Tag 871: Unverhohlene Wissenschaftsfeindlichkeit in der Regierung

Ich hab es für unvorstellbar gehalten, dass man die offen zur Schau getragene Faktenleugnung so durchgehen lässt. Wofür gibt es Journalismus? Medien mit Kontrollfunktion? Warum versagen sie auf ganzer Linie? Leitartikel mit der größten Reichweite befeuern die Wissenschaftsleugnung, Widerspruch gibt es nur in Kommentarspalten. Warum erfolgt zu Interviews kein Faktencheck? Warum bereiten sich Journalist:innen nicht akribischer auf Interviews vor? Die Phrasen der Politiker dürften inzwischen doch bekannt sein. Und wenn ein Politiker die ewig selben Länder aufzählt, mit denen er seine wissenschaftswidrige Politik rechtfertigen will – dann muss ich als Journalist schauen, wie es dort aussieht, um zugleich mit einer Nachfrage kontern zu können. Zusammengestutzte Wissenschaftsreduktion ist das eine, aber hey – ich hab auch keine Redaktion, ich benutze aber wie viele JournalistInnen Twitter und kenne Experten und praktische Mediziner in zahlreichen Ländern, die ich jederzeit anschreiben oder ihre Beiträge zu Rate ziehen kann. Daraus ergibt sich dann oft ein ausgewogeneres bzw. in diesem Fall meist gegenteiliges Bild zu den Wortspenden aus der Regierung (und Opposition) und den Pseudoexperten der Regierung.

Den verantwortlichen Politikern ging es nie um Fakten, sondern um Machterhalt über Wahlen und die dazu nötige Message Control, die durch die finanzielle Abhängigkeit und Parteinähe der Medien bestens funktioniert. Derzeit geht es vor allem um Kostensenkung (Überwälzung der Kosten für Krankenstände auf Krankenkassen, Einsparen von Tests und Contact Tracing, Aushebeln des Epidemiegesetzes wegen Haftung) und um die Profilierung bei Themen, wo die grüne Partei mehr gewinnen kann, wie der Energie- und Klimakrise. Dieses Mal sind sie aber zu weit gegangen – prominente Juristen wie der Ex-Sektionsschef im Bundeskanzleramt Manfred Matzka warnen bereits, dass der Gesundheitsminister fahrlässig Menschenleben gefährdet. Ich kann der Regierung mangels juristischer Expertise nichts entgegenhalten, aber was ich weiter tun kann, ist Faktenchecks zu betreiben.

Faktencheck ZiB2-Interview GM Rauch (26.07.22)

Vorab – Martin Thür hat sich gut vorbereitet und kritische Fragen gestellt (Transkript). Einzig die Frage nach LongCOVID hab ich vermisst, aber die kommt in der ZiB2 so gut wie nie vor. Who cares…?

Behauptung: „Es ist im Vergleich zum Frühjahr 2020 eine komplett andere Virusvariante. Wir haben jetzt die Impfung. Wir haben Medikamente, die schützen.“

Fakten: OMICRON ist ein neuer Serotyp, der aus zahlreichen Untervarianten besteht, die sich stetig weiterentwickeln. BA.1 ging weniger auf die Lunge als DELTA, BA.2 war deutlich ansteckender, BA.5 geht wieder stärker auf die Lunge als alle BA.x-Varianten zuvor und verursacht mehr schwere Verläufe (Kislaya et al. 2022). Seit Jahresbeginn 2022 sind 3465 Menschen an Covid19 verstorben, das sind 17% der Gesamttodeszahlen – trotz rund 70% zweifach geimpfter Menschen und 56% dreifach geimpft. Medikamente schützen nur bedingt, und nur dann, wenn sie verabreicht werden.

Medikamente wie Paxlovid oder therapeutische Antikörper lindern den Akutverlauf dann am besten, wenn die Infektion rechtzeitig erkannt wird, bestenfalls prophylaktisch bei bekanntem Kontakt zu einer infizierten Person bzw. positivem Test im präsymptomatischen Stadium. Das setzt aber regelmäßige Tests voraus der betroffenen Risikogruppen und ihrer Angehörigen voraus. Mit der Abschaffung des breitflächigen Gratistestangebots haben auch immunsupprimierte Menschen, die nicht im Heim leben oder im Krankenhaus wohnen, erschwerten Zugang zu kostenfreien Testangeboten. Für immunkompetente Menschen, die eine normale Antikörperbildung nach Impfung aufweisen, sind die Medikamente nicht gedacht, die einen schweren Akutverlauf verhindern sollen.

Sie können aber auch wenig gegen LongCOVID tun, das immerhin noch bei 4% der 3fach Geimpften vorhanden ist. (Ayoubkhani and Bosworth 2022). Bei Ungeimpften rechnete man mit 10-20% LongCOVID-Risiko. Bis zur Übernahme von OMICRON haben sich rund 1,5 Mio Menschen in Österreich infiziert. Seit Jahresbeginn weitere 3 Mio, inklusive Reinfektionen (vor allem bei Kindern, wo das LongCOVID-Risiko im niedrig einstelligen Prozentbereich liegt). Selbst wenn man davon ausgeht, dass OMICRON dank der Impfung wesentlich seltener zu LongCOVID führt, bedeutet die schiere Menge an Neu- und Reinfektionen, dass wesentlich mehr LongCOVID-Fälle mit OMICRON aufgetreten sind als in der Pandemiezeit davor.

Behauptung: „Wir haben ein anderes Setting und machen jetzt, was andere europäische Staaten auch gemacht haben.“

Fakten: Martin Thür hat es beantwortet: Nur fünf von 27 EU-Ländern haben diesen Weg gewählt.

Nachtrag, 30.0722: Zypern hat noch verpflichtende Isolation, wenn durch den Arzt ausgesprochen, ebenso Schweden und Spanien, Dänemark. Österreich streng genommen im Alleingang.

Davon abgesehen finde ich dieses „aber die anderen machen es auch, darum muss es richtig sein„-Argument sehr, sehr dünn. Asiatische Länder gehen trotz Aufgabe von ZeroCovid (abgesehen von China) einen anderen Weg, dort bleibt die Maske im Alltag. Am Beginn der Pandemie tönte Ex-Kanzler Kurz, man müsse von Asien lernen und wir führen daher die Maske ein, auch wenn es eine andere Kultur ist. Von diesem ehrenhaften Vorsatz ist nichts mehr geblieben.

Am 2. Februar 2022 hat Dr. Mike Ryan von der WHO genau davor gewarnt:

„My greatest fear at the moment is that countries have a lemming syndrom now and they all chased „Open up!“ and they open up on the basis that the country next door opened up. And the problem is they don’t have the same situation. They don’t have the same vaccine coverage. They don’t have a strong health system. And I’m really fearful that some countries have the opportunity to raise measures more than others. Others may choose that because there is political pressure to do that, and that political pressure will result in people in some countries opening prematurely and that will result in unnecessary transmission, unnecessary severe disease and unnecessary deaths.“

Auch GECKO hat in seinem letzten Bericht sehr klar die mangelnde Vergleichbarkeit mit anderen Ländern hervorgehoben:

Quelle: Seite 10 des Berichts vom 26.07.22

Behauptung: „Ich komme aus Vorarlberg, aus der Nachbarschaft der Schweiz, da hat es überhaupt keinen Effekt [der Quarantäne-Abschaffung] gegeben, und ich kann Ihnen berichten. Ich hatte Gelegenheit, bei den Bregenzer Festspielen mit dem Kanton St. Gallen mich auszutauschen und habe explizit nachgefragt, wie hat sich das ausgewirkt? Und die haben mir bestätigt, das hatte keine Auswirkungen auf die Spitalszahlen.“

Fakten: Festspielgespräche als Quelle, ernsthaft?! Ausgerechnet St. Gallen. Dort war bis 2021 Infektiologe Pietro Vernazza tätig, der die Great-Barrington-Declaration unterzeichnet hatte. Die Hospitalisierungszahlen sind langsam gestiegen, aber es kam zu vielen Personalausfällen bei hoher Positivrate (aktuell 40%). Personausfälle machen sich auch in anderen Bereichen bemerkbar – etwa im öffentlichen Nahverkehr „mehr als geplant“.

Anzahl der Covid19-Patienten im Krankenhaus, Stand 29.07.22

Die Isolationspflicht wurde am 1. April abgeschafft, danach sind die Hospitalisierungszahlen zunächst gesunken und seit 4. Juni wieder am Steigen und jetzt über dem Niveau der 1. DELTA-Welle. 900 Patienten zusätzlich seit der letzten Talsohle. Ein Teil davon wird sterben, ohne je eine Intensivstation von innen gesehen zu haben (vor allem ältere Menschen). Wer sich intensiver mit den Folgen eines schweren Verlaufs beschäftigt, der wird erkennen, dass Folgeschäden deutlich häufiger auftreten als ohne Hospitalisierung. Nur 29% der hospitalisierten Patienten erholen sich innerhalb eines Jahres, zeigt eine große Studie (Evans et al. 2022), die Mortalität nach Hospitalisierung ist deutlich erhöht (8fach), erneute Hospitalisierung ebenso (4fach), v.a. gibt es eine Häufung bei Diabetes, Nieren- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Ayoubhkani et al. 2021). Dazu kommen die angesprochenen Personausfälle im Spital selbst.

Behauptung: [Auf die Frage, warum die nach eigenen Angaben effektivste Maßnahme wie Absonderungen jetzt abgeschafft wird.] „Weil Verkehrsbeschränkungen in der derzeitigen Situation ausreichend sind.“

Fakten:

„In einer solchen Situation durch Wegfall von Isolierungsmaßnahmen einen möglicherweise partiellen bis völligen Kontrollverlust über das infektiologische Geschehen in der Bevölkerung bei gleichzeitig steigenden Infektionszahlen in Kauf zu nehmen, erscheint doch mit einer Reihe von unkalkulierbaren Risiken verbunden.“

Bericht der GECKO-Kommission vom 26.07.22

Behauptung: Sie [seine Frau] spricht in ihrer Rolle als SPÖ-Vorsitzende.

Fakt: Seine Ehefrau Gabriele Sprickler-Falschlunger ist auch Allgemeinärztin und spricht aus Erfahrung als praktische Ärztin, die mit Patienten und Personalausfällen zur eigentlich ruhigsten Jahreszeit konfrontiert ist.

„Dass sich die Zahl der Krankenstände nach einem Aus für die Absonderung von infizierten Personen senken lassen, darf stark angezweifelt werden. Das Virus ist hochansteckend und wird sich dann noch schneller und leichter ausbreiten und somit sehr viele Krankenstände verursachen.“

Quelle: KURIER

Behauptung: Rauch rechtfertigt die Aufhebung der Isolationspflicht mit den psychischen Kollateralschäden durch Maßnahmen.

Fakt: Das ist halt Querdenker-Unsinn, wie im vorvorletzten Blogeintrag darlegt. Keine seiner zitierten Studien fordert die Aufhebung von Maßnahmen, um die psychische Gesundheit zu verbessern. Covid-kranke Kinder haben übrigens *auch* psychische Beeinträchtigungen. Symptomlose Kinder, die ihre Eltern ansteckten, denen es dann tagelang oder sogar wochenlang und viel länger schlecht geht, leiden unter Schuldgefühlen und Ängsten. Es verbessert sich genau nichts, zumal über 75% der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren ungeimpft sind und sich wiederholt infizieren. Zahlreiche LehrerInnen, aber auch Eltern von betroffenen Kindern berichten, dass erneute Infektionen tendenziell stärker symptomatisch ausfallen. Objektive Statistiken gibt es leider nicht. Die Ärztekammer Wien kritisierte aber auch strukturelle Defizite bei der psychischen Gesundheit von Kindern.

Behauptung: „Von Plexiglaswänden über Aufenthaltsräume gibt es Schutzkonzepte.“

Zweieinhalb Jahre Pandemie und es hält sich immer noch der Unsinn mit den Plexiglaswänden. SARS-CoV2 wird über die Luft übertragen, über winzige Tröpfchen (Aerosole), die sich im ganzen Raum verteilen und stundenlang in der Luft schweben können. Ohne ausreichende Frischluftzufuhr oder Luftreinigung akkumulieren sich infektiöse Aerosole. Sie überkommen damit offene Plexiglasbarrieren und können auch anstecken, wenn eine infektiöse Person den Aufenthaltsraum verlassen hat und eine empfängliche Person den Raum alleine betritt. So ist es passiert bei einem der ersten OMICRON-Ausbrüche (BA.1) am 26. November 2021 in Norwegen (Brandal et al. 2021). Die infizierte Person hatte den Restaurant-Raum verlassen, eine nachfolgende Gästegruppe hat sich dort infiziert.

Behauptung: „Wenn Ihr Kind keine Symptome hat, dann bringen Sie Ihr Kind ganz praktisch mit Maske in die Kinderbetreuung. Können es dort abgeben und wieder abholen. Das ist möglich.“

Fakten: Gesundheitsminister Rauch am Folgetag auf Twitter: Meine Aussage gestern in der ZiB2, dass infizierte Kinder mit Maske in den Kindergarten dürfen, war nicht korrekt. Sorry. Tatsächlich gibt es ein Betretungsverbot.

Behauptung: „Die WHO hat in dieser Studie 25% mehr Angstzustände und Depressionen im ersten Jahr der Pandemie weltweit festgestellt. Eine der Haupterklärungen hierfür, beispielloser Stress verursacht Isolation. Zitat. Zweite Studie, 37% der SchülerInnen mit hoher Stressbelastung nach einem Semester Homeschooling, englische Studie. 29% mehr Sterblichkeit bei sozialer Isolation.“

Fakten: In der WHO-Meldung (bzw. zugehörige Studie), auf die sich Rauch bezieht, gelten die 25% für ALLE ALTERSGRUPPEN. Davon abgesehen gibt es keine monokausalen Erklärungen:

„Loneliness, fear of infection, suffering and death for oneself and for loved ones, grief after bereavement and financial worries have also all been cited as stressors leading to anxiety and depression. Among health workers, exhaustion has been a major trigger for suicidal thinking.“

Obwohl Rauch von internationalen Experten widerlegt wurde, wiederholt er diesen Unsinn gleich nochmal. Die besagte englische Studie habe ich bisher nicht identifizieren können. Aber auch das ist ein Strohmann-Argument, denn wer fordert ein Semester Homeoschooling? Niemand. Keiner redet von Schulschließungen, sondern von Schutzmaßnahmen wie Lüftungsanlagen, HEPA-Filtern, mobilen Luftreinigern, CO2-Messgeräten, um Lüftung zu überwachen, Maske tragen, um Schulschließungen zu verhindern – nämlich auch Unterrichtsausfälle durch Krankenstände bei Kindern und PädagogInnen.

Thür: Warum sollten Ihnen die Zuseherinnen und Zuseher glauben, dass das heuer ganz anders ist als in den letzten zwei Jahren?

Rauch: Es ist nicht planbar, und das wissen wir. Deshalb haben wir diesen Varianten-Managementplan gemacht mit vier möglichen Szenarien. […] Pläne haben wir. Das Virus hält sich nicht an Pläne.

Aha.

Rauch: Wir werden dann reagieren, wenn neue Varianten auftauchen. Jetzt halten wir uns für gut gerüstet, in den Herbst zu gehen. Wir sind top vorbereitet. Es gibt Maßnahmen, die wir gesetzt haben. Es gibt zusätzliche Absicherungen, und wir haben, das ist mein letzter Appell, mit der Impfung eine wirklich super Möglichkeit in der Hand, schwere Verläufe zu verhindern, Long COVID zu verhindern.

Fakten: Sie haben die Impfpflicht abgeschafft, nicht einmal abgeschwächt für Gesundheitspersonal angedacht. Sie haben das Testregime geändert und auf fünf PCR-Tests im Monat beschränkt. Sie haben die Maskenpflicht weitgehend abgeschafft und trotz steigender Zahlen bei hohen Positivraten auch nicht wiedereingeführt. Sie haben die Quarantäne für Geimpfte abgeschafft, obwohl auch Dreifachgeimpfte Überträger sind. Sie haben die Isolationszeit verkürzt und jetzt abgeschafft, bei gleichzeitigem Wegfall von Kontrollen. Sie behaupten wiederholt, dass OMICRON mild wäre und strengere Schutzmaßnahmen unverhältnismäßig wären. Sie ignorieren den Zusammenbruch des Gesundheitswesens komplett und scheren sich nicht um LongCOVID, welches die Impfung übrigens NICHT verhindern kann:

Wer profitiert derzeit nicht von einer Impfung?

  • 23% der Gesamtbevölkerung ist ungeimpft, von den unter 15jährigen haben 76% noch keine erste Impfung erhalten
  • Kinder unter 4 Jahren können noch nicht geimpft werden. In diesem Alter sind Hospitalisierungen häufig wegen schwerer Hustenanfälle (Pseudokrupp) und hohem Fieber (über 40°C)
  • Immunsupprimierte Menschen (Krebspatienten, Autoimmunerkrankungen, Immundefekte), die trotz Impfung keine Antikörper ausbilden können
  • Chronisch kranke Menschen, die Impfungen schlecht vertragen und keine Auffrischimpfung bekommen können oder dürfen (selten), dazu zählen auch manche LongCOVID-Betroffene, bei denen sich die Symptomatik durch Covid verschlechtert, sowie gesunde Menschen, bei denen die Impfung das Epstein-Barr-Virus reaktiviert (sehr selten)

Am 29.Jänner 2022 äußerte sich Rauch in der PRESSE zur Impfpflicht übrigens noch so:

„Ich bin froh, dass die Impfpflicht beschlossen wurde, auch in dieser Deutlichkeit. Man kann sie ja nicht nur an OMICRON ausrichten. Ich hoffe, dass die Virologen recht haben, die sagen, das Virus werde danach endemisch. Aber wir wissen alle zusammen nicht, was im Herbst kommt.“

Faktencheck: Presse-Interview am 27.07.22

Dort steht großteils derselbe Unsinn wie in den Aussagen zur ZiB2. Die überaus zynische und menschenverachtende Überschrift „Nirgendwo sind die Menschen in Scharen gestorben“ mag ich gar nicht weiter kommentieren.

Er bestreitet die schweren LongCOVID-Folgen nicht und verweist auf eine Onlineplattform für Ärzte zur Diagnostik – das garantiert aber weder Behandlung (Wartezeiten, fehlende, teure Therapien) noch Prävention (Infektionsvermeidung).

„Es ist nur insgesamt eindeutig, dass die OMICRON-Variante zu wesentlich milderen Verläufen führt.“

Falsch: 1. gibt es nicht „die“ Omicronvariante, sondern zahlreiche Subvarianten, 2. OMICRON liegt von der Schwere zw. ALPHA und DELTA. Wir haben jede Woche dutzende Todesfälle.

BA.x führt zu weniger Todesfällen durch Akutinfektion, weil viele Menschen durch Impfung und/oder Infektion bei Reinfektion geschützt sind. Es treten dafür aber immer häufiger postvirale Komplikationen auf, die in keiner Covid-Statistik vorkommen.

„im Einklang mit Ländern wie Dänemark, Großbritannien, Schweiz oder Spanien handeln. Nirgendwo war nach Aufhebung der Quarantäne ein Anstieg im Spitalsbelag feststellbar, nirgendwo sind die Leute in Scharen gestorben.“

Großbritannien: Zusammenbruch des Gesundheitssystems, Kollateralschäden durch lange Wartezeiten vor Notfallambulanzen

Spanien: Übersterblichkeit (Kollateralschäden)

Schweiz:

Seit Mitte des Sommers signifikante Übersterblichkeit

Personalausfälle, steigende Hospitalisierungen, langfristige Auswirkungen:

„Die langfristigen Folgen der Pandemie geben jedoch weiterhin Anlass zur Sorge. Von 100 Erkrankten gelten 25 nach sechs Monaten immer noch nicht als geheilt und drei leiden immer noch unter schweren anhaltenden Symptomen.“

Quelle: Swissinfo

Dänemark: Übersterblichkeit im Juli auf Ö-Niveau gestiegen, Es gab nie eine Aufhebung der Isolationspflicht, nur der Quarantäne.

Was bedeutet das, wenn das Gesundheitssystem zusammenenbricht?

Alle sind vulnerabel. Gegenüber LongCOVID, aber auch noncovid-medizinischen Behandlungen, die durch ständige Personalausfälle ausfallen oder verzögert werden. Gerade Menschen, die gegenüber schweren Covidverläufen vulnerabel sind, brauchen wenig überraschend häufiger medizinische Behandlungen, womit sie doppelt gefährdet sind, wenn das Gesundheitssystem zusammenbricht (was gerade passiert).

Rauch: „Schon bisher hatten wir die Möglichkeit, infizierte Personen als sogenanntes Schlüsselpersonal im Spital einzusetzen. Niemand ist besser geschult mit Schutzmaßnahmen als das Personal in Spitälern. Ich verstehe die Aufregung nicht.“

Auch das Personal muss essen und trinken, auch das Personal trägt Masken nicht immer durchgehend oder korrekt. Ich hab das selbst erlebt, in einem Privatspital mit miserablen CO2-Werten auf den Stationen. Die Ansteckungsgefahr bleibt relevant und kein Mensch will das haben, dass wegen ihm ein Mensch zu Schaden kommt oder stirbt. Davon abgesehen betreibt das Gesundheitspersonal schwere körperliche Arbeit und riskiert damit Folgeschäden – auch bei symptomfreien Verläufen.

Sonstige Abstrusitäten

Die Regierung baut die Testinfrastruktur ab, gewöhnt den Leuten das Testen ab und schafft dann die Isolation mit dem Argument ab, dass so wenig getestet wird.

Double Bind: Katharina Reich sagt am 27. Juli 2022 im Morgenjournal, dass Isolation nichts bringen würde, weil man vorher schon infektiös sein würde. Um danach zu sagen, die Regierung werde die Isolation wieder einführen, wenn es die Varianten nötig machen.

Wirkung: Auf Dauer macht es psychisch krank, oder man lernt wegzuhören und die Aussagen aus Selbstschutz nicht mehr ernstzunehmen.

Dabei steckt man in 48 Stunden weniger Leute an als in den 480 Stunden ohne Absonderung.

Fakt ist, dass der Gipfel der Viruslast bei Geimpften und Genesenen erst deutlich nach Symptombeginn entsteht:

Besteht bereits eine gewisse Immunität aufgrund von Impfungen oder früheren Infektionen, regiert das Immunsystem viel rascher (auch mit Symptomen) bei Kontakt mit dem Virus. Das bedeutet auch, dass Infizierte zu Symptombeginn noch viel weniger ansteckend sind als später. Deshalb ist die Isolation von Infizierten bei sofortiger, sensitiver Testung auch bei ganz leichten Symptomen wie Halskratzen jetzt tatsächlich effektiver als in früheren Phasen. Die Politik und ein Teil der Berater will der Bevölkerung aber das Gegenteil vermitteln. (Copy & Paste von @Shirleyinaktiv, perfekt erklärt)

Begonnen hat der ganze Unsinn am 23.03.22 mit Diplom-Krankenpfleger und Hygienefachkraft Hans Hirschmann aus Vorarlberg (sic!), vom ORF (ZiB2) fälschlicherweise als Epidemiologe bezeichnet:

„Wenn jemand krank ist und hustet und niest, der überträgt, der verbreitet viele Viren. Wenn ich jetzt keine Symptome habe und nicht am Husten, am Niesen bin, bei normalen Gesprächen untereinander, wenn ich asymptomatisch bin, die Wahrscheinlichkeit, jemanden anzustecken, die ist sehr gering.“

Fazit:

Es hat im Nachhinein betrachtet den Anschein, als ob Gesundheitsminister Rauch vor allem auf Vorarlberger „Experten“ und Schweizer Great-Barrington-Vertreter hört, aber nicht auf die eigene Expertenkommission, geschweige denn auf Experten, die immer gute Einschätzungen troffen haben, wie Virologe Krammer, Mikrobiologe Michael Wagner, Infektiologe Greil, Epidemiologe Zangerle, Molekularbiologe Elling, Virologin Aberle und Puchhammer-Stöckl. Zuletzt hat sich auch Umweltmediziner Hutter deutlich kritischer geäußert.

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