Tag 40: Besuch des Augartens

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Wieder geöffnet: Der Augarten im zweiten Bezirk

Letzte Woche hab ich’s nicht geschafft, heute war ich am Nachmittag im Augarten. Zu dieser Uhrzeit war er sehr gut gefüllt, aber Probleme mit Abstand halten gab es naturgemäß keine. Die meisten Familien blieben für sich, von den Wiesen wurde niemand vertrieben. Am Eingang standen zwei Gartenzwergsheriffs mit Maske, hatten aber nichts zu tun, warum sollte es sich auch stauen? Davor war ich noch im Merkur einkaufen. Keine Einkaufswagenpflicht, kein Mitarbeiter beim Eingang, der auf Desinfektion achtet, dafür hatte man genügend Platz, um anderen Kunden auszuweichen. Die Kassiererin wirkte gestresst, ich lächelte ihr zu, bemerkte sogleich, dass sie das wegen meiner Maske nicht sehen konnte. Ich zahlte mit Bargeld und rundete wieder um 1-2 Euro auf. Sie hat sich herzlich bedankt – wenigstens das finanzielle Lächeln kam an.

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Tag 39: Reichweitenverantwortung

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Ausblick auf Wien von der Perchtoldsdorfer Heide, 17. April 2020

“No model will take into consideration the increase in family violence. No model will track the number of suicide from financial loss, job loss. No model will track the number of people who will die of other conditions because they could not access care during covid. No model will show the increase in addiction, overdoses because of the situation. No model will track the number of divorces. And more importantly, no model will track who has profited from this, and no model will track how our rights and freedom have been violated.” – Patricia Careau

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Tag 38: Zwischenfazit zum Zustand des Sozialstaats und Hoffnungsschimmer

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Samstagmittag am Flughafen Wien

Die einseitige FALTER-Recherche zu den neuen Abstandsregeln hab ich in meinem Wetterblog kritisch beleuchtet. Ich höre die letzten Tage viele sagen, dass sie zwar kein Freund von Kurz sind, aber die Regierung die Maßnahmen richtig gesetzt hätte, die Fallzahlen sind deutlich nach unten gegangen. Noch ist es zu voreilig, um Fazits zu ziehen, denn erst zeitverzögert zu den Lockerungen der Maßnahmen wird man sehen, ob die Regierung weiterhin die richtigen Entscheidungen trifft. Der harte Lockdown wurde mit dem Verweis auf Italien (und später Spanien) begründet, dabei kann man Österreich überhaupt nicht mit beiden Ländern vergleichen. Das Gesundheitssystem ist hierzulande (noch) viel besser und bei Norditalien spielte die Feinstaubbelastung offenbar eine ganz wesentliche Rolle. Jegliche Kritik an den Maßnahmen wurde mit dem Totschlagargument “Willst Du italienische Verhältnisse bei uns?!” mundtot gemacht.

Zur Erinnerung:

    • Die WKO kam an sensible Daten der letzten 10 Jahre, besonders von kleinen und mittleren Unternehmen, etliche Hilfen wurden wegen der überbordenden Bürokratie noch gar nicht ausgezahlt
    • Die Vielzahl an Kurzarbeitsanträge überfordert das AMS, die Bedingungen sind immer noch Gegenstand von Verhandlungen
    • Bei der Medienförderung bekommen die großen mehr als die kleinen, einschließlich des aufhetzenden Boulevards und rechtsextrem eingestufte Blätter (Zur Zeit), Onlinemedien bekommen nichts.
    • Die Freistellung von Risikogruppen erfolgt über die Medikamenteneinnahme, die bei den Krankenkassen registriert sind, so erfahren Arbeitgeber von den Erkrankungen ihrer Mitarbeiter ohne deren Einverständnis.
    • Homeschooling mit E-Learning bevorzugt Schüler von besser verdienenden Eltern mit ausreichend Wohnraum und der technischen Infrastruktur, aber auch höherer Bildung.
    • Bis heute kein Bekenntnis zu deutlichen Lohnerhöhungen bei systemkritischen Berufen wie Supermarkt-Angestellte, Müllabfuhr, Reinigung, Pflege und Erntehelfer, aber auch Busfahrer und die ganze Verkehrsinfrastruktur. Ebenso kein Eingeständnis, dass der neoliberale Sparkurs bei den Krankenkassen und im gesamten Gesundheitssystem ein Fehler war.
    • Asylwerber hätten als Erntehelfer aushelfen können, stattdessen will die ÖVP abgelehnte Asylwerber nach Serbien schicken und verhing defakto eine rechtswidrige Ausgangssperre über Flüchtlinge.
    • Keine Aufnahme von Flüchtlingen aus den griechischen Lagern, nicht einmal Kinder
    • Erhöhung des Arbeitslosengelds geschweige denn ein bedingungsloses Grundeinkommen (wie in Spanien) sind kein Thema
    • Totalüberwachung durch Mobilfunkdaten (A1) und Gesichterabgleichung durch das Innenministerium, Contact Tracing App durch Uniqa finanziert und die Werbekampagne dafür durch die Raiffeisen gefördert.
    • Bis heute keine transparente und frei zugängliche Daten- und Entscheidungsgrundlage für die Erlässe und Gesetze
    • Ungekannte Zahl an Folgeerkrankungen und Todesfällen, die nicht durch Corona bedingt sind, aber durch das heruntergefahrene Gesundheitssystem verursacht wurden.
    • Rechtswidrige Erlässe und Verordnungen mit überschießenden Strafen durch die Exekutive

 

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Tag 37: Gemeinsam oder gegeneinander?

Vielleicht bestell ich den FALTER doch nicht ab, aber eine Kritik schreibe ich noch (aber auf meinem MeteoError-Blog) zum Thema Abstandsregeln. Das, was Chefredakteur Klenk heute in FALTER-Newsletter schreibt, ist richtig gut.

Es erklärt einerseits, weshalb die Exekutive von Beginn so hart durchgreift, andererseits aber auch die Sympathie des Chefredakteurs zum schwedischen Modell.

Wie Klenk im Newsletter ausführt, erleben wir die unverhältnismäßigen Strafen der Polizei vor allem deswegen, “weil eine an sich sehr liberale Rechtslage verwirrend formuliert wurde”. Ursprünglich wollte Kurz tatsächlich nur drei Ausnahmen gestatten: Arbeit, Einkauf und Besuch von Bedürftigen. Defakto also eine Ausgangssperre. Nur dank der grünen Abgeordneten Hamann befand sich “Betreten des öffentlichen Raums alleine oder mit Abstand zu Haushaltsfremden” in der Covid-Verordnung.

Das Ergebnis haben wir gesehen: Die Polizei verlangte Passierscheine bei Kontrollen und strafte Menschen, die alleine auf einer Parkbank saßen oder Klimmzüge am Sportplatz machten. Neoliberale Politik in Reinkultur, denn Öffis am Weg zur Arbeit waren zumutbar, übrigens lange Zeit ohne Maske, aber Öffis ins Grüne nicht. Einkaufen und den Konsum ankurbeln waren zumutbar, aber das Verweilen im Park nicht. Der Mensch als Leistungsrobotor, der ohne Sport, Kultur und Erholung funktionieren soll. Keine Möglichkeit, den immensen psychischen Stress durch die Pandemie abzubauen, aber viele Ausnahmen, wenn es um Arbeit geht. Ganz zu schweigen von den Rückholaktionen bei Erntehelfern versus unterlassener Hilfeleistung bei Flüchtlingen in den griechischen Lagern oder im Mittelmeer. Menschenverachtend, ich kann es nicht anders ausdrücken.

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Tag 36: Körperlich aktiv sein trotz #Bleibtdaheim

Mündung vom Wienfluss in den Donaukanal bei der Urania, Bild von heute morgen

War ganz erfrischend, mal einen anderen Rückweg genommen zu haben. Am Donaukanal entlang ist gut frequentiert und vor allem entlang der Ostautobahn ziemlich laut. Heute früh fuhr ich mit dem Kollegen über Kaiserebersdorf und am Gasometer vorbei zurück. Dort war ich vorher nie. Seit Beginn der Coronakrise bin ich noch nie soviel Rad gefahren in Wien, hab einige neue Teile der Stadt kennengelernt. Die nächste Gelegenheit hab ich am Freitag in acht Tagen, auch da werd ich wieder nach dem Nachtdienst diese Strecke fahren und noch dazu ein paar Bilder machen.

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Tag 35: Populismus und Fakten

Gegen Depressionen, Angst und chronischen Stress

Im gestrigen Podcast [31] hat Dr. Drosten angesprochen auf die Joggerstudie offen zugegeben, dass er sich da nicht gut genug auskenne, er schätze aber das Risiko im Freien eher niedriger ein, weil die Tröpfchen schneller austrocknen und das Virus verdünnt wird. Ich komme gleich darauf zurück….

Reinfektion

Wichtiges Thema. Größte Furcht für verängstigte Menschen ist, dass man nach einer durchgemachten Erkrankung nicht immun ist, sondern sich erneut infizieren kann. Oder dass sich das Virus nur schlafend stellt wie Herpesviren und bei bestimmten Bedingungen reaktiviert werden können. Drosten führt die Berichte um Reinfektionen auf die asiatische Kultur zurück. Dort gibt es strikte Regeln. Wenn jemand zwei Mal negativ getestet wurde, gilt er als geheilt. Wird er dann erneut positiv getestet, als reinfiziert. Er vermutet aber stark, dass diese Ergebnisse mit der schwankenden Nachweisgrenze des Virus zusammenhängen. Sein anschaulicher Vergleich:

Ein Planschbecken mit Goldfischen und jemand nimmt mit verbundenen Augen einen Eimer heraus, mal sind Fische drin, mal nicht. Am Ende der Krankheit sind immer weniger Viren vorhanden, immer weniger Goldfische. Man erwischt auch mal einen Eimer ohne Goldfische, der Patient wird als geheilt entlassen. Problematisch ist vor allem die Art des Nachweises:

  • Lungensekret bleibt nach der Entlassung viel länger positiv, ist aber nicht mehr infektiös
  • Der Rachenabstrich wird am frühesten negativ, mit Beginn der zweiten Krankheitswoche, Stuhl und Sputum aber noch positiv
  • Stuhlproben bleiben länger positiv, aber nur totes ausgeschiedenes Virus

Das alles kann dazu führen, dass jemand erneut positiv getestet wird. Echte Reinfektionen sind aber weiterhin sehr unwahrscheinlich.

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Tag 34: Maskenpflicht, Wald und Vitamin D

In der Theorie klingt es sinnvoll. Es macht Eindruck auf der Welt, wenn Österreich eine Maskenpflicht einführt. Alle Geschäfte und öffentliche Verkehrsmittel, was in Wien bedeutet, dass man im gesamten öffentlichen Raum (zu Fuß) eine Maske trägt. Die WHO war erst dagegen, aber jetzt mehren sich die Stimmen für ein generelles Tragen von Masken. Abgewandelt nach Kickl: Die WHO hat der Politik zu folgen und nicht die Politik der WHO! Wo kämen wir denn hin, wenn wir auf Experten hören würden?

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Tag 33: Ostermontag – ein Blick in die Zukunft

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Inzwischen ist ein Monat Lockdown in Österreich vergangen. Mein Leben wurde auf den Kopf gestellt. Innerhalb weniger Tage habe ich mich von all meinen Träumen verabschieden müssen, kurzfristig, mittelfristig und wohl auch langfristig. In meinem messerscharfen autistischen Realismus hatte ich schon geahnt, dass dieses Jahr nichts mehr so ablaufen wird wie ursprünglich erwartet. In einem Wutanfall hab ich meine geographische Österreichkarte von der Wand gerissen und entsorgt. Mein Bewegungsradius war innerhalb weniger Tage auf Wien geschrumpft, und wegen dem Öffinutzungsverbot auf wenige Kilometer außerhalb der Wohnung, die ich – untrainiert – mit dem Rad erreichen konnte. Ich hing alle Kalender ab und legte sie außer Reichweite aufs Regal, den Anblick von Urlaubsdestinationen ertrug ich nicht. Am Tag der Lockdownverkündigung war zudem meine Uhr stehen geblieben, ich wechselte erst zwei Tage später die Batterien aus. Die Uhrzeit schien auf einmal so sinnlos. Meinen Terminkalender hab ich auch entsorgt, gut, ausnahmsweise bereue ich das, denn da stand auch ein wichtiger Arzttermin darin, den ich gerade nicht mehr auffinden kann. Continue reading

Tag 32: Ostersonntag

Osterhäschen

Dritter Urlaubstag. Gestern Abend hatte ich einen Durchhänger. Die Vorstellung ist schrecklich, noch monatelang nicht die Menschen umarmen zu dürfen, die einem nahestehen. Ich wäre ja zu großen Opfern bereit, es wieder zu dürfen, sogar zu zwei Wochen Quarantäne, um auf Nummer sicher zu gehen, bevor ich mich einem Menschen mit Vorerkrankung unter dem Mindestabstand nähere.

Wie hoch die Gefahr in öffentlichen Verkehrsmitteln und Supermärkten ist, wissen wir derzeit nicht. Bisher gibt es keine eindeutigen Ergebnisse, die für ein erhöhtes Ansteckungsrisiko sprechen. Wir wissen bisher, dass es Situationen gibt, die “super spreading” ermöglichen, aber fast ausschließlich indoor:

  • Begräbnisse mit Menschenansammlungen in Aufbahrungshallen und Kirchen
  • Chorveranstaltungen (Singen befördert viel Virus in die Umgebung)
  • Karnevalssitzungen (Heinsberg)
  • Bridgeturniere
  • Nachtclubs, Bars (siehe Ischgl)
  • Kantinen – selbst Rücken an Rücken (siehe München)
  • Lange Busfahrten (Patient 1 in China, 4 Std. Busfahrt, Ansteckungen selbst 30min später, nachdem er ausgestiegen ist)
  • Ansteckungen im Büro (Konferenzen, Büros ohne Raumluftumwälzer/Fenster)

Ich wäre ja dafür, die Gesunden einzusperren, die mild Infizierten und Risikogruppen sollten (getrennt voneinander) in die Natur gehen, Frischluft und Sonnenlicht tanken. Aber gut, das ist eine ketzerische Einzelmeinung, basierend aus meinen Erkenntnissen vor vier Tagen. Aber ich bin kein Virologe, es wird schon seine Richtigkeit haben, welchen Teil der Bevölkerung man ins Innere verbannt und wer nach draußen gehen darf.

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Tag 31: Karsamstag: Normalität für die anderen?

Kaltenleutgeben

Karsamstag. Ich hab nicht lang geschlafen, konnte aber etappenweise noch etwas länger schlafen. Ich war auch noch einkaufen im Merkurmarkt, mit Maske in der Straßenbahn. Im Supermarkt steht ein Desinfektionsspender am Eingang. Ich hatte Handschuhe an. Einkaufswagenpflicht war keine, es waren einige mit und ohne unterwegs. Eng wurde es nur bei den Leuten mit Wagen. Aber der Maskenanteil betrug annähernd 100%. Auf der Rückfahrt gab es die Durchsage, dass “in den Öffis ab 14. April Maskenpflicht herrsche”, ja, die weibliche Stimme hat wirklich Öffis gesagt. Soviel Wienliebe. Ich hab erstmals nach Wochen wieder durchgesaugt und den Balkon notdürftig mit Kartons abgeklebt als Schattenspender. Nächster Schritt sind noch ein paar Schälchen Wasser für die durstenden Vögel, allerdings scheißen die auch alles voll. Draußen ist viel los, aber die meisten haben kapiert, dass man derzeit Abstand halten muss. Selbst die alten Männer auf den Betonplätzen sitzen im Respektabstand auseinander. In den Öffis fühle ich mich sicher, speziell im 20. Bezirk mit hohem Migrantenanteil. Das sind Menschen, die kaum aus dem eigenen Grätzel herauskommen, wie sollen sie sich infizieren? Ach ja, über den Migrantenanteil erfährt man gar nichts in den offiziellen Statistiken. Meine Vermutung wäre, dass es großteils Einheimische sind, die das Virus weiterverbreiten, höhere Mobilität, besserer Verdienst.

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