Warum gibt es jetzt zwei Corona-Blogs?

Ursprünglich hab ich coronafakten.com hochgezogen, weil es Probleme mit der automatischen Speicherung bei coronawissen.com gab und öfter mal ganze Beiträge nicht gespeichert wurden oder ich komplett kopieren musste, um sie zu veröffentlichen. Zudem hat sich bei längeren Texten die Anzeige der geschriebenen Buchstaben immer mehr verlangsamt, ein Problem, das mit der Software WordPress selbst zu tun haben dürfte und nichts mit dem Server zu tun hat, weil es auch selbst gehostet auftritt.

Wie dem auch sei: Die geschriebenen Blogtexte bleiben hier natürlich erhalten und mangels einer guten Idee für eine übersichtlichere Gliederung wird auch vorerst der “Schwedische Weg”, also das Herzstück meiner Dokumentation der Verbrechen an der Öffentlichen Gesundheit, auf coronawissen.com fortgeführt. Alle anderen Menüpunkte werden fortan auf coronafakten.com aktuell gehalten und auch neue Beiträge dort geschrieben.

Unabhängig von technischen Problemen sind die Bloginhalte nun als Backup gesichert, das kann nicht schaden.

Ich dachte zu Beginn der Pandemie naiverweise, dass professionelle Journalist*Innen zunehmend wissenschaftliche Erkenntnisse aufgreifen und korrekt berichten bzw. aufklären werden. Das ist in Österreich nie geschehen. Selbst in Deutschland sind weitaus mehr faktenorientierte Interviews erschienen als in Österreich, auch wenn es natürlich in Summe auch dort zu viel False Balance gab und gibt. Trotzdem…. die qualitativ hochwertigen Reportagen und Interviews sind in Österreich rar gesät.

Als Quereinsteiger in die Materie mit Virologie, Biologie, Genetik, Epidemiologie, Public Health und auch Bildungswesen, der nebenher einen Vollzeitjob zu bewältigen hat und offenbar als einziger Bürger in Österreich die gesamte Pandemie dokumentiert in allen möglichen Facetten, konnte ich es mir nicht erlauben, alles abzudecken und mich trotzdem kurz zu fassen, damit es lesergerecht verdaulich bleibt. Noch einmal: Das war und ist die Aufgabe von Journalist*Innen in etablierten Medien. Ich halte mich gerne an die wissenschaftlichen Fakten, deren Herleitung und Interpretation, die zielorientierte Aufbereitung sollten jene machen, die hauptberufliche Schnittstelle zwischen Institutionen und Bevölkerung sind.

Mir ist bewusst, dass meine Texte immer sehr lang sind, und ich mich meist in der Einleitung verliere, eh ich zum eigentlichen Inhalt komme. Gerne würde ich einzelne Themenbereiche auf mehrere Beiträge aufteilen oder eine Serie machen. Das geht sich als quasi ehrenamtlicher Nebenberuf leider nicht aus.

Meine derzeitige Überlegung ist, ob ich coronawissen.com dazu nutzen soll, eine wöchentliche oder zweiwöchentliche Kolumne zu starten, in der ich neue Erkenntnisse verdichtet zusammenfasse – weniger Herleitung und Literaturhinweise, mehr Interpretation. Wer mehr wissen möchte, findet auf beiden Blogs reichhaltige Literaturverweise vor. Ich werde mich auch bemühen, dies in möglichst einfacher Sprache zu tun, damit es auch ohne besondere Vorkenntnisse verstanden werden kann.

Aus der skeptischen bis verharmlosenden Ecke kommt dann, wenn man mich fachlich nicht widerlegen kann, ohne auf dubiose Verschwörungsplattformen zu verweisen, meist das ad hominem Totschlagargument:

Warum sollte man einem Meteorologen trauen, wenn er über Medizin oder Virologie schreibt?

Die wenigsten Journalist*Innen sind tatsächlich von dem Fach, über das sie einen Artikel recherchieren. Ebenso wenig sind Infektiolog*innen, die sich bisher mit Bakterien beschäftigt haben, Expert*innen für Viren. Die Einschätzung der jeweiligen Expertise hängt von den Daten ab, auf die man sich beruft. Ich beziehe mich auf meinem Blog überwiegend auf Primärquellen, sprich wissenschaftliche Veröffentlichungen, deren Autoren und Interpretationen durch andere Wissenschaftler, die sich innerhalb des wissenschaftlichen Mehrheitskonsenses bewegen. So ist sichergestellt, dass ich keine Extrempositionen vertrete.

Expert*innen sind auch nur Menschen. Insbesondere mit Preisen überhäuft können sie der Nobelpreis-Krankheit anheim fallen – sprich, der Größenwahnsinn steigt ihnen zu Kopf und sie äußern sich in fremden Fachgebieten mit unerschütterlicher Selbstsicherheit (“epistemic trespassing“), obwohl sie keine fundierten Beweise dafür haben. Dasselbe trifft auch auf renommierte Journalist*innen zu. Es kann natürlich auch Citizen Journalists wie mir passieren, mich zu verrennen, aber man soll nicht glauben, dass ich mich nie hinterfragen würde. Das mache ich ständig und rückversichere mich, nicht auf dem Holzweg zu sein.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Das gilt nicht nur für mich, sondern für alle. Jemandem zu vertrauen, nur weil er Experte genannt wird, ist gefährlich. Und wir alle wissen, wie die Karriereleiter so funktioniert – mit Einfluss, Rhetorik und Vitamin B kommt man in einflussreiche Positionen, nicht zwingend aber mit Idealismus und Festhalten an Grundprinzipien.

Glaubwürdigkeit

Australische Radiomoderatorin, die ihre Sendungen mit einer 3M Aura und Luftreiniger im Studio moderiert. Der Unterschied ist nicht hörbar. Sie hat sich bisher noch nie mit Covid19 infiziert. Wenn darum gebeten, tragen auch ihre Gäste freundlicherweise eine Maske im Studio. Vor Covid sicher zu sein ist keine lästige Pflicht. Es ist machbar.

Prävention kommt überall zu kurz im deutschsprachigen Raum. Es wird zwar über die Langzeitfolgen geschrieben, nicht aber über die vorhandenen Möglichkeiten, Infektionen zu verhindern, welche Langzeitfolgen auslösen können. Das gilt für alle viralen Infekte.

Eines sollte man klar bedenken: Forschung, Therapie und soziale/finanzielle Absicherung hinken dem Bedarf weit hinterher. Es gibt derzeit keine Heilung für alle Folgen einer SARS-CoV2-Erkrankung. In spezifischen Fällen helfen bestimmte Medikamente, bei erworbenen Autoimmunerkrankungen ist eine lebenslange Therapie notwendig, manche Schäden sind schlicht irreversibel. Solange das der Fall ist, generiert jeder zusätzliche Infektionsfall potentiell einen weiteren Teil- oder Vollinvaliden, der durch die sozialen Netze fällt. Die Regierung hat sich nie bemüht, die Netze zu verstärken, sondern im Gegenteil zusätzliche Löcher hineingemacht.

Ohne das damalig noch funktionierende Twitter hätte ich wahrscheinlich nicht so schnell je von MECFS gehört. Erste Berichte zu LongCOVID fand ich im Mai 2020. Für mich war immer klar, dass Infektionen verhindern ein wesentlicher Teil der Aufklärung, aber auch Selbsthilfe ist. Unabhängig von gerade geltenden Maßnahmenregelungen. Umso umverständlicher der Wegfall der Maskenpflicht im Gesundheitswesen und gerade aus dieser Ecke laufend deppate Kommentare Richtung PatientInnen.

Bei der ersten Veranstaltung zu MECFS, die ich heuer im August besucht habe, hatte sich bereits die schlechte Angewohnheit eingeschlichen, dass Vortragende zum Reden die Maske abgesetzt haben (mit Ausnahme des Mitorganisators Joachim Hermisson, der eine schwerstkranke Tochter mit MECFS zuhause hat). Und beim Buffet in der Pause indoor haben natürlich auch viele maskenlos geplaudert ohne Abstand. Während der Vorträge wurde von den Zuhörern hingegen brav Maske getragen.

Hier steht der gelbe Balken für Aerosolproduktion durch Atmung. Pink ist sprechen und blau singen. Das Übertragungsrisiko einer infizierten Person, die nur atmet, ist allgemein gering. (Alsved et al. 2022)

Nun wissen wir aber, dass Sprechen wesentlich mehr (infektiöse) Aerosole ausstößt als die Atmung alleine. Von daher war es seit jeher wissenschaftlich unlogisch, beim Schweigen Maske zu tragen und beim Sprechen nicht. Besonders enttäuschend war für mich, dass auch die vortragenden Fachärzte, die selbst MECFS-Patienten behandeln, keine Maske getragen haben. Es gab ja ein Mikrophon und daher war die Verständlichkeit kein Problem – auch mit Maske.

Vor kurzem gab es auf Twitter einen Hinweis zu einer stattgefundenen Fachtagung zu MECFS und LongCOVID in Baden-Württemberg. Prävention war kein Thema, gilt aber wie gesagt natürlich unabhängig von SARS-CoV2. Aus den Impressionen der Tagung wird klar, dass nur wenige Teilnehmer bzw. Vortragende wirklich verstanden haben, worauf es ankommt.

Continue reading

Benefizaktion: “Höhenmeter für MECFS spenden”

Liebe bergsportbegeisterte Menschen,

seit ein paar Jahren engagiere ich mich für Betroffene der schweren immunologischen Erkrankung MECFS. MECFS steht für Myalgischen Enzephalitis/Chronic Fatigue Syndrome und bezeichnet eine unheilbare chronische Erkrankung, die nach viralen Infekten auftreten kann.

Was ist ME/CFS?

ME/CFS-Betroffene leiden unter extrem beeinträchtiger Leistungsfähigkeit, die von schwerer körperlicher wie geistiger Fatigue begleitet wird und mindestens 6 Monate andauert. Wesentliches Merkmal ist die Belastungsintoleranz (Englisch: Post Exertion Malaise, kurz PEM). Im Gegensatz zu anderen Erkrankungen oder Dekonditionierung kann man sich nicht aus der Erkrankung heraustrainieren. Ruhe und Schlaf bringen keine Erholung, viele Betroffene sind hausgebunden oder bettlägerig. Die Lebensqualität der Betroffenen liegt unter der von Multipler Sklerose und etwa in der Größenordnung von Krebs im Spätstadium. Auslöser für die Erkrankung sind Virusinfekte – z.b. Epstein-Barr-Virus, Influenza, SARS-CoV2.

Wie viele sind betroffen?

In Österreich waren vor der Pandemie rund 25000 Menschen betroffen, mit anhaltendem LongCOVID rechnen Experten mit weiteren 60 000 Betroffenen. Von der WHO klassifiziert ist ME/CFS bereits 1968, an den Ursachen wird seit Jahrzehnten geforscht. Es gibt aber immer noch keine zugelassenen Medikamente und in Österreich keine offiziellen Kompetenzzentren oder MECFS-Ambulanzen. Aufklärung und Selbsthilfe wird – soweit die Energie reicht – überwiegend von Betroffenen selbst geleistet. Sehr engagiert ist dabei die in Österreich ansässige Bäckereifirma Ströck mit der weandmecfs-Stiftung, denn zwei Söhne von Firmengründer Ströck sind selbst von MECFS betroffen.

Wer ist betroffen?

Menschen wie Du und ich, die vor ihrer Erkrankung mitten im Leben standen, vorher sportlich aktiv waren, die auch gerne in die Berge gegangen sind. Die Mehrheit der Betroffenen sind – wie bei LongCOVID – Frauen. Wie sich MECFS und welcher K(r)ampf mit Behörden entsteht, die Schwere der Erkrankung beweisen zu müssen, schildert die Schwerbetroffene Eva Maria Burger in diesem Protokoll. Im August gab es auch eine Ausstellung im Künstlerhaus von Wien mit Vorträgen.

Warum macht mich das betroffen?

Für viele von uns sind die Berge nicht nur ein einfach ein Hobby oder stetige Erweiterung persönlicher Grenzen, sondern auch zentral als Ausgleich zum Berufsalltag oder zum Trubel in der Stadt. Wir können in der Natur abschalten und uns richtig erholen.

Die Vorstellung, das aufgrund einer postviralen Erkrankung nicht mehr tun zu können, ist schlimm, und motiviert mich zusätzlich zu dieser Aktion. Nach einem Unfall oder Behinderung ist oft noch in anderer Form Sport und Ausgleich möglich, bei schweren MECFS-Formen geht nicht einmal Fernsehen oder Lesen, auch Sozialkontakte und Haustiere führen oft zur Zustandsverschlechterung. Ich kenne selbst Betroffene der Krankheit, auch Freunde und Bekannte, die vorher kerngesund waren.

Mit SARS-CoV2 ist jetzt eine weitere virale Erkrankung dauerhaft dazu gekommen, die neben Influenzawellen derartig schwerwiegende Folgen auslösen kann. Der einzige Schutz ist Prävention. Solange Prävention nicht existiert, kann man nur auf die Forschung hoffen und Betroffene soweit möglich unterstützen, dass sich ihre Lebensqualität nicht weiterverschlechtert.

Meine Aktion:

Aus diesem Grund spende ich pro Höhenmeter, den ich seit 1. September bis Jahresende erwandere , 10 Cent an die Österreichische Gesellschaft für MECFS. Spenden an die Österreichische MECFS Hilfe sind steuerlich absetzbar.

Über Mitstreiterinnen und Mitstreiter würde ich mich freuen – je nach Budget und Anzahl der Touren kann man die Summe ja variieren, oder sei es auch ein einmaliger Beitrag. Betroffene sind auf uns angewiesen, die die körperlichen und geistigen, aber auch finanziellen Ressourcen für Unterstützung aufbringen können.

Beitrag kann gerne geteilt werden.

Da fehlen mir die Worte

Da fehlen mir sogar die Worte, um einen geeigneten Titel für diesen Eintrag zu finden.

“Ist Long COVID eigentlich immer noch ein Problem oder sind die meisten Betroffenen schon wieder gesund?”

fragt Ö1-Journalistin und Preisträgerin Elisa Vass die Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Expertin für Covid und LongCOVID, Susanne Rabady, die zudem gerade die S1-Leitlinie für LongCOVID-Behandlung mitverfasst hat. Das ganze Interview (23.08.23, abrufbar bis 30.08.23) ging über Allgemeinmedizin, zu LongCOVID nur eine Frage, auch das sagt schon alles.

Was macht das mit den Betroffenen, wenn sie das hören?

Vor kurzem erst gab es mehrere Reportagen im ORF, das Interview mit Prof. Kathryn Hoffmann über LongCOVID und MECFS, den Kurzbericht von Constanze Ertl über MECFS-Betroffene und die Ausstellung im Künstlerhaus in der Zib2, dann auch schön zusammengefasst hier. Arbeiten Radio und TV nicht zusammen?

“An estimated 1 in 10 infections results in post COVID19 condition, suggesting that hundreds of millions of people will need longer-term care. – Tedros, WHO, 26. April 2023

Laut neuer WHO-Schätzung sind rund 36 Millionen Europäer von LongCOVID betroffen (27.06.23), und die sind zwei Monate später nicht schon wieder gesund? Seriously? Lesen JournalistInnen zur Recherche keine Zeitungen?

Ein paar dringendere Fragen an die Frau Doktorin, die viele wohl mehr interessiert hätte:

“Ihre Kollegin, Prof. Hoffmann, sagte vor kurzem im ZiB2-Interview bei Herrn Wolf, dass es schätzungsweise 500 000 Betroffene in Österreich gibt. Wie gehen Hausärzte mit dieser schieren Menge an Betroffenen um?”

“Sie haben an der Behandlungsleitlinie für LongCOVID mitgearbeitet. Welche Therapien gibt es und warum werden Anlaufstellen geschlossen, wenn es so viel Bedarf gibt? Wie sieht die Behandlung von LongCOVID zukünftig aus?”

“Wenn im Herbst die Infektionszahlen wieder steigen, wird LongCOVID eine Gefahr sein? Gibt es besondere Risikofaktoren für bestimmte Bevölkerungsgruppen?”

“Wie kann man eine Ansteckung vermeiden, wenn man Kinder in der Schule hat?”

Rabady zur Herbstwelle:

“Der ganz, ganz dringende Rat ist weiterhin, Ansteckung zu vermeiden und da gibt es einen ganz einfachen Weg: Nix einatmen, was wer anderer ausatmet, weil so steckt man sich an.”

Schade, dass man nicht über Schulen geredet hat und Luftfilter nicht erwähnt hat. Wenigstens hat Rabady im Gegensatz zu Hutter klargestellt, dass Hände weniger der Übertragungsweg sind und Maske tragen sinnvoll ist.

*

Meine wichtigsten Beiträge zu LongCOVID und MECFS bisher:

Warum Masken tragen jetzt am sinnvollsten wäre

Umweltmediziner Hutter propagierte Händewaschen als beste Schutzmaßnahme gegen Infektionen. Der aktuelle Stand der Wissenschaft widerspricht: am effektivsten sind Masken und Luftfilter.

Kommentar der anderen

In Österreich wird oft mit veralteten wissenschaftlichen Erkenntnissen gearbeitet, die eine Eindämmung, zumindest aber eine Reduktion der Infektionswellen verhindern, sagt Meteorologe und Citizen Journalist Mag. Felix W. in seinem Gastkommentar.

Wie man sein individuelles Risiko einer Infektion mit SARS-CoV2 und anderen Viren, die über die Luft übertragen werden, reduziert.

Österreichs Geschichte der Pandemie ist eine der vergebenen Möglichkeiten. In entscheidenden Phasen mit steigenden Infektionszahlen wurden immer besonders vorsichtige oder besonders daneben liegende WissenschaftlerInnen interviewt. Infektionswellen wurden ab dem Zeitpunkt heruntergespielt, wo die Intensivstationen nicht mehr kollabiert sind. Die hohe Krankheitslast der Langzeitfolgen wurde geflissentlich ignoriert. Mittlerweile sind es schon die Journalisten selbst, die LongCOVID von sich aus ansprechen, etwa die PRESSE-Journalistin im Interview oder neulich in Ö24 mit Virologe Nowotny. Die Experten greifen das Thema jedoch nicht auf, bzw. setzen es nicht in den Zusammenhang mit Prävention.

Dieser Kommentar erschien nicht in der Sektion “Kommentar der anderen” im STANDARD, so könnte er aber etwas gekürzt aussehen von einem Mediziner oder Epidemiologen.

Continue reading

CRASH-Symposium im Künstlerhaus Wien: MECFS sichtbar machen

Auswirkungen von MECFS im Alltagsleben der Betroffenen je nach Schweregrad der Erkrankung

Seit dem 11. August und noch bis 27. August 2023 läuft im Künstlerhaus Wien die Ausstellung “CRASH” über das Myalgische Enzephalitis/Chronic Fatigue-Syndrom MECFS. Am 18. August fand ein Symposium mit Vorträgen, Lesung und Performance statt. Ich bin zwar nicht selbst betroffen, kenne aber über die Online-Community MECFS-Betroffene und auch schwer LongCOVID-Betroffene. Es ist wichtig, dass sich die Mitstreiter und “Allys”, die mehr Ressourcen haben als die Betroffenen, einsetzen wie Andrea Strohriegel in ihrer Videobotschaft betont hat. Das versuch ich im Rahmen meiner Möglichkeiten zu tun – auf Twitter, mit diesem Blog, mit finanzieller Unterstützung für die Österreichische Gesellschaft für MECFS-Hilfe, mit einem MECFS-T-Shirt, um im Alltag darauf aufmerksam zu machen, und mit Kalender-Spendenaktion. Das Thema darf nicht untergehen. Die Betroffenen gab es schon lange vor der Pandemie, die Untätigkeit der Regierung ist himmelsschreiend ignorant.

Der Künstler Matthias Mollner und seine betroffene Partnerin Judith Schoßböck reflektieren in dieser Ausstellung die mit ME/CFS verbundene Lebensrealität. Projektpartner sind die Tempi-Stiftung und die MECFS-Hilfe, sowie die MECFS-Foundation Weandmecfs, die von dem Bäckereiunternehmen Ströck gegründet würde, die zwei von MECFS- betroffene Brüder haben. Neben Mollner moderierte auch Joachim Hermisson die Veranstaltung, dessen Tochter Mila schwerst an MECFS erkrankt ist. (Sprachnachricht von Mila).

Weitere Bilder im Tweet der Ö.Ges. für ME/CFS

Alle Redebeiträge jetzt auch beim Youtube-Kanal BlackFerkStudio (seit 06.09.23)

Continue reading

Wie schlimm wird die Herbstwelle?

Der Trend zeigt auf niedrigem Niveau weiter nach oben, liegt aber bereits über der Sohle vor der DELTA-Welle im Herbst 2021. (Quelle)

Wir sind im Blindflug. Für eine gute Surveillance durch Abwassermonitoring bräuchten wir 200 Anlagen in Österreich, wir haben nur 48, die rund 58% der Bevölkerung abdecken. Die Karte der Abwasseranlagen zeigt, dass die Ballungsräume zwar gut abgedeckt sind, aber etliche Touristenregionen fehlen, sowie einige Hochburgen von Rechtsextremen und Coronaleugnern bzw. Impfgegnern. In Tirol gibt es die Anlagen zum Glück einzeln verfügbar, bis auf Ostttirol – da stechen insbesondere Stubaital und Seefeld immer wieder heraus, auch in Vorarlberg gibt es aufgeschlüsselte Daten. Wien hat Proben der Zentralkläranlage mit 100% Abdeckung, Tirol erfasst über 90%, Dornbirn liefert seit Mitte Juli keine Daten mehr.

Seit letzter Woche gibt es jeden Dienstag die Anzahl der stationären Krankenhausaufnahmen mit SARI-Diagnosen im neuen SARI-Dashboard: Covid19 wurde also zum “schweren Atemwegsinfekt” degradiert, was nachweislich falsch ist, weil es sich um eine systemische Entzündung der Gefäße handelt. Damit findet also schon einmal eine Verharmlosung von Covid19 statt. Das Dashboard hat aber noch weitere Probleme:

  • die Daten der letzten zwei Wochen sind unvollständig
  • Covid, Influenza und RSV sind keine meldepflichtigen Erkrankungen
  • In der 29. Kalenderwoche betrug der Anteil “sonstige Atemwegsinfekte” 94%, die Aussagekraft ist also gering
  • bis Covid-Infizierte so krank werden, dass sie ins Spital müssen, vergehen Tage bis zu einer Woche nach der Infektion, darauf dann 2-3 Wochen verzögerte Nachmeldungen: ca. 1 Monat Zeitverlust

Sowohl mit Abwassermonitoring als auch SARI-Dashboard haben wir keine vernünftigen Frühwarnindikatoren. Da können wir nur (nicht) reagieren, wenn bereits viele Menschen krank sind.

Continue reading

Trendwende und Aussicht auf den Herbst

Abwassermonitoring Österreich seit Oktober 2021, Stand 01.08.23 (Quelle)

Der Wiederanstieg zeichnet sich seit Anfang Juli ab, mittlerweile auch durch das Sentinelsystem bestätigt, das (Achtung: kleine Probenzahl!), in KW 29 noch 7% SARS-CoV2 aufwies und in KW30 bereits 13%. Die Mehrzahl der Proben wird von Rhinoviren verursacht (von 26 auf 39% steigend). Die gerne zitierte “breite Bevölkerungsimmunität” durch die vorangegangenen Wellen (und weniger durch die niedrige Durchimpfungsrate) nützt wenig, wenn sich eine neue Variante gegen die dominierenden Varianten durchsetzen kann und gleichzeitig die Schleimhaut-Immunität gegen Infektion abnimmt. Ich hatte die Trendwende korrekt prognostiziert – basierend aufgrund den vergangenen Jahren, wo die Wiederanstiege ebenfalls im Frühsommer begonnen haben. Zudem haben Markov et al. (05.04.23) angedeutet, dass etwa alle vier Monate neue Wellen entstehen werden – dass diese Erkenntnis nach drei Monaten nicht mehr gelten würde, war eher unwahrscheinlich.

Wer wie ich aufmerksam verfolgt hat, was sich im Rest der Welt auf der Südhalbkugel im Winter abspielte – und da gilt Australien oft als Prototyp für einen potentiellen Winterverlauf in Europa – dem kam sowieso schon das kalte Grausen in Erwartung weiterer Triple-Virenwellen (SARS-CoV2, RSV und Influenza), aber auch auf der Nordhalbkugel ist vom saisonalen Effekt nichts zu merken. Derzeit gibt es starke Anstiege im Abwasser und bei Hospitalisierungen in New York City (Quelle), darunter sind vor allem Kinder und ältere Menschen am stärksten betroffen (Quelle), Florida sieht eine 52% Positivrate bei den Tests (Quelle), in Südkorea gibt es ebenfalls einen starken Anstieg bei der Inzidenz (Quelle). Einen leichten Aufwärtstrend auf niedrigem Niveau gibt es auch in der Schweiz (Quelle). In Irland ist die Positivrate von 4,6 auf 14% gestiegen, die Hospitalisierung von 58 auf 285 in einem Monat. (Quelle). In England sind die Hospitalisierungen letzte Woche (Ende Juli) um 41% gestiegen (im Südosten um 82%).

Mit dem Virus leben lernen, hat nie geheißen, dass man es künftig ignoriert und auf alle scheißt, die sich weiter schützen wollen und müssen, bzw. die schon Langzeitfolgen davontrugen und keine ärztliche Hilfe oder staatliche Unterstützung mehr bekommen. Selbst das schwedische Vorbild von Österreich empfiehlt jetzt in der Pflege infektiöser Covid19-Patienten (Meldepflicht!) regelmäßiges Lüften und den Einsatz von HEPA-Filtern (Quelle). Zahlreiche Länder setzen bereits auf neue Richtlinien für saubere Innenraumluft, darunter Irland, USA, Belgien. In Mexiko kommt gerade die Empfehlung zurück, in Innenräumen wieder Maske zu tragen. Am 20. September 2023 findet die erste Indoor Air Conference der WHO Europa statt. Nur Österreich bleibt die glückselige Insel, wo die Meldepflicht für SARS-CoV2 abgeschafft wurde, LongCOVID-Ambulanzen geschlossen werden und die angepassten Impfstoffe nurmehr an “Risikogruppen” abgegeben werden sollen. Saubere Luft und andere Präventionsmaßnahmen in Kindergärten und Schulen? Fehlanzeige!

Continue reading

Was der Rechnungshofbericht zur Covid-Teststrategie wirklich aussagt

Es war von Beginn an klar, dass das Testen auf SARS-CoV2 nur eine von vielen Käsescheiben einer klugen Strategie zur Pandemiebewältigung sein kann: Test – Trace – Isolate – Quarantine. Nach dem positiven Test erfolgt die Zurückverfolgung der Infektionsquelle (backward tracing) und der potentiell Angesteckten (Forward Tracing) – wobei hier Österreich von Beginn an nur auf forward Tracing gesetzt hat. Im Nachhinein kann man spekulieren, dass man bereits hier Infektionsschutz von der wirtschaftlichen Ebene (“wo habe ich mich angesteckt? Könnte man das verhindern?”) auf die individuelle Ebene (“wer sich angesteckt hat, ist selbst schuld”) verlagert hat. Im Gegensatz zu anderen Ländern und mangels einer Corona-Warn-App (wie z.B. in Deutschland) gab es in Österreich nie detaillierte seriöse Daten zu besonders vulnerablen Infektionsorten oder Berufen- wie Kindergärten, Schulen, Gasthaus oder Pflege. So konnte niemand gezielte Prävention fordern und es wurde alles auf die Eigenverantwortung abgeschoben, samt der langwierigen Kosten im Krankheitsfall. Mit Januar 2022 entfiel die Quarantäne für 3fach Geimpfte, obwohl mit OMICRON klar wurde, dass Reinfektionen und Durchbruchsinfektionen häufiger wurden. Im Sommer 2022, einen Tag vor dem Suizid der von Coronaleugnern in den Tod getriebenen Ärztin Lisa-Maria Kellermayr, wurde das Contact Tracing offiziell eingestellt. Schon im Frühjahr hatte man gegen jede wissenschaftliche Evidenz die Isolationszeit von zehn auf fünf Tage verkürzt, sie wurde am 1. August abgeschafft und durch eine Verkehrsbeschränkung (Tragepflicht FFP2-Maske) abgelöst, die niemand kontrollieren kann und hat. Die Regierung hat in der Risikokommunikation am Ende nicht mehr zwischen Quarantäne (Absonderung einer Person mit Kontakt zu einer infizierten Person) und Isolation (Absonderung einer Person mit bestätigter Infektion) unterschieden, mit Aufhebung der Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln ab Juni 2022 in den Bundesländern abseits von Wien zeichnete sich bereits ab, dass das weitere Tragen einer Maske stigmatisiert werden würde.

Mit der Abschaffung von Contact Tracing, Isolation und Quarantäne ist das Testen geblieben, das von der Regierung von Beginn an instrumentalisiert wurde, um die hochpolitische Debatte um “Lockdowns” im Keim zu ersticken.

Continue reading

Skandal: Bildungsdirektion Wien will Recht auf Gesundheitsschutz verwehren

Auf die Anfrage eines betroffenen Elternteils antwortet das “COVID”-Team der Bildungsdirektion für Wien (Bildungsdirektor: Heinrich Himmer, SPÖ) am 26. Juli 2023 folgendes:

“Die Maskenpflicht präventiv ist bereits seit längerem aufgehoben, mit dem Ende des Schuljahres 2022/23 (30. Juni 2023) lief auch die COVID Schulverordnung des BMBWF aus. Damit können und werden auch keine weiteren Maßnahmen in Bezug zu COVID gesetzt. Es ist daher nicht möglich einen Hepa-Filter in einer Klasse einzurichten. Was mit den bereits eingerichteten passiert, hat noch das BMBWF zu entscheiden.

Alle Sonderdienste und Beratungen dazu wurden eingestellt, daher wird die Beratung unter dieser Mailadresse sowie das COVID Team generell in der Bildungsdirektion für Wien, wie zuvor bereits im BMBWF, eingestellt. Die Schule hat hier keinen Auftrag mehr und keine rechtliche Basis um hier Meldungen oder Präventivmaßnahmen durchzuführen.

Wenn Sie Bedenken haben was den Schulbesuch anbelangt bitten wir um Kontaktaufnahme mit dem zuständigen behandelnden Kinderarzt in Kooperation mit dem Schularzt der Schule. Ansonsten steht es Ihnen weiterhin frei das Kind mit Mund-Nasen-Schutz in die Schule zu schicken, sofern hier keine FFP2 Maske getragen wird und es sich um eine Halbtagsschule handelt und selbstständig die Maskenpausen eingehalten werden, ist hier das Tragen möglich. Bei Ganztagsschulen oder Offenen Schulen kann dies nicht gestattet werden, da hier die Einnahme des Essens ohne Maske zu erfolgen hat und die Maske zu lange durchgehend getragen werden würde, so dass hier für das Kind und das betreuende Personal dies nicht zugemutet werden kann.

Da hier seitens der Schule die Organisation immer über die Dienstvorgesetzte Stelle, das BMBWF erfolgt, kann für Ihre Anfrage keine Ansprechperson im BMSGPK genannt werden, für das BMBWF ist das BMSGPK – laut Epidemie-Gesetz – zuständig. Sie verweisen daher an das BMSGPK.”

mit Erlaubnis des Fragestellers veröffentlicht – im Interesse der Öffentlichkeit

Nachtrag, die Frage lautete folgendermaßen:

“Mein Sohn besucht eine Volksschule in Wien und war im letzten Schuljahr gezwungen, eigenverantwortlich Maske während des Unterrichts zu tragen.  Ich möchte, dass mein Sohn am Schulunterricht teilnehmen kann ohne dass er Maske tragen muss.  Voraussetzung dafür ist, dass die Luftqualität im Klassenzimmer (durch entsprechende techn/mechan Umwelzung von rd 1.000m³/h) auf einem Niveau gehalten werden kann, das es ihm (und allen anderen Schulkindern seiner Klasse) trotz Maskenverzicht erlaubt risikoarm am Schulunterricht teilzunehmen.  Bitte teilen Sie mir mit, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Hepa-Filter in seiner Klasse eingerichtet werden können.  Der Vollständigkeit halber erlaube ich mir darauf hinzuweisen, dass meine an Sie (und sowohl an BMBWF als auch an BMSGPK) gerichtete Frage bezüglich Schutzmaßnahmen im WS 2022 (vom August 2022) bis heute unbeantwortet blieb. Sowohl das BMBWF als auch das BMSGPK machten sich einen Spaß daraus, meine Frage mit einem Verweis auf den jeweils anderen unbeantwortet zu lassen.  Auf den Kosten für unser “eigenverantwortliches” Handeln bleibt meine Familie sitzen.  Ggf. ersuche ich um konkrete Benennung der zuständigen Stelle mit Namen einer Ansprechperson. “

….

Wie würde die Gesellschaft jetzt dastehen, wenn man aus der Pandemie gelernt hätte? Sie würde jedenfalls solche ignoranten Reaktionen nicht auf sich sitzen lassen. Hier geht es längst nicht nur um Covid19, sondern darum, ob wir Infektionskrankheiten mit potentiellen Langzeitfolgen bzw. Gefährdung vulnerabler Kinder und Eltern weiterhin als selbstverständlich erachten, statt die aus den ersten Pandemiejahren bewährten Gegenmaßnahmen beizubehalten. Es geht um viel mehr, nämlich um Inklusion – das Recht auf Teilhabe an der Gesellschaft. Auch Österreich hat sich mit der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet, ein inklusives Bildungssystem umzusetzen. Die oben zitierte Antwort steht klar gegen Inklusion und argumentiert aus einer paternalistischen Ansicht des “Major Consensus Narrative”, der aber nicht mit dem aktuellen wissenschaftlichen Stand zu Covid19 übereinstimmt.

Klar ist nur eines: Ausgerechnet mit Ende der Meldepflicht am 1. Juli 2023 steigen die Infektionszahlen wie jeden Sommer wieder an – inzwischen in allen Bundesländern steigende Tendenz im Abwasser – und mit Blick auf die Südhalbkugel werden wir spätestens mit Schulbeginn wieder hohe Infektionswellen durch SARS-CoV2, aber auch durch RSV und Influenza sehen. Auch Masernausbrüche kommen durch sinkende Impfraten zunehmend vor.

Continue reading