Tag 628: Kampf um die Deutungshoheit

Die aktuelle Situation lässt verzweifeln, denn was fehlt, ist die Perspektive. Grundsätzliche Fragen, wie wir die nächsten Monate und Jahre leben wollen, werden nicht gestellt. Wenn man sich an den gesammelten Fakten und Daten der Pandemie orientiert, wird schnell klar, dass das Virus so schnell nicht harmloser wird. Die neue OMICRON-Variante ist an 50 Stellen mutiert, davon 32 Mutationen alleine am Spike-Protein. Bisher konnten sich die Immun-Escape-Varianten (BETA, GAMMA) nicht gegen die infektiöseren Varianten (ALPHA, DELTA) durchsetzen. Bei OMICRON tappt man momentan noch im Dunkeln, was vorliegt. Viele Mutationen müssen nicht zwangsläufig zu hohem Immun-Escape führen, aber das Damoklesschwert schwebt über der Menschheit, solange man Regionen mit hoher Inzidenz zulässt – und hohe Inzidenzen gibt es bevorzugt in Regionen mit vielen ungeimpften Menschen.

Das führt zu einer ganz grundsätzlichen Frage, wie lange wir uns hohe Inzidenzen leisten wollen und können. Dabei ist das längst beantwortet, mit Blick auf die Schwere der Erkrankung und die Langzeitfolgen bei Erwachsenen und Kindern. Dazu kommt die anhaltende Gefahr für die Entstehung von Fluchtvarianten und konkrete Auswirkungen für alle Menschen, angefangen von der kurzfristigen (Triage), mittelfristigen (monatelange Verschiebung von OPs und ambulante Versorgung chronisch kranker Menschen) und langfristigen (Burnout von medizinischem Personal, steigender Reha-Bedarf) Überlastung des Gesundheitssystems, über wirtschaftliche Folgen, von tausenden Menschen in Quarantäne über wachsende Zahl an Krankenständen bis hin zur Arbeitsunfähigkeit durch Spätfolgen (nach Hospitalisierung und Long COVID nach leichteren Verläufen).

Schule aus der Pandemie statt Virus aus der Schule

Quarantäne und Erkrankung trifft die Kinder genauso, die Fehlzeiten durch Quarantäne sind kaum besser als durch vorübergehendes (!) Distance Learning, mit dem Unterschied, dass SuS in Quarantäne/Krankensand nicht unterrichtet werden. Der psychische Druck in den Schulen ist immens, weil irgendein Bildungsminister es schon beim Antritt der türkisblauen Koalition für eine super Idee hielt, zum Notensystem zurückzukehren und den Leistungsdruck zu erhöhen. Ich spekuliere jetzt einmal, dass das ein Schlüsselfaktor in der emotionalen Debatte um Schulschließungen (eigentlich: Distance Learning, Homeschooling) ist: In einer Solidargemeinschaft sollten sich Eltern, „die es sich richten können“, mit Homeoffice, Kinderbetreuung, Privatschulen mit verschärften Maßnahmen, Luftfilter, tec., solidarisch zeigen mit jenen, die dieses Glück nicht haben, die in beengten Wohnverhältnissen leben, keinen oder nur einen Computer haben, prekäre Arbeitsverhältnisse haben, und einfach nicht die Finanzen für zusätzliche Betreuung. Das sind unglücklicherweise vermehrt auch jene mit erhöhtem Risiko, chronisch kranke Kinder, chronisch kranke Eltern, alleinerziehende Mütter, usw. Jetzt kommt es aber – Spekulation – jene Eltern mit besserer finanzieller Ausstattung fördern tendenziell den Leistungsdruck, sie wollen ja, dass ihre Kinder in ihre Fußstapfen treten oder es noch besser haben als sie. Statt also Druck wegen der Pandemie herauszunehmen, weniger Schularbeiten, weniger Noten, mehr Projekte, mehr Ausflüge, etc., kämpfen sie vehement darum, dass die Schule aus der Pandemie genommen wird, also möglichst normal weiterläuft. Diese Normalität soll mit allen Mitteln und Argumenten aufrechterhalten werden, gegen jede wissenschaftliche Evidenz, dass Schulschließungen LEIDER am effektivsten sind, um die Fallzahlen zu drücken, dass Kinder seit dem Wildtyp ähnlich empfänglich und infektiös sind wie Erwachsene, und zwar selten, aber doch mit 3-11% Anteil Long COVID entwickeln können, dazu kommt MIS-C (wo wir keine genauen Daten haben) und einzelne schwere Verläufe. Die Schüler selbst wurden lange Zeit nicht gefragt, AHS-Schulsprecher Mati Randow fungiert als Sprachrohr für jene, die immer wieder übergangen, bzw. instrumentalisiert werden. Die ÖGKJ, mit Generalsekretär Kerbl, der auch beim Leerdenker-Video von Proll und Schwaiger mitwirkte, bemüht sich, die Versuche, Distance Learning wenigstens für wenige Wochen (viel kürzer als Semesterferien!) auf Schiene zu bringen, zu sabotieren – mit Presseaussendungen und veralteten Daten z.B. Dazu kommen dann Sätze from hell wie „Da Kinder kleiner sind als Erwachsene, befinden sich von ihnen produzierte Tröpfchen bereits vor deren Sedimentation unterhalb der Höhe der Atemwege von Erwachsenen“ (Aktuelle Stellungnahme der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychomatik und Psychotherapie), als ob Aerosole nicht existieren würden. Passend dazu diese kleine Auffrischung zur Aerosol-Übertragung von Jose-Luis Jimenez. (Und soviel dazu, man müsste nach bald 2 Jahren Pandemie niemanden mehr erklären, dass das Virus über Aerosole übertragen wird).

Leider beziehen sich viele namhafte Persönlichkeiten mit großer Reichweite auf diese Stellungnahmen und verteidigen haarsträubende Aussagen: Der Chefredakteur vom FALTER, Florian Klenk, FALTER-Journalistin und Historikerin Barbara Tóth, der ZiB2-Nachrichtensprecher, Armin Wolf, die Parteichefin der NEOS, Beate Meinl-Reisinger, und die Bildungssprecherin der Grünen, Sibylle Hamann. Sowohl in Interviews als auch bei Tweets und Presseaussendungen wird die Krankheit Covid19 beharrlich ausgeblendet. Es geht immer nur um die psychischen Folgen von Lockdown und Schulschließungen, „die andere Seite“, von Krankheit und Long COVID betroffene Kinder und Eltern, werden ausgeblendet.

Inzidenzen nach Altersgruppen, 30. November 2021, Quelle: Erich Neuwirth

Jetzt wehren sich die vorsichtigen und vernünftigen Eltern und SuS aber zunehmend, denn mit der DELTA-Welle sind die Inzidenzen so enorm gestiegen, dass Infektionen, Quarantäne und Komplikationen allgegenwärtig sind. Und dann kommen gleich mehrere Aussagen der Art ….

11% der erkrankten Kinder, nicht aller Kinder“ (Hamann; natürlich von den Erkrankten, von wem sonst?!)

„Suizidversuche von Jugendlichen verdoppelt. Auch das muss in der Debatte um die Schulschließungen berücksichtigt werden.“ (Klenk, bezieht sich auf einen ORF-Artikel, wo gar kein Zusammenhang zu Schulschließungen hergestellt wurde, ein Sozialarbeiter, der seit 12 Jahren in einem Kriseninterventionszentrum arbeitet, widerspricht.)

„Inzidenz heißt ja nur, wie viele Infektionen wir entdecken. Das heißt ja nicht, dass Kinder erkranken. Wir finden in den Schulen sehr viel Infektionen, weil wir so flächendeckend testen.“ (Hamann; diesen künstlichen Unterschied zwischen (asymptomatischer) Infektion und Erkrankung machen sonst nur Querdenker, auch Allerberger und Weiss haben das oft gemacht. Dabei entwickelt sich z.B. MIS-C oder LongCOVID häufig erst Wochen nach der Infektion; weiters die Behauptung, wer viel testet, findet viele Infektionen, zuletzt Faßmann im Winter als Antwort auf steigende Infektionszahlen in Volksschulen „die Kinder verstehen es immer besser, mit Tests umzugehen“, bzw. Apfalter im September 2020 „Labor-Tsunami“) – wenn das Testen effektiv wäre, und die daraus resultierende Kontaktnachverfolgung und Quarantäne, sollten die Infektionszahlen ja sinken und nicht steigen! Dass Schulen ideale Superspreading-Bedingungen erzeugen, fällt unter den Tisch).

Wie man sich bei solchen wissenschaftsfeindlichen Aussagen überhaupt im Tonfall noch zurückhalten kann, finde ich ja bemerkenswert. Die Situation ist nunmal bei Inzidenzen weit über 1000 bei Kindern und selbst bis 1000 bei Kleinkindern (siehe Vorarlberg) dramatisch! In Niederösterreich starb gestern ein vorerkrankter Vierjähriger an COVID19.

Welche Perspektive?

Selbst wenn in der Schule alles ganz normal wäre, samt dem immerwährenden Leistungsdruck und Mobbing-Attacken, würde die Pandemie in ihrer Gesamtheit auf die Psyche schlagen. Problem ist die Perspektivlosigkeit: Wann kann man sich wieder ohne Ansteckungsgefahr mit Freunden treffen, abends fortgehen, Konzerte besuchen, auf Urlaub fahren – FREIZEIT eben unbeschwert genießen? Wann gibt es wieder mehr als den eintönigen Alltag aus Schule und Arbeit, ohne Ausgleich? Das betrifft ja auch die Erwachsenen und wenn die Eltern niedergeschlagen und mutlos sind, überträgt sich das auch auf die Kinder.

Die einzig richtige Antwort ist: Wenn man die Fallzahlen dauerhaft so niedrig hält, dass aufflammende Cluster lokal rasch eingedämmt werden können und nicht überregional außer Kontrolle geraten wie derzeit. Wie man das jetzt nennt – NoCovid, ZeroCovid, Niedriginzidenzstrategie, wie beim Thema Lockdown ist das Problem die wörtliche Interpretation „Null Fälle und monatelang alle einsperren“. Das ist unsachlich und geht an dem Ziel von ZeroCovid vorbei. Aber wenn man sich ZeroCovid als Ziel setzt so wie „Zero CO2-Emissions ab Jahr X“ für den Klimaschutz, dann kann man sich ein Konzept überlegen, wie man möglichst in die Nähe dieses Ziels kommt, also die Fallzahlen dauerhaft so zu drücken, dass Contact Tracing funktioniert und im besten Fall covidfreie Regionen entstehen, die sich sukzessive ausweiten lassen. Das Zauberwort ist nicht „unmöglich„, sondern „konsequent“! Konsequenz bei Quarantäne, bei Maskenpflicht, bei zeitnaher Nachverfolgung (Aerosole), beim Testen, beim Impfen und auch beim Aufklären zur grundsätzlichen Übertragbarkeit: Aerosole statt Tröpfchen und Schmieren. Ich bin davon überzeugt, dass uns Konsequenz schon eine Menge Risikoreduktion bringen würde, ohne monatelang schließen zu müssen.

Stattdessen lautet das Ziel der Regierung: Handel ab 19.12. öffnen, Tourismus erlauben (Omicron!), Schulen bleiben offen, solange, bis die Zahlen wieder steigen und im Jänner mit der 5. Welle wieder alles dicht gemacht werden muss, bis dann nach den Semesterferien im Feber wieder aufgesperrt wird, gleichzeitig mit der Einführung der Impfpflicht. Statt Zielinzidenz also Öffnungsdatum. Die Fehler seit dem ersten Lockdown wiederholen.

Durchseuchung, Sozialdarwinismus, Eugenik

Gesamtzahl der Toten pro Million Einwohner, 30. November 2021, Quelle: Our World in Data

Die Regierung führt uns vier Wellen und vier Lockdowns durch die Pandemie, hat es bis heute nicht geschafft, ein funktionierendes Contact Tracing aufzubauen, was uns spezifische Quellcluster statt die allumfassenden „Haushaltscluster“ findet. Mit Stand 30. November 2021 gibt es über 12000 Tote und bald rund 1 000 000 Genesene, von denen Haus-, Spitals- und Fachärzte wissen, dass eine riesige Zahl weit von genesen entfernt ist. Manche nur für ein paar Wochen, rund 10% (ca. 100 000 Betroffene) aber für ein paar Monate, und rund 1% (ca. 10000 Betroffene) werden nach einem Jahr Langzeitsymptomatik in MECFS übergehen und dauerhaft arbeitsunfähig mit erheblich verminderter Lebensqualität bleiben, ohne genügend Anlaufstellen, öfter mit der falschen Therapie (Bewegung statt Pacing) und sehr häufig ins psychosomatische „Einbildung“s-Eck abgestempelt. Statistiken existieren hierzulande aber nur über die Zahl der Toten, da schneiden die Länder Osteuropas am schlechtesten ab, auch UK und Portugal, die riesige zweite Wellen hatten. Österreich führt das deutschsprachige Trio an. Weit darunter liegen Israel, Dänemark und dann kommen auch schon die ZeroCOVID-Staaten.

Wenn es nicht zum Heulen wäre, könnte ich darüber lachen. Die Regierung verhält sich konstant so dilettantisch in vielen Bereichen, dass ihre Politik viel näher an den Forderungen der Leerdenker ist (möglichst wenig einschränken, Infektion durchlaufen lassen) als an denen der NoCovid-Anhänger. Mir fällt auf Anhieb keine einzige Maßnahme ein, die so konsequent umgesetzt worden wäre, dass sie ihren Zweck erfüllt (Ausnahme: Wien).

  • Testen: PCR ja, aber nur in Wien, sonst lange Zeit nur Antigen und mit absurd langer Gültigkeitsdauer (Grund-Fehler: Antigentests als Eintrittstests), Festhalten an wenig sensitiven Antigentests v.a. bei Kindern, Kleinkinder lange Zeit gar nicht getestet
  • Tracing: Zu wenig Personalkapazitäten, das aus Datenschutzgründen nicht im Homeoffice sitzen darf, dass zu lange braucht und nur die Kontakte der Infizierten erfragt, nicht aber, WO man sich infiziert haben könnte (Quellcluster! Superspreading!), Aerosole werden ignoriert (2m Distance, 15min)
  • Isolieren/Quarantäne: Zu später Absonderungsbescheid, Geimpfte ausgenommen (K2 statt K1), Aerosole ignorierende Quarantäneregeln in der Schule/Arbeitsplatz
  • Maskenpflicht: Durchgehend nur in Öffis, aber nicht durchgehend FFP2, keine Maskenpflicht bei den Virendrehscheiben Schule/Arbeitsplatz, keine Maske, wenn 2/3G oder Plexiglasbarrieren, Maske in Bewegung, aber nicht am Sitzplatz, grundsätzlich keine Masken lange Zeit im Parlament
  • Impfung: Erst nur Risikogruppen impfen, dann nur Impfwillige, dann nur kranke Kinder und die Impfung bei Kindern eher lange hinausschieben, dann draufkommen, dass man mindestens 90%+x der Bevölkerung braucht, und Impfpflicht einführen müssen
  • Kontaktbeschränkungen: Outdoor und Indoor werden gleichgestellt, obwohl Risiko indoor viel größer ist als outdoor, Freizeit grundsätzlich kriminalisiert, während Arbeit/Schule möglichst ohne Einschränkungen weiterlaufen (danke Sozialpartner/Gewerkschaften!), (Winter-)Tourismus und Reisen möglichst wenig einschränken, aber Schulausflüge im Freien verbieten
  • LongCOVID kommt beim Zeitpunkt, ab dem Maßnahmen zur Inzidenzreduktion gesetzt werden müssen, schlichtweg nicht vor, stattdessen falsche Ziel- und Steuerungsgröße Intensivkapazitäten – aber nur so lange, bis die Inzidenzen sinken, dann werden diese herangezogen, um wieder verfrüht zu lockern
  • Kopplung der Intensivkapazitäten an Maßnahmen für die Schule, damit indirekt an eine (hohe) Inzidenz, bis Maßnahmen in der Schule verschärft werden müssen.

Was bedeutet eine hohe Inzidenz in der Gesamtbevölkerung und in den Schulen?

„Dass die Infektionen steigen, wenn wir öffnen, das wird absolut stattfinden“, so der Kanzler. Aber es werde sich vor allem um Infektionen bei Kindern handeln.“ (25. April 2021, Puls24)

Richtig, also Durchseuchung „let the infection run through the population“:

18.09.20 Leiterin für Hygiene, Mikrobiologie, Tropenmedizin Petra Apfalter:

Kinder spielen im gesamten Infektionsgeschehen, weder als Erkrankte noch als Überträger, […] keine Rolle. Daher wird empfohlen Kinder unter 10 Jahren nicht zu testen.“

16.02.21 AGES-Epidemiologin Schmid, Sprecherin Coronakommission, FALTER

„Die Realität hat einfach bewiesen, dass Schulen keine Infektionstreiber sind. Wir hätten die Volksschulen nie zusperren müssen.“

17.07.21 Molekularbiologe Elling spricht das Durchseuchungsexperiment indirekt auch bei uns an:

„Dazu läuft ein Menschen-Experiment, das ich für ethisch nicht tragbar halte, in England und Spanien. Beide Länder haben extrem hohe Inzidenzen unter den Jungen, trotzdem geht die Party weiter. In England füllen sich bereits die Krankenhäuser. Die Alten sind zwar geimpft, aber wir wissen nicht, ob sie ausreichend geschützt sind. Von den Jungen sind noch nicht alle geimpft und sie werden die Seuche zeitlich verzögert in die älteren Bevölkerungsschichten tragen. Die Frage wird sein, wie viele Tote und Long-Covid Patienten versus wie viel Lockdown die Gesellschaft akzeptiert.“

09.09.21 Interview mit Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker in der PRESSE:

DiePresse: „Da es im Kindergarten kein so dichtes Testsystem, dafür jedoch viel engen Kontakt gibt: Könnte man da von einer „kontrollierten Durchseuchung“ bei den Kindern reden?“

Hacker: „Ja, aber das ist schon die ganze Zeit so.“

21.10.21 Bildungsminister Faßmann:

Vor Beginn der Herbstferien zeigte sich Faßmann insgesamt zufrieden mit den ersten sieben Schulwochen. „Die Aufgeregtheit hat sich gelegt“, meinte der Minister: „Die Schule bleibt offen.“ Dafür werde man sorgen. „Wir können Schule Schule sein lassen, auch wenn die Infektionszahlen steigen.“

02.11.21 Interview mit Komplexitätsforscher Peter Klimek (CSH/Prognosekonsortium) im Ö1-Mittagjournal:

„Von daher ist das jetzt momentan eher die Strategie Durchseuchung, die wir hier praktizieren.“

04.11.21 Simulationsforscher Nikki Popper (Prognosekonsortium) für die APA

„Gesamtgesellschaftlich habe sich Österreich für eine Strategie entschieden, bei der man die Pandemie in Teilbereichen auch durchlaufen lässt – mit all den Folgewirkungen.

Der strategische Berater von Bildungsminister Faßmann, Ex-NEOS-Chef Matthias Strolz:

Halten wir fest, dass Durchseuchung von mehreren Politikern und Beraten offen zugegeben wird.

Was daran ist Eugenik?

Immunologe Anthony J. Leonardi über UKs Durchseuchungsstrategie:

As they are infecting kids in schools repeatedly (they don’t produce sera) those kids with genetic advantages will more likely to be productive and reproduce This is a eugenic practice.“

Michael Wiesmann, Schweiz, 12.08.21

Wenn man sagt, „Meine Familie, mich selbst wird es nicht so schlimm erwischen, wir sind schließlich gesund“, dann mach ich damit eine Unterscheidung zwischen „uns als gesunden Menschen“ und „denen, die krank werden können“. Der Gedanke, dass man Spitäler mit Menschen füllen könnte, die aufgrund ihrer Vorerkrankungen krank werden, ist eugenisches Denken. Das entspricht nicht unserem Rechtsstaat, der sagt, dass sich die Stärke vom Volk am Wohl des Schwächsten misst – wir sollten die Schwächsten also schützen und nicht „es erwischt nur die mit Vorerkrankungen“, das ist Eugenik„.

Nationalsozialistische Rassenhygiene ist eine Teilmenge der Eugenik. Eine Form von Eugenik bestand bis weit ins letzte Jahrhundert u.a. in Zwangssterilisationen von geistig Behinderten in vielen Ländern, z.B. in Schweden bis in das Jahr 1976 oder in der Slowakei bis 2004.

Auch der Schweizer Medizinhistoriker Flurin Condrau warnte bereits vor einem Jahr vor Eugenik.

Zum sozialdarwinistischen Bezug hat Politikwissenschaftlerin Natascha Strobl in der Wochenzeitung „der Freitag“ geschrieben. Das Recht des Stärkeren.

Zugespitzt: Neoliberale, Rechtsextreme und Esoteriker treffen sich in der Konsequenz ihrer Ideologie beim Sozialdarwinismus wieder. NEOS, ÖVP, Grüne und FPÖ wollen die Schulen um jeden Preis offen halten, aber nehmen die Folgen für vorerkrankte Kinder (und Erwachsene) in Kauf. Was ist mit der SPÖ? Ludwig geht zwar in Wien einen vergleichsweise fortschrittlichen Weg, aber auch hier wurden die Kinder stiefmütterlich behandelt. Der Pressesprecher von Gesundheitsstadtrat Hacker, den ich für seine Auskunftsfreudigkeit auf Twitter an sich sehr schätze, bezeichnete in einer Diskussion um den Schutz in Schulen Luftfilter als „süß“ (und sinnlos), obwohl deren Nutzen in Studien (z.B. Conway-Morris et al., 09/21) nachgewiesen wurde. Hacker gab ebenso zu, dass Kinder schon seit längerer Zeit durchseucht werden. Auch die SPÖ äußerte sich nie explizit zu Long COVID, Rendi-Wagner ist ein eigenes trauriges Kapitel der Epidemiologie in Österreich.

Medienanalyst Thomas Baekdal, 29.11.21:

„In the movies, epidemiologists are the professionals who saves the world, and they all have a very clear goal: “Stop the virus”… so I’m quite surprised by how many times over the past year we have seen epidemiologist argue that “things are stable” when they clearly are not“

Und schlimmer noch Epidemiologen, die behaupten, wir müssten lernen, mit dem Virus zu leben. Mit dem Virus leben müssen Long COVID-Patienten, das will in Wahrheit keiner.

In meinem Weltbild ist es die Aufgabe der Regierung und die Verantwortung der Opposition und Medien, Menschenleben zu retten, statt endlose Debatten darüber zu führen, welche wirtschaftliche Schäden kurzfristig entstehen, wenn man SARS-CoV2 nicht eindämmt.

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