Ich kann das hier höchstens anreißen. Vor kurzem stieß ich auf einen Vortrag von Franz Allerberger auf der Uni Salzburg vom 12. Februar 2020. Das Video ist in vielerlei Hinsicht demontierend, und zwar sowohl sprachlich als auch inhaltlich. Es wirft weder ein gutes Licht auf Allerberger selbst noch auf die Regierung. Allerberger ist Leiter des Geschäftsfelds für Öffentliche Gesundheit (Public Health) bei der AGES. Er fiel seit dem ersten Lockdown immer wieder durch flapsige Aussagen auf und scheint zu vergessen, dass er als Amtsträger in einer der wichtigsten Rollen während der Pandemie private Meinungen auch so kennzeichnen muss. Für die strategische Ausrichtung der Pandemiebekämpfung durch die Regierung und deren Kommunikation an die Bevölkerung besitzt Allerberger einen hohen Stellenwert. Die Sprecherin der Corona-Kommission ist die Chef-Epidemiologin der AGES, Daniela Schmid, deren Stellvertreter Allerberger ist. Allerberger sitzt auch in der Taskforce, dem Beraterstab des Gesundheitsministeriums, dort befindet sich u.a. auch Infektiologe Weiss, der im Mai bereits die Lockerung der Maskenpflicht in Aussicht stellte und im September zu den Verharmlosern der zweiten Welle gehörte. Er ist regelmäßiger Gast bei Interviews in Zeitungen und Fernsehen. Wenn Allerberger nur eine Person unter vielen ExpertInnen in Kommission und Beraterstab ist, woher kommt der starke Einfluss auf Anschobers Politik? Diese Frage hat – nicht ahnend, welche Folgen das haben könnte – die FALTER-Journalistin Barbara Tóth in der letzten FALTER-Ausgabe mit einem Porträt Anschobers beantwortet:
Allerberger und ihn [Anschober] verbindet der regelmäßige Corona-Test, den der Arzt beim Minister persönlich vornimmt. In den zehn Minuten, bis das Ergebnis da ist, tauschen sie sich aus, unter vier Augen. “Da ist oft Zeit für das Fachgespräch. Beratung heißt auch, unterschiedliche Einschätzungen zu hören und sich daraus eine eigene Meinung zu bilden.” Das klingt ganz anders als bei Kanzler Kurz, der Wissenschaftler schon einmal in “richtige” und “falsche” Experten einteilte, je nachdem, ob ihre Ratschläge in sein politisches Konzept passen oder nicht – und Allerberger ganz sicherlich letzteren zuordnet.
Barbara Tóth, FALTER
Hier zeigt sich bereits ein grundlegendes Missverständnis beim grünen Gesundheitsminister:
Wissenschaft ist nicht die Meinung des Klügsten, sondern ein Geflecht an Fakten, die einander gegenseitig stützen.
Physiker Florian Aigner, 22. August 2020 (Twitter)
Kanzler Kurz’ Einteilung in richtige und falsche Experten ist näher an der Realität der Experten und Scheinexperten zu sprechen, allerdings liegt das weniger daran, dass Kurz aus Vernunft auf Drosten & Merkel hört, sondern, dass er im Vergleich zu den Nachbarländern nicht zu weit zurückfallen möchte und daher ein paar sinnvolle Maßnahmen kopiert (Quelle). Denn konsequent ist seine Umsetzung nicht: Homeoffice wird erst im März geregelt und die Schulen sind bis heute nicht der sichere Ort, von dem Bildungsminister Faßmann immer redet.
Continue reading







You must be logged in to post a comment.