Tag 18: Wirtschaft oder Gesundheit oder Machterhalt?

Zur Erinnerung, ich zähle nicht ab dem ersten Tag der Ausgangsbeschränkungen, sondern begann schon Tage vorher, als der Wahnsinn seinen Lauf nahm. “Es wird nicht ohne hässliche Bilder” gehen, hat der Bundeskanzler vor ein paar Jahren gesagt, als er stolz verkündete, die Balkanroute geschlossen zu haben und sich die damalige schwarzblaue Regierung mit Händen und Füßen dagegen gewehrt hat, dass man Flüchtlinge vom Mittelmeer her aufnimmt. Der Schweigekanzler, der wochenlang nicht zum Interviewhandkuss mit Armin Wolf kommen wollte, schweigt auch jetzt, wenn es darum geht, Fehler im Krisenmanagement einzugestehen. Zwar hat er zugegeben, die Pandemie unterschätzt zu haben, aber er hat viel früher davon gewusst, was sich in Tirol abgespielt hat. Der Kanzler hat sich vor seinem Putsch an die Regierung in der ÖVP mit Vollmachten ausstatten lassen, er hat die Länder verstummen lassen. Der gleiche Kanzler hat aber auch geschwiegen, als die Skilifte noch am gleichen Wochenende, als bereits die Ausgangsbeschränkungen verkündet wurden, noch bis Sonntagnachmittag liefen, sowohl in Tirol als auch in Salzburg. Die Fehler, die in Nordtirol gemacht wurden, werden europaweit tausenden Menschen das Leben kosten, die Folgeschäden sind nicht nur finanziell ein Desaster. Für über zwei Wochen hat sich das Virus europaweit unkontrolliert ausbreiten können und natürlich auch in Österreich, wo es naturgemäß auch einheimische Skiurlauber gibt. Lange Zeit zeigte man mit dem Finger aber nur auf Südtirol oder generell Norditalien und testete nur jene, die mit der Region in Kontakt kamen. Kurz verkündet vollmundig, man könne bald 15000 Tests am Tag machen, verschweigt aber, dass das notwendige Material dafür fehlt. Reagenzgläser fehlen weltweit.

Die Gleichung ist simpel:

Normalzustand = aktueller Zustand – X

X besteht aus a+b+c+d

a) Entwicklung der Impfstoffe, die im allerbesten Fall 6 Monate und im schlechtesten Fall 18 Monate dauert.

b) Entwicklung von Schnelltests, die auf die ganze Bevölkerung ausgeweitet werden können, sowohl auf das Virus selbst (die entsprechende Person und deren Kontaktperson müssen dann in Quarantäne) als auch auf Antikörper, um festzustellen, wer die Viruserkrankung schon durchgemacht hat und immun ist, also sich potentiell frei bewegen und mithelfen kann, Kranke zu versorgen oder zu arbeiten – hier soll es sich nur um wenige Wochen handeln. In den USA dauert der von der FDA zugelassene Schnelltest nur 5-15min.

c) Entwicklung von Medikamenten, um die schweren Verläufe abzumildern oder überhaupt zu verhindern. Da gibt es momentan offenbar 2-4 aussichtsreiche Kandidaten. Hauptproblem ist aber, dass sie in der Frühphase der Erkrankung gegeben werden müssen, was mit der Inkubationszeit schwierig ist. Sie müssten dann in so großer Zahl (minus die Anzahl der noch verschwindend geringen Zahl an Genesenen) hergestellt werden, dass zunächst die Gesundheitsberufe und Risikogruppen und zuletzt der Rest der Bevölkerung eines prophylaktisch zuhause hat und schon beim ersten Anzeichen von Unwohlsein einnehmen kann.

d) die flächendeckende Versorgung aller Gesundheitsberufe, Risikogruppen und Schlüsselberufe mit effektiven Mundschutzmasken – da zeichnet sich angesichts der anhaltenden Lieferungen aus Asien tatsächlich Entspannung ab, in weiterer Folge wäre anzudenken, die gesamte Bevölkerung zur Mundschutzpflicht aufzurufen. Da spricht wieder der Autist in mir – wollen wir ernsthaft eine Verlängerung des aktuellen Zustands riskieren, nur weil es kulturell bisher nicht üblich war, Mundschutz zu tragen? Ja, die Mimik ist eingeschränkt, aber nicht für immer! Der Mundschutz ist vor allem wichtig beim Einkaufen, am Arbeitsplatz, beim Arztbesuch und allgemein in geschlossenen Räumen. Er reduziert die Ansteckungsgefahr nicht auf Null, aber erstens reduziert er die Tröpfchenflugweite und zweitens sorgt der Anblick meist automatisch für Abstand halten. Denn wenn eine Maske impliziert, dass man andere davor schützen will, sich anzustecken, dann hält man vernünftigerweise Distanz zum Erkrankten. Die Maske macht die (potentielle) Erkrankung sichtbar, was das Virus nicht schafft, weil es leider nicht wie ein Glühwürmchen aufleuchtet, wenn man sich einem Infizierten nähert.

X muss gelöst werden, wenn wir – wie im Film Twelve Monkeys – wieder an die Oberfläche zurückkehren wollen. Ein Haufen Probleme werden bleiben, die Massenarbeitslosigkeit, die aufgeschobenenen Kontrollen, Therapien, Reha und Operationen bei Kranken, was sich viel später rächen kann und wird, die Traumata bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Letzte Nacht gab es noch eine unselige Twitterdiskussion zum Thema Bundesgärten öffnen versus tausende Tote. Es geht hier nicht um zwei Wochen, sondern dass die aktuelle Situation noch MONATE andauern kann. Viele sind bereits jetzt am Ende und die Sorgen um die Zukunft fressen die Seele auf. Was ist das für ein schwacher Trost, aktuelles Sterben zu verhindern, wenn die Perspektivlosigkeit zusätzliches Sterben provoziert?

Hier MUSS die Regierung einschreiten, und einmal mehr ist wichtig, das nicht nur mit finanzieller Absicherung, sondern auch mit Worten zu tun. Nicht nur die Österreicher ansprechen, sondern alle im Land. Offen eingestehen, dass man Fehler gemacht hat und derzeit nur Passagier der Entwicklung ist, man weiß schlicht nicht, wie sich das weiter entwickelt. Es fehlt auch ein offenes Eingeständnis, dass es falsch war, das Gesundheitssystem so massiv zu privatisieren und einzusparen, siehe Österreichische Gebietskrankenkasse. Und nicht zuletzt fehlt die Bereitschaft, die Opposition voll einzubinden. Die Zeit für Parteipolitik ist vorbei – schwere Verläufe und Tod betreffen jeden, auch Unternehmer, auch Immobilienbesitzer, auch den Villenbesitzer in Grinzing. Geld schützt vor diesem Virus nicht, es erleichtert allenfalls, die Zeit bis zum Normalzustand zu überbrücken, durch den großen Garten, den Zweitwohnsitz, das Auto, die finanzielle Absicherung. Mir scheint, den Grünen ist die Zweiklassengesellschaft klar, aber sie dringen beim großen Koalitionspartner nicht durch, und die Schwarzen wollen ihre menschenverachtende Politik der letzten Jahre auch in Krisenzeiten durchsetzen, wissend, dass die Bereitschaft, Freiheit und Grundrechte aufzugeben, später viel größer sein wird als vorher.

Ungeachtet von der Macht des Geldes glaube ich, dass es kein leichter Weg sein wird, aus dem aktuellen Lockdown herauszufinden. Die Ärzte in den Spitälern fürchten italienische Zustände, fürchten, dass Menschen sterben, die unter normalen Umständen überlebt hätten, egal ob jung oder alt. Die Bevölkerung und die Wirtschaftstreibenden fürchten, dass die Folgen des Lockdowns langfristig schwerer wiegen als das Virus selbst, dass viele schlichtweg so verarmen, dass sie sich keine angemessenen Zugang zum Gesundheitssystem mehr leisten können, geschweige denn ein Dach über den Kopf. Beide Sorgen sind berechtigt und dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Ebenso wenig das Bedürfnis, nach draußen zu gehen und etwas anderes als Straßen und Beton zu sehen, nicht für wenige Wochen, sondern über Monate hinweg. Es ist so schon traurig genug, dass dieses “nach draußen” gehen vollständig den persönlichen Kontakt zu Familie und Freunden ersetzen muss, dass jeder Einzelne von uns fürchten muss, alleine zu sterben, ohne Verabschiedung, ohne letzte Umarmung. Ich glaube nicht, dass das eine einfache Entscheidung sein wird, wenn wieder aufgemacht wird, auch mit dem Risiko, dass die Infektionen wieder zunehmen und weitere Menschen sterben. In anderen Ländern werden derzeit Ideen angedacht, die man zuletzt zu Zeiten des Nationalsozialismus vernommen hat: Lassen wir alle über 80 sterben, lassen wir die Behinderten sterben, sperren wir die Risikogruppen bis zum Schluss weg. In Deutschland soll quasi unbemerkt eingeführt werden, dass Beatmungspflichtige ins Pflegeheim müssen und nicht mehr zuhause betreut werden können – selbstbestimmtes Leben my ass. #Nixklusion

Rant Ende.

Es ist 13.00 MESZ, die Spatzen speiben von den Dächern. Die Sonne scheint, von Norden zieht Stratocumulus durch, damit lebt Nordwind auf, der sukzessive kältere Luft heranführt. Ich sitze am Balkon und werde heute wohl nochmal eine Runde mit dem Rad drehen, damit der Darm in Schwung kommt.

Tag 16 oder ists schon 17? 28.03.

Erlasskonforme Wanderung im Wienerwald, per bike & hike

Es dürfte den meisten so gehen, dass das Zeitgefühl abhanden gekommen ist. Das hat weniger mit Entschleunigung zu tun, als dass die Zukunft so unsicher geworden ist. Urlaubspläne, große Anschaffungen, Übersiedlungen, auch die Partnersuche, die man endlich in Angriff nehmen wollte, alles ist obsolet geworden. Meine Kalender alle in den Kasten zu sperren, war eine meiner ersten Handlungen. Ich bin nur ein kleines Licht unter vielen Kerzen auf dem Planeten Erde. Meine Trauer darüber, was ich alles versäumen werde, ist meine persönliche Erfahrung, keine Aufwertung oder Abwertung von den Erfahrungen anderer. Jeder leidet individuell. Es ist relativ ja. Man sollte sich glücklich schätzen mit dem, was man hat, weil anderen geht es oft noch schlechter. Das ist ein Stehsatz, falsch und richtig zugleich. Denn er verstärkt den Druck, nicht so viel zu motschkern, redet einem ein schlechtes Gewissen ein, wenn man über die eigene relativ priviligierte Situation lamentiert.

Ich hatte fünfeinhalb Jahre schwierige berufliche Umstände, fand dann einen neuen Job, dafür entstand ein chronisches Magendarmleiden mit wiederkehrenden Refluxattacken, für die ich keine Ursache fand. Es kam die Übersiedlung nach Salzburg, Wechsel innerhalb der Firma, einzige Möglichkeit aufzustocken. Ich bereute den Job nicht, aber den Umzug. Ich war viel zu lange getrennt von den vielen guten Bekannten und Wanderfreunden in Wien und fand kaum Anschluss in Salzburg. Deswegen kehrte ich wieder zurück. Im November 2018 ließ ich noch meinen Nabelbruch operieren, bewusst um diese Zeit, damit ich im Spätwinter wieder voll mit Wanderungen durchstarten konnte. Umso größer der Schock, noch während den Umzugstagen, als ich die Diagnose Knochenmarködem erhielt und nahezu alle Wanderurlaube letztes Jahr streichen musste. Im Herbst kam dann endlich die Gewissheit, dass ein Teil meiner Magendarmbeschwerden durch Laktoseintoleranz verursacht war, der andere Teil vermutlich durch zu histaminreiche Kost gepaart mit hohem psychischen Stress. Ich hatte für einige Wochen Ruhe. Zugleich wurden die Fußbeschwerden ab dem Herbst sukzessive weniger, ich konnte zunehmend längere Strecken schmerzfrei zurücklegen. Anfang 2020 war ich für drei Wochen auf Kur in Bad Mitterndorf, den Antrag hatte ich im August gestellt, als die Schmerzen trotz Einlagen nicht besser wurden. A posteriori werden diese drei Wochen mein längster Urlaub dieses Jahr gewesen sein, und wahrscheinlich mein einziger mit voller Bewegungsfreiheit. Meine Kondition hatte sich merklich verbessert, zum Leidwesen meines besten Wanderfreundes, dem ich bei einer Schneeschuhwanderung im Februar schlichtweg davonzog, obwohl ich alles spurte. Dieses Jahr wollte ich voll durchstarten, plante erstmals wieder Kurzurlaube mit dem Ort meiner Wahl, Wanderurlaube, Schwimmen an einem Bergsee, sowas in der Richtung. Das ist alles hinfällig geworden. Es hängt nun an einem Faktor, den ich selbst nicht beeinflussen kann, wie schnell dieser Alptraum vorbei ist und was die Folgen bleiben werden. Ein paar Aktivitäten werde ich wahrscheinlich nie mehr machen können – die teure Fernreise, die ich im kommenden Jahr geplant hatte (Kap Verden), die erste Fernreise überhaupt. Der teure Schweizurlaub, die teure Wohnung am Stadtrand, die kleine Eigentumswohnung im Grünen.

Zum Einen ist nicht sicher, ob mein Job diese langfristigen Auswirkungen überleben wird, zum Zweiten dürfte der Zenit erreicht sein mit dem Verdienst und zum Dritten ist die größte Befürchtung, dass durch Hyperinflation das über Jahre ersparte Geld nichts mehr wert sein wird. Zwar freuen sich jetzt alle über die 38 Milliarden, die mit der maximalen Umständlichkeit möglichst bürokratisch ausgezahlt werden sollen, aber für das größte Problem weltweit, nämlich, dass alle Staaten der Welt in eine tiefe Rezession bzw. Depression rutschen und den Schuldenberg nie mehr zurückzahlen können, ist noch keine Lösung gefunden, vielleicht auch keine angedacht worden, weil es keine Weltregierung gibt. Und dann wäre da noch der Klimawandel, auch für diesen müssen Lösungen gefunden werden, und das schnell, am besten dieses Jahr, aber verständlicherweise haben alle Staaten derzeit andere Sorgen, nämlich so viele Leben wie möglich zu retten, und gleichzeitig den Lockdown nicht so lange aufrechtzuerhalten, dass der nachfolgende Zusammenbruch noch mehr Leben kostet als dieses gschissene Virus.

Ich bin nicht sicher, ob es in Österreich das erhoffte Umdenken geben wird. Nicht mit dieser Regierung. “Koste, was es wolle”, verkündete ein sichtlich schockierter und erschöpfter ÖVP-Finanzminister vor einigen Tagen in seiner Rede, als er das milliardenschwere Hilfspaket vorstellte. Dann überließ man die Auszahlung der Wirtschaftskammer, die dadurch an sensible Daten aller Unternehmen herankommt, statt dem Finanzamt, dass die relevanten Daten schon alle hat. Inzwischen mehrt sich die Kritik an dieser Vorgehensweise und den zig Hürden, die bestehen, um möglichst zeitnah an die Hilfen heranzukommen. Nächste Woche beginnt ein neuer Monat, Mieten und Gehälter müssen gezahlt werden. Vor allem “DerStandard” zeigt sich derzeit engagiert, den Skandal um die Tiroler Skigebiete aufzuzeigen, Ischgl war nur die Spitze des Eisbergs, die Message Control der ÖVP-Regierung geht viel weiter zurück, bis zu den Wirtschaftskammerwahlen Anfang März. Letzte Woche hat Kurz angekündigt, dass bald 15 000 Tests pro Tag erfolgen werden. Dabei ist weit und breit nicht in Sicht, wie man diese Kapazitäten bereitstellen will, weder personell noch mit genügend Material (Reagenzgläser). Sicher wird die Bewältigung der Coronakrise dadurch erschwert, dass die letzte Gesundheitsministerin von der FPÖ – unter Billigung des jetzigen und damaligen Kanzlers Kurz – den Gesundheitsdirektor und die damit verbundenen Strukturen abschaffen ließ. Unverändert hart ist die jetzige Regierung trotz grünem Appendix bei der Weigerung, Flüchtlinge aus Griechenland aufzunehmen. Nicht einmal Kinder. Dafür werden jetzt ebenjene 24-Stunden-Pflegerinnen aus Südosteuropa eingeflogen (!), denen man vor zwei Jahren noch stolz die Familienbeihilfe kürzte – was dazu führte, dass etliche Pflegerinnen in die Heimatländer zurückkehrten und sich der Pflegenotstand verschärfte. Bisher gab es kein Wort des Bedauerns, kein Eingeständnis, dass man bei den falschen gespart hat. Sehr still sind derzeit auch die Reichen in Österreich. Auch die Kirche hält sich vornehm zurück und überlässt das Spenden einsammeln der Caritas. Dafür können sich betuchtere Bürger ihre Tests mit 200 Euro Kosten selbst zahlen. Das neue Dashboard, das ich verlinkt habe, weist nur noch die Gesamtzahl der Infizierten aus, die Genesenen- und Todeszahlen stehen nirgends, und für die im Spital und auf der Intensivstation muss man auf einen extra Link klicken. Was für ein Tohuwabohu – Transparenz sieht anders aus.

Stand 14.00: extrapoliert von den Daten um 08.00 ca. 50000 Tests, 8000 Infizierte, 800 im Spital und rund 150 auf der Intensiv.

Genug gemotschkert. Die gestrige Radtour zum Wienerwald und die anschließende Wanderung haben gut getan, auch wenn es anstrengend war. Heute ist der wärmste Tag für ca. eine Woche, aber ich bin zu platt, die Muskeln müde. Dafür bin ich dankbar, für einige Stunden an der frischen Luft gewesen zu sein, was neben der sportlichen Leistung zu meiner geliebten und sehr vermissten Erschöpfungsmüdigkeit geführt hat. Ich schlafe dann besser und tiefer und werde auch früher müde. Auch wenn das eine Alternative ist, es ist nicht niedrigschwellig. Ich muss solche Touren planen, speziell wenn ich alleine für die Anfahrt schon so viel Flüssigkeit bräuchte, dass für die eigentliche Wanderung nichts mehr bleibt.

Kommen wir zu den positiven Neuigkeiten des Tages:

1. Die Zuwachsraten gehen bereits zurück!

Quelle und Begründung für das geometrische Mittel über 4 Tage: Link zum SORA-Institut

Ziel muss es sein, die Zuwachsraten auf Null zu bringen. Und das möglichst über einen Zeitraum von zwei Wochen – erst dann kann überhaupt angedacht werden, die Maßnahmen zu lockern. Wie im Beitrag betont: Die aktuellen Zahlen zeigen das Bild von vor 7-10 Tagen, ein Blick in die Vergangenheit, nicht in die Gegenwart!

2. “ID NOW”-Schnelltest in den USA entwickelt.

Das amerikanische Unternehmen Abbott hat einen Schnelltest entwickelt, der nach 5 Minuten ein positives und nach 13min ein negatives Testergebnis auf Corona ausspuckt. Die FDA (Food and Drug Adminstration) hat den Notfallgebrauch dieses Tests bereits genehmigt. Die zugrundeliegende Technologie hat sich schon bei Influenzaviren bewährt (-> Studie).

—–

Freie Übersetzung nach Matt Haig, der über psychische Gesundheit twittert:

The current era is crap enough without having to feel guilt that we aren’t learning Greek and painting watercolours of daffodils. If you brushed your teeth today and got showered and ate something and spent ten minutes not looking at the news then well done it’s an achievement.

Die derzeitige Situation ist belastend genug, ohne dass wir Schuldgefühle dafür entwickeln müssen, weil wir kein Griechisch lernen, ein Fitnessprogramm indoor durchziehen, die Wohnung saubermachen oder unsere ungelesenen Bücher durchackern. Wenn Du Dir heute die Zähne putzt, Dich duschst, etwas isst und zehn Minuten lang keine Nachrichten schaust, dann ist das sehr wohl eine Leistung.

Und abschließend noch ein kleiner Rant über das generalisierende “#staythefuckhome”, das derzeit gerne in sozialen Medien mit Horrorbildern aus den Ländern untermalt wird, deren Gesundheitssystem zusammengebrochen ist.

Das Virus verbreitet sich von Mensch zu Mensch, am häufigsten über Tröpfcheninfektion (laut Podcast vom 27.03. konnte man in Heinsberg, dem Ischgl von Deutschland, kein lebendes Virus aus Virenpartikeln auf Türklinken anzüchten, Schmierinfektion spielt also eine definitiv eine geringere Rolle), vor allem durch engen Kontakt, wobei man mindestens 10min lang miteinander sprechen muss oder sich in geschlossenen Räumen aufhalten muss (lange Öffifahrten ohne Möglichkeit zu lüften). Das effektivste Gebot ist also Abstand halten und Hände waschen. Und Situationen meiden, wo Abstand halten nicht möglich ist:

  • nicht in eine volle U-Bahn einsteigen
  • nicht zur Rush Hour einkaufen gehen
  • Menschenansammlungen (die ohnehin verboten sind) meiden
  • keine Geburtstagsparties oder sonstige Feiern, auch wenn es den eigenen Geburtstag betrifft
  • Zusätzlich: Alle Aktivitäten meiden, die das Unfallrisiko erhöhen (exzessiver und riskanter Sport, Fenster putzen auf der wackligen Leiter, zu schnelles Fahren mit dem Auto oder Rad, etc.)

Mit den jetzigen Verordnungen lässt sich der wahrscheinlich häufigste Ansteckungsort aber nicht umgehen: Der Arbeitsplatz. Das betrifft zwar auf den ersten Blick vor allem Gesundheitsberufe ohne Schutzkleidung, also Intensivmediziner, HNO-Ärzte, Zahnärzte, aber letzendlich jeden Büroarbeitsplatz, wo Menschen auf engstem Raum über Stunden hinweg zusammenarbeiten müssen. Die beste Desinfektion nützt nichts, weil Atemluft nicht desinfizierbar ist.

Ja, es gibt immer noch Unbelehrbare, die meinen, weil sie keine Symptome haben, seien sie nicht infiziert oder die Schwere der Erkrankung herunterspielen, aber die Mehrheit hält sich an die Regeln. Es gibt Menschen, die rausgehen müssen, die eine winzige Wohnung haben, die mit Familie auf engstem Raum leben müssen oder denen vom Arzt explizit gesagt wurde, sie müssen raus und sich viel bewegen. Genauso mit psychisch hochbelasteten Menschen, deren Ängste und Ohnmachtsgefühle jetzt potenziert werden. Auch die müssen unbedingt nach draußen, auch die brauchen unsere Aufmerksamkeit und unser Verständnis. #staythefuckhome wirft alle in einen Topf und gibt gerade jenen, die unbedingt rausgehen sollen, noch ein schlechtes Gewissen, wenn sie es tun. Staythefuckhome trifft oft die Falschen. Diejenigen, die es hören sollten, muss man es wohl direkt weitergeben, nicht über Social Media. Wenn, dann müsste der Adressat jene Arbeitgeber seien, die kein Homeoffice anbieten, obwohl es technisch möglich wäre bzw. die Kurzarbeitsvariante nicht in Anspruch nehmen wollen, sodass vorübergehend gar nicht gearbeitet wird. Die Zuwachsrate der Infizierten in Italien geht erst zurück, seit man das Arbeitsleben auf essentielle Berufe beschränkt hat, und nicht wegen dem Verbot draußen Sport zu treiben. Das. ist. zu. einfach!

Darum: Abstand halten, Abstand suchen, Mundschutz tragen, notfalls auch selbst genäht, so tun, als sei man selbst ansteckend.

Mein Leitsatz im Einklang mit den derzeitigen Verordnungen lautet vielmehr:

Stay the fuck away bzw. Keep your distance to preserve my existence.

Tag 16: Kein Ende in Sicht

Bis Ende Mai werden die Ausgangsbeschränkungen andauern, außer….

… es gibt Schnelltests in großem Stil, sowohl PCR-Tests auf das Virus als auch Antikörpertests, die beschleunigen, die ganze Bevölkerung durchzutesten

…. es wurde ein Medikament gefunden, dass schwere Verläufe verhindert

… es gibt eine Mundschutzpflicht, wenn man sich nach draußen begibt. So könnte man Parks und Gärten schneller öffnen und eventuell in begrenzter Nutzung auch die Öffis.

Aktuell wurden rund 40 000 Menschen getestet, davon 7200 positiv, 700 liegen im Spital und 100 auf der Intensivstation.

Vielleicht trau ich mich heute wieder nach draußen. Auch wenn mir jeglicher Antrieb abhanden gekommen ist.

Update, Mitternacht:

Ich hab mich getraut und bin mit dem Rad verordnungskonform bis zum Ausgangspunkt gefahren, hab verordnungskonform eine Runde durch den Wienerwald zu Fuß gedreht, und bin anschließend wieder zurückgefahren, alles unter Wahrung allfälliger Abstände. Im 19. Bezirk haben alle Parks geöffnet, dabei hat dort sowieso jedes zweite Haus einen eigenen Garten bzw. ist der Wienerwald in Spuckweite. Trotzdem haben etliche Gstopfte oben auf der Höhenstraße mit ihren Jaguars, Porsche und SUVs eine Spazierfahrt gedreht. Die mehrköpfigen Familien in der Innenstadt ohne Balkon und Grünfläche in der Nähe dürfen noch wochenlang im eigenen Saft braten. Das Virus offenbart den Klassenkampf.

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Tag 15: Kollateralschaden der konservativen Regierung

Zusammenhalt ist jetzt so wichtig, nicht nur untereinander, sondern auch zwischen Arm und Reich

Am Anfang hatte ich auch das Gefühl, die Regierung macht es richtig, setzt die drastischen Maßnahmen und es kommt erst gar nicht zu der steilen Kurve an Neuinfektionen. Mittlerweile hab ich meine Meinung dazu relativiert, nicht zuletzt wegen dem Skandal um Ischgl (-> Leseempfehlung). Aber man sieht auch an der Umsetzung der wirtschaftlichen Maßnahmen, dass es vor allem darum geht, die eigene Lobby zu retten. So soll die Abwicklung der Soforthilfe nicht über das Finanzamt gehen, das bereits alle Daten hat, sondern über die Wirtschaftskammer. Und sofort ist ein zeitlich sehr elastischer Begriff, wenn man die implizierte Bürokratie dazu betrachtet (-> Quelle).

Was uns jetzt fehlt, ist ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) – so könnte man noch mehr Menschen dazu bringen, zuhause zu bleiben statt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Arbeit fahren zu müssen und am Arbeitsplatz weiter andere Menschen anzustecken. Mit Ausnahme jener Berufe, die die Grundversorgung garantieren, aber da ist die Betonung auf Grundversorgung, und nicht auf – wir unterstützen jetzt den lokalen Handel statt Amazon und bestellen materielle Güter, die wir gerade nicht brauchen. Es ist wunderbar, dass man alles online erledigen kann, aber irgendjemand wird Regale schlichten müssen, wird die Ware zustellen müssen und setzt sich damit einem Risiko aus, das an sich nicht notwendig wäre. Immer mit dem Hintergrundwissen, dass je stärker sich alle gleichzeitig einschränken, desto kürzer wird dieser Zeitraum dauern. Momentan ist mein Eindruck, dass wir die Zahl der Kontakte immer noch zu hoch halten, indem wir zwar nicht direkt in die Läden gehen, aber die Warenkette aufrechterhalten.

Wie medizinisch sinnvoll ist es, dass zunehmend ein Zeitlimit für das Hinausgehen angedacht wird? Wie wirkt sich dieser immense Stress auf das Immunsystem aus? Wie wirkt sich das auf potentielle Ansteckungen und den Schweregrad des Verlaufs aus? Dazu auch eine aktuelle Podcastfolge von Natalie Grams, Ärztin.

“Wir sind nicht alleine zuhause, wir sind mit unseren Ängsten und Depressionen zuhause.”

Der Podcast betrifft Deutschland, kann man aber teilweise auch auf Österreich anwenden, etwa Video- und Telefontherapie durch Psychotherapeuten und Psychologen. Problematisch ist aber in Österreich, dass weiterhin Beratungstermine durch klinische Psychologen nicht durch die Krankenkassen übernommen werden. Gleichzeitig steigt der Bedarf an regelmäßigen Gesprächen aber deutlich an, die Kosten erhöhen sich, während die Geldsorgen mehr werden.

Die Psychologin im Podcast appelliert an psychisch Betroffene, sich der Infodemie zu entziehen und nicht ungefiltert alle Informationen auf sich einprasseln zu lassen. Sie erlebt sich das auch an sich selbst, es sei legitim sich davor zu schützen. Hilfreich sei, sich Alltagsstruktur aufzubauen, gleichzeitig soll man positive Aktivitäten einplanen, die noch möglich sind. Gerade für aktive Menschen, die immer draußen waren, sei es schwierig, neue Strategien zu finden. Bewegung sei wichtig für den Spannungsabbau. Es sei auch legitim, auszuprobieren und festzustellen, dass manche Ratschläge nicht funktionieren.

Die strengen Maßnahmen werden sich mit Ostern nicht plötzlich ändern, sondern solange weitergehen, bis alle 9 Millionen Menschen in der Bevölkerung durchgetestet wurden. Es wurde auch berechtigterweise angemerkt, dass die jetzigen Ausgangssperren dafür sorgen, dass die zweite Welle im Herbst noch stärker ausfallen kann, weil dann jene, die sich bis dahin nicht infiziert haben, zum Handkuss kommen.

Hoffnung besteht alleine darin, dass jetzt gleichzeitig die Tests auf das Virus selbst (PCR-Test) und auf die Immunität (Antikörpertest) deutlich ausgeweitet werden können. Dann kann die Beschränkungen zumindest regional begrenzen, dann dürfen sich Menschen nach durchgemachter Erkrankung wieder begegnen, umarmen, zusammenarbeiten, dann kann man einzelne Regionen unter Quarantäne setzen, muss aber kein ganzes Bundesland wie Tirol unter Generalverdacht setzen, das Virus weiterzuverbreiten. Außerdem könnte durch den theoretischen flächendeckenden Einsatz von Mundschutzmasken der Bewegungsradius ebenfalls erhöht werden, speziell im Hinblick auf Tröpfcheninfektion mit schwerwiegenden Verläufen, weil man durch direkte Huster/Nieser die volle Viruslast abbekommt.

Ich will nicht egoistisch erscheinen, ich will auch nicht unfair sein. Es gibt genauso chronisch Kranke mit Auto am Land, die wenig verdienen und schon vor Corona am Existenzminimum lebten. Die haben jetzt zwar den Vorteil der Natur von der Haustür, sonst aber reichlich Nachteile, insbesondere da die medizinische Versorgung der chronischen Krankheit gerade drastisch eingeschränkt wird. Auch deswegen wäre ein BGE gerade so wichtig, um sie sozial aufzufangen. Die milliardenschwere Finanzspritzen der konservativgrünen Regierung dienen vor allem der Wirtschaft, nicht der Gesundheit – es werden immer noch Prioritäten falsch gesetzt.

Die Gedanken im Kopf fahren jedenfalls derzeit Achterbahn. Zwischen sanftem Optimismus und zu Tode betrübt. Über Patientenverfügung sollte man sich ernsthaft Gedanken machen, bevor einen das Virus mit einem schwereren Verlauf erwischt. Ob man, so man weiterleben darf, mit irreparablen Lungenschäden weiterleben will oder nicht darum bittet, seinen Intensivplatz freizumachen für jemand, der bessere Genesungsprognosen hat. Gedanken, die im Kopf eines 36jährigen nicht wirklich Platz haben sollten. Ich weiß nicht einmal, wie weit ich von der Risikogruppe entfernt bin – genetisch bin ich durch das zusätzliche X-Chromosom (47,xxy) vielleicht sogar geschützt, weil Frauen seltener (schwer) erkranken als Männer, andererseits ist die Prävalenz für Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen höher als für XY-Männer. Viel kann ich zur Vorbeugung nicht tun, theoretisch war die beste Vorbeugung, mich viel draußen zu sein und mich zu bewegen – der Gedanke ist für mich unerträglich, dass ich diese Vorbeugung jetzt für Monate nicht mehr gleich intensiv betreiben darf wie vorher. Ich habe meinen Bewegungsdrang immer als Lebensversicherung betrachtet. Mein Venenarzt, den ich glücklicherweise noch im Februar aufgesucht hab, empfiehl mit Nachdruck, ich solle wenig sitzen, sondern mich viel bewegen, Ausdauertraining betreiben. Jetzt bin ich gezwungen, über mehrere Monate das krasse Gegenteil zu betreiben, wenn ich mich an die gesetzlichen Verordnungen penibel halte und zuhause bleibe. In der Statistik werden am Ende aber nur die Toten und jene mit irreparablen Lungenschäden landen, nicht aber jene, die jetzt für Monate nicht die nötigen Behandlungen und Therapien erhalten, die psychischen Folgeschäden schon gar nicht.

Ich mag das nimmer weiter ausführen, mir ist auch bewusst, dass ich teilweise irrational bin, dass mich die Polizei nicht daran hindern darf, stundenlang spazieren zu gehen oder radzufahren. Für mich ist dieser Nicht-Natur-Alltag einfach so unerträglich, und die Androhung das wenige, was noch bleibt, weiter einzuschränken, ohne begründete Belege, dass sportliche Aktivitäten das Ansteckungsrisiko erhöhen oder risikoarme Aktivitäten wie Wienerwaldspaziergänge ein erhöhtes Unfallrisiko bedeuten. Ich blieb diese Woche an drei Tagen daheim, verhielt mich korrekt, aber es schlägt sich eben auf die Psyche nieder.

Tag 14: Hoffen, Bangen, Ernüchterung

Sofienalpe mit Graupelschauer im Anmarsch

Ja, es sind immer noch diese Vorschriften, die mir zu schaffen machen, hab genug darüber geschrieben. Da ist in mir wieder der Autist wachgeworden mit dem starken Gerechtigkeitssinn. Und es ist ungerecht, wenn man in einem Innenstadtbezirk lebt ohne Grünfläche in der Nähe. Die Ungerechtigkeit macht mich stärker fertig als die Angst vor dem Virus selbst.

Ich hab mir auch schon verschiedene Radrouten überlegt. Bis Rodaun komm ich unter einer Stunde kaum hin, Hütteldorf sind etwa 50min, Sievering noch 40min. Das werde ich wohl machen MÜSSEN und hoffen, dass jetzt nicht die Zeit für Kriminelle ist, Fahrräder oder Teile davon zu fladern. Was ich eigentlich nicht will, ist, mit dem Rad durch den Wienerwald zu gurken, sondern nur spazieren, weil das Verletzungsrisiko dann gleich Null ist. Wenn es rein um Bewegung ginge, würde das Radfahren quer durch die Stadt ja auch ausreichen, aber ich brauch das Naturerlebnis, um mein STRESSLEVEL zu senken und mal für einige Zeit auf andere Gedanken zu kommen, um dann zurückzukehren in die Wohnung und die deprimierenden Folgetage auszuhalten, ohne innerlich durchzudrehen.

Meine Furcht, in den Öffis kontrolliert zu werden und nicht glaubhaft versichern zu können, dass ich mich gerade gerechtfertigt darin aufhalte, hält sich mit der Furcht, dass mein Rad gestohlen wird, während ich spazieren gehe, sonderbarerweise die Waage. Aber ich war in inzwischen acht Jahren Wien nie ein Freund davon, Einkäufe mit dem Rad zu erledigen oder spazieren zu fahren. Ohne Auto wird das Rad zum Auto, auf das man wie seinen Schatz aufpasst. Das wird sich jetzt ändern müssen, wenn ich die kommenden Wochen oder gar Monate meine innere Stabilität bewahren will.

Hackers Interview im aktuellen Falter ist grausig, von den Fragen und Antworten, aber in einem hat er Recht: Man kann eine 2-Millionen-Einwohner-Stadt nicht mit dem restlichen Österreich vergleichen. Andere Möglichkeiten, andere Bedürfnisse.

Back to Wien:

Letzte Woche hab ich erstmals Biolebensmittel bestellt bei einem Biohof, heute kam die Lieferung, leider ohne das Mehl, das ich mitbestellte hatte – Lieferengpass. Jetzt werd ich also trotzdem in den Supermarkt gehen müssen, aber mir fehlen ohnehin ein paar Sachen wie Küchenrollen, Müsli, Milch und vor allem Fleisch. Auch eine Pizza wäre zur Abwechslung nett, und jetzt rächt sich, dass ich nicht, wie letztes Jahr vorgenommen, mir ein extra Tiefkühlgerät gekauft habe, um mehr Platz dafür zu haben. Natürlich auch die Umzugspläne an den Stadtrand, die ich jetzt nicht mehr umsetzen kann. Fahrstunden nehmen, ein Auto mit Automatikschaltung verwenden, das hätte mich jetzt gerettet. Aber es rächt sich so vieles, der Besuch zweier deutscher Freunde, der für heuer geplant war, und den ich die vergangenen Jahre nur nicht am Programm hatte, weil mir meine Wanderungen wichtiger waren. Ich bereue auch, dass ich nicht explizit betont habe, weshalb mir Umarmungen so wichtig sind, ohne Hintergedanken, dass ich aus meiner Bescheidenheit heraus gar nicht mehr brauche, als diese Geborgenheit und Wärme zu spüren – auch wenn das untypisch für einen Autisten erscheinen mag, aber es kommt auch immer darauf an, von wem man berührt wird. Und diese Umarmungen waren wir zehn Mal lieber als Begrüßungsküsschen oder Händeschütteln.

Aber wie eine Freundin heute trefflich schrieb …

“Das Leben findet im Jetzt statt. Nicht im Vorher, nicht im Hätte, und schon gar nicht im Bald. Aber manche dachten leider, das wären nur “Kalendersprüche”.”

Tag 13 – Zwei-Klassen-Gesellschaft

Wie wird das Virus übertragen? Vor allem durch engen Kontakt, wozu leider schon normales Sprechen ausreicht. Enge Kontakte sind derzeit weitgehend vermieden, mit Ausnahme von Einkäufen (nicht verboten), Anfahrt zur Arbeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (nicht verboten) und am Arbeitsplatz selbst, wo Homeoffice nicht möglich ist (nicht verboten). Was zunehmend eingeschränkt wird: Bewegung oder Sport im Freien*, selbst alleine, längeres Verweilen an einem Platz in der Öffentlichkeit.

*Kogler setzt ein Zeitlimit an, man dürfe sich nur kurz draußen bewegen, man solle es nicht zu sehr ausreizen, sonst werde das auch eingeschränkt. Das unterstellt, dass die Anzahl der Sportunfälle zugenommen hat oder sich Menschen vermehrt bei Bewegung im Freien angesteckt haben.

Wer ist am wenigsten betroffen von der Krise? Eine Aufzählung

  • Angestellte in Firmen, die HomeOffice ermöglichen => geringste Ansteckungsgefahr, Betrieb kann aufrechterhalten werden
  • Angestellte und Pensionisten mit Auto => geringste Ansteckungsgefahr, können sowohl zur Arbeit als auch zum Spaziergang ins Grüne fahren.
  • Alle Bewohner am Land und am Stadtrand, mit eigenem Garten => können für Bewegung/Frischluft/Natur als Stressbewältigung ins Freie gehen, ohne auf ein Verkehrsmittel angewiesen zu sein

Wer ist am meisten betroffen?

  • Jene mit einer zu engen Stadtwohnung ohne Balkon
  • Jene innerhalb der Stadt ohne Zugang zu einem offenen Park oder Garten
  • Jene, die ohne öffentliches Verkehrsmittel keine Grünfläche erreichen können, speziell eine ohne Menschenansammlungen (z.b. Donaukanal, Prater, Donauinsel)
  • Jene, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Arbeit fahren müssen
  • All jene schlecht bezahlten Systemerhalter, die jetzt Regale schlichten, an den Kassen sitzen, Essen oder andere Produkte zustellen
  • Alle mit einer psychischen oder körperlichen Behinderung, die sich ohne öffentliche Verkehrsmittel nicht bewegen können bzw. eine medizinische Notwendigkeit vorliegt, regelmäßige Untersuchungen/Therapien zu erhalten (nicht möglich) oder sich ausreichend zu bewegen.

Wer ist seit Beginn der Maßnahmen immer der Dumme?

  • Diejenigen, die abgewartet haben, als die ersten Hamsterkäufe begannen
  • Diejenigen, die mit einsteigen mussten, als die Ausgangsbeschränkungen verkündet wurden
  • Diejenigen, die jetzt zig Überstunden arbeiten, im Gesundheits- oder Dienstleistungsberuf oder Handel, und nach/vor der Arbeit vor leeren Regalen stehen
  • Diejenigen, die die Möglichkeit, im Freien Sport zu treiben, sparsam oder gar nicht genutzt haben, bis davon offiziell abgeraten wurde
  • Diejenigen, die alleine leben und ohnehin Null Sozialkontakte haben, und für die Sport im Freien die einzige Möglichkeit ist, damit die Decke nicht auf den Kopf fällt.

Natürlich kann man in den Innenstadtbezirken eine Runde um den Block drehen, auf schmalen Gehsteigen, mit weiterhin parkenden Autos, die verhindern, dass man sich beim Spazieren ausweichen kann, mit rücksichtsloser fahrenden Zustellern und anderen Autofahrern, die jetzt die Gunst der freien Straßen nutzen wollen. Natürlich kann man auch das Rad benutzen und Slalom fahren zwischen den vielen Fußgängern und Autofahrern.

Unter Berücksichtigung der Maßnahmenregeln …

  • Abstand halten (mindestens 2m)
  • alleine tun, was immer man tut
  • Häufig Hände waschen
  • optional einfachen Mundschutz tragen, um andere nicht anzustecken
  • daheim bleiben, wenn man eindeutige Symptome zeigt (Anosmie, Ageusie, Husten, Fieber, etc.)
  • keine Risiken eingehen (ein Waldspaziergang ist KEIN Risiko!), was für mich übrigens eine Selbstverständlichkeit ist, die immer gilt, nicht nur in Zeiten knapper medizinischer Ressourcen

könnte man Prävention nicht nur bei Risikogruppen betreiben, sondern auch bei sich selbst. Problematisch ist die beidseitige Lungenentzündung. Es ist bekannt, dass Stress das Immunsystem belastet. Waldluft senkt das Stresslevel, das ist auch bekannt. Genauso ist erwiesen, dass eine Runde um den Block das Stresslevel nicht so sehr senkt wie Bewegung in der Natur.

Darum – um Himmels willen – setzt die Prioritäten bitte richtig. Es geht jetzt nicht darum, einzelne Spaziergänger oder alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern zu traktieren, weil sie sich im Freien aufhalten, sondern die wahren Virenschleudern einzudämmen. Die Italiener haben das bestätigt: Es sind die Arbeitsplätze, die das Virus verbreiten, es ist nicht der Waldspaziergang, vor allem nicht der risikoarme Spaziergang.

Update, 15.30:

In Extremsituationen offenbart sich der wahre Charakter:

  • Stehlen von Masken und Desinfektionsmitteln aus Pflegeheimen, Krankenhäusern, Krebsstationen, etc.
  • Hamsterkäufe und Horden von Lebensmitteln, die andere, die einen Engpass haben, dann wochenlang nicht mehr bekommen
  • Massenbestellungen von scheinbar wirksamen Medikamenten, die Patienten dann fehlen, die wirklich darauf angewiesen sind.
  • Coronaparties und Lokale, die trotz Erlass immer noch geöffnet haben
  • Gestörte, die Passanten anspucken
  • Menschen, die bei der Polizei denunzieren statt direkt das Gespräch zu suchen, und völlig die Verhältnismäßigkeit aus den Augen verlieren. Es sind nicht einzelne Wanderer, die andere gefährden, sondern das Gruppenpicknick oder das gemeinsame Besäufnis.

Lieber Solidarität, die sich darin zeigt, wie z.b.

  • China Ärzte und Schutzkleidung nach Europa schickt
  • Kuba Ärzte schickt
  • Musiker und Künstler in ganz Europa Solidarität mit Italien zeigen
  • Verständnis haben für die Situation von psychisch/chronisch kranken Menschen, miteinander reden

Tag 12: Aussagekraft von Zahlen

14.00

So erfährt man zufällig zwischen den Zeilen, dass die offiziell vom Gesundheitsministerium verlautbarten Zahlen gar nicht alle positiv getestete Fälle umfasst, sondern nur in Österreich gemeldeten Erkrankten. Das ergibt Sinn, Ausländer sind natürlich nicht ansteckend und haben keine Sozialkontakte!

Im gestrigen Blogeintrag hab ich bereits angerissen, was die Krux bei der Interpretation von Kurven mit Absolutzahlen ist, speziell mit hoher Dunkelziffer. Für mich bleiben viele offene Fragen:

1. Die AGES behauptet in diesem Video, aus den vergangenen 3 Monaten keine Belege dafür zu sehen, dass über Haltestangen, Türgriffe, etc. Übertragungen stattgefunden haben. Gibt es dafür Quellen?

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2. Sind Erkrankte ohne Symptome genauso ansteckend wie mit Symptomen?

Diese Frage ist inzwischen beantwortet. Eine Studie fand heraus, dass die größte Ansteckungsgefahr ein bis zwei Tage vor Auftreten der ersten Symptome herrscht: SARS-CoV-2 Viral Load in Upper Respiratory Specimens of Infected Patients

Eine weitere Studie aus der Lombardei zeigt, dass die infektiöse Viruslast in den oberen Atemwegen keine signifikanten Unterschiede zwischen Erkrankten mit und ohne Symptome zeigt: The early phase of the COVID-19 outbreak in Lombardy, Italy

3. Gibt es Daten, in welcher Situation sich die aktuell über 4000 Infizierten angesteckt haben, abseits der bekannten Infektionsketten in diversen Tiroler und Salzburger Skigebieten?

Bisher nein. Wie aus dem AGES-Video hervorgeht, reicht bereits normales Sprechen aus, um einen anderen Menschen bei Unterschreitung des Abstands über einen längeren Zeitraum (mindestens 15min) zu infizieren.

Die unzureichenden Maßnahmen aus Italien legen aber nahe, dass einer der Hauptansteckungsorte der Arbeitsplatz ist, wo sich Menschen längere Zeit in einem Raum aufhalten und miteinandersprechen. Zudem infizierte sich rund ein Fünftel der Ärzte in Norditalien bei der Behandlung von Covid-Patienten, weil u.a. beim Intubieren eine große Viruslast freigesetzt wird (oder nicht genug Masken vorhanden sind, da diese nur eine begrenzte Zeit schützen, bevor sie ausgetauscht oder desinfiziert werden müssen).

Aus dem Tweet über die Maßnahmen in Italien geht außerdem hervor, dass das Freizeitverhalten (Sport treiben) wohl weniger die Ursache für die starken Anstiege ist.

Diese Aussagen über das Einkaufsverhalten (Tweet lesen und die Antworten darunter!) legt den Schluss nahe, dass Ansteckungen im Supermarkt nicht ausgeschlossen sind. Problematisch sind vor allem Einkäufe mit der ganzen Familie (und Kindern ohne Symptome) und wiederholte Einkäufe, weil keine Übung vorhanden ist, wie man für mehrere Tage im Voraus einkauft (betrifft auch mich, aber ich lasse mir künftig liefern).

4. Warum ist die Altersverteilung in Österreich so extrem ausgeglichen?

Anzahl der positiv getesten Fälle mit Wohnsitz/Meldezettel in Österreich, Stand 23. März 2020, 13.45 MEZ

Das erklärte Ziel der Regierung, mit den Maßnahmen vor allem die ältere Bevölkerung schützen zu wollen, ist fehlgeschlagen. Die Zahlen sagen allerdings nichts darüber aus, ob nicht die bekannte Dunkelziffer, die im Bereich von zehntausend bis hunderttausend liegen kann, mehrheitlich jüngere Menschen betrifft, die keine Symptome aufweisen.

Auffallend ist von Beginn an der Peak bei den 45-54jährigen – Spekulation – möglicherweise die Altersgruppe, die vorwiegend in Berufen arbeitet, wo kein Home-Office möglich ist, oder sich zuletzt mehrheitlich in den Skigebieten aufgehalten hat (Paare ohne Kinder, Wochenendurlauber). Jetzt, wo die Testkapazitäten stark ansteigen, kann dieser Vorsprung aber noch nivelliert werden. Schwierig.

Was gibt es von mir zu berichten? Ich hab lang und gut geschlafen, bin am guten Weg momentan. Sauerstoffsättigung laut Pulsoxymeter seit Tagen konstant zwischen 96 und 98%, Ruhepuls 60-70 je nach Aktivität. Die Anzahl der nächtlichen Wachphasen hat deutlich abgenommen, die der Tiefschlafphase ist gestiegen. Sonst mach ich zugegeben momentan gar nichts, ich versuche mich zu stabilisieren, das hat Priorität. Nach draußen gehen werde ich heute nicht.

Tag 11: Corona-Auszeit

Das Aufstehen fällt momentan schwer, alles zieht sich bis Mittag. Ich schlafe zwar seit ein paar Nächten wieder besser, aber sich dann aufzuraffen, zu frühstücken, den Tag irgendwie zu strukturieren, das fällt schwer.

Dafür war ich heute das erste Mal seit 11 Tagen wieder im Wald.

graupel

Primeln nach Graupelschauer

sofienalpe

Vor dem Graupelschauer

specht

Grünspecht

veilchen

Weißes Veilchen mit Bärlauch

Inzwischen scheint mir das Bewusstsein zu wachsen, den Abstand einzuhalten. Ich beobachte kaum noch “enge” Situationen. Die Wiener sind diesbezüglich sehr vorbildlich, ist mein Eindruck. Zudem tragen immer mehr einen Mundschutz. Ich hatte meine Sturmhaube auf und Desinfektionsspray dabei, aber ohnehin Handschuhe an.

Zur Corona-Statistik in Österreich, Stand 22 Uhr: Quelle

Zwei Screenshots, derzeit wurden rund 25 000 Personen getestet, rund 3000 pro Tag seit wenigen Tagen.

Screenshot_2020-03-22 https info gesundheitsministerium at(1)

Im internationalen Vergleich auffallend ist die hohe Anzahl an milden Verläufen, das sind immerhin 97% (wie immer auch mild definiert ist, vermutlich mit Hausquarantäne).

Screenshot_2020-03-22 https info gesundheitsministerium at

Ebenfalls auffallend ist die sehr ausgeglichene Altersverteilung, im Gegensatz zu anderen Ländern (z.b. Südkorea oder Italien) herrscht kein Überhang bei jungen Menschen.

Zwischenablage01

Die Grafik mit dem Trend der absoluten Zahlen (ohne Dunkelziffer!) habe ich gleich um zwei wichtige Informationen ergänzt: Maximale Inkubationszeit und Beginn der Maßnahmen.

 

Der Trend wird immer wieder falsch interpretiert. Die Leser sehen eine kleinen Knick und denken sofort, die Maßnahmen wirken, dabei ist das falsch. Der aktuelle Anstieg stammt aufgrund der langen Inkubationszeit von 3 bis 14 Tagen (im Schnitt 5-6 Tagen) noch aus der Zeit kurz vor den Maßnahmen, vulgo Hamsterkäufe, alle Lokale das letzte Mal offen, diverse Großfeiern, etc. Erst in der kommenden Woche wird man sehen, wie effektiv die Maßnahmen wirklich greifen, gleichzeitig erhöht sich die Kapazität der Tests. Erst in einer Woche stammen nahezu alle Neuansteckungen aus der Zeit ab Maßnahmenbeginn. Davon abzuziehen sind wohl ein paar dutzend Verdachtsfälle, die nicht bei der Hotline durchgekommen sind. Entscheidend ist für mich aber vielmehr die Zahl der Intensivfälle, das sind nämlich jene Patienten, die ins Spital kommen müssen und somit definitiv in der Statistik aufscheinen. Bisher bleibt diese konstant niedrig, was ich (noch) als gutes Zeichen werte.

 

Tag 10: Colder days to come

GFSOPME12_42_2

GFS 12z-Lauf vom Samstag, 21.03., 12z, gültig für Montag, 23.03., 06z – 850 hPa Temperatur + Geopotential – Quelle: wetterzentrale.de

Wenn die unmittelbaren Folgen von Corona überwunden sein werden, rückt das Thema globale Erwärmung und Extremwetter wieder in den Vordergrund. Das ist in höchstem Maße beunruhigt, sollte sich im Frühjahr eine Unwetterlage abzeichnen, etwa eine große Hochwasserlage oder eine lange Hitzewelle, was zusätzliche Rettungseinsätze verursachen kann. Ein weiteres großes Problem wird das Frühlingswetter ab Monatswechsel sein, wenn die Temperaturen draußen auf frühlingshafte oder gar sommerliche Werte steigen. Dann wird es immer schwieriger, die Menschen in den Häusern zu halten. Gleichzeitig werden aber auch viele Pendler, die jetzt noch die Öffis nehmen, vermehrt aufs Rad umsteigen können. So oder so challenging times bis Ostern (und wahrscheinlich noch bis Pfingsten).

Die nächsten Tage baut sich über Skandinavien ein kräftiges Bodenhoch auf, ein Umstand, über den ich mich vor einem Monat noch gefreut hätte. Damit strömt von Russland her bodennah arktische Kontinentalluft in den Alpenraum. Morgen Nachmittag liegen die Höchstwerte in Wien im niedrigen einstelligen Bereich. Die Luft feuchtet tagsüber bei gleichzeitiger Zufuhr von Höhenkaltluft an. Vor allem am Nachmittag sind im Wienerwaldbereich einzelne Schneeschauer möglich. Dazu weht mäßiger Nordostwind, der Windchill-Effekt lässt die Temperaturen eisig anfühlen.

Am Montag verstärkt sich der Druckgradient an der Südflanke des Hochs mit Schwerpunkt über der Ostsee: Der Nordostwind wird noch kräftiger mit lebhaften Böen, dazu hat es in 1500m um die Mittagszeit nur noch -10°C, in den Niederungen werden kaum über +4 Grad erreicht, im Oberen Waldviertel herrscht zum Teil Dauerfrost, schneien wird es nur noch außerhalb meines Bewegungsradius.

Spannend wird dann die Nacht auf Dienstag, über dem nördlichen Balkan wandert ein Höhentief Richtung Adria und sorgt erneut für eine starke Anfeuchtung, so könnt es Dienstag früh vom Wiener Becken bis ins Südburgenland örtlich eine weiße Überraschung geben. Tagsüber lockern die Wolken nur langsam wieder auf bzw. heben an, es bleibt oft trüb und knappe Plusgrade gibt es nur im östlichen Flachland und im Südosten.

In der Nacht auf Mittwoch nähert sich ein zweiter Schub Feuchte von Osten, der insgesamt großflächiger ausfallen könnte und tagsüber andauert. Auch hier in der Früh wieder eine weiße Überraschung in den Niederungen möglich, tagsüber aber Tauwetter durch die Globalstrahlung (Sonnenstand Ende März wie Ende September). Der Wind mäßig aus Ost bis zunehmend Südost, weiterhin nur knappe Plusgrade tagsüber.

Zum Donnerstag hin wäre sogar ein dritter Schub gerechnet, die Strömung dreht zunehmend auf Südost. Damit kommt sukzessive mildere Luft nach. In Summe könnten aber bis Donnerstag in höheren Wienerwaldlagen durchaus 5-10cm Neuschnee fallen.

Erst ab Freitag zeichnet sich sukzessive eine weitere Milderung ab.

In Summe also von Sonntag bis Donnerstag kaum Sonne in Wien und immer wieder leichter bis mäßiger Schneefall, der vor allem nachts in den Außenbezirken und im Wienerwald ansetzen kann. Durch die kompakte Wolkendecke und den eisigen Nord- bis Ostwind dafür auch höchstens leichter Frost, der sich gefühlt aber streng anfühlt. Ich hoffe, diese wirklich miesen Aussichten verschaffen eine Pause bei den Massenausflügen und helfen bei der Abflachung der Kurve.

 

Tag 9: 24 Tage werden noch kommen

Die Regierung ließ heute die Katze aus dem Sack: Die aktuellen Maßnahmen werden bis Ostermontag verlängert, also weitere 24 Tage Ausgangsbeschränkungen. Niemand in Europa, mit Ausnahme der Italiener, hätte sich vor zwei Wochen träumen lassen, dass wir in einer Diktatur leben und Polizei und Heer die Bevölkerung kontrollieren, ohne Versammlungs- und Reisefreiheit. Das, um das abzuschwächen, ist natürlich nicht ganz richtig – denn es herrscht weiterhin MEINUNGSFREIHEIT. Man darf Maßnahmen offen kritisieren, ohne Repressalien fürchten zu müssen.

Ehrlich gesagt bin ich erleichtert, dass die Regierung von der Salamitaktik abgewichen ist mit schrittweisen Verschärfungen und Verlängerungen. Jetzt können wir uns auf vier Wochen einstellen und neue Routinen entwickeln, um damit klarzukommen. Wie unkompliziert es plötzlich ist, via Telefon Rezepte zu bekommen, die vom Arzt per Fax zur Apotheke geschickt werden, wo man sie ohne Papier-Rezept abholen kann. Auch bei vielen anderen Amtserledigungen haben sich unkomplizierte Lösungen aufgetan – nicht nur für die neurotypische Mehrheitsbevölkerung ein Segen, sondern auch für Autisten, die darauf ewig warten mussten – aber wenn es keine Mehrheit betrifft, dann tut sich halt leider nichts. Es wird schwer zu argumentieren sein, bestimmte Erleichterungen später wieder zurückzunehmen – man denke nur an den ganzen Papier- und Zeitaufwand, der dadurch gespart wird.

Ich will mich aber nicht damit abfinden, dass angsterkrankte, depressive und an Panikattacken leidende, vereinsamte Menschen ohne Auto die kommenden vier Wochen kaum aus dem Haus gehen können in der Großstadt (sic!), weil sie laut Verordnung keine Öffis benutzen dürfen, keine zu langen Radtouren machen sollen, keinen geöffneten Park oder Bundesgarten um die Ecke haben und ihnen sprichwörtlich die Decke auf den Kopf fällt. Die Kommunikation muss sozialer werden, werter Herr Anschober und Kogler! Wofür schränken wir uns so massiv ein? Für alte Menschen, chronisch kranke Menschen und jene mit einer körperlichen Behinderung, die Risikofaktoren erhöht. Es gibt da aber auch noch eine vierte Gruppe, und das sind die oben angesprochenen psychisch beeinträchtigten Menschen bzw. allgemein jene Menschen, die auch vor dem Coronavirus schon wenig Sozialkontakte hatten, dies aber z.b. durch Ausdauersport oder andere Sportarten kompensiert haben. Das ist jetzt nicht mehr möglich oder erwünscht, es gibt diesbezügliche eindringliche Warnungen vom Alpenverein oder vom Rennradsportverband. Wenn man bedenkt, dass jene Betroffenen jetzt wochenlang ohne Sozialkontakte und ohne Möglichkeit, sich anderweitig abzulenken, zuhause sitzen, kann man sich vorstellen, dass sich der seelische Zustand verschlechtert, schwere depressive Episoden und Suizidgedanken zunehmen. Das gilt gleichermaßen für Partner und Familien mit häuslicher Gewalt, dazu gibt es auch Studien aus China. Es ist eben bewiesenermaßen ungesund, einen so langen Zeitraum aufeinander zu picken, und nicht jeder von uns hat einen Balkon, einen Garten, ein Auto oder wohnt am Stadtrand. Deswegen setze ich mich dafür ein, sich Lösungen auszudenken, wie man die indirekt vom Coronavirus betroffene Risikogruppe möglichst gut betreuen kann und ihnen die Möglichkeit gibt, sich im Freien zu bewegen und Stresshormone abzubauen. Das wirkt sich auch unmittelbar auf das Immunsystem aus. Es gibt nun mal einen gewichtigen Unterschied zwischen einem Spaziergang in einem dicht verbauten Grätzel und einer Runde durch den Wald. Auch das ist durch zahlreiche Studien erwiesen (siehe Clemens Arvay – Der Biophilia-Effekt).

Ideen, wie man so etwas umsetzen könnte, gäbe es zuhauf. Es wäre denkbar, dass man sich sein Leiden oder auch seine medizinische Indikation (z.b. Bewegung notwendig wegen Thrombosegefahr, Herz-Kreislauferkrankungen, etc…) vom Arzt bestätigen lässt und ggf. vorzeigt. Was mich jetzt so ärgert ist, dass die egoistische Spaßgesellschaft in Massen jene Flächen belegt, auf die die genannten Risikogruppen nicht gehen können oder wollen. Ich habe übrigens schon vor Corona Menschenansammlungen gemieden, habe mich in engen, überfüllten Räumen unwohl gefühlt bis hin zu Panikattacken. Es ist doppelt ungut, wenn man jetzt an die Ansteckungsgefahr denkt, auch wenn es im Freien sicherlich weniger riskant ist wegen der Durchlüftung, aber sie ist nicht Null. Ich werde selbst meine Strategien finden müssen, um mich erholsam (!) im Freien zu bewegen, das wird überwiegend über das Rad gehen, ich muss aber vor allem wenigstens 1-2 Tage die Woche ganz aus der Stadt.

Sonst ging heute viel weiter, Achtsamkeitsübung via Skype-Telefonat mit der Psychologin, es hat gewirkt. Man muss die Möglichkeiten nutzen, die wir jetzt haben, um uns gegenseitig zu helfen. Ganz wichtig, eigentlich selbstverständlich, ist es nachzufragen. Man kann auch via Whatsapp oder Handy anderen Texte/Geschichten vorlesen, was auch immer, um eine vertraute Stimme zu hören, wenn sie schon physisch nicht mehr präsent sein kann. Was jetzt nicht hilfreich ist: Sich den Tag zu voll zu packen mit Erledigungen – es zählt jetzt vorrangig die psychische Stabilität! Das Bewusstsein bestimmt das Sein.

Heute nutze ich den letzten Tag auf dem Balkon, ab morgen wird es empfindlich kälter. Morgen kaum Niederschlag in Wien, aber nur noch niedrige einstellige Höchstwerte. Am Sonntag könnte es tagsüber ein paar Schneeschauer von Osten her geben, dazu weht ein eisiger Nordwind. Für Dienstag und Mittwoch zeigen die Wettermodelle zum Teil signifikante Neuschneemengen auch im östlichen Flachland. Nicht nur die Welt spielt verrückt, sondern auch das Wetter – nach drei rekordwarmen Wintermonaten kommt die kältestmögliche Luftmasse für diese Jahreszeit direkt aus Russland.

Hinsichtlich Menschenmassen hoffe ich dadurch auf eine Zerstäubung, das gemütliche Verweilen im Park oder Picknicks haben definitiv ein Ende. Vielleicht kann man sich dann wieder besser im Freien bewegen als vorher, etwa im Prater oder auf der Donauinsel. Warm anziehen ist angebracht, aber die Sturmhaube mit Ganzkörpergesichtsschutz hilft ja doppelt – gegen die direkte Ladung Viren durchs Anhusten und gegen die Kälte.

Abschließend der Hinweis zum Blog einer lieben Freundin, die zur Risikogruppe zählt und schildert, wie sie mit der Situation zurechtkommt: Daheim bleiben und Gefährdungskonkurrenzdenken und Home-Office und Systemrelevanz.

Update , 18.15

Laut heutigem Podcast mit Drosten ist es wichtig, dass die Grundfunktion der Lunge gut ist. Im Hinblick auf die Feinstaubdiskussion in Italien sieht er die Gefahr eher im Rauchen, weshalb überproportional Männer betroffen seien, und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in weiterer Folge auftreten. Profi-Klimaanlagen senken eher das Infektionsrisiko durch den Luftaustausch. Derzeit haben alle Länder das Problem, dass sie mit dem Testen nicht mehr hinterherkommen, deswegen werden sich die Länder nur langsam angleichen. Drosten ist nichts bekannt davon, dass vermehrt jüngere Menschen ins Spital kommen, es gibt immer noch Aufnahmen, wo es um die Diagnose und Isolierung geht, und in anderen Regionen ist schon zu viel los dafür. (Anmerkung, Stand, 18.00 Österreich: 2491 Infizierte, davon 2412 ein milder Verlauf). Nachdem wir eine Infektion durchgemacht haben, ist das Virus nicht mehr im Rachen ausreichend vorhanden, um ansteckend zu sein. Zum Infektrisko im Sommer – endemische Viren scheitern an der Bevölkerungsimmunität und an UV-Licht, Sonne, draußen sein, beides zusammen führt zum Stop. Ein pandemisches Virus wird nicht gestoppt, aber geringfügig verlangsamt.

Schule schließen, Isolieren, Testen, Quarantäne, Kontaktpersonen finden, etc… die Frage sei, was bringt dann eine Ausgangssperre. Dazu gibt es keine wissenschaftlichen Studien. Die Frage ist, ob man nicht die Schulen teilweise wieder öffnet. Für das Augenmaß ist der Eindruck wichtig. Heute morgen hatte Drosten das erste Mal den Eindruck, dass die Straßen in Berlin-Mitte leer sind, es habe sich so richtig was geändert.

Update, 22.45

Am Nachmittag hab ich noch eine kleine Radtour gemacht, den Donaukanal entlang, leider zu viele Jogger, Spaziergänger und Radfahrer, bis Höhe Kahlenbergerdorf an der Donau. Dort war ich mit dem Rad noch nie, auch den Brigittenauer Sporn kannte ich noch nicht. Die meisten haben die Abstände eingehalten, aber es war mir trotzdem zu voll. Später hörte ich noch davon, das die Radfahrerregel auch verschärft wurde. Keine mehrstündigen Einzelfahrten, aber ich denke, da geht es vor allem um das Risiko, dass einem selbst was passiert und man die Rettung benötigt. Ich fahre allerdings seit jeher defensiv und mangels ausreichend Kondition ging mir nach mehr als einer Stunde auch schon die Puste aus. Sollte ich doch einmal in den Wienerwald biken fahren, bleib ich eh auf den Wegen, weil ich quer durchs Gelände fahren noch nie gemacht habe und ganz sicher jetzt nicht damit anfangen werde.

1

Schemerlbrücke beim Nußdorfer Wehr (1894-1899 erbaut)

2

The world literally turned upside down

3

Blurred.

4

Quiet Earth