Schwierige Zukunft der Aufklärung

Dunkle Zeiten kommen auf uns zu.

Seit der Übernahme von Twitter durch Elon Musk war klar, dass die Hochzeiten dieser Social-Media-Plattform vorbei sein werden und das hat sich in den vergangenen Monaten auch bestätigt. Musk hat aus Twitter nicht nur eine Bezahlplattform gemacht, sondern auch die Algorithmen so geändert, dass rechte Propaganda bevorzugt wird, dass Aufklärung zu Corona, Krieg gegen die Ukraine und Klimaerwärmung erschwert wird, dass man gegen rechte Trolle und Hasstiraden schlechter vorgehen kann. In den letzten Wochen und Monaten sind immer mehr Naturwissenschaftler und generell Personen ausgewandert, die in der Kernphase der Pandemie solide Aufklärungsarbeit geleistet haben.

Musk hat es erfolgreich geschafft, die ohnehin sehr heterogene Gruppe der vernunftgesteuerten Aktivisten zu zerstreuen auf verschiedene kleinere Plattformen, die kein Ersatz für Twitter sind: Meta, Bluesky, Post, Threads, Mastodon, etc. Wer wie ich seine feste Gruppe an WissenschaftlerInnen hatte, hat es nun schwierig, am Ball zu bleiben. Das betrifft nicht nur Corona, sondern auch aktuelle meteorologische Ereignisse und Neuigkeiten, für die ich als Berufsmeteorologe Twitter ebenso gerne nutze.

Es ist nicht so, dass ich mich aufgedrängt hätte, in die Rolle als Coronaaufklärer zu schlüpfen. Nach wenigen Monaten war leider klar, dass es an einer Handvoll engagierter Zivilpersonen (Citizen Journalists, Citizen Scientists) hängenbleiben würde, weil Behörden und Medien vollkommen versagen. Auch von meinen MitstreiterInnen haben sich viele zurückgezogen – aus Resignation, aus Trauer, aber auch wenn sie nach der zweiten Infektion gesehen haben, dass sie sich auf Dauer einfach nicht schützen können, speziell mit noch nicht erwachsenen Kindern. Auch auf Twitter stellen namhafte WissenschaftlerInnen jetzt die Frage, ob sie Fotos aus ihrem Leben – manchmal auch ohne Maske – zeigen sollen, oder ob sie damit ihre eigene Aufklärung diskreditieren würden, wo sie auf die Wichtigkeit der Schutzmaßnahmen hinweisen. Sie sagen aber auch dazu, dass sie einen Vollzeitjob haben und ihr Leben nicht nur daraus besteht, über Corona aufzuklären.

Ich bin in diese Rolle gedrängt worden, habe aber leider keinen Stellvertreter. Wenn ich ein paar Wochen nicht am Ball bleibe, keine Studien sammle, dann kann ich die Chronologie nicht so lückenlos fortsetzen wie die letzten Jahre. Das ging in den Zeiten von Lockdown und Beschränkungen lange relativ gut, weil Freizeitaktivitäten begrenzt waren und auch im Job eingeschränkte Aktivitäten, denn es sollten sich ja lange Zeit so selten wie möglich fremde Haushalte treffen. Diese Zeit ist vorbei und je mehr sich alles (schein)normalisiert hat, desto schwieriger ist es für mich geworden, noch die Zeitfenster zu finden, um Studien nicht nur zu sammeln, sondern auch zu lesen, um Blogtexte zu schreiben und aktuelle Infos zu neuen Varianten. Denn ich habe auch einen anderen Beruf als ehrenamtlich die Aufgabe von Regierung, Opposition, Behörden und Medienvertretern zu übernehmen. Die letzten Monate hab ich gemerkt, dass ich es einfach nicht mehr schaffe, die dutzenden Studien pro Woche zu archivieren, viel Zeit auf Recherche zu verwenden, mehrere Plattformen zu bespielen, denn ich brauche die Erholung abseits vom Computer und man stellt sich auch die Sinnfrage, was passiert, wenn der ersehnte nasale Impfstoff, der Ansteckungen verhindern kann, erst in ein paar Jahren kommt – oder gar nicht. Wie lange hält man das noch durch?

Wenn ich an die kommenden Wochen und Monate denke, dann ist klar, dass es für Österreich kaum brauchbare Daten zu Corona gibt. Das Twittersymbol ist heute übrigens verschwunden, da thront jetzt ein großes X, was mich irgendwie an das große Z von Putins Russland erinnert. Was mach ich, wenn die WissenschaftlerInnen jetzt auf sieben verschiedene Plattformen wechseln? Ich bräuchte einen Assistenten, der mir sieben verschiedene Profile anlegt und mich ständig am Laufen hält, was wer wo schreibt – nur hätte ich gar nicht die Zeit dafür und ehrlich gesagt auch nicht die Lust, dauerbeschossen zu werden mit Infos. Meine Hauptquelle zur Informationsbeschaffung und auch zur Kommunikation war und ist noch Twitter. Mastodon hab ich noch nicht eingerichtet. Auch klar ist, dass die Pandemie noch nicht vorbei ist. EG.5.1 (XBB.1.19.*) breitet sich derzeit weltweit aus und könnte bei uns die nächste Welle im Spätsommer auslösen. Im September oder Oktober frühestens kommt der neue XBB-Impfstoff, der aber voraussichtlich für XBB.1.5 zugeschnitten wurde, der bis dahin wahrscheinlich nicht mehr zirkuliert (analog zur BA.1-Zulassung im Herbst 2022). Es is ois a Schas.

Bottom Message: Ich kann das hier nicht mehr so intensiv weiterbetreiben wie vorher. Es. geht. nicht. mehr. Dafür bräuchte ich ein Team, wo jeder redaktionelle Inhalte einsteuern könnte, und ehrlich gesagt auch eine professionelle Webseite mit mehr Formatierungsmöglichkeiten. Das war ja mal als rein privater Blog gedacht.

Sag, wie hältst Du es mit der Desinfektion?

Übertragung in der Nähe durch ballistische Tropfen (“Tröpfchen”) und Tröpfchenaerosole (“Aerosole”) in verschiedenen Größenordnungen (inhalierbar, Mund-Rachenbereich; in die Brust/bis in die Bronchien; Atemwegsaerosole, die bis in die Lunge gelangen können) und der Effekt von OP-Masken (besser: FFP2/FFP3)
(Czypionka et al., 2021 – Abbildung von Don Milton)

“Brauchst Du noch Desinfektionsmittel? Ich habe noch jede Menge übrig und kann Dir gerne ein paar mitbringen.”

so eine Bekannter vor ein paar Tagen

Mein erster Gedanke war: Wie schafft man es in zwei Sätzen auszudrücken, dass man nichts von den Übertragungswegen in der Pandemie verstanden hat und zu glauben, nur ich hätte Bedarf und er nicht mehr? Was vielleicht gut gemeint war, ist leider eine völlige Zweckverfehlung. Ich verwende Desinfektionsmittel sehr sparsam. Viel wichtiger sind saubere Luft und qualitativ hochwertige Schutzmasken.

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Trendwende?

Vor drei Wochen habe ich schon gefragt, wie lange wohl die relativ ruhige Phase andauern wird, und gemeint, dass in den Vorjahren auch zwischen Mitte Juni und Mitte Juli jeweils der Beginn einer neuen Infektionswelle stattgefunden hat. Jetzt sind drei Wochen vergangen und in den Daten sieht man eine klare Trendwende, wenn auch auf niedrigem Niveau. Markov et al. (2023) rechnete noch im April alle vier Monate mit neuen Wellen, basierend darauf, dass die Immunität der Bevölkerung sukzessive abnimmt, während sich neue Varianten mit Wachstumsvorteil durchsetzen. Das würde ungefähr hinkommen, denn im Februar/März war die letzte signifikante Welle mit der XBB.1.5-Variante.

  • Im Juli 2020 wies ich auf den Fehler der verfrühten Lockerungen (Präventionsparadoxon) hin und dass ab Mitte Juni wieder steigende Infektionszahlen zu beobachten waren
  • Im Mai 2021 habe ich zutreffend analysiert, dass die Ausgangslage ähnlich wie vor den Impfungen sein würde und mit den Öffnungen im Juni steigende Infektionszahlen vorhergesagt, auch auf DELTA habe ich dabei verwiesen.
  • Im Mai 2022 habe ich zutreffend erkannt, dass es im Sommer 2022 eine Reinfektionswelle mit BA.5 geben wird.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich würde mich wahnsinnig gerne einmal irren und die Infektionszahlen steigen nicht über den Sommer an. Wie jedes Jahr habe ich meinen Haupturlaub erst im Spätsommer bzw. Herbst. Jedes Jahr also, schon seit dem ersten Pandemiejahr, spucken mir die rücksichtslosen und sorglosen Sommerurlauber in die Suppe und zwingen mich zu noch mehr Vorsicht als ich ohnehin weiter betreibe (keine Indoor-Veranstaltungen, weitgehend keine Indoorgastronomie).

In Deutschland fand die Trendwende bereits Anfang Juni statt.

Was spricht für weiter steigende Zahlen?

  • viel Reiseverkehr in den kommenden 2 Monaten
  • viele Großveranstaltungen
  • hitzebedingt vermehrter Aufenthalt in gekühlten Innenräumen (plus trockene Klimaanlagenluft, die Atemwege anfälliger macht)
  • geringe Impfquote bei den Auffrischimpfungen mit den bivalenten Impfstoffen (siehe Seuchenkolumne von Robert Zangerle)
  • abnehmende Schleimhaut-Immunität gegen derzeitige Varianten
  • keinerlei Maßnahmen: keine Tests, keine Masken, keine Isolation
  • steigende Abwasserwerte in den Nachbarländern bzw. Reisezielen

Was spricht für einen geringen Anstieg bzw. Stagnation auf niedrigem Niveau im Sommer?

  • Schulferien
  • derzeit keine Variante in Sicht mit klarem Wachstumsvorteil, die an XBB.1.5 bzw. an der Bevölkerungsimmunität mit Durchbruchsinfektionen mit BA.5 oder XBB* vorbeikommt.

Wie gesagt – ich würde mich gerne einmal irren, so wie mit der XBB.1.16-Welle, die dann ausblieb.

Skandal: Die Versorgung der LongCOVID-Patienten funktioniert nicht

Dichtung (rechts) im Variantenmanagementplan der Bundesregierung und Wahrheit (links) für die Betroffenen LongCOVID/MECFS-Patienten

Vielleicht die gute Nachricht zuerst: Ich habe mir die Mühe gemacht, von einigen Ländern und Städten die öffentlich einsehbaren Abwasserdaten herauszusuchen, und diese zeigen derzeit ein einheitliches Bild: Die Abwasserwerte sind vielfach so niedrig wie seit dem Sommer 2021 nicht mehr, zum Teil seit Sommer 2020, sofern seitdem Abwasserwerte existieren. Die bedingt durch die vielfach abgeschafften Testangebote niedrigen Inzidenzen stimmen also mit den niedrigen Abwasserwerten überein. Es zirkuliert aktuell wirklich sehr wenig SARS-CoV2. Das zeigen auch die Sentinelproben in Österreich mit ca. 2% SARS-CoV2, sonst Adenoviren (8%), Enteroviren (11%) und Rhinoviren (17%).

Während die Zahl der Neuinfektionen in Europa also tatsächlich niedrig ist, sind sie in Japan deutlich höher, etwa in Sapporo, wo die Abwasserwerte so hoch wie im Winter 2022/2023 sind. In Okinawa ist die Notfallversorgung zusammengebrochen. Zwei Drittel der Patienten sind älter mit hohem Fieber (über 40°C) und kamen direkt in die Klinik. Rund 70% der Patienten wurden positiv auf SARS-CoV2 getestet. Virusvarianten gibt es natürlich weiterhin und weil das Virus jetzt frei zirkulieren kann, wird es weitere Varianten geben, die sich früher oder später wieder bei uns ausbreiten. Ein Kandidat ist z.B. EG.5.1, welche 30% aller Fälle in China ausmacht (Stand 02.07.23) und 55% Wachstumsvorteil aufweist. Die entscheidende Mutation ist F456L mit erhöhtem Immun-Escape-Potential. Es wird also nicht so bleiben.

Aktuell: Der Patientenverein MECFS in Österreich führt eine Erhebung zur sozialen Absicherung durch – mitmachen können alle mit MECFS-Diagnose: Link zur Umfrage

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Überlebensstrategie ab morgen

aus Davis et al. (2023), übersetzt vom IGÖ – SARS-CoV2 ist kein Schnupfenvirus

Heute läuft also die Meldepflicht von SARS-CoV2 aus. Nur dank einer Änderung im Epidemiegesetz, der einzigen sinnvollen Änderung, geht die Überwachung der Abwasserdaten und Variantensequenzierungen weiter und wird auch veröffentlicht. Diese haben 1-2 Wochen Verzögerung bei Wiederanstiegen in der Bevölkerung (erst, wenn genug geschissen wurde, sieht mans im Abwasser) und werden nur bundesländergenau publiziert, ausgenommen Tirol. Das war es dann wohl auch, was öffentlich zur Verfügung steht: Keine täglichen Infektionszahlen mehr, keine Hospitalisierungsdaten oder Todesfälle. Gestorben wurde vorher anonym, künftig auch heimlich und leise. Zu LongCOVID gab es vorher schon keine aussagekräftigen Daten und künftig noch weniger, da nurmehr jeder fünfte positive Antigentest beim niedergelassenen Arzt per PCR-Test bestätigt wird. Am Wochenende wird es künftig nirgendwo mehr möglich sein, PCR zu testen, außer man hat Symptome und nervt die Ambulanzärzte im Spital, oder hat selbst ein PCR-Gerät zuhause und kann auswerten. Heute läuft nämlich auch in Wien das Gratis-PCR-Test-Angebot von Leadhorizon aus.

Ich hab schon am 09. Jänner 2021 erstmals die “get-there-itis” der Regierung kritisiert – sich fixe Zieldaten zu setzen, ab denen Maßnahmen abgeschafft werden statt auf die aktuellen Werte zu schauen. Die Regierung hat das die letzten Jahre perfektioniert. Einfach sukzessive die Datenqualität verschlechtern und die Statistik verschönern, dann sind die Werte am Ende so, dass sie die eigene Argumentation rechtfertigen. Wie schon in den vorherigen Blogtexten geschrieben und durch den letztmalig erscheinenden Bericht der Ampelkomission bestätigt, HABEN wir derzeit tatsächlich die niedrigsten Abwasserwerte seit etwa Sommer 2021. Wir wissen aber, dass das nicht so bleiben wird. Das Virus ist endemisch geworden, aber sorgt weiterhin für epidemische Wellen, und weil das weltweit geschieht, erreichen wir immer wieder einen pandemischen Zustand. Nur haben wir dafür ab dem Zeitpunkt der Wiederanstiege weder eine akkurate Surveillance noch die passenden Werkzeuge, um darauf zu reagieren. Wir leben in Österreich künftig nach dem Prinzip Schicksal, wie vorher bei RSV und Influenza, nun also noch mit dem Coronavirus dazu, das Gefäße und Organe im ganzen Körper schädigen kann.

Ich könnte mich jetzt darüber auslassen, was man alles hätte tun können, aber das hab ich schon so oft und Verantwortungsträger lesen mich sowieso nicht. Wie sieht meine persönliche Strategie aus für die kommende Zeit? Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst als Coronablogger seit Jahren mit stets gewachsener Leserschaft. Trotzdem muss ich dazu sagen, dass ich kein Mediziner, kein Epidemiologe, kein Virologe und auch kein Raumluftexperte bin. Ich kann mich irren und das, was ich hier als besten Mittelweg vorschlage, kann falsch sein oder nicht der Weisheit letzter Schluss.

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Unbequeme Wahrheiten

Der Knick in der Lebenserwartung durch die Pandemie

Wir haben uns seit dem Variantensprung von DELTA (2021) auf OMICRON (2022) sehr teuer eine hohe Bevölkerungsimmunität mit mehreren OMICRON-Subvariantenwellen (BA.1/BA.2, BA.5, mixed variants und XBB.1.5) in Europa erkauft, die nicht von Beständigkeit sein wird. Sehr teuer deswegen, weil es über 22000 Tote, hohe Übersterblichkeit und viele Opfer mit teilweise unheilbaren Langzeitfolgen gibt. Teuer auch, weil man innerhalb kürzester Zeit fast alle Kinder und Jugendlichen mehrfach durchseucht hat, ohne vorher aufrichtig und mit politischen Willen für die Impfung (gesunder) Kinder zu werben und aufzuklären. Das Ergebnis war und ist darwinistische Auslese: Survival of the fittest and wealthiest.

Statt sie durch regelmäßige Auffrischimpfungen nun zu festigen, wird die Durchimpfungsquote in den kommenden Wintern in Österreich lediglich um die 15% wie bei Influenza liegen. Blöderweise zirkuliert SARS-CoV2 ganzjährig durch Cluster, nicht nur in wenigen Wintermonaten wie Influenza. Es hätte nämlich Alternativen gegeben, eine bevölkerungsweite Immunität aufzubauen, indem man in allen Altersgruppen breite Impfkampagnen gefahren wäre, und zwar unabhängig von Risikofaktoren. Im Sommer 2021 blieb die Impfkampagne im Kanzleramt liegen. Wir wissen seit der Machtübernahme durch Ex-Kanzler Kurz und dessen bis heute regierendendem Team, dass ihnen an den Menschen außerhalb ihres Wählerkreises nichts liegt. Mit einer hohen Impfquote hätte man bereits die DELTA-Welle deutlich abmildern können. Die misslungene Einführung der Impfpflicht beim Übergang zu OMICRON war das Anfang vom Ende jeglichen Bemühens um Erhöhung der Impfquoten, während man gleichzeitig die Gefahr für Kinder und generell gesunde Menschen heruntergespielt hat. Bereits im Frühjahr 2022 war der auf BA.1 angepasste Impfstoff fertig.

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Derzeit ist Pause. Für wie lange?

Die Tiroler Abwasserwerte sollen seriöser ausgewertet sein als die der anderen Bundesländer, man sieht ein Stagnieren auf niedrigem Niveau, etwa Höhe Spätsommer 2021, Quelle: Abwassermonitoring Tirol

Ich war jetzt eine Woche auf Wanderurlaub und bin erst heute zurückgekommen. Corona-Recherche war in dieser Zeit vollständig auf Pause, aber auch die Pandemie selbst scheint derzeit auf Pause. Um Missverständnissen vorzubeugen: SARS-CoV2 ist nicht verschwunden. Die Abwasserwerte zeigen weiterhin Infektionsgeschehen, wenn auch auf niedrigem Niveau. Über die Gründe wird momentan gerätselt. Fakt ist, dass die von mir im März vermutete große XBB.1.16-Welle ein Rohrkrepierer war. Ich habe mich geirrt, das gebe ich offen zu. Auf der sicheren Seite irre ich mich gerne. Derzeit kann sich keine neue Variante entscheidend absetzen wie zuletzt XBB.1.5, die bestehenden Varianten in Österreich verändern nur langsam ihre Anteile. Eine neue Variante oder lange genug abnehmende Immunität in der Bevölkerung gegen die aktuell dominierende Variante sind aber die Voraussetzung für eine neue Welle. Inwiefern saisonale Effekte eine Rolle spielen, sei dahingestellt. Der Reiseverkehr hat sich in der Mehrheitsgesellschaft normalisiert, ebenso Großveranstaltungen und allgemein Sozialverhalten. In den letzten Jahren begannen immer Ende Juni die erneuten Anstiege. Das heißt, wenn es da eine Regelmäßigkeit gibt, sollten wir das die kommenden zwei bis drei Wochen sehen.

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Die Daten sind abgedreht.

Wenn die draußen so viel wüssten wie ich hier am Blog gesammelt habe, könnten sie auch nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Ignaz Semmelweiss, ich weiß, wie Du Dich gefühlt haben musst.

Nachtrag:

Der Grundstein zum Ende nie statt wirksamer Pandemiebekämpfung wurde bereits mit dem Entwurf der Impfpflicht am 16. Jänner 2022 gelegt (der Link zum entsprechenden Dokument führt in dieser gschissenen Digitalisierungswüstenrepublik natürlich längst ins Leere – wenn man die politischen Entscheidungen nachvollziehen will, muss man sie selbst speichern), wo Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren von der Impfpflicht ausgenommen gewesen wären, also gerade jene Bevölkerungsgruppe, die die meisten gesunden Lebensjahre vor sich gehabt hätte und über Kindergärten und Schulen wesentlich zur Verbreitung des Coronavirus beiträgt.

Chronologie der Vertuschung einer Pandemie

DatumZielgrößeHandlungKonsequenzen
von Beginn an (AGES)Bettenkapazitätfiktive freie Betten (ohne dazu verfügbares Personal) angeben“immer genug Platz auf den Intensivstationen”: verzögerte Intervention des Staates, Bevölkerung beruhigt
von Beginn an (Twitter)Contact TracingAnsteckungen am Ort X und Folgeansteckung im Haushalt zählen als “Haushaltscluster”Unerklärliche Mini-Cluster im Herbst 2020, “keine Cluster in den Schulen”, Rolle der Kinder abstreiten
Herbst 2021 (Semiosis)Wächterschulen (Abwassermonitoring/PCR)nichts deutliche Anstiege in den Schulen
09.01.21 (DiePresse, Stadtpolitik Wien)Antigentests in VolksschulenAGES gibt höhere Sensivität an als evaluiert wurdeViele falschnegative Ergebnisse
08.10.21 (GÖG)IntensivbettenkapazitätAuftrag an GÖG, ab welcher Inzidenz Spitäler kollabierenman hat gewartet, bis die Spitäler kollabiert sind
17.09.21 (ORF-Wien)DurchseuchungSchulmaßnahmen an ICU-Auslastung gekoppeltspäte Maskenpflicht in den Schulen (DELTA), Infektionszahlen absichtlich steigen lassen, um schneller Durchseuchung zu erreichen
14.02.22 (DiePresse)MaskenpflichtAbschaffung in den VolksschulenDurchseuchung der Kinder
23.03.22 (ORF Wien)Quarantäne Abschaffung in KindergärtenDurchseuchung der Kinder
01.06.22MaskenpflichtAbschaffung Handel und Öffis (exkl. Wien)Kein Schutz mehr für Kinder und Vulnerable
23.06.22Impfpflicht Abschaffung mit Verweis auf OMICRON keine Handhabe mehr bei pathogeneren Varianten, fatales Signal
24.06.22 (ORF Science)Austrian Corona Panel Project (ACPP), Einstellung Finanzierungkeine kritische Evaluierung mehr
01.08.22Isolationspflichtentgegen WHO-Empfehlung aufgehobenDurchseuchung
02.11.22 (Wien)Bettenkapazitätennach 2 Wochen werden C+ Patienten automatisch herausgerechnetkünstliche Senkung der Covid-Bettenbelegung
10.11.22 (Forgo: Fake Law)MaskenpflichtGM Rauch beruft sich auf Verfassung, sie nicht mehr einzuführenDurchseuchung, Triple-Welle
16.01.23WirtschaftslobbyIn Davos gelten strengste SicherheitsvorkehrungenReiche schützen sich weiter (Gauntlet)
2023ReinfektionenAGES schafft Statistik abMär von Hybrid-Immunität hält sich
28.02.23MaskenpflichtFall auch in Wiener Öffis und Apothekenkein Schutz mehr für Kinder und Vulnerable
31.03.23Variantenmonitoring (Ulrich Elling)Ellings Team wird der Auftrag entzogenAGES überfordert mit Sequenzierung der Varianten, verzögerte Aufbereitung
30.04.23MaskenpflichtFall im gesamten Gesundheitswesensteigende Mortalität von Patienten
02.05.23TestzahlenGesamtzahl der Tests nurmehr einmal pro Woche gemeldetkeine Positivrate mehr bestimmbar
26.05.23Impfungnur 4,1 Mio Impfstoffe bis 2025 bestelltnur Hochrisiko kann geimpft werden, LongCOVID-Fälle werden steigen
31.05.23LongCOVID-Ambulanzenösterreichweite Schließungen “mangels Bedarf”massive Überlastung
ab Juli 2023Meldepflicht SARS-CoV2abgeschafftkeine Haftung mehr im Krankheitsfall
ab Juli 2023Datenmonitoringeingestelltkeine Zahlen mehr zu Inzidenzen, Hospitalisierungen, Tote
ab Juli 2023ReframingSARS-CoV2 künftig mit anderen “schweren Atemwegsinfekten” zusammengefasst“mysteriöse Hustenwelle”, Verharmlosung Covid als multisystemische Erkrankung
ab Juli 2023Gratis Testangebotnur noch bei Symptomen beim Hausarzt Antigentests, bei jedem fünften PCR-Testsenorme Untertestung, später antiviraler Therapiebeginn, kein Nachweis für LongCOVID
weltweitÜbersterblichkeitNormalisierung, indem Pandemiejahre zur Baseline gezählt werdenkeine Übersterblichkeit mehr, neue Normalität

kein Anspruch auf Vollständigkeit

Epilog: Was kann mein Blog noch leisten?

In einer Zukunft ohne Daten kann ich nur noch über Auswirkungen berichten, die niemand verschleiern kann – wie verringerte Lebenserwartung, ganzjährig hohe Krankenstände, steigende Invaliditätsansprüche und “mysteriöse Hustenwellen”. Die wahren Ursachen wird eine Handvoll Menschen in Österreich noch kennen. Bessere Datenverknüpfungen gibt es wie immer nur aus dem Ausland – daraus wird man wie jetzt auch schon unter Berücksichtigung demographischer Faktoren Rückschlüsse auf die Folgen für Österreich ziehen können.

Im Gegensatz zum Wahrheitsministerium plane ich nicht, meine historischen Aufzeichnungen zu löschen, nicht einmal meine gravierenden Irrtümer zu Beginn der Pandemie. Die vom Staat ausgeführten Verbrechen bei der Pandemiebekämpfung und später -verschleierung werden eines Tages ans Licht kommen. Hintergrundanalysen sind weiterhin geplant und wann immer es Meldungen aus aller Welt gibt, die auf neue Infektionswellen hindeuten, versuche ich das zu archivieren.

Hoher Bedarf an Gratis-PCR-Tests und LongCOVID-Ambulanzen!

aus Perumal et al. (2023) – LongCOVID als Spektrums-Erkrankung

Am 06. April 2023 wurden die Pläne der Regierung vorgestellt, ab Juli neben der Meldepflicht von SARS-CoV2 auch den Zugang zu gratis Tests abzuschaffen. Tests sollten nurmehr bei Symptomen beim Hausarzt möglich sein. Trotz mehrerer Stellungnahmen engagierter Bürger hält das grün regierte Gesundheitsministerium daran fest: Gesetzesentwurf

Alle Stellungnahmen können – auch anonym – unterstützt werden, um zu verhindern, dass Personen der Risikogruppe und deren Angehörige, sowie alle, die sich weiter vor LongCOVID schützen wollen, auf privat gezahlte, teure PCR-Angebote angewiesen sind – für viele Armutsbetroffene unerschwinglich.

Betroffene von LongCOVID und MECFS haben bereits ein Rundschreiben an die Politiker verfasst, um auf ihre dramatische Versorgungslage aufmerksam zu machen. Die Reaktion der Grünen fiel verständnislos aus und ging am Anliegen vorbei. Mir wurde die E-Mail-Antwort der grünen Behindertensprecherin, Heike Grebien, zugespielt, die Ende April 2023 noch eine flammende Rede unter (Krokodils-)Tränen für MECFS-Betroffene gehalten hat und auch die umstrittene Studie von Ludwig et al. (2023) anzweifelte, die einen kausalen Zusammenhang zwischen psychosomatischen Störungen und MECFS herstellen wollte. Angesichts der klaren Evidenz von zahlreichen Biomarkern für MECFS (siehe oben bzw. hier) ist es ein Skandal, dass die österreichischen Studienautoren zum Schluss kommen, dass …

“Ähnlich steht es um das „Post-COVID-Syndrom“ – wie bei ME/CFS fehlen häufig objektivierbare Beschwerden. [….] Objektiv messbare kausalitätsbegründete und diagnostische Parameter für die Ärzt:innen fehlen.”

Die Studienautoren sind alle Neurologen, u.a. einer neurologischen LongCOVID-Ambulanz und behandeln wohlhabendere Betroffene bei Small Fiber Neuropathy (SFN) erfolgreich mit teuren Medikamenten in hohen Dosen, sonst ist es schwierig/unmöglich, an SFN-Biopsien heranzukommen.

Neurologen wollen MECFS-Patienten nicht behandeln, weil

  • es sich um eine stigmatisierte Krankheit handelt
  • Fachkenntnisse fehlen
  • Wissen um die Schwere der Erkrankung fehlt
  • Standarddiagnostik zu keinen Ergebnissen führt
  • andere Diagnostik kennt man nicht, ist zu aufwändig, wird nicht vergütet, nicht karrierefördernd…
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Österreich: Pandemie im postfaktischen Zeitalter

Wissenschaft derzeit im Würgegriff der postfaktischen Politik

Wenn ich die Pandemie in einem anderen (west-) europäischen Land als in Deutschland, Österreich oder der Schweiz erlebt hätte, dann wäre ich am Anfang noch hoffnungsfroh gewesen, dass sich durch die epochale Zäsur auch ein Struktur- bzw. Systemwandel erzwingen lässt. In anderen Ländern sieht man durchaus Ansätze, als Konsequenz auf die Unberechenbarkeit von Masseninfektionen saubere Innenraumluft einzuführen, etwa in Belgien oder in den USA. Anekdotisch gibt es in keinem Land so aggressive Reaktionen auf Maskenträger wie in Österreich, ganz anders etwa in Süd- und Mittelamerika, aber auch in Griechenland oder Italien. Als die Maskenpflicht in den Supermärkten kam, ließ Ex-Kanzler Kurz ausrichten:

Ich bin mir vollkommen bewusst, dass Masken für unsere Kultur etwas Fremdes sind“, es werde eine große Umstellung sein. Das werde eine Lernphase sein. Ziel werde es sein, diese Masken auch überall dort zu tragen, wo ein Vorbeigehen stattfindet. Kurz sagte zudem, das sei „kein Ersatz für das Abstandhalten“, sondern eine zusätzliche Maßnahme. (30.03.20)

Schon ab Sommer 2022, inmitten der schweren BA.5-Welle, konnte es der Bundesregierung nicht schnell genug damit gehen, die Maskenpflicht abzuschaffen, im Februar 2023 inmitten der XBB.1.5-Welle folgte die Wiener Stadtregierung nach und schaffte die “lästigen” Masken, die dem Gesundheitsstadtrat Hacker bereits “zum Hals raushingen” ab. Eine Empfehlung fürs Maske tragen und generell auch eine Erklärung, weshalb Maske tragen sinnvoll war und ist, blieb aus.

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