Tag 24: Gegenwart und Zukunft

🙄😷🥴🤦‍♀️

Grün enttäuscht

Ich war gerade fast so weit, dass ich mir ein Buch auf den Balkon mitgenommen hätte, das erste in drei Wochen. Leider hat der Rasenmähermann gedacht, heute ist der ideale Tag, das spärliche Grün im Innenhof zu stutzen, und jetzt fehlt mir die Ruhe zum Lesen. Apropos Balkon. Meine Trauermückenplage vom letzten Herbst stammt aus der gekauften Blumenerde, wie ich beim Umtopfen gestern feststellte. Der vor zwei Wochen gepflanzte Schnittlauch hat schwarze Spitzen und wächst nicht mehr. Schätze, das war es mit Grün für mich, also nicht nur politisch. Die Grünen haben gestern ja gegen eine Verurteilung Ungarns gestimmt, ebenso gegen die Öffnung der Bundesgärten, obwohl sie laut Grünen-Chefin Maurer im Mittagsjournal heute eigentlich dafür sind.

Datenchaos

In den letzten Wochen nimmt die Abkehr von den eigenen Prinzipien zu, transparent ist das nicht. Politikwissenschaftler argumentieren mit dem Koalitionszwang, der auch die letzten 75 Jahre gegolten habe. Ich hab die Sinnhaftigkeit nie verstanden und die letzten 75 Jahre gab es keine Pandemie, keine Situation seit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg war so einschneidend für alle Bürger im Land. Jetzt sollten alle zusammenhelfen. Aber das scheitert bereits an den Grundlagen, etwa dem Datenchaos rund um die aktuellen Fallzahlen zum Virus. Nobody knows shit! Vergangene Woche wurde beiläufig erwähnt, dass es 40000 Tests mehr gab als bisher angegeben. Das warf sämtliche mathematische Modelle über den weiteren Verlauf der Pandemie über den Haufen. Der ORF bemüht sich redlich, aussagekräftige Grafiken zur Verfügung zu stellen. So sieht man in allen Graphen eine Abflachung, besonders wichtig die Abflachung bei den spitals- und intensivpflichtigen Patienten, denn die sind entscheidend dafür, wie lange die Freiheitsberaubung noch andauert. Auch der Bundesrettungskommandant vom Roten Kreuz verbreitet Hoffnung durch positive Zahlen bei den Zuwächsen.

Geht es aufwärts oder abwärts?

Besonders positiv überrascht bin ich, dass es seit Beginn der Maßnahmen gelungen ist, die Zuwachsrate unter 5% zu drücken. Allerdings muss man auch sagen, dass bei einer fünfstelligen Zahl an Infizierten eine geringe relative Zuwachsrate bereits ebenfalls hohe absolute Zahlen bedeuten. Letzendlich sind die Kapazitäten der Spitäler begrenzt, nur darauf kommt es an, und nicht, ob wir bei 10000 Infizierten 5% Zuwachsrate haben und bei 150000 vielleicht nur 2 %. Im Bezug auf den Titel dieses Blogtexts kann sich jeder also seine private Statistik zusammenzimmern, um seine Botschaft zu verkünden, nicht nur für message control, sondern auch ein top down-Approach. Maßnahmen lockern oder verschärfen – je nach gewünschter Botschaft verwendet man andere Zahlen.

Transparenz und Kritik müssen erlaubt sein

Ich bin erleichtert, dass meine bisher geäußerte Kritik auf diesem Blog sich zunehmend auch in kritischen Kommentaren von Wissenschaftlern und Ärzten (“an der Front”) wiederfindet. Wann immer Kurz auf der Bildfläche auftaucht, wird es chaotisch, während Anschober vergleichsweise besonnen reagiert. Ihn trifft für mein Empfinden auch die geringste Schuld, denn die Generaldirektion für öffentliche Gesundheit wurde abgeschafft und damit all jene Strukturen, die es jetzt erleichtert hätten, zentrales, effektives und gut vorbereitetes Krisenmanagement zu betreiben. Auch eine große Kröte, wie die geplante Kontakt-Tracking-App, wäre leichter zu schlucken, wenn der Quellcode für alle transparent wäre, ebenso die zugrundeliegenden Annahmen und wissenschaftlichen Diskussionen dahinter. Vor allem aber wünscht sich die Mehrheit der Bevölkerung keinen starken Mann, sondern einen ehrlichen Umgang mit der Situation, einen selbstkritischen und auch einmal zuzugeben, wenn man es gerade nicht weiß. Masken erst wochenlang abzulehnen, sie dann einzuführen und gleichzeitig zu behaupten, das sei schon seit Wochen vorbereitet wurden, ist nicht glaubwürdig. Und dieser Vertrauensverlust sorgt eben für tiefes Misstrauen, wenn es um eine verpflichtende App geht, die Sobotka am liebsten an die Ausgangsbeschränkungen koppeln möchte.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen – nach meinen Informationen von Wissenschaftlern und Veröffentlichungen müssen wenigstens zwei Drittel der Bevölkerung mitmachen, damit die App einen Sinn hat. Im gestrigen NDR-Podcast hat Drosten klar die Vorteile betont, dass etwa die Sensitivität der App je nach Situation erhöht werden kann, dass man Schritte wie das Testen sogar überspringt und potentiell infizierte Personen gleich in Quarantäne schickt. Die Digitalisierung hilft uns derzeit gerade, dass das verbliebene Wirtschaftsvolumen noch aufrechterhalten werden kann, durch Online-Handel, Zustellservice, etc. Warum sollte man nicht ausnutzen, dass ein Großteil ein Smartphone hat? Sofern damit keine Bewegungsprofile erstellt und die Daten nicht zentral gespeichert werden – deswegen ist es so wichtig, dass man den Quellcode einsehen kann. Nicht zuletzt können dann auch externe Verbesserungsvorschläge leichter umgesetzt werden.

Wie soll die “neue Normalität” aussehen?

Wir werden einige der geänderten Verhaltensweisen in der Zukunft beibehalten müssen, und wenn ein bisschen mehr Abstand, Händewaschen und einfachste Hygieneregeln einhalten (Niesen in die Armbeuge) dazu verhilft, dass sich auch andere Grippeviren nicht mehr so leicht weiterverbreiten, bin ich voll dafür. Ich teile aber nicht den Optimismus mancher Wissenschaftler, deren Modelle bis zu einem Jahr physical distancing vorsehen, wenn der Lockdown erst einmal aufgehoben wurde. Ich kann mir das punktuell und zeitlich begrenzt vorstellen, wenn etwa durch die Vorteile der Tracking-App “Nester” mit vermehrten Infektionen ausfindig gemacht werden, aber für die Gesamtbevölkerung ist es undenkbar. Es ist vor allem für mich persönlich undenkbar. Autismus hin oder her – ja, ein Freund von Händeschütteln war ich nie, aber Umarmungen gehören zum menschlichen Dasein dazu, die kann kein Skype-Gespräch oder Twitter-Thread ersetzen. Eine akzeptable Normalität herrscht für mich dann, wenn menschliche Nähe wieder möglich ist, ebenso, wenn Menschen ohne PKW/Motorrad wieder öffentliche Verkehrsmittel nutzen dürfen, um in die Natur zu kommen. Es ist schlimm genug für manche von uns, zu vereinsamen, aber noch schlimmer, wenn man keinen Trost bzw. keine Kraft mehr in der Natur finden darf.

Und ich bin müde geworden, das Bedürfnis nach Natur, Wald, Bäumen, Grün debattieren zu müssen. Schnell heißt es, man sei egoistisch, man wolle italienische Verhältnisse, die Städter seien zu doof und würden sich durch zu enge Eingangstore in die Gärten drängen (ist die Polizei fähig, den ganzen Prater zu überwachen, aber unfähig, drei Eingänge zu kontrollieren?). Dabei startet man nicht einmal einen Versuch. Es würde der ÖVP keinen Zacken aus der Krone brechen, wenn sie für ein Wochenende die Gärten öffnen, Polizei zur Kontrolle bereitstellen und dann feststellen, dass es nicht funktioniert und sie wieder schließen. Hier zeigt man sich absolut kompromisslos. Ich bin Anrainer vom Augarten und direkt betroffen. Die beiden Kinder meiner Nachbarn sind Fußballspieler, sie trainieren jetzt täglich in der Wohnung statt draußen. In den Prater trauen sie sich auch nicht mehr. Meine Reiztoleranz wird auf eine harte Probe gestellt. Ich mach ihnen keinen Vorwurf.

Egoismus versus Stress

Aber eigentlich wollte ich auf etwas anderes hinaus. Egoismus heißt für mich in der jetzigen Situation, absichtlich eine Grillparty zu machen, absichtlich eine Wohnungsparty, absichtlich ein Lokal wiederaufsperren und im Keller feiern, absichtlich den Mindestabstand längere Zeit in geschlossenen Räumen zu unterschreiten, wohlwissend, dass das Risiko dadurch deutlich erhöht ist. Egoismus ist für mich aber nicht, wenn verzweifelte Eltern es nicht erwarten können, dass die Schulen wieder offen sind. Wenn arbeitslose Menschen oder solche, denen mit jeder Woche, in der dieser Lockdown andauert, Arbeitslosigkeit droht, darauf drängen, dass Geschäfte wieder aufsperren. Ja, wenn wir jetzt ein halbes Jahr beim Lockdown bleiben, wird das Coronavirus wahrscheinlich vollständig eingedämmt. Doch haben wir dann eine Millionen Arbeitslose, leere Budgets der Krankenkassen und Gemeinden und noch einige weitere Baustellen, die dafür sorgen, dass vielleicht nicht die aktuellen Risikogruppen bedroht sind, sondern hunderttausende mehr. Ich bezweifle persönlich, dass man so klar trennen kann, weil wie schon mehrfach geschrieben Stress und Einsamkeit negativ aufs Immunsystem wirken und die Menschen der Risikogruppe ebenso davon betroffen sind, und mehr oder weniger gut damit umgehen können. Es ist sehr vereinfacht davon auszugehen, dass eine monatelange Isolierung von Sozialkontakten bei einem Risikopatienten eine höhere Überlebensschance mit sich bringt als zurück zu einer Öffnung zu verfinden. Man könnte genauso Egoismus unterstellen, wenn Risikopatienten nun fordern, dass man Arbeitsplatzverlust nun einmal in Kauf nehmen muss, wenn man ihr Leben retten will. Ich würde gerne schreiben, dass die Regierung alles dafür tut, dass Arbeitsplätze nicht verloren gehen, aber eine Garantie gibt es eben nicht, zuletzt auch deswegen, weil Österreich vom Export lebt und vom Tourismus, und beides nachhaltig geschädigt ist. Meinem Empfinden nach spüren viele Betroffene, dass die Krise nicht ausgestanden ist, wenn die Maßnahmen gelockert werden. Die verringerte Kaufkraft und der riesige Schuldenberg werden zurückschlagen. Und deswegen sind ihre (Existenz-)Ängste genauso berechtigt wie die Ängste von Risikogruppen daran, schwer zu erkranken oder zu sterben. Das kann man nicht gegeneinander aufrechnen, und schon gar nicht kann man die Ängste Dritter kleinreden mit dem Totschlagargument Italien oder Spanien. Stattdessen sollte man viel eher gemeinsam – solidarisch – auf die Regierung einwirken, dass die Absicherung gegeben ist, etwa durch ein höheres Arbeitslosengeld bzw. Notstandshilfe/Mindestsicherung und durch Förderungen von Minderheiten, die von schwarzblau besonders betroffen waren und jetzt noch größere Probleme haben, durchzukommen.

Ich weiß keine einfache Lösung, aber ich bin der Überzeugung, dass jede Sichtweise derzeit ihre Berechtigung hat, solange sie nicht obigem Egoismus dient.

Demontierung des (demokratischen ) Sozialstaats während Corona

Vor zwei Jahren hab ich eine Auflistung aller Missetaten der türkisblauen Regierung gemacht, aber irgendwann aus Frustration gelöscht. Darunter waren dutzende Maßnahmen, die vor allem darauf abzielten, die Geldgeber der Regierung zu fördern und Minderheiten zu schikanieren, bzw. vor allem finanziell Schwache, Frauen, Behinderte, Migranten, Flüchtlinge, etc.

Dieses Mal werde ich sehr genau hinschauen und das auch stehen lassen, denn dieses Mal sitzen die Grünen mit im Boot und können sich aus meiner Sicht nicht daran abputzen, dass die Entscheidungen nicht in ihr Ressort fallen.

Die Liste wird laufend aktualisiert werden – Maßnahmen während der Coronakrise.

1. Soforthilfen, Härtefallfonds, “koste es, was es wolle”

  • Abwicklung über die Wirtschaftskammer statt übers Finanzamt, die WKO kommt damit an sensible Daten insbesondere von kleineren und mittleren Unternehmen, es gibt zu viel Kriterien, die erfüllt werden müssen, die Auszahlung dauert zu lange
  • -Betroffene: Soforthilfe hat während dem Jahrhunderthochwasser 2002 besser funktioniert.

2. Medienförderung nur für Print-Zeitungen

  • das meiste bekommt nach dem Berechnungsschlüssel der (aufhetzende) Boulevard, Onlinemedien bekommen nichts

3. Freistellung bzw. Homeoffice für Risikogruppen – durch Fall des Datenschutzes

Die Feststellung, ob man zu einer Risikogruppe gehört, soll über Krankenkassendaten erfolgen, genauer gesagt über verschriebene Medikamente, und nicht über den praktischen Arzt, der die Patienten genau kennt und am besten einschätzen kann, ob ein besonderer Schutz notwendig ist. Es obliegt dann nicht mehr der freien Entscheidung des Arbeitnehmers, sondern der Arbeitgeber erfährt mitunter von Erkrankungen, die der Arbeitnehmer aus guten Grund verschwiegen hat (mangelnder Kündigungsschutz)

Aber:

“Dass Gesundheitspersonal trotz Vorerkrankungen kein Recht auf Freistellung oder Homeoffice haben soll, ist für Heinz Mayer „klar verfassungswidrig“. Das Vorgehen der Regierung zeige „fehlendes Problembewusstsein“ (Quelle: DiePresse, 06.04.)

4. Ungleichbehandlung von Arbeitern und Angestellten

  • Es bleibt dem Arbeitgeber freigestellt, ob er Homeoffice anbietet. Je schlechter der Verdienst, desto eher muss sich der Arbeiter weiterhin dem Risiko einer Ansteckung am Arbeitsplatz bzw. beim Anfahrtsweg mit den Öffis aussetzen.
  • Viel Applaus und nette Worte für all jene “überwiegend” Nichtösterreicher, die jetzt die Hauptlast in der Grundversorgung tragen, vor allem Lebensmittelmärkte, Lieferanten, Warenkette, etc., aber keine Lohnerhöhungen, Prämien oder sonstige entgeltliche Wertschätzung verlautbart orden.
  • Den osteuropäischen PflegerInnen hat man vor zwei Jahren noch das Familiengeld gekürzt und ans Heimatland angepasst (EU-widrig), obwohl sie in Österreich gleich viel Steuern zahlen. Überwiegend handelt es sich um Frauen. Jetzt ließ man sie medienwirksam mit dem Flugzeug einfliegen, weil es an 24-Std.-Pflegekräften fehlt. Lohnerhöhung? Fehlanzeige.
  • Polizei mit immer weitreichenderen Befugnissen, die auch Hausdurchsuchungen erlauben

Tag 22, 02.04.2020 – Gute Nachrichten

13.10

Es gibt derzeit einige Fortschritte, die ich noch einpflegen muss. Der positivste gleich hier: Erstens ist die Zuwachsrate jetzt schon den fünften Tag in Folge im einstelligen Bereich und zweitens wird viel mehr getestet als das offizielle “Trashboard” vermuten lässt, nämlich schon über 90000 Tests statt 55000 Tests wie gestern noch ausgewiesen. Das verstärkt natürlich die Seriösität der tatsächlichen Abnahme der Zuwachsrate. Wann immer sich Kogler und Anschober und begleitend die AGES zu Wort melden, hat man den Eindruck, es kehren wieder Vernunft und Empathie ein.

Das Virus fliegt nicht in einen Bundesgarten.

„Ich fahr jeden Tag mit der U-Bahn und ich hab keine Angst, solange die Leute Abstand halten.“

„Halten Sie mindestens einen Meter Abstand und sprechen sie nicht länger als 15 Minuten miteinander, dann haben Sie kein Problem“

“Das Virus ist nur acht Tage lang ansteckend, auch wenn die Tests lange positiv sind.”

(Franz Allerberger, AGES, Pressekonferenz 02.04.2020)

Quelle u.a.: https://www.diepresse.com/5794571/csi-corona-ansteckung-eindeutig-von-mensch-zu-mensch

Zu letzterem Beitrag:

Die Zuspitzung auf Corona als Killervirus verschweigt den wahren Hintergrund. Warum sind die Todeszahlen in Italien so hoch? Eine neue Studie der Uni Bologna und der italienischen Gesellschaft für Umweltmedizin kommt zum Schluss, dass die hohe Feinstaubbelastung in der Poebene mitverantwortlich. Das Virus kann sich an die Feinstaubpartikel heften und länger in der Luft verweilen bzw. weitere Strecken zurücklegen. Solide Hypothese, da aus der Umweltmedizin schon lange bekannt ist, dass Krankheitserreger Feinstaub als Vektor für die Verbreitung benutzen können. Sogar der Abrieb von Autoreifen schwächt das Immunsystem. Viren sind evolutionäre Organismen, die sich an die Umwelt anpassen. Krankheitserreger können sich z.b. auch über verschmutzte Gewässer weiter verbreiten. Während der winterlichen Erkrankungswelle gibt es jährlich viele Tote. Influenza wird regelmäßig von der WHO als Pandemie eingestuft. Jedes Jahr nimmt die Anzahl der Todesfälle stark zu, weltweit heuer bereits 110000, in Deutschland 20000, in Österreich 1500, in Italien 18000, in Relation nochmal mehr als in Deutschland. Warum hat man sich nie die Frage gestellt, woran das liegt und wie man die Zahl reduziert? Es gibt auch Mehrfachinfektionen, man schaut derzeit nur nach dem Coronavirus, sogar Tote werden untersucht (Italien), nicht nach anderen Viren (Influenza, Rhino, Corona). Warum interessieren uns die 18000 sonst nicht, warum die 9,5 Mio. Krebstoten pro Jahr nicht? Auch bei Krebs gibt es einen Zusammenhang mit Umweltbelastungen, z.b. zwischen Lichtverschmutzung und Prostata- und Brustkrebs, wegen Störung des Melatoninhaushalts und Regenerationsphasen in der Nacht, Störungen der Zellerneuerung. Wir könnten die jährlichen Sterbefälle senken, wenn wir genauer hingeschaut hätten […].

19.30

Heute stellte Dr. Campbell das Paper vor, das in 11 europäischen Ländern (inklusive Österreich) feststellte, dass die getroffenen Lockdown-Maßnahmen bereits rund 60 000 Tote verhindert haben. Die R_0 war nahe 1 zum Zeitpunkt des Lockdowns (11.03.) in Italien, wenn sie kleiner als 1 ist, ist die Epidemie am Abklingen. Zwischen 7 und 43 Millionen Bewohner wurden nach den mathematischen Modellen bis 28. März infiziert (1-10% der Bevölkerung), die offizellen Zahlen verblassen dagegen, selbst beim Unterrand. Das könnte bedeuten, dass zahlreiche Betroffene nur milde Symptome haben und die Todesrate deutlich geringer ist als ursprünglich angenommen. Spanien und Italien haben die höchste Anzahl an Infektionen, wahrscheinlich weil es vor dem Lockdown schon “community spread” gegeben hat, am niedrigsten in Deutschland und Norwegen. Zwischen Lockdown und Todesfälle vergehen 2-3 Wochen, das heißt nicht, dass die Maßnahmen nicht wirken. Empfehlung ist zu warten, bis die Todesfälle zurückgehen und die Testrate weiter zu steigern.

Tag 20: Es is ois Oasch

Die Landwirtschaftsministerin Köstinger lehnt die Öffnung der Bundesgärten damit ab, dass das jetzt das falsche Signal sei, weil man sich auch draußen anstecken könne. Klar kann man sich draußen anstecken. Man kann auch das Virus bekommen, wenn man einatmet. Atmen verbieten!

Neues zur Maskenpflicht in Supermärkten – diese gelte nicht ab Mittwoch, wie gestern in der Pressekonferenz verkündet, sondern erst ab 6. April, also in einer Woche, die Ausgabe müsse über den Handel erfolgen. Davon ausgenommen – österreichische Lösung – sind kleine Geschäfte mit unter 400 qm, sprich also gerade jede Geschäfte mit kleinerem Atemvolumen, das schneller von Virenpartikeln durchseucht ist als in großen Geschäften, wo man leichter einander ausweichen kann und sich das Virus besser verdünnt. Richtige Blitzgneißer in der Regierung.

Ich hab meine eigenen Masken, die ich immer tragen und regelmäßig in kochendem Wasser mit Seife waschen werde, aber nur beim Einkaufen und – bei seltenen Gelegenheiten – in den Öffis. Wie vom Virologen Drosten angemerkt, ist das Tragen der Masken durchaus anstrengend, man muss sich beim Atmen stärker anstrengen wegen dem “Totvolumen”, das die Maske vor Mund und Nase verursacht. Außerdem durchfeuchten die Masken relativ schnell, werden nicht nur undicht, sondern sich auch der Nährboden für Bakterien, Sporen, Keime. Also nicht für den Dauergebrauch gedacht.

Beim Radfahren keine praktikable Lösung, die Maske, Schal oder was auch immer sind innerhalb weniger Minuten durchfeuchtet – kenne das ja bei kaltem Wetter genug. Nach dem ich heute – das erste Mal – den 31er benutzt habe, um einzukaufen – mit Maske, bin ich im Anschluss mit dem Rad noch bis nach Klosterneuburg gefahren. Am Donaukanal die üblichen Jogger und einzelne Radfahrer, aber insgesamt wenig los – beim kalten Nordwind auch nicht wirklich gemütlich.

1

Nach dem Kampf um die Dame fliegt der Verlierer davon.

2

Aufziehender Schneeschauer

3

Trügerische Idylle

 

Tag 19: Maskenpflicht

Im Jahr 2017 hat Bundeskanzler Kurz wegen ein dutzend Burkaträgerinnen ein Vermummungsverbot ausgesprochen, im Jahr 2020 herrscht ab Mittwoch ein Vermummungsgebot alias Maskenpflicht – vorerst nur beim Einkaufen. Minuten vor der Pressekonferenz hat der Virologe im ORF noch die Sinnhaftigkeit von Masken in Frage gestellt. Sie würden vielleicht dazu beitragen, sich besser zu fühlen und würden “die ein oder andere Ansteckung” verhindern. Ich verweise dazu gerne auf den Konsens, den die meisten Ärzte und Politiker inzwischen mittragen: Es handelt sich um Solidaritätsschutzmasken – man schützt andere vor den eigenen Virenpartikeln!

Die zweite Maßnahme:

“Gefährdete Personengruppen werden zusätzlich auch beruflich freigestellt oder müssen verpflichtend ins Home Office.”

Klingt für die Dauer der Epidemie gut, aber danach muss unbedingt dafür Sorge getragen werden, dass gefährdete Personengruppen am Arbeitsmarkt nicht schlechter gestellt werden, weil sie bei ansteckenden Virenerkrankungen ausfallen. Außerdem können auch Menschen ohne Vorerkrankungen schwer erkranken. Es gehört einfach ein Umdenken her, dass man beim Anflug einer Erkältung die Hygieneregeln einhält, Abstand hält und wenn die Symptome deutlicher werden, zu Hause bleibt. Ja, das nützt bei dem aktuellen Virus nichts, aber künftig dann.

Die Kommunikation der Regierung ist hochgradig widersprüchlich – erst ist sie gegen Masken, dann ruft sie Maskenpflicht aus, zu einem Zeitpunkt, wo nicht einmal klar ist, ob die Versorgung der gesamten Bevölkerung mit Masken sichergestellt ist. Gleichzeitig straft die Polizei vor allem das, was sie sieht, also Menschen, die sich im Freien aufhalten. Dabei ist das Risiko, sich in geschlossenen Räumen anzustecken, 18fach höher als im Freien!

Einige Studien aus Asien, ich zitiere jetzt eine repräsentative, deuten darauf hin, dass der Hauptansteckungsweg “indoor crowding effect” ist, wie Kirchen im Elsass oder Südkorea, die Après Skibar, oder auch der “Superspreader” von Patient 1 im China, der seine Virenpartikel über vier Stunden lang im Bus verteilt hat und so noch Personen angesteckt hat, selbst als er schon ausgestiegen war. Die asiatischen Studien betonen auch, dass zu Beginn der Epidemie das “family spreading” dominanter war als das “community spreading”, sprich, Familienbesuche sind effektiver in der Virusverbreitung als wenn sich Fremde begegnen. Das erscheint logisch, da sich Familienmitglieder tendenziell physisch näher kommen als Fremde.

“It was postulated that the indoor crowding effect is the main responsible of the high transmission rate of 2019-nCoV in Wuhan, China in the period January-February 2020.”

https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.03.19.20039164v1

Aus dem gleichen Artikel:

“Bu et al. (2020): persistent warm and dry weather is conducive to the survival of the 2019-nCoV and postulated that temperature ranging 13-19 °C and humidity ranging 50-80% are suitable conditions for the survival and transmission of coronavirus.”

Andere Studien gehen in eine ähnliche Richtung, es gibt einen bestimmten Temperaturbereich (“Frühlingswetter) und Feuchtebereich, wo sich das Virus wohl fühlt. Kühlere Witterungsverhältnisse verlängern die Stabilität des Virus, wärmere verkürzen sie.

Leider erfährt man von unserer Regierung nicht, was momentan der Hauptansteckungsweg ist. Sind es Büroarbeiter oder Spaziergänger? Sind es Gruppen von Radfahrern oder Hackler am Bau? Oder geschieht es im Supermarkt? Was ist mit Pflegepersonal, Ärzten, Zustellern? Es wäre wesentlich zu wissen, um die Maßnahmen zu verstehen. Die Maskenpflicht im Supermarkt deutet an, dass man sich Gedanken hat, aber transparent ist die Maßnahme nicht. Hat man es nachweisen können? Gibt es Studien darüber, wie lange Virenaerosole im Supermarkt bleiben? Ist die Schmierinfektion erhöht (gut, da bringen Masken wenig)?

Klar ist auch, dass die Fieberkontrollen an den Flughäfen nicht ausgereicht haben, nach dieser Studie hat man dabei knapp die Hälfte aller Infizierten übersehen.

Kern meiner Kritik ist, dass man Polizei und Blockwarte aus der Bevölkerung vor allem auf das loslässt, was man sieht, was aber nicht der Hauptansteckungsweg ist: Wenn sich Menschen aus welchen Gründen auch immer im Freien aufhalten. Die Polizei kontrolliert dabei auch einzelne Personen und verlangt Identitätsnachweise oder Begründungen, sie scheucht Passanten auf, die auf Parkbänken verweilen. Laut Social Media-Team der Polizei gibt es dafür keine rechtliche Grundlage, unangenehm und einschüchternd bleibt es allemal.

Die Situation der Strafen ist vergleichbar mit dem Verbot von Handy am Steuer, was auch für Radfahrer gilt. Radfahrer sind leichter zu kontrollieren, Autofahrer kommen eher davon, obwohl das Auto eher zur Tötungsmaschine wird als das Rad (wer beim Radfahren telefoniert, gefährdet eher sich selbst).

Meine Kritik soll die Maßnahmen nicht relativieren, aber man muss wegkommen vom Eindruck, dass Bewegung im Freien jetzt schädlich ist und Menschenleben kostet. Für alle Menschen ist Bewegung sinnvoll, ebenso Frischluft, ebenso der Aufenthalt in der Natur – SOFERN DER ABSTAND EINGEHALTET WIRD! Das Virus verbreitet sich nicht per se über Spaziergänger oder Radfahrer, sondern wenn ein Infizierter zu nahe kommt! Manche fragen sich jetzt, warum man täglich viel mehr Spaziergänger und Radfahrer sieht als vorher. Das sind die Menschen, die vorher in den Bundesgärten waren, die jetzt geschlossen sind und sich in den noch vorhandenen Grünflächen drängen. Das sind Leistungssportler, die auf Sportplätzen oder in den Hallen trainiert haben, in den Schwimmbädern, im Fitnesscenter. Das sind Leute, die dank Homeoffice und gesparten Anfahrtswegen jetzt überhaupt die Zeit haben, öfter hinauszugehen. Und es sind Menschen, die sich vorher am Weg zum Büro schon bewegt haben, die tausenden Schritte, die man zurücklegt zwischen den Öffis und zuhause, die diese Basisbewegung jetzt nicht mehr haben. Und zum Schluss sind es auch Menschen in viel zu engen Wohnungen, die es nicht mehr aushalten, es sind Menschen, die alleine leben und hinaus müssen. Es gibt zig Gründe nach draußen zu gehen. Das ist kein Grund, um mit dem Finger auf sie zu zeigen und ihre Persönlichkeitsrechte zu verletzen, in dem man Fotos auf Facebook oder Twitter stellt und nach der Polizei schreit.

20.45 Alles sehr undurchdacht.

Der Handel wurde anscheinend überrumpelt mit der Maskenpflicht ab übermorgen.

Angestellte werden außerdem dazu verpflichtet, Handschuhe zu tragen. Einlass in Geschäftslokale gibt es in Zukunft nur noch für Einzelpersonen. In Zukunft soll es eine festgelegte Anzahl von Kunden pro Quadratmeter geben, darüber hinaus dürfen weitere Personen erst hinein, wenn andere die Geschäftslokale verlassen. Die Kunden müssen Einkaufswagen benützen, um den Sicherheitsabstand sicherzustellen.

[…]

Die Masken sollen, so bis dahin ausreichend vorhanden, ab Mittwoch bei den Handelsketten ausgeteilt werden und müssen aufgesetzt werden, sagte Kurz am Montagvormittag. Andernfalls werde man nicht in den Supermarkt gelassen. Der Schutz soll gratis ausgegeben werden.

Die Masken gehen dann in das Eigentum der Kunden über und können weiterverwendet werden. Ob die Produkte wiederverwendbar sind, hänge von deren Beschaffenheit ab. Manche sind nur drei, vier Stunden verwendbar, andere waschbar bzw. zur Desinfektion geeignet.

Kunden können aber auch selbst einen Schutz mitbringen. Die Supermärkte sind jedoch verpflichtet, diesen Schutz anzubieten, sobald die Lieferkapazitäten sichergestellt sind. Zur Frage, ab wann die Maskenpflicht auch per Verordnung verpflichtend geregelt wird, hieß es, man werde in den nächsten Tagen genau beobachten, ab wann eine solche Verpflichtung der Handelsunternehmen von diesen auch „sinnvoll umsetzbar“ ist. Ziel sei eine einheitliche Regelung für alle in der Branche. Soweit möglich sollte eine Schutzmaske überall angelegt werden, wo Menschen zusammenkommen.

[…]

Dennoch wird es in Österreich nun flächendeckend eingeführt. Es wird auch zulässig sein, selbst produzierte Masken zu tragen. „Je weniger geniest und gehustet wird, desto weniger ist die Gefahr – hier hilft jede Form der Mundbedeckung“, so Kurz.

Quelle: https://orf.at/stories/3159979/

Leider klingt das alles sehr unausgegoren. Das gibt ein Chaos und wahrscheinlich lange Wartezeiten vor den Supermärkten.

Tag 18: Wirtschaft oder Gesundheit oder Machterhalt?

Zur Erinnerung, ich zähle nicht ab dem ersten Tag der Ausgangsbeschränkungen, sondern begann schon Tage vorher, als der Wahnsinn seinen Lauf nahm. “Es wird nicht ohne hässliche Bilder” gehen, hat der Bundeskanzler vor ein paar Jahren gesagt, als er stolz verkündete, die Balkanroute geschlossen zu haben und sich die damalige schwarzblaue Regierung mit Händen und Füßen dagegen gewehrt hat, dass man Flüchtlinge vom Mittelmeer her aufnimmt. Der Schweigekanzler, der wochenlang nicht zum Interviewhandkuss mit Armin Wolf kommen wollte, schweigt auch jetzt, wenn es darum geht, Fehler im Krisenmanagement einzugestehen. Zwar hat er zugegeben, die Pandemie unterschätzt zu haben, aber er hat viel früher davon gewusst, was sich in Tirol abgespielt hat. Der Kanzler hat sich vor seinem Putsch an die Regierung in der ÖVP mit Vollmachten ausstatten lassen, er hat die Länder verstummen lassen. Der gleiche Kanzler hat aber auch geschwiegen, als die Skilifte noch am gleichen Wochenende, als bereits die Ausgangsbeschränkungen verkündet wurden, noch bis Sonntagnachmittag liefen, sowohl in Tirol als auch in Salzburg. Die Fehler, die in Nordtirol gemacht wurden, werden europaweit tausenden Menschen das Leben kosten, die Folgeschäden sind nicht nur finanziell ein Desaster. Für über zwei Wochen hat sich das Virus europaweit unkontrolliert ausbreiten können und natürlich auch in Österreich, wo es naturgemäß auch einheimische Skiurlauber gibt. Lange Zeit zeigte man mit dem Finger aber nur auf Südtirol oder generell Norditalien und testete nur jene, die mit der Region in Kontakt kamen. Kurz verkündet vollmundig, man könne bald 15000 Tests am Tag machen, verschweigt aber, dass das notwendige Material dafür fehlt. Reagenzgläser fehlen weltweit.

Die Gleichung ist simpel:

Normalzustand = aktueller Zustand – X

X besteht aus a+b+c+d

a) Entwicklung der Impfstoffe, die im allerbesten Fall 6 Monate und im schlechtesten Fall 18 Monate dauert.

b) Entwicklung von Schnelltests, die auf die ganze Bevölkerung ausgeweitet werden können, sowohl auf das Virus selbst (die entsprechende Person und deren Kontaktperson müssen dann in Quarantäne) als auch auf Antikörper, um festzustellen, wer die Viruserkrankung schon durchgemacht hat und immun ist, also sich potentiell frei bewegen und mithelfen kann, Kranke zu versorgen oder zu arbeiten – hier soll es sich nur um wenige Wochen handeln. In den USA dauert der von der FDA zugelassene Schnelltest nur 5-15min.

c) Entwicklung von Medikamenten, um die schweren Verläufe abzumildern oder überhaupt zu verhindern. Da gibt es momentan offenbar 2-4 aussichtsreiche Kandidaten. Hauptproblem ist aber, dass sie in der Frühphase der Erkrankung gegeben werden müssen, was mit der Inkubationszeit schwierig ist. Sie müssten dann in so großer Zahl (minus die Anzahl der noch verschwindend geringen Zahl an Genesenen) hergestellt werden, dass zunächst die Gesundheitsberufe und Risikogruppen und zuletzt der Rest der Bevölkerung eines prophylaktisch zuhause hat und schon beim ersten Anzeichen von Unwohlsein einnehmen kann.

d) die flächendeckende Versorgung aller Gesundheitsberufe, Risikogruppen und Schlüsselberufe mit effektiven Mundschutzmasken – da zeichnet sich angesichts der anhaltenden Lieferungen aus Asien tatsächlich Entspannung ab, in weiterer Folge wäre anzudenken, die gesamte Bevölkerung zur Mundschutzpflicht aufzurufen. Da spricht wieder der Autist in mir – wollen wir ernsthaft eine Verlängerung des aktuellen Zustands riskieren, nur weil es kulturell bisher nicht üblich war, Mundschutz zu tragen? Ja, die Mimik ist eingeschränkt, aber nicht für immer! Der Mundschutz ist vor allem wichtig beim Einkaufen, am Arbeitsplatz, beim Arztbesuch und allgemein in geschlossenen Räumen. Er reduziert die Ansteckungsgefahr nicht auf Null, aber erstens reduziert er die Tröpfchenflugweite und zweitens sorgt der Anblick meist automatisch für Abstand halten. Denn wenn eine Maske impliziert, dass man andere davor schützen will, sich anzustecken, dann hält man vernünftigerweise Distanz zum Erkrankten. Die Maske macht die (potentielle) Erkrankung sichtbar, was das Virus nicht schafft, weil es leider nicht wie ein Glühwürmchen aufleuchtet, wenn man sich einem Infizierten nähert.

X muss gelöst werden, wenn wir – wie im Film Twelve Monkeys – wieder an die Oberfläche zurückkehren wollen. Ein Haufen Probleme werden bleiben, die Massenarbeitslosigkeit, die aufgeschobenenen Kontrollen, Therapien, Reha und Operationen bei Kranken, was sich viel später rächen kann und wird, die Traumata bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Letzte Nacht gab es noch eine unselige Twitterdiskussion zum Thema Bundesgärten öffnen versus tausende Tote. Es geht hier nicht um zwei Wochen, sondern dass die aktuelle Situation noch MONATE andauern kann. Viele sind bereits jetzt am Ende und die Sorgen um die Zukunft fressen die Seele auf. Was ist das für ein schwacher Trost, aktuelles Sterben zu verhindern, wenn die Perspektivlosigkeit zusätzliches Sterben provoziert?

Hier MUSS die Regierung einschreiten, und einmal mehr ist wichtig, das nicht nur mit finanzieller Absicherung, sondern auch mit Worten zu tun. Nicht nur die Österreicher ansprechen, sondern alle im Land. Offen eingestehen, dass man Fehler gemacht hat und derzeit nur Passagier der Entwicklung ist, man weiß schlicht nicht, wie sich das weiter entwickelt. Es fehlt auch ein offenes Eingeständnis, dass es falsch war, das Gesundheitssystem so massiv zu privatisieren und einzusparen, siehe Österreichische Gebietskrankenkasse. Und nicht zuletzt fehlt die Bereitschaft, die Opposition voll einzubinden. Die Zeit für Parteipolitik ist vorbei – schwere Verläufe und Tod betreffen jeden, auch Unternehmer, auch Immobilienbesitzer, auch den Villenbesitzer in Grinzing. Geld schützt vor diesem Virus nicht, es erleichtert allenfalls, die Zeit bis zum Normalzustand zu überbrücken, durch den großen Garten, den Zweitwohnsitz, das Auto, die finanzielle Absicherung. Mir scheint, den Grünen ist die Zweiklassengesellschaft klar, aber sie dringen beim großen Koalitionspartner nicht durch, und die Schwarzen wollen ihre menschenverachtende Politik der letzten Jahre auch in Krisenzeiten durchsetzen, wissend, dass die Bereitschaft, Freiheit und Grundrechte aufzugeben, später viel größer sein wird als vorher.

Ungeachtet von der Macht des Geldes glaube ich, dass es kein leichter Weg sein wird, aus dem aktuellen Lockdown herauszufinden. Die Ärzte in den Spitälern fürchten italienische Zustände, fürchten, dass Menschen sterben, die unter normalen Umständen überlebt hätten, egal ob jung oder alt. Die Bevölkerung und die Wirtschaftstreibenden fürchten, dass die Folgen des Lockdowns langfristig schwerer wiegen als das Virus selbst, dass viele schlichtweg so verarmen, dass sie sich keine angemessenen Zugang zum Gesundheitssystem mehr leisten können, geschweige denn ein Dach über den Kopf. Beide Sorgen sind berechtigt und dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Ebenso wenig das Bedürfnis, nach draußen zu gehen und etwas anderes als Straßen und Beton zu sehen, nicht für wenige Wochen, sondern über Monate hinweg. Es ist so schon traurig genug, dass dieses “nach draußen” gehen vollständig den persönlichen Kontakt zu Familie und Freunden ersetzen muss, dass jeder Einzelne von uns fürchten muss, alleine zu sterben, ohne Verabschiedung, ohne letzte Umarmung. Ich glaube nicht, dass das eine einfache Entscheidung sein wird, wenn wieder aufgemacht wird, auch mit dem Risiko, dass die Infektionen wieder zunehmen und weitere Menschen sterben. In anderen Ländern werden derzeit Ideen angedacht, die man zuletzt zu Zeiten des Nationalsozialismus vernommen hat: Lassen wir alle über 80 sterben, lassen wir die Behinderten sterben, sperren wir die Risikogruppen bis zum Schluss weg. In Deutschland soll quasi unbemerkt eingeführt werden, dass Beatmungspflichtige ins Pflegeheim müssen und nicht mehr zuhause betreut werden können – selbstbestimmtes Leben my ass. #Nixklusion

Rant Ende.

Es ist 13.00 MESZ, die Spatzen speiben von den Dächern. Die Sonne scheint, von Norden zieht Stratocumulus durch, damit lebt Nordwind auf, der sukzessive kältere Luft heranführt. Ich sitze am Balkon und werde heute wohl nochmal eine Runde mit dem Rad drehen, damit der Darm in Schwung kommt.

Tag 16 oder ists schon 17? 28.03.

Erlasskonforme Wanderung im Wienerwald, per bike & hike

Es dürfte den meisten so gehen, dass das Zeitgefühl abhanden gekommen ist. Das hat weniger mit Entschleunigung zu tun, als dass die Zukunft so unsicher geworden ist. Urlaubspläne, große Anschaffungen, Übersiedlungen, auch die Partnersuche, die man endlich in Angriff nehmen wollte, alles ist obsolet geworden. Meine Kalender alle in den Kasten zu sperren, war eine meiner ersten Handlungen. Ich bin nur ein kleines Licht unter vielen Kerzen auf dem Planeten Erde. Meine Trauer darüber, was ich alles versäumen werde, ist meine persönliche Erfahrung, keine Aufwertung oder Abwertung von den Erfahrungen anderer. Jeder leidet individuell. Es ist relativ ja. Man sollte sich glücklich schätzen mit dem, was man hat, weil anderen geht es oft noch schlechter. Das ist ein Stehsatz, falsch und richtig zugleich. Denn er verstärkt den Druck, nicht so viel zu motschkern, redet einem ein schlechtes Gewissen ein, wenn man über die eigene relativ priviligierte Situation lamentiert.

Ich hatte fünfeinhalb Jahre schwierige berufliche Umstände, fand dann einen neuen Job, dafür entstand ein chronisches Magendarmleiden mit wiederkehrenden Refluxattacken, für die ich keine Ursache fand. Es kam die Übersiedlung nach Salzburg, Wechsel innerhalb der Firma, einzige Möglichkeit aufzustocken. Ich bereute den Job nicht, aber den Umzug. Ich war viel zu lange getrennt von den vielen guten Bekannten und Wanderfreunden in Wien und fand kaum Anschluss in Salzburg. Deswegen kehrte ich wieder zurück. Im November 2018 ließ ich noch meinen Nabelbruch operieren, bewusst um diese Zeit, damit ich im Spätwinter wieder voll mit Wanderungen durchstarten konnte. Umso größer der Schock, noch während den Umzugstagen, als ich die Diagnose Knochenmarködem erhielt und nahezu alle Wanderurlaube letztes Jahr streichen musste. Im Herbst kam dann endlich die Gewissheit, dass ein Teil meiner Magendarmbeschwerden durch Laktoseintoleranz verursacht war, der andere Teil vermutlich durch zu histaminreiche Kost gepaart mit hohem psychischen Stress. Ich hatte für einige Wochen Ruhe. Zugleich wurden die Fußbeschwerden ab dem Herbst sukzessive weniger, ich konnte zunehmend längere Strecken schmerzfrei zurücklegen. Anfang 2020 war ich für drei Wochen auf Kur in Bad Mitterndorf, den Antrag hatte ich im August gestellt, als die Schmerzen trotz Einlagen nicht besser wurden. A posteriori werden diese drei Wochen mein längster Urlaub dieses Jahr gewesen sein, und wahrscheinlich mein einziger mit voller Bewegungsfreiheit. Meine Kondition hatte sich merklich verbessert, zum Leidwesen meines besten Wanderfreundes, dem ich bei einer Schneeschuhwanderung im Februar schlichtweg davonzog, obwohl ich alles spurte. Dieses Jahr wollte ich voll durchstarten, plante erstmals wieder Kurzurlaube mit dem Ort meiner Wahl, Wanderurlaube, Schwimmen an einem Bergsee, sowas in der Richtung. Das ist alles hinfällig geworden. Es hängt nun an einem Faktor, den ich selbst nicht beeinflussen kann, wie schnell dieser Alptraum vorbei ist und was die Folgen bleiben werden. Ein paar Aktivitäten werde ich wahrscheinlich nie mehr machen können – die teure Fernreise, die ich im kommenden Jahr geplant hatte (Kap Verden), die erste Fernreise überhaupt. Der teure Schweizurlaub, die teure Wohnung am Stadtrand, die kleine Eigentumswohnung im Grünen.

Zum Einen ist nicht sicher, ob mein Job diese langfristigen Auswirkungen überleben wird, zum Zweiten dürfte der Zenit erreicht sein mit dem Verdienst und zum Dritten ist die größte Befürchtung, dass durch Hyperinflation das über Jahre ersparte Geld nichts mehr wert sein wird. Zwar freuen sich jetzt alle über die 38 Milliarden, die mit der maximalen Umständlichkeit möglichst bürokratisch ausgezahlt werden sollen, aber für das größte Problem weltweit, nämlich, dass alle Staaten der Welt in eine tiefe Rezession bzw. Depression rutschen und den Schuldenberg nie mehr zurückzahlen können, ist noch keine Lösung gefunden, vielleicht auch keine angedacht worden, weil es keine Weltregierung gibt. Und dann wäre da noch der Klimawandel, auch für diesen müssen Lösungen gefunden werden, und das schnell, am besten dieses Jahr, aber verständlicherweise haben alle Staaten derzeit andere Sorgen, nämlich so viele Leben wie möglich zu retten, und gleichzeitig den Lockdown nicht so lange aufrechtzuerhalten, dass der nachfolgende Zusammenbruch noch mehr Leben kostet als dieses gschissene Virus.

Ich bin nicht sicher, ob es in Österreich das erhoffte Umdenken geben wird. Nicht mit dieser Regierung. “Koste, was es wolle”, verkündete ein sichtlich schockierter und erschöpfter ÖVP-Finanzminister vor einigen Tagen in seiner Rede, als er das milliardenschwere Hilfspaket vorstellte. Dann überließ man die Auszahlung der Wirtschaftskammer, die dadurch an sensible Daten aller Unternehmen herankommt, statt dem Finanzamt, dass die relevanten Daten schon alle hat. Inzwischen mehrt sich die Kritik an dieser Vorgehensweise und den zig Hürden, die bestehen, um möglichst zeitnah an die Hilfen heranzukommen. Nächste Woche beginnt ein neuer Monat, Mieten und Gehälter müssen gezahlt werden. Vor allem “DerStandard” zeigt sich derzeit engagiert, den Skandal um die Tiroler Skigebiete aufzuzeigen, Ischgl war nur die Spitze des Eisbergs, die Message Control der ÖVP-Regierung geht viel weiter zurück, bis zu den Wirtschaftskammerwahlen Anfang März. Letzte Woche hat Kurz angekündigt, dass bald 15 000 Tests pro Tag erfolgen werden. Dabei ist weit und breit nicht in Sicht, wie man diese Kapazitäten bereitstellen will, weder personell noch mit genügend Material (Reagenzgläser). Sicher wird die Bewältigung der Coronakrise dadurch erschwert, dass die letzte Gesundheitsministerin von der FPÖ – unter Billigung des jetzigen und damaligen Kanzlers Kurz – den Gesundheitsdirektor und die damit verbundenen Strukturen abschaffen ließ. Unverändert hart ist die jetzige Regierung trotz grünem Appendix bei der Weigerung, Flüchtlinge aus Griechenland aufzunehmen. Nicht einmal Kinder. Dafür werden jetzt ebenjene 24-Stunden-Pflegerinnen aus Südosteuropa eingeflogen (!), denen man vor zwei Jahren noch stolz die Familienbeihilfe kürzte – was dazu führte, dass etliche Pflegerinnen in die Heimatländer zurückkehrten und sich der Pflegenotstand verschärfte. Bisher gab es kein Wort des Bedauerns, kein Eingeständnis, dass man bei den falschen gespart hat. Sehr still sind derzeit auch die Reichen in Österreich. Auch die Kirche hält sich vornehm zurück und überlässt das Spenden einsammeln der Caritas. Dafür können sich betuchtere Bürger ihre Tests mit 200 Euro Kosten selbst zahlen. Das neue Dashboard, das ich verlinkt habe, weist nur noch die Gesamtzahl der Infizierten aus, die Genesenen- und Todeszahlen stehen nirgends, und für die im Spital und auf der Intensivstation muss man auf einen extra Link klicken. Was für ein Tohuwabohu – Transparenz sieht anders aus.

Stand 14.00: extrapoliert von den Daten um 08.00 ca. 50000 Tests, 8000 Infizierte, 800 im Spital und rund 150 auf der Intensiv.

Genug gemotschkert. Die gestrige Radtour zum Wienerwald und die anschließende Wanderung haben gut getan, auch wenn es anstrengend war. Heute ist der wärmste Tag für ca. eine Woche, aber ich bin zu platt, die Muskeln müde. Dafür bin ich dankbar, für einige Stunden an der frischen Luft gewesen zu sein, was neben der sportlichen Leistung zu meiner geliebten und sehr vermissten Erschöpfungsmüdigkeit geführt hat. Ich schlafe dann besser und tiefer und werde auch früher müde. Auch wenn das eine Alternative ist, es ist nicht niedrigschwellig. Ich muss solche Touren planen, speziell wenn ich alleine für die Anfahrt schon so viel Flüssigkeit bräuchte, dass für die eigentliche Wanderung nichts mehr bleibt.

Kommen wir zu den positiven Neuigkeiten des Tages:

1. Die Zuwachsraten gehen bereits zurück!

Quelle und Begründung für das geometrische Mittel über 4 Tage: Link zum SORA-Institut

Ziel muss es sein, die Zuwachsraten auf Null zu bringen. Und das möglichst über einen Zeitraum von zwei Wochen – erst dann kann überhaupt angedacht werden, die Maßnahmen zu lockern. Wie im Beitrag betont: Die aktuellen Zahlen zeigen das Bild von vor 7-10 Tagen, ein Blick in die Vergangenheit, nicht in die Gegenwart!

2. “ID NOW”-Schnelltest in den USA entwickelt.

Das amerikanische Unternehmen Abbott hat einen Schnelltest entwickelt, der nach 5 Minuten ein positives und nach 13min ein negatives Testergebnis auf Corona ausspuckt. Die FDA (Food and Drug Adminstration) hat den Notfallgebrauch dieses Tests bereits genehmigt. Die zugrundeliegende Technologie hat sich schon bei Influenzaviren bewährt (-> Studie).

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Freie Übersetzung nach Matt Haig, der über psychische Gesundheit twittert:

The current era is crap enough without having to feel guilt that we aren’t learning Greek and painting watercolours of daffodils. If you brushed your teeth today and got showered and ate something and spent ten minutes not looking at the news then well done it’s an achievement.

Die derzeitige Situation ist belastend genug, ohne dass wir Schuldgefühle dafür entwickeln müssen, weil wir kein Griechisch lernen, ein Fitnessprogramm indoor durchziehen, die Wohnung saubermachen oder unsere ungelesenen Bücher durchackern. Wenn Du Dir heute die Zähne putzt, Dich duschst, etwas isst und zehn Minuten lang keine Nachrichten schaust, dann ist das sehr wohl eine Leistung.

Und abschließend noch ein kleiner Rant über das generalisierende “#staythefuckhome”, das derzeit gerne in sozialen Medien mit Horrorbildern aus den Ländern untermalt wird, deren Gesundheitssystem zusammengebrochen ist.

Das Virus verbreitet sich von Mensch zu Mensch, am häufigsten über Tröpfcheninfektion (laut Podcast vom 27.03. konnte man in Heinsberg, dem Ischgl von Deutschland, kein lebendes Virus aus Virenpartikeln auf Türklinken anzüchten, Schmierinfektion spielt also eine definitiv eine geringere Rolle), vor allem durch engen Kontakt, wobei man mindestens 10min lang miteinander sprechen muss oder sich in geschlossenen Räumen aufhalten muss (lange Öffifahrten ohne Möglichkeit zu lüften). Das effektivste Gebot ist also Abstand halten und Hände waschen. Und Situationen meiden, wo Abstand halten nicht möglich ist:

  • nicht in eine volle U-Bahn einsteigen
  • nicht zur Rush Hour einkaufen gehen
  • Menschenansammlungen (die ohnehin verboten sind) meiden
  • keine Geburtstagsparties oder sonstige Feiern, auch wenn es den eigenen Geburtstag betrifft
  • Zusätzlich: Alle Aktivitäten meiden, die das Unfallrisiko erhöhen (exzessiver und riskanter Sport, Fenster putzen auf der wackligen Leiter, zu schnelles Fahren mit dem Auto oder Rad, etc.)

Mit den jetzigen Verordnungen lässt sich der wahrscheinlich häufigste Ansteckungsort aber nicht umgehen: Der Arbeitsplatz. Das betrifft zwar auf den ersten Blick vor allem Gesundheitsberufe ohne Schutzkleidung, also Intensivmediziner, HNO-Ärzte, Zahnärzte, aber letzendlich jeden Büroarbeitsplatz, wo Menschen auf engstem Raum über Stunden hinweg zusammenarbeiten müssen. Die beste Desinfektion nützt nichts, weil Atemluft nicht desinfizierbar ist.

Ja, es gibt immer noch Unbelehrbare, die meinen, weil sie keine Symptome haben, seien sie nicht infiziert oder die Schwere der Erkrankung herunterspielen, aber die Mehrheit hält sich an die Regeln. Es gibt Menschen, die rausgehen müssen, die eine winzige Wohnung haben, die mit Familie auf engstem Raum leben müssen oder denen vom Arzt explizit gesagt wurde, sie müssen raus und sich viel bewegen. Genauso mit psychisch hochbelasteten Menschen, deren Ängste und Ohnmachtsgefühle jetzt potenziert werden. Auch die müssen unbedingt nach draußen, auch die brauchen unsere Aufmerksamkeit und unser Verständnis. #staythefuckhome wirft alle in einen Topf und gibt gerade jenen, die unbedingt rausgehen sollen, noch ein schlechtes Gewissen, wenn sie es tun. Staythefuckhome trifft oft die Falschen. Diejenigen, die es hören sollten, muss man es wohl direkt weitergeben, nicht über Social Media. Wenn, dann müsste der Adressat jene Arbeitgeber seien, die kein Homeoffice anbieten, obwohl es technisch möglich wäre bzw. die Kurzarbeitsvariante nicht in Anspruch nehmen wollen, sodass vorübergehend gar nicht gearbeitet wird. Die Zuwachsrate der Infizierten in Italien geht erst zurück, seit man das Arbeitsleben auf essentielle Berufe beschränkt hat, und nicht wegen dem Verbot draußen Sport zu treiben. Das. ist. zu. einfach!

Darum: Abstand halten, Abstand suchen, Mundschutz tragen, notfalls auch selbst genäht, so tun, als sei man selbst ansteckend.

Mein Leitsatz im Einklang mit den derzeitigen Verordnungen lautet vielmehr:

Stay the fuck away bzw. Keep your distance to preserve my existence.

Tag 16: Kein Ende in Sicht

Bis Ende Mai werden die Ausgangsbeschränkungen andauern, außer….

… es gibt Schnelltests in großem Stil, sowohl PCR-Tests auf das Virus als auch Antikörpertests, die beschleunigen, die ganze Bevölkerung durchzutesten

…. es wurde ein Medikament gefunden, dass schwere Verläufe verhindert

… es gibt eine Mundschutzpflicht, wenn man sich nach draußen begibt. So könnte man Parks und Gärten schneller öffnen und eventuell in begrenzter Nutzung auch die Öffis.

Aktuell wurden rund 40 000 Menschen getestet, davon 7200 positiv, 700 liegen im Spital und 100 auf der Intensivstation.

Vielleicht trau ich mich heute wieder nach draußen. Auch wenn mir jeglicher Antrieb abhanden gekommen ist.

Update, Mitternacht:

Ich hab mich getraut und bin mit dem Rad verordnungskonform bis zum Ausgangspunkt gefahren, hab verordnungskonform eine Runde durch den Wienerwald zu Fuß gedreht, und bin anschließend wieder zurückgefahren, alles unter Wahrung allfälliger Abstände. Im 19. Bezirk haben alle Parks geöffnet, dabei hat dort sowieso jedes zweite Haus einen eigenen Garten bzw. ist der Wienerwald in Spuckweite. Trotzdem haben etliche Gstopfte oben auf der Höhenstraße mit ihren Jaguars, Porsche und SUVs eine Spazierfahrt gedreht. Die mehrköpfigen Familien in der Innenstadt ohne Balkon und Grünfläche in der Nähe dürfen noch wochenlang im eigenen Saft braten. Das Virus offenbart den Klassenkampf.

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Tag 15: Kollateralschaden der konservativen Regierung

Zusammenhalt ist jetzt so wichtig, nicht nur untereinander, sondern auch zwischen Arm und Reich

Am Anfang hatte ich auch das Gefühl, die Regierung macht es richtig, setzt die drastischen Maßnahmen und es kommt erst gar nicht zu der steilen Kurve an Neuinfektionen. Mittlerweile hab ich meine Meinung dazu relativiert, nicht zuletzt wegen dem Skandal um Ischgl (-> Leseempfehlung). Aber man sieht auch an der Umsetzung der wirtschaftlichen Maßnahmen, dass es vor allem darum geht, die eigene Lobby zu retten. So soll die Abwicklung der Soforthilfe nicht über das Finanzamt gehen, das bereits alle Daten hat, sondern über die Wirtschaftskammer. Und sofort ist ein zeitlich sehr elastischer Begriff, wenn man die implizierte Bürokratie dazu betrachtet (-> Quelle).

Was uns jetzt fehlt, ist ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) – so könnte man noch mehr Menschen dazu bringen, zuhause zu bleiben statt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Arbeit fahren zu müssen und am Arbeitsplatz weiter andere Menschen anzustecken. Mit Ausnahme jener Berufe, die die Grundversorgung garantieren, aber da ist die Betonung auf Grundversorgung, und nicht auf – wir unterstützen jetzt den lokalen Handel statt Amazon und bestellen materielle Güter, die wir gerade nicht brauchen. Es ist wunderbar, dass man alles online erledigen kann, aber irgendjemand wird Regale schlichten müssen, wird die Ware zustellen müssen und setzt sich damit einem Risiko aus, das an sich nicht notwendig wäre. Immer mit dem Hintergrundwissen, dass je stärker sich alle gleichzeitig einschränken, desto kürzer wird dieser Zeitraum dauern. Momentan ist mein Eindruck, dass wir die Zahl der Kontakte immer noch zu hoch halten, indem wir zwar nicht direkt in die Läden gehen, aber die Warenkette aufrechterhalten.

Wie medizinisch sinnvoll ist es, dass zunehmend ein Zeitlimit für das Hinausgehen angedacht wird? Wie wirkt sich dieser immense Stress auf das Immunsystem aus? Wie wirkt sich das auf potentielle Ansteckungen und den Schweregrad des Verlaufs aus? Dazu auch eine aktuelle Podcastfolge von Natalie Grams, Ärztin.

“Wir sind nicht alleine zuhause, wir sind mit unseren Ängsten und Depressionen zuhause.”

Der Podcast betrifft Deutschland, kann man aber teilweise auch auf Österreich anwenden, etwa Video- und Telefontherapie durch Psychotherapeuten und Psychologen. Problematisch ist aber in Österreich, dass weiterhin Beratungstermine durch klinische Psychologen nicht durch die Krankenkassen übernommen werden. Gleichzeitig steigt der Bedarf an regelmäßigen Gesprächen aber deutlich an, die Kosten erhöhen sich, während die Geldsorgen mehr werden.

Die Psychologin im Podcast appelliert an psychisch Betroffene, sich der Infodemie zu entziehen und nicht ungefiltert alle Informationen auf sich einprasseln zu lassen. Sie erlebt sich das auch an sich selbst, es sei legitim sich davor zu schützen. Hilfreich sei, sich Alltagsstruktur aufzubauen, gleichzeitig soll man positive Aktivitäten einplanen, die noch möglich sind. Gerade für aktive Menschen, die immer draußen waren, sei es schwierig, neue Strategien zu finden. Bewegung sei wichtig für den Spannungsabbau. Es sei auch legitim, auszuprobieren und festzustellen, dass manche Ratschläge nicht funktionieren.

Die strengen Maßnahmen werden sich mit Ostern nicht plötzlich ändern, sondern solange weitergehen, bis alle 9 Millionen Menschen in der Bevölkerung durchgetestet wurden. Es wurde auch berechtigterweise angemerkt, dass die jetzigen Ausgangssperren dafür sorgen, dass die zweite Welle im Herbst noch stärker ausfallen kann, weil dann jene, die sich bis dahin nicht infiziert haben, zum Handkuss kommen.

Hoffnung besteht alleine darin, dass jetzt gleichzeitig die Tests auf das Virus selbst (PCR-Test) und auf die Immunität (Antikörpertest) deutlich ausgeweitet werden können. Dann kann die Beschränkungen zumindest regional begrenzen, dann dürfen sich Menschen nach durchgemachter Erkrankung wieder begegnen, umarmen, zusammenarbeiten, dann kann man einzelne Regionen unter Quarantäne setzen, muss aber kein ganzes Bundesland wie Tirol unter Generalverdacht setzen, das Virus weiterzuverbreiten. Außerdem könnte durch den theoretischen flächendeckenden Einsatz von Mundschutzmasken der Bewegungsradius ebenfalls erhöht werden, speziell im Hinblick auf Tröpfcheninfektion mit schwerwiegenden Verläufen, weil man durch direkte Huster/Nieser die volle Viruslast abbekommt.

Ich will nicht egoistisch erscheinen, ich will auch nicht unfair sein. Es gibt genauso chronisch Kranke mit Auto am Land, die wenig verdienen und schon vor Corona am Existenzminimum lebten. Die haben jetzt zwar den Vorteil der Natur von der Haustür, sonst aber reichlich Nachteile, insbesondere da die medizinische Versorgung der chronischen Krankheit gerade drastisch eingeschränkt wird. Auch deswegen wäre ein BGE gerade so wichtig, um sie sozial aufzufangen. Die milliardenschwere Finanzspritzen der konservativgrünen Regierung dienen vor allem der Wirtschaft, nicht der Gesundheit – es werden immer noch Prioritäten falsch gesetzt.

Die Gedanken im Kopf fahren jedenfalls derzeit Achterbahn. Zwischen sanftem Optimismus und zu Tode betrübt. Über Patientenverfügung sollte man sich ernsthaft Gedanken machen, bevor einen das Virus mit einem schwereren Verlauf erwischt. Ob man, so man weiterleben darf, mit irreparablen Lungenschäden weiterleben will oder nicht darum bittet, seinen Intensivplatz freizumachen für jemand, der bessere Genesungsprognosen hat. Gedanken, die im Kopf eines 36jährigen nicht wirklich Platz haben sollten. Ich weiß nicht einmal, wie weit ich von der Risikogruppe entfernt bin – genetisch bin ich durch das zusätzliche X-Chromosom (47,xxy) vielleicht sogar geschützt, weil Frauen seltener (schwer) erkranken als Männer, andererseits ist die Prävalenz für Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen höher als für XY-Männer. Viel kann ich zur Vorbeugung nicht tun, theoretisch war die beste Vorbeugung, mich viel draußen zu sein und mich zu bewegen – der Gedanke ist für mich unerträglich, dass ich diese Vorbeugung jetzt für Monate nicht mehr gleich intensiv betreiben darf wie vorher. Ich habe meinen Bewegungsdrang immer als Lebensversicherung betrachtet. Mein Venenarzt, den ich glücklicherweise noch im Februar aufgesucht hab, empfiehl mit Nachdruck, ich solle wenig sitzen, sondern mich viel bewegen, Ausdauertraining betreiben. Jetzt bin ich gezwungen, über mehrere Monate das krasse Gegenteil zu betreiben, wenn ich mich an die gesetzlichen Verordnungen penibel halte und zuhause bleibe. In der Statistik werden am Ende aber nur die Toten und jene mit irreparablen Lungenschäden landen, nicht aber jene, die jetzt für Monate nicht die nötigen Behandlungen und Therapien erhalten, die psychischen Folgeschäden schon gar nicht.

Ich mag das nimmer weiter ausführen, mir ist auch bewusst, dass ich teilweise irrational bin, dass mich die Polizei nicht daran hindern darf, stundenlang spazieren zu gehen oder radzufahren. Für mich ist dieser Nicht-Natur-Alltag einfach so unerträglich, und die Androhung das wenige, was noch bleibt, weiter einzuschränken, ohne begründete Belege, dass sportliche Aktivitäten das Ansteckungsrisiko erhöhen oder risikoarme Aktivitäten wie Wienerwaldspaziergänge ein erhöhtes Unfallrisiko bedeuten. Ich blieb diese Woche an drei Tagen daheim, verhielt mich korrekt, aber es schlägt sich eben auf die Psyche nieder.

Tag 14: Hoffen, Bangen, Ernüchterung

Sofienalpe mit Graupelschauer im Anmarsch

Ja, es sind immer noch diese Vorschriften, die mir zu schaffen machen, hab genug darüber geschrieben. Da ist in mir wieder der Autist wachgeworden mit dem starken Gerechtigkeitssinn. Und es ist ungerecht, wenn man in einem Innenstadtbezirk lebt ohne Grünfläche in der Nähe. Die Ungerechtigkeit macht mich stärker fertig als die Angst vor dem Virus selbst.

Ich hab mir auch schon verschiedene Radrouten überlegt. Bis Rodaun komm ich unter einer Stunde kaum hin, Hütteldorf sind etwa 50min, Sievering noch 40min. Das werde ich wohl machen MÜSSEN und hoffen, dass jetzt nicht die Zeit für Kriminelle ist, Fahrräder oder Teile davon zu fladern. Was ich eigentlich nicht will, ist, mit dem Rad durch den Wienerwald zu gurken, sondern nur spazieren, weil das Verletzungsrisiko dann gleich Null ist. Wenn es rein um Bewegung ginge, würde das Radfahren quer durch die Stadt ja auch ausreichen, aber ich brauch das Naturerlebnis, um mein STRESSLEVEL zu senken und mal für einige Zeit auf andere Gedanken zu kommen, um dann zurückzukehren in die Wohnung und die deprimierenden Folgetage auszuhalten, ohne innerlich durchzudrehen.

Meine Furcht, in den Öffis kontrolliert zu werden und nicht glaubhaft versichern zu können, dass ich mich gerade gerechtfertigt darin aufhalte, hält sich mit der Furcht, dass mein Rad gestohlen wird, während ich spazieren gehe, sonderbarerweise die Waage. Aber ich war in inzwischen acht Jahren Wien nie ein Freund davon, Einkäufe mit dem Rad zu erledigen oder spazieren zu fahren. Ohne Auto wird das Rad zum Auto, auf das man wie seinen Schatz aufpasst. Das wird sich jetzt ändern müssen, wenn ich die kommenden Wochen oder gar Monate meine innere Stabilität bewahren will.

Hackers Interview im aktuellen Falter ist grausig, von den Fragen und Antworten, aber in einem hat er Recht: Man kann eine 2-Millionen-Einwohner-Stadt nicht mit dem restlichen Österreich vergleichen. Andere Möglichkeiten, andere Bedürfnisse.

Back to Wien:

Letzte Woche hab ich erstmals Biolebensmittel bestellt bei einem Biohof, heute kam die Lieferung, leider ohne das Mehl, das ich mitbestellte hatte – Lieferengpass. Jetzt werd ich also trotzdem in den Supermarkt gehen müssen, aber mir fehlen ohnehin ein paar Sachen wie Küchenrollen, Müsli, Milch und vor allem Fleisch. Auch eine Pizza wäre zur Abwechslung nett, und jetzt rächt sich, dass ich nicht, wie letztes Jahr vorgenommen, mir ein extra Tiefkühlgerät gekauft habe, um mehr Platz dafür zu haben. Natürlich auch die Umzugspläne an den Stadtrand, die ich jetzt nicht mehr umsetzen kann. Fahrstunden nehmen, ein Auto mit Automatikschaltung verwenden, das hätte mich jetzt gerettet. Aber es rächt sich so vieles, der Besuch zweier deutscher Freunde, der für heuer geplant war, und den ich die vergangenen Jahre nur nicht am Programm hatte, weil mir meine Wanderungen wichtiger waren. Ich bereue auch, dass ich nicht explizit betont habe, weshalb mir Umarmungen so wichtig sind, ohne Hintergedanken, dass ich aus meiner Bescheidenheit heraus gar nicht mehr brauche, als diese Geborgenheit und Wärme zu spüren – auch wenn das untypisch für einen Autisten erscheinen mag, aber es kommt auch immer darauf an, von wem man berührt wird. Und diese Umarmungen waren wir zehn Mal lieber als Begrüßungsküsschen oder Händeschütteln.

Aber wie eine Freundin heute trefflich schrieb …

“Das Leben findet im Jetzt statt. Nicht im Vorher, nicht im Hätte, und schon gar nicht im Bald. Aber manche dachten leider, das wären nur “Kalendersprüche”.”