Der 1000. Tag: Die Dystopie ist wahr geworden.

18. April 2020 in der Ankunftshalle vom Flughafen Wien (Terminal 1)

“In an emergency, only 15% of people make decisions that help them, 15% make decisions that hinder their survival and 70% basically just follow the herd.” (Richard Champion de Crespigny, 27.11.22)

Ich hab das hier vor über 1000 Tagen als Tagebuch zur Psychohygiene begonnen, in Hoffnung, dass der Alptraum wieder enden würde. Mit jeder neuen Welle schwand die Hoffnung auf einen erkennbaren Lerneffekt in der Pandemie. Ich hätte natürlich aufgrund der ÖVP-Regierung nichts erwarten dürfen. Man beauftragt ja auch keine Drogendealer für die Suchtprävention.

In die Pandemie hinein fiel unglücklicherweise die Kassenfusion mit Milliarden-Verlust statt Gewinn, die Zusammenstutzung des Gesundheitsministerium durch die vorherige FPÖ-Gesundheitsministerin und der unbesetzte Oberste Sanitätsrat.

Als Citzen Journalist fülle ich die Lücke aus, die der Journalismus in der Krise hinterlassen hat. Alles, was auf meinem Blog steht, ist freiwillig und unbezahlt entstanden. Das fordert natürlich seinen Preis – hunderte Stunden Freizeitaufwand und zunehmende Irritation bis Entsetzen darüber, wie wenig sich von meiner Recherche in den etablierten, traditionsreichen Medien wiederfindet. Ich verwende Twitter als Hauptquelle und dort verlinkte Zeitungs- und Wissenschaftsartikel. Für die Recherche von Interessenskonflikten benutze ich Google. Es ist also alles keine Hexerei und es ist verblüffend, auf welche Zusammenhänge man stoßt, selbst wenn man kein Investigativjournalist ist. Was da für Schätze lagern, wenn man es professionell anlegen würde…

Rückblick

Im ersten Pandemiejahr war die Bereitschaft der Mitmenschen noch groß, Schutzmaßnahmen mitzutragen, auch wenn sie von Beginn an widersprüchlich und evidenzbefreit verlautbart wurden. Aerosole als Hauptübertragungsweg haben sich nie durchgesetzt. “Desinfektionsspender als Akt der Nächstenliebe”, der Nachfolger von Gesundheitsminister Anschober, Wolfgang Mückstein, sparte nicht damit, sich laufend mit Inkompetenz zu blamieren. Im Freien wurde man lange Zeit mehr kriminalisiert als das Zusammentreffen vieler Menschen in der Schule oder am Arbeitsplatz.

Im zweiten Pandemiejahr ist die Solidarität schon langsam gebröckelt. Wirrdenker haben an Einfluss gewonnen.Die Regierung hat die Pandemie mit der Impfung politisch beendet, erst auf einem individuellen Level, später für alle. Damit hatten Verschwörungserzählungen und die rechtsliberale GreatBarrington-Bewegung bald Oberwassre und bestimmten die weitere Richtung der Maßnahmen mit. Die Weihnachtsfeier im Winter 2021 fand nicht statt, denn die DELTA-Welle sorgte für einen weiteren Lockdown – alles mit Ansage übrigens, nachzulesen auch auf meinem Blog. Ich zog die dritte Impfung vor, weil sich die Berichte von Durchbruchsinfektionen häuften – und weil ich schon seit dem Sommer 2020 LongCOVID am Schirm hatte.

Seit dem irreführenden Framing mit OMICRON als mildes Weihnachtsgeschenk und “Ticket” in den endemischen Zustand, wodurch SARS-CoV2 sich zu den anderen “saisonalen Atemwegsinfekten” gesellen würde, haben Desinformation und Mangel an Information massiv zugenommen. Es schauen wirklich viele Österreicherinnen und Österreich die ORF-Abendnachrichten ZiB1 und ZiB2, dazu die “blaue Seite” orf.at. Viele lesen auch den STANDARD. Und dort machte sich von Beginn an schon False Balance breit. Faktenchecks existieren kaum, oft nur zu politischen Interviews. Bei Gesundheitsthemen überwog überspitzt gesagt offenbar die Ehrfurcht vor der Unfehlbarkeit des weißen Kittels. Frage-Antwort ohne kritische Nachfrage oder Faktencheck, oft auch mit erschreckend schwacher Vorbereitung, wie man aus den Fragen herauslesen kann. Die irreführende Berichterstattung hat die Oberhand behalten, alle Parteien sind dabei, keine Partei vertrat je mehr Infektionsschutz seit Ende des ersten Lockdowns. Sowohl Journalisten als auch Politiker sahen in dem Virus einen politischen Gegner, also kritisierte man die Maßnahmen statt die Tatsachen, den Lockdown statt die Durchseuchung.

Ohne anhaltenden Schutz gegen Infektion und LongCOVID blieb mein letzter Strohhalm die Entwicklung der Schleimhautimpfstoffe (Nasenspray), aber Virologe Krammer machte die Hoffnung auf einen raschen Gamechanger zunichte:

“Wir sind auch in Phase I in den USA (und Phase II in Mexiko) mit einem intranasalen Impfstoff. Aber das geht net so schnell. Warp Speed is over und wahrscheinlich wirds bald keine emergency use authorizations mehr geben.” (09. April 2022, Twitter)

Status quo

Die Pandemie ist noch nicht vorbei. SARS-CoV2 mutiert weiter und rund ein Drittel aller Neuinfektionen sind bereits erneute Infektionen. Die erste Generation an Virusvarianten war infektiöser als ihr Vorgänger, mit dem neuen Serotyp OMICRON (“SARS-CoV3”) kann das Virus der Immunantwort immer besser entkommen (“Immun Escape”). In beiden Fällen wird das Virus ansteckender (kontagiöser), was aber auch bedeutet, dass ein regelmäßig aufgefrischter Impfschutz unerlässlich ist, um dem Virus eine “aktualisierte” Immunabwehr entgegenzusetzen.

Während alle um mich herum tun, als ob die Pandemie vorbei wäre, sich ihr Sozialleben normalisiert hat, bin ich immer noch nicht infiziert worden, weil ich mit CO2-Messgerät und Maske und ab und zu mal ein Sprühstoß Nasenspray mein Infektionsrrisiko zu verringern versuche, wo nur möglich. Solange LongCOVID nach einer Infektion zum Problem werden kann, pass ich weiterhin auf – und wenn das Jahre dauert. Aber ich hab zu viele gesunde Lebensjahre vor mir, die ich gerne noch mit freiem Willen nutzen möchte, und nicht fremdbestimmt durch chronische Erkrankung oder Behinderung – und noch viel weniger durch Behördenschikanen, die glauben, man würde die schwere Erkrankung nur simulieren, wenn man monatelang bettlägerig ist und selbst einfachste Alltagsaktivitäten nicht mehr alleine bewältigen kann. So geht es derzeit zahlreichen schwerstkranken LongCOVID/MECFS-Betroffenen, die vom Staat, von den Medien, von den wissenschaftlichen Beratern, die auch an den letzten Orten Maskenpflicht und Gratis-Tests abschaffen wollen, aber auch von der Opposition, von den Gewerkschaften und nicht zuletzt von vielen verdrängenden Mitmenschen im Stich gelassen werden.

Ich kann es nicht akzeptieren, verloren zu haben, obwohl ich auf der Seite all jener stehe, die gesund bleiben wollen, um ein möglichst erfülltes Leben zu führen. Die Ausrottung von SARS-CoV2 war in Reichweite durch die vorhandenen Schutzmaßnahmen. Hohe Durchimpfungsraten in Kombination mit Maßnahmen hätten die ALPHA-Welle früher erstickt, hätten DELTA weiter zurückgedrängt. Die Impfstoffhersteller hatten mit der Ankündigung im Dezember, dass innerhalb weniger Wochen ein angepasster Impfstoff bereitstehen würde, nicht gelogen.

“Tatsächlich wäre diese [BA.1] Boosterversion wohl schon im Frühjahr im Eilverfahren zugelassen worden, hätte sich Omikron als gefährlicher herausgestellt. Nachdem die Intensivstationen aber nicht überlaufen waren, baten die Zulassungsbehörden in den USA und Europa die Hersteller, zunächst klinische Studien für verschiedene angepasste Impfstoffe durchzuführen. »Der Druck war raus«, sagt ein politischer Insider.” SPIEGEL, 08.08.22

Stattdessen sind weltweit in den westlichen Industriestaaten zehntausende weitere Todesopfer hinzugekommen, und zahlreiche LongCOVID-Betroffene trotz dreifacher Impfung, die sich nach der Infektion oft nicht schonten, weil OMICRON ja mild sein würde und die Impfung angeblich vor LongCOVID schützt. Der hohe Infektionsdruck zwang auch die verbliebenen ZeroCovid-Länder Australien, Taiwan, Neuseeland und jetzt China, ihre erfolgreichen Strategien aufzugeben – China mit der Brechstange Lockdown, während Taiwan ohne Lockdown durchkam – asiatische Länder hatten Erfahrung von früheren Pandemien und auch ohne Maskenpflicht konnten die Regierungen auf eine hohe Bereitschaft der Bevölkerung zum Maskentragen setzen. Wenn Freiwilligkeit nicht funktioniert, braucht man eben Pflichten. ZeroCovid war also nicht von Beginn an zum Scheitern verurteilt, sondern der arrogante Westen, der nicht vom Fernen Osten lernen wollte, hat es zum Scheitern gebracht.

Um alle Aspekte dieses Scheiterns in seinen notwendigen Einzelheiten zu beschreiben, müsste ich ein ganzes Buch schreiben. Leider habe ich bereits einen Vollzeitjob und bring das zeitlich einfach nicht fertig, alles niederzuschreiben, was ich gerne tun würde. Zum Glück haben in anderen Ländern schon engagierte Citizen Scientists diese Mammutaufgabe übernommen – so gibt es jetzt ein Buch zum schwedischen Pandemieversagen. Ich hoffe noch, dass ich dazu komme, dieseses zu lesen, denn Schweden war das große Vorbild von Ex-Public-Health-Leiter der AGES, Franz Allerberger, gestützt durch Reinhild Strauss (Abteilungsleiterin für Public Health im Gesundheitsministerium), die den schwedischen Epidemiologin Anders Tegnell mutmaßlich zum Meeting der Coronakommission im März 2021 einlud.

Vorbild für viele Landeshauptmänner inklusive Gesundheitsminister Rauch (ab März 2022) war darüber hinaus die Schweiz:

“Wenn es um Kosten und Nutzen einer Maßnahme geht, wird unweigerlich die Frage zu beantworten sein, welchen wirtschaftlichen Wert eine Reduktion der Corona-bedingten Sterblichkeit mit sich bringt. […] In anderen Worten geht es darum, dem geretteten Leben eines Menschen einen ökonomischen Wert beizumessen und dies den Kosten der Maßnahme gegenüberzustellen.”

(Der Schweizer Prof. Teodoro Cocca von der JKU Linz, 14.10.20, OÖN)

Rauch und andere Politiker argumentierten immer gerne mit der Verhältnismäßigkeit.

“Man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran, wie sie mit den schwächsten ihrer Glieder verfährt.” (Gustav Heinemann)

“Trotzdem kann ich die Maßnahmenplanung nicht ausschließlich daran ausrichten, was für die am meisten gefährdete Gruppe gerade notwendig ist.” (GM Rauch,10.03.22, DERSTANDARD)

Ausblick

Das Zurückfahren der wenigen verbliebenen Maßnahmen – Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und im Gesundheitswesen, Gratis-Kontingent an PCR- und Antigentests für jeden Bürger, Meldepflicht von Covid19 – ist noch nicht zu Ende und wird sich wahrscheinlich schon mit Beginn von 2023 fortsetzen. In der Schweiz werden PCR-Tests ab Jänner nicht mehr vom Bund übernommen, sondern müssen selbst gezahlt werden. Lediglich Spitalspatienten mit Symptomen sowie Personal darf noch gratis getestet werden. In Österreich zeichnen sich ähnliche Regeln ab – das Russisch Roulette wird also noch ein wenig schärfer.

Selbst wenn die Covid19-Pandemie jetzt zu Ende wäre, wonach es nicht aussieht, weil neben den andauernden Mutationen auch die Impfmüdigkeit wächst und nachlassende Immunität gegen Infektion neue Wellen erzeugen kann, haben wir als Folge der vorsätzlichen und wiederholten Durchseuchung am Weg zur vermeintlichen Herdenimmunität allerlei Pandemiefolgen zu bekämpfen:

  • Ausgebranntes Gesundheitspersonal, das in andere Jobs wechselt oder wegen LongCOVID invalid ist
  • Ausgebranntes Lehrerpersonal, viele LongCOVID-Fälle – sie zählen zu den Arbeitskräften mit dem höchsten Infektions- und Erkrankungsrisiko, auch dank schlechter Luftqualität
  • Wachsende Impfskepsis sorgt für Infektionswellen durch andere gefährlichere Erreger (Polio, Masern)
  • Hohe Belastung durch Influenza, RSV und Covid gleichzeitig, die bei initialen Symptomen nicht unterscheidbar sind
  • Arbeitskräftemangel durch ein Drittel LongCOVID-Ausfall
  • Immunschwäche durch Covid sowie Covid in der Schwangerschaft begünstigt schwerere Verläufe bei Kindern, wie aktuell Influenza und RSV
  • Anhaltend hohe Übersterblichkeit durch Spätfolgen einer (milden) Covid-Infektion: Schlaganfälle, Herzinfarkte, Embolien
  • Zahlreiche Betroffene durch neu ausgelöste Autoimmunerkrankungen (z.b. Asthma, Diabetes)
  • Anhaltend schlechte Versorgung von LongCovid/MECFS-Patienten mangels Spezialisten
  • Reduktion der Lebenserwartung durch covidbedingte Spätfolgen und Mangelversorgung von Notf#llen und chronisch kranken Menschen

Über 100 Jahre lang hat “Public Health” versucht, mit Antibiotika, antiviralen Medikamenten und der Impfung viele vermeidbare Todesfälle und Spätfolgen zu vermeiden. Ohne Public Health-Gedanken würde es heute kein sauberes Trinkwasser geben, keine Müllabfuhr, kein Chlor im Schwimmbecken und keine sauberen Hände des Chirurgen.

Im November 2022 lebten acht Milliarden Menschen auf dem Planeten. Seit einigen Jahren haben wir Massentourismus durch Billigfluglinien. Produktion wird billig in Drittländer mit schlechteren Arbeitsbedingungen ausgelagert. Der Siegeszug des Neoliberalismus ist eng verknüpft mit ausgehöhlten Arbeitnehmerrechten. Wer nicht mitmacht, fliegt aus dem System. Wer krank anwesend ist, wird befördert. Die globale Erderwärmung kommt hinzu. Und fertig ist der ideale Nährboden für Pandemien, indem die Gesundheit für die Wirtschaft geopfert wird und man am Ende beides verliert. Es ist aber auch ein Siegeszug der Rechten, die sich über das Internet besser organisieren können als die Linken. Es ist ein Siegeszug der Esoterik, denn wer sich in Wunschdenken flüchten kann, muss keine unbequemen Entscheidungen treffen oder sich später eingestehen, der Geisterfahrer zu sein. Es ist aber auch der Siegeszug der Massenverblödung: Fehlende Gesundheits-, Medien- und Wissenschaftskompetenz. Warum im Gottes Namen setzt Du die Maske der Stadtgrenze ab, wenn Du im selben Zug sitzt und dieselbe Luft einatmest wie vor der Stadtgrenze?

Es darf nicht sein, was man nicht will. Es geht einfach nicht mehr um Inhalt, Fortschritt und Solidarität, nur noch um Schein, kurzfristige egoistische Bedürfnisbefriedigung und Neusprech. Alle, die mitmachen, bekommen Brot und Spiele. Und wenn einen jemand aufblattelt, wird agressiv geantwortet (Gaslighting, Opfer-Täter Umkehr etc), ohne sich überhaupt mit den Inhalten auseinander zu setzen. Es ist so traurig, aber jetzt haben wir wenigstens die Antwort auf die Frage, wie das in den 20/30er Jahren im letzten Jahrhundert alles soweit kommen konnte.” (eine gute LongCOVID-Ärztin)

Und meine Perspektive …?

“Wovor hast Du Angst?”

“Du kannst Dich nicht ewig einsperren.”

“Müssen wir jetzt für immer Maske tragen?”

“Ich glaube, Du beschäftigst Dich zu viel mit Corona”

“Du hast Dich in der Pandemie radikalisiert.”

“Jeder wird es früher oder später kriegen.”

“ZeroCovid war völlig unrealistisch. Das geht nur in Diktaturen.”

Ich hab schon mehrfach darüber geschrieben, über Gaslighting (Tag 945), “Mach Dich nicht verrückt!” (Tag 688) und auf Englisch über die kollektive Verleugnung (Tag 699).

Mein Fazit damals gilt heute auch noch:

Now, two years later, I’m still writing although I’m frustrated, sad and angry at the same time. I lost. We lost. All the great science, the rapid invention of effective vaccines, the discover of aerosol transmission and how we could (easily) prevent it, all of it has been in vain. We could have made the world a better place to live – instead we made it a place of lost future. And I’m merely referring to climate crisis. I took the influenza vaccine the second season in a row – a late bloomer. I just underestimated the risk of influenza and didn’t think about transmitting it to people at risk, too. During the last two years I happened to meet (online) a lot of people with underlying conditions I do care for now – which means I can’t accept this dystopia where healthy people will continue their lives as if nothing ever happened, and people with serious pre-existing conditions or new chronic illness like longcovid/mecfs will suffer from a world where infection is everywhere – they couldn’t even go to the doctor or hospital safely as they could become infected there.

A lot of people disappointed me in the last couple of months. They do not seem to care for weak and sick people. They only care for themselves, for going to the restaurant, to have some beers. They displayed their constant reluctance to wear a mask, to wear it tight, to test frequently and they do not want to accept that a low relative risk for children still means a significant absolute number of severely ill children. Therefore it’s inacceptable to let the virus rip through the population. I can’t pretend everything’s fine now and we could drink a beer again and talk to each other, knowing they would throw people at risk under the bus on the first occusion.

Ich bin nachhaltig schwer enttäuscht von Mitmenschen, die so tun, als ob die Pandemie vorbei wäre, während Freunde gerade ordentliche Symptome durch ihre Covid19-Infektion haben und wochenlang ausfallen oder noch länger, weil sie sich nur langsam erhohlen. Ich versteh es nicht, wenn die Firmenweihnachtsfeier wegen der Pandemie erneut abgesagt wird, aber dann alle froh sind, wenn sie privat im Gasthaus veranstaltet wird, inmitten der Triplewelle Influenza, RSV, Covid19. Wenige Tage vor Weihnachten, sodass sie jedem Teilnehmer das Fest mit der Familie vermiesen kann. Die Häme gegenüber China, unter wachsendem Druck öffnen zu müssen. Dort werden Millionen Menschen sterben – sicherlich wegen Versäumnissen in der Impf- und Maßnahmenpolitik (wie bei uns), aber auch wegen anhaltend hoher Viruszirkulation außerhalb Chinas. Das Vertrauen ist einfach weg, der soziale Klebstoff. Wer sich so über die Gesundheit anderer erhaben fühlt, dass er nicht mal trotz dringender Empfehlung eine Maske aufsetzen kann, wennn er sich in öffentlich zugänglichen Bereichen am Arbeitsplatz bewegt, den mag ich nicht mal mehr grüßen.

Ich hatte und habe eigene Beweggründe von Beginn an, eine Infektion zu vermeiden. Ohne Partner sieht man das nicht so locker, die Aussicht auf mehrwöchigen Krankenstand und Unfähigkeit für Haushalt erledigen. LongCOVID wäre eine existenzielle Bedrohung. Wer pflegt einen im Ernstfall? Im Hochsommer kam die ungeplante operative Entfernung der Gallenblase hinzu, Ansteckung vorher verboten. Auch danach war ich mit fünf Wochen Krankenstand gut bedient. Keine Lust auf weitere Zwangspause. Elternbesuch, Hochrisikogruppe – warum das Risiko eingehen? Auch die Entfernung zu den Eltern belastet, diffuse Ängste sind immer da, wenn man weiß, wie völlig am Sand das deutsche Gesundheitwesen ist. Wie verachtenswert kann man denken, wenn man sagt, dass jene mit Vorerkrankungen ohne näher am Tod stehen und ihr Leben dadurch lebensunwerter sei als mein “Gesundes”? Und was ist mit mir, wenn ich einen Notfall habe? Wenn ich zu Fachärzten gehen muss? Niemand will länger leiden als unbedingt notwendig.

Letzendlich läuft es immer mehr darauf hinaus, und zwar unter viel schärferen Bedingungen als vor der Pandemie, dass Gesundheit nur ein Leihgegenstand ist, der jederzeit zurückgegeben werden muss. Ich kann Risikosportarten meiden, Öffis statt Auto benutzen und einen einigermaßen gesunden Lebensstil pflegen, und damit eine Menge Risiken meiden, die mit Unfällen und Erkrankungen einhergehen, aber in einer Pandemie wächst das Risiko, sobald ich auf andere Menschen treffe, die nur an sich denken und deren Eigenverantwortung bei der eigenen Bequemlichkeit endet.

Ich treibe gerne und viel Sport in Form von Wanderungen – so komm ich aus der Stadt in die Natur, erlebe Wetter, bin mit Freunden unterwegs, kann meine körperlichen Grenzen ausloten. Warum sollte ich eine Infektion in Kauf nehmen, die mich mehrere Wochen, Monate oder dauerhaft außer Gefecht setzt? Wenn nicht beim ersten Mal, dann beim zweiten oder dritten Mal. Meine Überzeugung ist hingegen, solange ohne Infektion durchzukommen wie möglich – Kontakte lieber via Impfstoff zum Antigen als via Infektion. Endstation Hoffnung bleibt ein Nasenimpfstoff mit steriler Immunität.

Türnitzer Alpen, 03. Dezember 2022

PS: Der Blog geht natürlich weiter, wenn auch ohne sperrige Nummerierung.

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