Kür zur lebenswertesten Stadt – für wen?

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In der Ausgabe Nr. 490 der Wiener Straßenzeitung AUGUSTIN kommentiert Anna-Maria Apata auf S.8 den Status Wiens als “Lebenswerteste Stadt der Welt” kritisch (ihren Text gibt es auch im Mosaik-Blog). Die Stadtregierung von Wien brüstet sich dabei mit der Mercer Quality of Living Study, die von einem internationalen Beratungsunternehmen speziell im Bereich Auslandsentsendungen tätig ist. Dabei werden nur Expats gefragt, also Fach- oder Führungskräfte, die im Rahmen einer Auslandsentsendung vorübergehend an eine ausländische Zweigstelle gesendet werden. In der Mercer-Studie geht es nur um das Angebot und Standard von internationalen Schulen in Wien. Top 1 ist Wien auch auf der Rangliste des Economic Intelligence Unit, einem Prognose- und Beratungsunternehmen, das mit der Wochenzeitung Economist zusammenhängt. Beides sehr repräsentativ für die Wiener Stadtbevölkerung – oder etwa nicht? Continue reading

Homöopathie und die Grünen

Der Auslöser, darüber zu bloggen, war ein Thread auf Twitter.

Mein Hintergrund:

Ich hatte im Gymnasium Chemie-Leistungskurs sowie zwei Semester Chemie auf der Uni. Dort hab ich ein naturwissenschaftliches Fach (Meteorologie) studiert, wodurch ich eine wissenschaftliche Arbeitsweise annahm. Es ist zwar keine Voraussetzung für meine Sicht der Dinge, aber mein (diagnostizierter) Autismus bekräftigt sicherlich den inneren Wunsch nach Rationalität, Logik und ist grundsätzlich ablehnend gegenüber Wirksamkeit, die rein auf Glauben und nicht auf Fakten basiert.

Am 26. Mai 1019 schrieb der HNO-Arzt und Globuli-Kritiker Dr. Christian Lübbers folgenden Tweet:

Homöopathie wirkt nicht über den Placebo-Effekt hinaus. ¹⁻¹³

¹ Kleijnen, 1991
² Linde, 1997
³ Linde, 1998
⁴ Cucherat, 2000
⁵ Shang, 2005
⁶ Mathie, 2014
⁷ NHMRC, 2015
⁸ FTC, 2016
⁹ Mathie, 2017
¹⁰ NHS, 2017
¹¹ EASAC, 2017
¹² Mathie, 2018
¹³ Antonelli, 2018

Eine der schärfsten Kritikerinnen von Homöopathie ist die ehemalige Homöopathin Nathalie Grams, die die Wirksamkeit von Homöopathie über den Placebo-Effekt hinaus anzweifelt.

Am 01.Juni 2019 kommentierte das der Twitter-Account der “Grüne Frauen Wien” (also der Partei “Die Grünen” in Wien) so:

Weil die Medizin ja inzwischen ganz genau weiss wie der körper und heilung funktioniert! 🤣🤣🤣

Am 04. Juni 2019 führten sie aus …

da müssten wir jetzt drüber diskutieren, was als wissenschaftlich erwiesen gilt. westlich und östlich wissenschaftlich ist schon einmal ein unterchied. wie wurden die probanden ausgesucht, wer hat interesse am ergebnis, und was ist mit den menschen bei denen es gewirkt hat?

Von den deutschen Grünen war mir unlängst der Hang zu esoterischen Heilungsmethoden ja bekannt. In Deutschland wird schon länger diskutiert, ob Kassen homoöpathische Medikamente übernehmen sollen. In Frankreich ist man schon weiter, da wurde kürzlich angekündigt, dass Homöopathie nicht mehr als Kassenleistung übernehmen werden soll. In Österreich sind Schüssler-Salze, Bachblüten und esoterische Heilmethoden sehr präsent, viele Apotheken werben damit. Das Homöopathische Zusatzdiplom vieler (Allgemein-)Ärzte wirkt wie eine Auszeichnung.

Die Position der Wiener Grünen wirkt auf mich befremdlich, wissenschaftsfeindlich und nicht zuletzt bedenklich, wenn man über die Folgen nachdenkt:

1. Homöopathische Wirkstoffe sind nicht nachweisbar, das liegt in der Definition. Je höher die Potenz, desto weniger nachweisbar. Wenn die empfohlene Tagesdosis an Magnesium bei 300mg liegt, können das fünf Globuli mit 0,0000000 xx mg niemals aufwerten. Ich hatte schon wiederholt Muskelkrämpfe in den Waden in der Nacht, weil ich zu wenig Wasser oder zu viel Alkohol getrunken hatte. Üblicherweise nehm ich dann ein Mg-Stick mit 300mg und die Krämpfe verschwinden rasch wieder. Mir fehlt schlicht die Vorstellungskraft, wie diese Wirkung durch extreme Verdünnung zustandekommen soll.

2. Homöopathie statt Impfung: Manche Eltern verzichten auf Impfen und behandeln mit Homöopathie. Kinderkrankheiten wie Masern oder Mumps können dadurch schwere Verläufe bis hin zu bleibenden Schäden oder Tod annehmen. Außerdem sind ungeimpfte Kinder eine Gefahr für immunschwache Personen, die sich gegen gefährliche Erreger nicht wehren können.

3. Homöopathie macht Homöopathen reich und Menschen in Notsituationen arm. Weil wer sich teure Privatärzte leisten kann (und das ist auch die Kritik am Gesundheitssystem, dass Kassenarztbehandlungen unzureichend sind und an den Bedürfnissen von Patienten vorbeigehen), muss nicht zum Heilpraktiker oder homöopathischen Hausarzt gehen. Vielleicht ist das unabhängig, aber das macht es nicht besser, wenn man Pensionistinnen und anderen Menschen in Armut das Geld für teure homöopathische oder andere dubiose Mittel aus der Tasche zieht. Von falschen Hoffnungen auf Heilung abgesehen, im schlimmsten Fall, wenn Homöopathie der Chemotherapie vorgezogen wird.

4. Hier spielt dann auch eine Rolle, wer Homöopathie verschreibt. In Österreich sind es oft Hausärzte, in Deutschland subjektiv eher die Heilpraktiker.

5. Ja, Placeboeffekt – aber das müsste nicht Homöopathie sein, bei leichten Beschwerden könnte auch ein Facharzt Zuckerkügelchen verschreiben, die nichts beinhalten und nichts kosten.

Was muss sich ändern?

Eines ist klar, Homöopathie verteidigen löst das grundsätzliche Problem nicht. Das grundsätzliche Problem besteht darin, dass das Gesundheitssystem zu Tode gespart wird, wortwörtlich. Die Grundgehälter der Ärzte müssten deutlich steigen, sodass die Ärzte nicht auf Überstunden angewiesen sind und – subjektiv – eher mehr Personal verweigern, weil dann die lukrativen Überstundenzulagen wegfallen [das lasse ich jetzt mal an Behauptung so stehen]. Kassenarztstellen müssten vervielfacht werden und nicht weiter eingespart, sodass in Summe wieder weniger Patienten auf einen Kassenarzt kommen und somit mehr Behandlungszeit. Es müsste sich aber auch der Lohn für Kassenärzte deutlich erhöhen, unabhängig davon, wie viele Patienten er behandelt. Der Arztberuf darf nicht gleich organisiert sein wie der Taxifahrerberuf. Derzeit ist für viele Ärzte lukrativer auf Dauer, eine Wahlarzt- oder Privatarztpraxis zu machen, die Rückerstattung durch die Kassen ist ein Witz. Zusatzversicherungen schließen viele Personen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen von vorneherein aus.

Homöopathie (und Heilpraktiker) sind in meinen Augen nur ein Symptom für die Schieflage im Gesundheitssystem. Wenn der Patient wieder im Mittelpunkt steht, wenn sich Ärzte ausreichend Zeit nehmen, zu hören, ganzheitlich behandeln (d.h., Psyche und Körper zusammen betrachten und bisweilen mal über den fachlichen Tellerrand hinaussehen), sich auf sie einlassen, vielleicht auch mal etwas recherchieren statt zu resignieren und Dauermedikation verschreiben.

Leider geschieht derzeit das Gegenteil – aufgeblähte Bürokratie, schlechte Bezahlung, Spardruck und die selbst auferlegte Schuldenbremse werden dafür sorgen, dass die neue “Österreichische Krankenkasse” noch weniger Leistungen bietet. Es wird noch weniger Kassenärzte geben, noch mehr Wahl- und Privatärzte, damit bleibt der Wunsch bestehen, auszuweichen auf “Alternativmedizin” (in meinen Augen synonym mit “alternativen Fakten”).

 

 

Neuanfang

Von 2017 bis 2019 war die Webseite unter todesmuseum.wordpress.com erreichbar und beschäftigte sich mit der Hassliebe zu Salzburg, zwischen dörflichem Charakter und Verkehrsinfarkt, zwischen mangelnder NS-Vergangenheitsbewältigung und Overtourism. Der Titel Todesmuseum lehnte sich an ein Zitat von Thomas Bernhard an.

Seit Oktober 2019 habe ich die Adresse seit meiner Rückübersiedlung nach Wien umbenannt in pandemiearchiv.wordpress.com Hier geht es um Erlebnisse in der Stadt selbst, um BeHindernisse, um Inklusion, um die Infrastruktur, um Stadtpolitik, aber auch um Sehenswürdigkeiten. Ich werd auch nicht umhin kommen, meinen Senf zum Klimawandel abzugeben, zur Umwelt, zu Alltagsrassismus und zu allem anderen, was einem eben im Alltag begegnet. Ich bin zurückgekommen, um zu bleiben.

Der Hauptgrund, den Blog mit veränderter Themenrichtung fortzuführen (und keine Blogleiche aufrechtzuerhalten), ist mein Bedürfnis für mehr Zeichenplatz. Denn via Twitter ist die Möglichkeit begrenzt, Gedanken ausführen zu können. Manches bedarf einfach mehr Raum, um seriös recherchiert und zu Ende gedacht zu werden.

Letzte Gaisbergtour (Nr. 64)

Für die Eiserne Hochzeit mit dem Gaisberg hat es knapp nicht gereicht.

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Bei Föhnsturm über den Lichtmastensteig auf den Gaisberg, 04.04.19

Vergangenen Donnerstag absolvierte ich meine vorerst letzte Tour auf den Hausberg. Ab kommender Woche lebe ich wieder in Wien. Die regelmäßigen Gaisbergtouren haben sich zu einem schönen Ritual entwickelt. Gaisberg ging immer, bei jedem Wetter (außer Gewitter). Außerdem war es die ideale Platzhalter-Tour, wenn ich am nächsten Tag Frühdienst (4.40 aufstehen) hatte und am Vorabend nicht zu spät heimkommen wollte. Genau richtig, um die körperliche Anstrengung zum besseren Einschlafen zu verwenden. Mit dem Anstieg ab Parsch entdeckte ich die Katzen beim Hiesl – als Dankeschön brachte ich mit der 57. Tour den Bewohnern einen Katzenkalender mit, die Idee kam von mir, kein Auftrag. Continue reading

Schäden am Gaisberg durch Schneebruch

Weil man die Informationen derzeit überall aus dem Internet zusammensuchen muss:

Für Salzburg am wichtigsten, weil heilige Kuh: Man kann wieder mit dem Auto bis auf den Gipfel fahren. Juhu! Am zweitwichtigsten, weil man kann mit dem Auto auch nur bis Zistelalm fahren: Die Zistelrunde, ein kleiner Rundwanderweg auf der Zistelalm, ist ebenfalls begehbar.

Für alle anderen, die öffentlich anreisen, gab und gibt es leider nirgends ausreichende Informationen, geschweige denn offizielle Wegsperren.

Stand, 25.01.2019:

Die Trasse der ehemaligen Zahnradbahn, die von Parsch über Oberjudenberg bis Zistelalm und dann weiter bis zum Gipfel führt, ist derzeit ohne größere Hindernisse begehbar. Am unteren Abschnitt zwischen Oberjudenberg und Zistelalm befinden sich immer noch zahlreiche umgestürzte Bäume am Weg, die man aber umgehen oder übersteigen kann. Die Straßenüberquerung ist dank festgetretener Tritte an den Schneewällen machbar. Obwohl zwischen 11. und 16.1., als ich zwei Mal über die Trasse aufstieg, weitere Bäume umkippten oder umknickten, wurde die Trasse nie gesperrt, geschweige denn wenigstens ein Hinweisschild aufgestellt. In meinen Augen fahrlässig.

Der Rundwanderweg ist weiterhin gesperrt und es wird es noch eine Zeit bleiben, da etliche Lawinen abgegangen sind.

Der Lichtmastensteig ab Zistel, der gegen Ende des Starkschneefallereignisses von Tourengehern gerne zur Abfahrt genutzt wurde, ist derzeit wegen Instandsetzungsarbeiten an den Stromleitungen gesperrt (gelbe Absperrbänder).

Der alpinere Anstieg von der Gersbergalm ist bis zum Rundwanderweg bis auf Schneebruchhindernisse ungehindert begehbar. Die originale Trasse des oberen Anstiegs ab Rundwanderweg bis Gipfel ist nicht mehr vorhanden, etwa zwei Drittel liegen unter massivem Schneebruch und enormen Verwehungen. Die Begehung bleibt Tourengehern vorbehalten.

Der Kapaunweg – Verbindungsweg zwischen Gersbergalm und Oberjudenberg – ist ungehindert begehbar, allerdings gibt es im Bereich der felsigen Engstelle, wo der Weg sehr schmal und abschüssig wird, Ansätze von Gleitschneemäulern (Spalten), die zur Gänze am Weg abrutschen können. Nach starker Erwärmung/Regen würde ich von einer Begehung eher abraten.

Der markierte Weg über den Ostrücken ab Klausberg bzw. Rundwanderweg dürfte ebenfalls von Schneebruch abgesehen begehbar sein, allerdings gibt es an der Nocksteinkehre ein Hindernis mit den beiseitegeschobenen Schneemassen.

Der Gaisbergbus (Linie 151) ist am Freitag, 25.1., zunächst bis zum Gipfel gefahren, später wegen Straßenglätte nur bis Zistelalm. Bedauerlicherweise gibt es keine elektronischen Informationen bzgl. der Voraussetzungen, zu denen der Bus bis Gipfel fährt und wann nicht. Aber Hauptsache, man kann überall mit dem privaten PKW parken!!!

Beide Gasthäuser hatten offen. Beide Webseiten der Gasthäuser haben jedoch nie aktuelle Informationen bereitgestellt, so wie das löblicherweise bei bei alpinen Hütten öfter gemacht wird. Im Zweifelsfall musste man sich auf Facebook informieren (wo bei jedem Hinabscrollen der Hinweis, sich anzumelden, dazwischenkommt).

Man könnte meinen, der Stadt sollte es recht sein, wenn möglichst viele Personen öffentlich anreisen, aber wie man sieht, wird nichts dafür getan. Wenn ich hier länger gewohnt hätte, hätte ich eine eine eigene Gaisberg-Seite aufgebaut und versucht, diese möglichst aktuell zu halten, inklusive aktueller Gefahren.

Ich mach hier dann zu.

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Ich hatte schon immer die Muße, über den Ort zu bloggen, in dem ich lebe. Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Das Sein wird allerdings nicht in Salzburg bleiben. Vor zwei Jahren zog ich aus Jobgründen von Wien hierher und nach relativ exakt zwei Jahren werde ich Salzburg in Richtung Wien wieder verlassen. Ich hätte dauerhaft bleiben können, wohl nicht für immer, aber noch einige Jahre. Ich habe mich anders entschieden. Nach vielen Monaten reiflicher Überlegung steht eine endgültige Entscheidung. Ein Résumée, mit etwas Wehmut, aber auch mit vielen Blicken nach vorne.

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Der vergessene Schi-Schlag.

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GPS-Track in der Kompass-Karte (pink)

Ende November ging ich eher unverhofft einen neuen Steig, ja auch das gibt es noch für mich. Bei der 50. Begehung insgesamt. Und das bei 30-40cm Neuschnee.  Wie sich herausstellt, handelte es sich um den ehemaligen Schi-Schlag, der Skitourengehern früher als Abfahrt vom Gipfel zur Gersbergalm diente. Der Skiclub Salzburg hatte die Fläche bei den Bundesforsten gepachtet und betreut, d.h. die Stauden regelmäßig ausgeschnitten. Seit rund 20 Jahren wird das nicht mehr gemacht und der Schlag ist seitdem nicht mehr befahrbar. Einheimische sind dort nach wie vor anzutreffen, bzw. neugierige Menschen wie mich.

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Gefährliche Radwege

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Gefahrenstellen in Maxglan

In Bregenz und Salzburg ist der Radverkehrsanteil mit je 20 % österreichweit am höchsten (Stand: 2016). Klingt viel, im europäischen Vergleich ist es aber eher wenig. Hauptgrund dafür ist die mangelnde Infrastruktur. Salzburg besitzt an sich viele Radwege, die teilweise auch baulich von Fußgängerwegen und Straßen getrennt sind. Vom Salzachuferweg und allgemein in der Altstadt abgesehen hält sich das Fußgängeraufkommen sehr in Grenzen, sodass auch gemeinsame Fuß- und Radwege nicht ein Problem darstellen.  Continue reading

Endlich wird das Wetter schiach!

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Gaisberg-Plateau bei Nebelschwaden

Bei Schönwetter meide ich gewöhnlich den Gaisberg, außer ich habe mir aus Faulheit keine andere Bergwanderung ausgedacht. Naturgemäß ist das Gipfelplateau dann überlaufen von Halbschuhtouristen, von denen die meisten mit dem Auto hinauffahren. Zudem hört man bei bestem Ausflugwetter häufiger die Motorsportfahrer am Kopplring hinauflärmen. Bei jenem Wetterzustand, unter dem die Bevölkerung allgemein Schlechtwetter versteht, wird der Berg deutlich geringer frequentiert und die Schallausbreitung ist zusätzlich gedämpft (ausgenommen Autoreifen auf regennasser Fahrbahn). Zwar werden auch die Wege rutschiger, lassen sich aber mit Trailrunningschuhen mühelos bewältigen.

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