, dass es diesen Bus gibt

In einem vierten Schritt kann man immer noch einen Schranken einführen und die Straße zur Mautstraße erheben. Damit ließen sich auch die teilweise erheblichen Straßenschäden beseitigen. Zudem würde das nächtliche Autorennen verhindern – nicht zuletzt geht es hier auch um Naturschutz und massiven Stress für die verbliebene, im Übrigen recht artenreiche Tierwelt.

Schließlich geht es auch um Einkaufsmöglichkeiten. Was mich in dieser Region generell anzipft, ist, dass Fachgeschäfte an den Stadtrand ausgelagert werden. Sie werben dann mit guter Erreichbarkeit über Bundesstraßen und die nächste Autobahnabfahrt, nicht aber mit dem Bus oder die Bahn. Ein Beispiel ist Bergsport Riap in Bad Reichenhall, früher in der Altstadt, jetzt am Ortsausgang im Osten. Oder ein Grillgeschäft in Maxglan, das nun nach Hallwang an die Bundesstraße übersiedelt ist. Der Bergsportladen Alpstation liegt in Anif, der Iko, der sowohl Bergsport als auch Fahrräder verkauft, liegt ebenfalls in Hallwang. Ein Fahrradladen, der nur mit dem Auto erreichbar ist, führt das Radfahren ad absurdum. Dann wäre da noch der Europark [4], wohin an Samstagen zum Teil nur alle halbe Stunde Busse fahren. Ein Rätsel ist mir nach wie vor der unregelmäßige Einsatz der Linie 12, die auf direkterem Weg von Maxglan zum Europark fährt als Linie 9 oder Linie 1 (halbe Weltreise). Das umsatzstärkste Einkaufszentrum Österreichs wird überwiegend mit dem Auto angefahren, was an Samstagen und in den Abendstunden regelmäßig zu Staus führt (und die Linien 1,9 und 28 beeinträchtigt). Shoppen sollte bequem und nicht mühsam sein, wenn man schon unbedingt auf Dezentralisierung setzen muss.

Mit der geplanten Verlängerung der Lokalbahn würden die südlichen Bezirksteile bzw. angrenzenden Dörfer an das Verkehrsnetz in Salzburg angebunden. Eine Entlastung des Bus 840 nach Berchtesgaden [5] wäre wünschenswert, evtl. durch eine Kampagne, die den Bus 25 stärker bewirbt, der als Endstation die Untersbergbahn hat. Speziell in der Ferienzeit ist der Bus 840 oft überlaufen. Zum Wunschdenken gehören auch 1,2 Busse mehr von Salzburg nach Zell am See über Lofer (Linie 260), um ohne Zeitdruck Bergtouren machen zu können. Eine Taxifahrt von Lofer nach Bad Reichenhall ist zu teuer. Das schöne Loferer Land scheidet als Tagestour leider aus, mit dem Auto wären es nur eine Stunde Fahrtzeit.

Gar nicht so abwegig ist übrigens die Revitalisierung der Stieglbahn (rot eingezeichnet), mit einem Abzweiger zum Flughafen Salzburg, der damit endlich eine staufreie Anbindung zum Hauptbahnhof aufzuweisen hätte. Überdies würden auch die westlichen Bezirke durch zusätzliche Haltestellen angebunden. Pferdefuß der Umsetzung: Der Flughafen müsste untertunnelt werden, was Millionen kostet.

Für Straßenbahnen ist zugegebenermaßen kein Platz in Salzburg, da war ich in früheren Blogeinträgen zu optimistisch. Allenfalls auf den grün markierten Trassen könnte man breite Straßen nutzen, aber das ginge zulasten von Parkplätzen und Fahrspuren, und das kann man ja nicht ernsthaft wollen, nicht?

Allem übergeordnet steht folgendes: Die Ressourcen des Planeten sind nicht unerschöpflich, die weltpolitische Lage wird mittelfristig eher wieder zu steigenden Rohstoffpreisen führen (Irankrise), der Klimaschutz ist wichtiger denn je. Die globale Erwärmung ist unübersehbar (Eisschmelze in den Polregionen, rekordwarme Monate). Es ist unerlässlich den Kohlenstoffdioxidausstoß zu reduzieren. Das gelingt nicht ausschließlich, indem alle auf Elektroautos und E-Bike umsteigen. Auch die Stromerzeugung belastet die Umwelt. Gemeinsam mit den angrenzenden Städten Berchtesgaden, Bad Reichenhall und Freilassing zählt für mich Salzburg(-Stadt) zu den Individualverkehrbollwerken des Alpenraums. Das kann man so hinnehmen, muss es aber eigentlich nicht.