Tag 824: Hygiene-Hypothese: Schwerwiegender Irrtum für die Menschheit in der Pandemie

In der Pandemie gibt es mehrere Strömungen, die ganz maßgeblich den Kurs vieler Staaten bestimmen. In Asien, Australien und Neuseeland sowie in einzelnen Staaten auf anderen Kontinenten dominierte lange Zeit die ZeroCOVID-Strategie. Sie ist in der Eliminationsstrategie nach Dowdle (1999) beschrieben. Eradikation (Ausrottung) wurde bei den Pocken lange erfolgreich versucht, bis man die Affenpocken laufen ließ. Die Vorteile einer ZeroCOVID-Strategie lagen auf der Hand: Weniger Infektionen bedeutet weniger Kranke und Tote, aber auch weniger Maßnahmen auf lange Zeit gesehen.

Die westlichen Staaten verfolgten aber eine andere Strategie: Great-Barrington-Declaration – „Vulnerable schützen, für den Rest so wenig Beschränkungen wie möglich.“ Gleichbedeutend mit „Herdenimmunität über Durchseuchung“. Seit März 2021 wissen wir, dass Herdenimmunität über Infektion unerreichbar ist. Dennoch wurde an der Durchseuchung festgehalten und die „Torpfosten verschoben“: Die „Immunisierung“ sollte jetzt nicht mehr gegen Infektion gelten, sondern nurmehr gegen Hospitalisierung, denn der einzige Benchmark der Durchseuchungsstrategie ist, gerade so zu durchseuchen, dass die Intensivstationen nicht überlastet werden. Mit der weltweiten Durchseuchung kommen so rasch neue Varianten, dass die Impfstoffproduzenten nicht mehr mithalten können. Trotzdem hält man an der Durchseuchung fest.

Die ehemals erfolgreichen ZeroCOVID-Staaten gerieten unter Druck mit den hochansteckenden Varianten. In manchen asiatischen Ländern war der Impffortschritt in der von Mortalität am stärksten betroffenen Altersgruppe nur schleppend, was sich nach Aufgabe der ZeroCOVID-Strategie mit besonders hohen Todeszahlen rächte (z.B. Hong Kong oder Taiwan), andere Länder wie Neuseeland mit hoher Impfquote hatten zwar deutlich niedrigere akute Krankheitslasten, aber unbekannt ist das Ausmaß der LongCOVID-Fälle hier, die auch mit dreifacher Impfung nicht signifikant weniger werden.

In den letzten Monaten zeichnete sich aber immer mehr noch eine dritte Strömung ab, die ganz maßgeblich dazu beizutragen scheint, dass die Regierungen von ihrem „wir müssen mit Corona leben lernen“ nicht abrücken, obwohl weiterhin Menschen schwer akut und vor allem schwer langzeiterkranken. Sie basiert auf der Hygiene-Hypothese, wonach der wiederholte Kontakt mit dem Erreger zu einer anhaltenden (Schleimhaut-) Immunität führt.

Statements von Wissenschaftler:Innen

„Das ist insgesamt vielleicht gar nicht so schlecht, wenn man so auf natürliche Weise in jungen Jahren eine Immunität erwirbt, denn wir sehen ja, dass die Kinder an und für sich eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit haben, schwer zu erkranken“

Epidemiologin Eva Schernhammer, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Epidemiologie, Mitglied der GECKO-Kommission, Leiterin der Arbeitsgruppe Schulen, Mitglied der Impfpflichtkommission, 14.06.21 im STANDARD

NDR: Was ist der größte Irrtum und der größte Mythos in Ihrem Fachbereich?

Dass wir Infektionen unbedingt brauchen, um unser Immunsystem zu stärken.“

Virologin Isabella Eckerle, Zentrum für Neuartige Viruserkrankungen in der Abteilung für medizinische Fachgebiete an den Universitätskliniken in Genf, 25.11.21, NDR-Podcast)

„Wer glaubt, durch eine Infektion sein Immunsystem zu trainieren, muss konsequenterweise auch glauben, durch ein Steak seine Verdauung zu trainieren.“ (Virologe Drosten, 29.12.21)

Drosten hat sich bis jetzt noch nicht angesteckt: „Virologen wissen, worauf es ankommt. Wie man sich verhalten muss.“ Vielleicht aber auch: Sie haben keine kleinen Kinder oder schulpflichtigen Kinder, oder hatten bisher noch Glück. In meinem Umfeld hatten fast alle mit Kindern bereits die Infektion (über ihre Kinder). Irreführend ist zumindest seine Aussage, wonach es mehrfache Kontakt mit dem Virus braucht, um eine lang anhaltende Immunität zu entwickeln. Bei HIV, Ebola oder Masern würde man das auch nicht fordern. Warum bei SARS-CoV2 mit 10% oder mehr Betroffenen mit Langzeitfolgen?

Drosten hat auch gesagt, dass man es nicht Durchseuchung nennen darf, wenn die Mehrheit der Bevölkerung durch Impfung oder Infektion bereits Kontakt mit dem Virus gehabt hat. Aber: Die Mehrheit der Kinder ist noch ungeimpft, dafür hatten in Österreich 70% schon wenigstens einen positiven Test, ca. 10% davon sind Reinfektionen. Mit jeder neuen Immun Escape-Variante steigt das Risiko von Reinfektionen weiter. Anekdotisch haben nicht alle Kinder einen milderen Verlauf bei der Zweit- oder Drittinfektion. Unklar ist bis dato, wie sich das Risiko eines schwereren Verlaufs bei Mehrfachinfektion verhält bzw. verändert. Unklar ist auch, wie sich das Risiko für MISC oder Hepatitis damit verändert.

Die Hygiene-Hypothese

„Schau, es ist gut, sich zu infizieren, weil es Dir Immunität gibt.“ – „Warum sollte ich Immunität wollen?“ – „Um sich davor zu schützen, sich zu inf…. warte.“

Gastbeitrag von Katharina Nasobem

Der Mythos, Infektionen würden das Immunsystem trainieren, stammt zum einen aus einer Fehlinterpretation der so genannten Hygiene-Hypothese. Der Kontakt mit harmlosen Mikroorganismen ist etwas anderes als mit Krankheitserregern, die (Langzeit-)Schäden verursachen können. Es ist so: Evolutionär haben Viren nicht so viel Positives beigetragen. Die kleinen Menschengruppen haben viel zu verstreut gelebt, als dass sie für Viren ein erfolgreicher Wirt gewesen wären. Dagegen sind wir gut gegen Bakterien ausgerüstet, soweit das eben für unsere Körper möglich ist (wo es nicht mehr möglich ist, helfen nur noch Antibiotika). Wir brauchen also durchaus regelmäßigen Kontakt mit harmlosen Bakterien („im Dreck spielen ist gut“), die uns ohnehin permanent umgeben. Auch „gute“ Keime (Fermentation usw.) sind nützlich. Zu hygienisch im Sinne von „ohne Dreck“ aufwachsen, ist tatsächlich kontraproduktiv. Der Körper muss sich mit den Antigenen, die in seiner Umwelt-Umgebung sind, auseinandersetzen, d.h. mit ihnen in Kontakt kommen. Das Immunsystem erkennt dann diese ganzen spezifischen Antigene und kann sie zielgerichtet eliminieren, wenn sie in den Körper eindringen. Wir setzen uns ja quasi sekündlich mit einem neuen Keim auseinander, unser aller Immunsystem ist somit ohnehin gut spezialisiert. Daher rührt übrigens auch diese ursprüngliche Idee mit den Allergien, wobei das im Grunde auch schon als überholt gilt und der Anstieg an Allergien nicht auf mehr Hygiene, sondern auf Umweltveränderungen zurückzuführen ist (z.B. mehr Pollen durch die Klimaerwärmung).

Bei Viren sieht die Sache aber ganz anders aus. Einige Infektionen, z.B. mit Influenza, erzeugen eine gewisse Immunität in Individuen und auf Bevölkerungsebene, allerdings zu einem hohen Preis. Dadurch erfolgt keine „Stärkung“ des Immunsystems, sondern sogar eine „Schwächung“: Jede Anstrengung des Körpers, Antikörper auf Viren zu erzeugen, schwächt dauerhaft. Manche Viren sind sogar so hinterhältig, dass sie die zelluläre Entwicklung über Jahre bis Jahrzehnte (wie Polio, Masern, Epstein-Barr-Virus) beeinträchtigen. Masern etwa lassen das Immunsystem langfristig vergessen, was es „erlernt“ hat. Genau deshalb impfen wir Kleinkinder ja. Gegen manche Viren wie Adenoviren oder konventionelle Magen-Darm-Viren gibt es keine Impfung, aber auch keine Immunität durch körpereigene Antikörper. Auch gegen RSV gibt es (noch) keine Impfung. Säuglinge haben ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf. Eine spätere Erstinfektion verläuft oft milder. Auch der Durchseuchungsansatz bei RSV ist keine Stärkung des Immunsystems, sondern ein fehlgeleiteter Public-Health-Ansatz.

Es gibt nur den körperlichen Prozess des Kämpfens, aber keinen Lerneffekt des Körpers dadurch. Das ist auch einfach nachzuprüfen: Wir haben alle diese ganzen Schnupfen-und-Magen-Infekte im Kleinkinderalter durchgemacht, aber trotzdem sind Jungeltern andauernd krank, weil ihre Kinder Infektionen aus dem Kindergarten mit nach Hause bringen. Ein weiteres Beispiel sind die Kindergarten-PädagogInnen, die dauernd verschnupft sind. Darüber hinaus haben Kinder, die gar nicht (oder erst
im verpflichtenden Jahr) in den Kindergarten gehen, auch keine vermehrten Immunprobleme.

Summa summarum: Ständig krank sein ist nicht gut für das Immunsystem.

Viele Menschen glauben irgendwie, dass wir wie die Amazonasindianer sind, die von den Europäern diverse Seuchen bekommen haben und daran verstorben sind, da sie diese Infekte vorher nicht durchgemacht hatten. Das war aber nicht Schnupfen & Co., sondern Masern, Pocken usw. Dagegen hat die neue Welt Impfungen entwickelt und in der alten sind eh auch viele gestorben. Übrigens auch in Südafrika, das bereits mehrere große SARS-CoV2-Wellen mit hoher Übersterblichkeit durchgemacht hat.

Die zweite Säule des Irrglaubens, wir bräuchten im Kleinkinderalter Infekte, stammt aus der Steiner’schen Anthroposophie. In der Anthroposophie gibt es auch das „Argument“, dass Kinder die Infektionen für die wichtigen Entwicklungsschritte brauchen. Das glauben ja heute auch noch viele Menschen, wenn sie im Gedenken des Okkultismus Steiners von „Entwicklunsgkrankheiten“ sprechen. Rudolf Steiner war allerdings Eugeniker und Antisemit; Anthroposophie ist rechte Esoterik: Das Prinzip der durchgemachten Infektionen entspringt seiner Ideologie von „Natur“ und „Reinheit“. Die Kinder, die die Infektionen nicht überleben, sind ohnehin nicht lebenswert gewesen, weil sie nicht stark und rein genug waren. Ja mehr noch: Steiner sagte, dass Kinder, die an Kinderkrankheiten starben, dies aufgrund ihres Karmas verdient hätten (er nannte das wortwörtlich „minderwertige Kinder“). Auf die, die nicht starben, könne man hingegen stolz sein, weil sie stark und rein und gut seien. Das alles würde man heute natürlich nicht mehr so formulieren, hat aber über die Jahrzehnte zum heute ausgeprägten Denken geführt, Kinderkrankheiten (Viren) seien etwas Gutes.

Natürlich kann man trotzdem nicht alle Viren aus den Kindergärten verbannen, das ist klar. 100% Sicherheit gibt es nicht, nicht gegen Covid-19, nicht gegen Masern, nicht gegen Magen-Darm-Viren. Das wissen wir, aber ein Luftfilter ist viel besser als nichts, kostet nicht die Welt, stört nicht. Bei Covid und auch bei einigen Adenoviren kommt zudem noch entscheidend dazu, dass der Hauptübertragungsweg die Luft ist, wohingegen Schmierinfektion seltener ist. In den Aerosolen halten sich viel mehr Viruspartikel als in Tröpfchen auf Oberflächen. Wenn die Kinder nicht gerade denselben Schnuller teilen, ist die Ansteckung über die Luft bei Covid und manchen anderen Dingen sehr viel wahrscheinlicher als über kuscheln oder gemeinsam benutztes Spielzeug. Covid ist im Grunde sowas wie über die Luft übertragbares Aids: Es persistiert im Körper, noch lange nach dem Abklingen der Akutinfektion. Siedelt sich im Darm, im Gehirn, in den Organen an. Macht monate- bis jahrelang (?) anfälliger für diverse andere Infekte, führt zum Anstieg von Diabetes, Hepatitis, MS, Demenz, Hypophysentumoren, Mikrothromben, Nierenschäden etc. pp. – Ja, wir werden alle früher oder später Covid bekommen, weil wir die Chance verpasst haben, es zu eliminieren, und es jetzt endemisch ist. Die Frage ist aber, wann wir es bekommen und wie häufig. Zum einen sind die Kindergartenkinder noch nicht geimpft und die älteren bis 12 Jahre auch nur zu 14,75% (frappanter MIS-C Anstieg bei ungeimpften Kindern!). Zum anderen gibt es noch kein Medikament, das man wie Aspirin in der Apotheke kaufen kann, uns das einen vor LongCovid bewahrt. Auch nasale Impfungen sind gerade in der Entwicklung. Es zahlt sich also aus, die Infektionen so gering wie möglich und so selten wie möglich zu halten, bis die Medizinentwicklung weiter fortgeschritten ist.

Eigentlich ist es wie besoffen Autofahren: Wenn du das einmal machst, hast du eh ganz gute Chancen, heil zuhause anzukommen. Wenn du aber 1x im Monat besoffen Auto fährst, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass du dich um einen Baum wickelst, mit jedem Mal. Wenn Covid jetzt in Kindergärten und Schulen zirkuliert, kann es bei der Erstinfektion ok sein, bei der Zweitinfektion auch noch relativ harmlos (auch wenn dann z.B. auffällt, dass das Kind plötzlich viel öfter Schnupfen hat), aber irgendwann eben nicht mehr. Und damit man die Re-re-re-Infektionen möglichst geringhält, sind Luftreiniger und langfristige Investition in effektivere Lüftung als nur Fenster kippen oder einseitig Fenster öffnen ein recht gutes Mittel.

Mehr zum Thema:

Daher ist saubere Luft in Innenräumen so wichtig, wofür sich etwa die Initiative Gesundes Österreich (IGÖ) aktuell mit einer Petition für den Bildungsbereich einsetzt – das gilt übrigens genauso für Erwachsene, also in allen Gemeinschaftsräumen in der Öffentlichkeit.

Mythos Immunschuld – „Immune debt“

Laut der Dermatologieprofessorin Dr. Lisa Iannattone (Montreal, Kanada) wurde diese Theorie während der Pandemie erfunden. Es gab nichts dergleichen vor 2021. Die Theorie soll epidemische Wellen außerhalb der Saison erklären, aber sie kann sich dadurch schwerere Verläufe nicht erklären. Wir bekommen nicht alle jährlich Viren. Wir kriegen sie ab und zu, oft mit mehreren Jahren Pause dazwischen, ohne dass das Probleme macht. Kinder, die ein oder zwei Jahre ohne Adenovirusinfektion ausgesetzt haben, sollten nicht plötzlich gehäuft schwere fulminante Hepatitis bekommen, die eine Lebertransplantation erfordert, oder ältere Kinder mit sehr schweren Symptomen des RSV, wovon manche auf die Kinderintensiv müssen, oder eine schwere HFMD-Saison (Hand-Fuß-Mund-Krankheit). Wir wissen, dass nach einer Covid19-Infektion die Lymphozyten vorübergehend niedriger sind. Daher hält Iannattone es für eine plausiblere Erklärung, dass schwere Verläufe bei anderen Infektionskrankheiten mit dem Zeitfenster der Lymphopenie (Immunsuppression) zusammenhängen. Oder mit einer Doppelinfektion.

Eine aktuelle Studie aus Israel (Cooper et al., 10.06.22) zeigt, dass die gehäuften Kinderhepatitisfälle wahrscheinlich eine verzögerte Folge einer Coronainfektion sind. Die durchschnittliche Verzögerung waren 74 Tage (21-130). Das ist nahezu sicher der Grund, weshalb die meisten PCR-getesteten Kinder negativ ausfallen. Die Schlussfolgerung der Autoren:

„the mechanism of liver manifestation is either a post-infectious immune reaction similar to MIS-C, or an immune dysregulation causing priming to other infectious agent such as adenovirus by a prior infection with SARS-CoV-2.

In der Leber wurde kein Adenovirus gefunden. Ein weiterer Kommentar bestätigt diese Ergebnisse aus einer Untersuchung in Großbritannien (Deep et al., 10.06.22).

Die klinische Epidemiologin Deepti Gurdasani argumentiert in einem Thread auf Twitter ebenfalls gegen „Immunschuld“ (nachfolgend die Übersetzung ins Deutsche):

Anfangs wurde die Zunahme an Adenovirusaktivität auf Schulschließungen zurückgeführt:

Doch hat sie zugenommen? UKHSA-Berichte zeigen, dass die Positivrate bei den Tests exakt gleich blieb – vielleicht sogar niedriger als in den Vorjahren – und sie nahm auch während der Pandemie nicht völlig ab. Also nein.
Natürlich ist die hervorgehobene Abbildung diese hier, die die Zahl der Tests nicht berücksichtigt – also schienen die absoluten Zahlen zuzunehmen, aber das könnte mit verstärkten Tests zusammenhängen, da die Positivrate gleich blieb. Daten aus Wales zeigen das auch.
Nun lasst uns die Positivraten bei RSV anschauen. Es scheint so, als ob RSV von 2020 bis Mitte 2021 aufgrund der Maßnahmen nahezu eliminiert wurde (was sicher eine gute Sache ist), doch hat es die vorhergesagte massive RSV-Welle danach nie gegeben.
Was geschah, war eine frühere Welle als erwartet (im Sommer), die von einer sehr niedrigen Welle im Winter gefolgt wurde. Also insgesamt keine Zunahme der Positivrate, wenn man das gesamte Jahr betrachtet, nur eine zeitliche Verlagerung.
„Immune debt“ sollte aber nicht nur zeitliche Verlagerung, sondern auch eine Zunahme an Fällen implizieren – warum sonst sollten wir uns darum so viel Sorgen machen? Gab es eine Zunahme an Krankenhausaufnahmen wegen RSV? Nein – lediglich ebenfalls eine Verlagerung in den Sommer und sehr niedrige Zahlen im Winter.

Ich denke, wir sollten wirklich kritischer über diese Narrative denken. Die Idee, dass eine Infektion etwas gutes für die Kinder ist, braucht schon mehr wissenschaftliche Evidenz dahinter. Wenn das der Fall wäre, warum dann die Anstrengungen für die Entwicklung eines RSV-Impfstoffs?

Bedenke, wie die Maßnahmen für SARS-CoV2 die Zahl der Infektionen und Spitalsaufnahmen bei Kindern auch bei anderen Krankheiten massiv reduziert haben. Große Vorteile: 90% Reduktion bei Masern, Influenza, 50% bei Menigitis und vielen anderen.

Ich finde es erstaunlich, dass mir vorgeworfen wurde, „Panik zu verbreiten“, als manche unter den Kinderärzten lange unterstellt haben, dass Maßnahmen Kinder wegen der ‚Immunschuld‘ schädigen würden – vollkommen ohne Belege dafür. Und nun verbinden sie leidenschaftlich jede neue Kinderkrankheit mit den „Lockdowns“. Ich möchte wirklich harte Beweise dafür sein, dass der Kontakt mit Viren für Kinder gut sein soll, während wir sehen, welche großen Vorteile vorbeugende Maßnahmen für sie haben – und bisher wenig bis kein Einfluss durch „Immunschuld“, was bis jetzt eher eine Theorie bleibt als durch Fakten bewiesen wurde.

Die Übersterblichkeit bei Kindern war bis Mitte 2021 sogar geringer, ‚weil‘ die Todesursachen bei Kindern durch andere Erkrankungen während der Zeit mit Maßnahmen geringer waren.

Diese Denkweise ist bis in die Kinderärzte-Community und JCVI (Joint Committee on Vaccination and Immunisation, etwa Gemeinsame Ausschuss für Impfung und Immunisierung) vorgedrungen. Eine ähnliche Denkweise wurde verwendet, um zu rechtfertigen, dass Kinder in UK nicht gegen Windpocken geimpft werden sollen (in den USA, Deutschland, Australien und in vielen anderen Ländern werden sie seit Jahren dagegen geimpft).

Keine der Bedenken des JCVI, dass Kinderimpfungen bei Erwachsenen vermehrt Herpes Zoster bei Erwachsenen auslösen könnten, haben sich bewahrheitet. Ich denke, es ist sehr wichtig, dass selbst diese populären Narrative für bare Münze von den Medien oder Wissenschaftlern gehalten werden, solange sie nicht belegt werden können. Es mag populär sein, alles auf Lockdowns zurückzuführen, doch die Wahrheit ist, dass wir weniger über die „Immunschuld“ beunruhigt sein sollten als über die akuten und langfristigen Folgen eines Virus, das sich rasch ausbreitet und Kinder wiederholt infiziert: SARS-CoV2

Und vorbeugende Maßnahmen wie gute Durchlüftung, hochwertige Masken, etc. schützen Kinder vor allen Infektionskrankheiten, die über die Luft übertragen werden – das ist eine *gute Sache*, denn es verringert Krankenstände, Krankenhausaufenthalte und sogar Tote.

Selbst wenn ‚immunity debt‘ existieren und bedeuten würde, dass mehr Kinder für eine Infektion empfänglich wären, wenn die Maßnahmen vorbei sind, sollte das nicht ein Ruf nach mehr Prävention sein, nicht mehr Infektionen? Vorausgesetzt man sieht die großen Vorteile der Prävention?

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.