Pandemieversagen in Österreich: Die Fehler der Regierungsberater (Teil 5)

Pandemieverlauf seit Beginn, Teil der Maßnahmen (Maskenpflicht, Tests, Lockdown)

Ich danke dem Rechnungshof für seine Kritik am österreichischen Pandemiemanagement. Es ist meines Wissens die erste offizielle Kritik an der Bewältigung der Pandemie in Österreich. Da ging es vor allem um politische Unstimmigkeiten wie die Abstimmung zwischen Bund und Ländern, zwischen den Krisenstäben, Personalmangel im Ministerium, dem verspäteten Einsetzen des Obersten Sanititätsrats. Verbessert habe sich bis heute nichts.

Dieses Kapitel ist wohl das Schwierigste, weil am wenigstens Transparenz darüber herrscht, wer von den Expertinnen und Experten die Landeshauptleute, die Minister und den Kanzler beraten haben. Selbst mit den bekannten Namen in den Gremien bleibt unklar, wer die Meinungsführer waren und welcher Konsens letztendlich in den Protokollen gelandet ist. Eines ist aber sicher: Unabhängig ist in Österreich kein Wissenschaftler. Die meisten bekleiden mehrere Funktionen in Österreich und sind abhängig von den Geldgebern. Das erklärt eine gewisse Zurückhaltung mit klaren Worten und offener Kritik am Pandemiemanagement, in den Ländern und im Bund. Zudem dulden manche Politiker keinen offenen Widerspruch. So wurde Infektiologe und ärztlicher Leiter im Salzburger Krisenstab, Richard Greil, in der vierten Welle nicht mehr von Landeshauptmann Haslauer (ÖVP) zu Rate gezogen. Im STANDARD wurden zwischenmenschliche Probleme spekuliert, tatsächlich forderte Greil eben immer unpopuläre Maßnahmen und konnte diese fachlich hervorragend begründen. Umgekehrt hat Tirols Landeshauptmann Platter (ÖVP) fallweise Infektiologe Günter Weiss um Rat gebeten, der seit Ende der Arlberger Quarantäne als Verharmloser auffällt.

„Never in the history of public health has anyone suggested infecting the entire population with a pathogen with which we have no long term experience as a strategy for managing a pandemic.“ (Epidemiologe und Arzt Robert Morris)

Nur wenige WissenschaftlerInnen und Wissenschaftler reden öffentlich Klartext in Österreich, sie sitzen meist nicht in Krisenstäben. Zu den stabilsten Personen, die seit zwei Jahren ihrer Linie treu geblieben sind und sich immer an den wissenschaftlichen Mehrheitskonsens hielten, zählen Mikrobiologe Michael Wagner, der pensionierte Epidemiologe Robert Zangerle, der pensionierte Statistiker Erich Neuwirth und Virologin Judith Aberle. Der internationale Konsens war seit Beginn an klar: Ein neuartiges Virus lässt man nicht durchlaufen, sondern versucht es einzudämmen. So neu war SARS-CoV2 wegen SARS-CoV1 und der Coronavirenfamilie dann doch nicht, in China erschienen zudem früh in der Pandemie erste Studien, die auf die Gefährlichkeit der Covid19-Erkrankung hinwiesen. Auch mit der Ankunft der Impfung, aber Mutation des Virus mit zahlreichen Varianten hat sich nichts daran geändert, dass man weiterhin Infektionen vermeiden sollte, da die in den Muskel gegebene Impfung Ansteckungen nur kurzzeitig verhindert und das LongCOVID-Risiko nicht auf tolerable Wahrscheinlichkeiten senkt. Weiters kann das Virus für immungeschwächte Personen, bei denen die Impfung nicht gut wirkt, weiterhin gut gefährlich sein. Nachdem die erste Impfstoffgeneration keine Herdenimmunität erzeugt, müssen die nichtpharmazeutischen Eingriffe (NPIs) aufrechterhalten werden, bis bivalente Impfstoffe oder nasal gegebene Impfstoffe effektiver vor Ansteckung und LongCOVID schützen.

Dieses Kapitel könnte ein Ulysses werden, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Als Einstiegslektüre empfehle ich meine weiterhin aktuell gehaltene Zitatsammlung (über 180 Seiten inzwischen). In der vielfach geächteten Schriftart Comic Sans habe ich Falschaussagen und Fehleinschätzungen explizit gekennzeichnet, um sie von wissenschaftlich gedeckten Aussagen in Calibri zu unterscheiden.

Eine erste Analyse lieferte ich im April 2021 in diesem umfangreichen Beitrag.

Falsches Verständnis von gesellschaftlicher Verantwortung

Mehrere Berater haben gesagt: „Ich habe nur die wissenschaftlichen Daten geliefert, mit den politischen Entscheidungen habe ich nichts am Hut„. Sie achten in Interviews penibel darauf zu betonen „aus virologischer/epidemiologischer/wissenschaftlicher“ Sicht, um sich nicht angreifbar zu machen. Das nahm zeitweise absurde Züge an. Da starben täglich dutzende Menschen, und der Experte sagte, aus epidemiologischer Sicht sollte man jetzt einen Lockdown machen. Jede andere Sichtweise impliziert die Inkaufnahme von zusätzlichen Toten, Schwer- und Langzeitkranken. Oder „Aus virologischer Sicht sollten wir nicht lockern, aber ich verstehe natürlich, dass die Händler wegen dem Ostergeschäft besorgt sind.“ oder „Um das Weihnachtsgeschäft zu retten, sollte man jetzt einen Lockdown machen.“ Vorauseilender politischer Gehorsam.

Ich habe aus mehreren Gründen ein Problem mit der Aussage, „ich liefer nur die Daten, entscheiden tun andere“. In der Wettervorhersage ist das durchaus üblich: Decision aid, not made – heißt das Sprichwort bei uns Meteorologen. Wir treffen nicht für den Kunden die Entscheidung und können dann haftbar gemacht werden, wenn kein Unwetter kommt oder doch eins kommt. Doch eine Pandemie ist wesentlich vorhersehbarer als das Wetter und hängt direkt vom menschlichen Handeln ab. Beim Wetter hat der Mensch kein Einfluss, ob ein Gewitter durchzieht oder nicht. In der Pandemie ist relativ klar: Wenn ich die Maßnahmen lockere und das Virus noch da ist, steigen die Zahlen. Wenn ich Maßnahmen setze, fallen die Zahlen. Wie viele Wellen haben wir jetzt? Wildtyp im Frühling 2020 und Herbst 2020, ALPHA im Frühling 2021, DELTA im Herbst 2021, BA.1 im Februar 2022 und BA.2 im April 2022. Wir sollten klüger sein und begehen dieselbe Fehler hingegen erneut: Die Anfang Juni 2022 einsetzende BA.4/5-Welle begann mit dem Fall der Maskenpflicht, das dritte Mal in Folge. Alles andere als steigende Zahlen würden wohl allen Grundlagen der Epidemiologie widersprechen. Wofür sollte man Wissenschaftler haftbar machen? Fürs Präventionsparadoxon?

Punkt 1: Wenn die Politik wiederholt gegen den Rat der Berater entscheidet, dann haben die Berater sehr wohl das Recht und die Pflicht, öffentlich darauf hinzuweisen. Sie haben wie der Bundeskommandant vom Roten Kreuz, Gerry Foitik, sogar die Möglichkeit, ihrem Protest durch Austritt aus den Beratungsgremien (hier: GECKO) Ausdruck zu verleihen. Wenn das über Monate oder Jahre passiert, dass man sich so benutzen lässt und am Ende Politiker noch behaupten, es hätte niemand auf die nächste Welle hingewiesen, dann sollte man sich schon fragen, ob man verantwortungslosen Politikern oder einer schutzbedürftigen Bevölkerung loyal sein will.

Punkt 2: Statt mit „aus wissenschaftlicher“ Sicht eine „politisch Sicht“ als sinnvoller zu framen, könnte man auch seine persönliche Sicht darlegen. Was wäre aus meiner Sicht am besten und warum ist diese Sichtweise sehr wohl im Einklang mit einer gesamtgesellschaftlichen Sichtweise zu bringen? Wissenschaftler dürfen selbstverständlich die gleichen emotionalen Rhetorikkniffe verwenden wie Politiker, also „Das beste für meine Kinder wäre…“, um emotionales Verständnis beim Zuhörer zu erzeugen. Äußerungen wie von Rauch, dass es verschiedene Expertenmeinungen geben würde, aber er am Ende aufgrund der Gesamtlage zu entscheiden habe, verstärken eben diesen künstlich erzeugten Graben zwischen „wissenschaftlicher“ und „politischer“ Sicht. Die Wissenschaft wird damit als realitätsfern, radikal und nicht gesellschaftsfähig dargestellt.

Beispiel: Lockdowns sind ein ultima ratio Werkzeug, wenn die Politik bereits versagt hat, eine Welle im Keim zu ersticken. Kontaktbeschränkungen über alle Altersgruppen hinweg verringern die Infektionszahlen am effektivsten – no na, wer sich nicht trifft, kann sich nicht anstecken. Aber: Politiker und Wirtschaftstreibende sagen: Lockdowns schaden der Wirtschaft. Derzeit fast täglich im China-Bashing zu erleben. Wissenschaftler könnten jetzt erstens eine Kosten-Nutzen-Rechnung anstellen und sagen, wenn wir das Virus durchlaufen lassen und Hunderttausende erkranken, dann kommt es zum Personalausfall, zu anhaltenden Krankenständen, zu Verdienstausfall bei Selbständigen und Kleinunternehmern. Die hohe Krankheitslast schlägt sich nicht nur in steigenden Kosten für das Gesundheitssystem nieder, sondern kostet auch bei der Nachverfolgung von Fällen und Anzahl der Tests mit Personal und Ausrüstung. Verstorbene und Langzeitkranke verstärken den Personalmangel, insbesondere auch den Fachkräftemangel. Niedrige Infektionszahlen wären hingegen ein „one size fits all tool“, das alle Probleme auf einmal verhindern oder in erträglichem Ausmaß halten würde. Zweitens könnten sie darauf verweisen, dass rechtzeitig eingesetzte Maßnahmen teure Lockdowns verhindern können, sodass es erst gar nicht dazu kommen muss, dass Handel und Gastronomie schließen müssen und Veranstaltungen nicht oder nur eingeschränkt stattfinden können. Prävention – ein noch unbekanntes Konzept in Österreich. Drittens sind Lockdowns viel effektiver, wenn sie Kindergärten und Schulen miteinschließen. Daher war der erste Lockdown deutlich effektiver als alle nachfolgenden, weil über die Virendrehscheibe Bildungseinrichtung das Virus in fremde Haushalte verteilt wurde. Wenn wir Lockdowns in Bildungseinrichtungen verhindern wollen, müssen wir Schutzmaßnahmen einführen: CO2-Ampeln, um lüften efffektiver zu gestalten, mobile Luftreiniger, bis die Lüftungsanlagen umgebaut und mit HEPA-Filter ausgestattet wurden. Wenn die Hintergrundinzidenz zu hoch ist, muss zumindest vorübergehend Maskenpflicht auch im Unterricht eingeführt werden. Und wenn das alles nichts hilft, dann bleibt nur fallweise eingesetztes Distance Learning. Wir diskutieren hingegen nur, wie schädlich Lockdowns für Wirtschaft und Kinder sind, aber nicht die Benefits einer Strategie, die Lockdowns verhindern kann.

Punkt 3: Wenn die gelieferten Daten unvollständig oder fehlerbehaftet sind, kann die Politik gar nicht anders als falsch zu entscheiden. Ich beziehe mich hier auf den oft zitierten Varianten-Management-Plan für den Herbst 2022. Es grenzte schon an Realitätsverweigerung, als der Gesundheitsminister über die Vorbereitung für den Herbst sprach, während die BA.2-Welle gerade ihren Höhepunkt erreicht hatte und einfach komplett ausgeblendet wurde. Auch die dort angesprochenen Szenarien ignorieren wieder LongCOVID. Wenn man unter „bestmögliches Szenario“ dies schreibt …

„Die zukünftigen Varianten sind außerdem „harmlos“, zeigen wie bei Omicon beobachtet kaum Beteiligung der Lunge. Somit sind auch Vulnerable kaum von Covid-19 bedroht.“

… dann frag ich mich schon, wo der Autor die letzten Jahre verbracht hat. Hatte er kein Internet?

Wir wissen seit spätestens April oder Mai 2020 (z.B. Deutsches Ärzteblatt, 21.04.20 oder dieser Kommentar, 29.05.20), dass SARS-CoV2 kein gewöhnlicher Atemwegsinfekt ist, sondern eine systemische Gefäßerkrankung, die mit einer Enzündung der Blutgefäße (Endothelitis) einhergeht und alle Organe, das zentrale Nervensystem und leider auch das Gehirn befallen kann. OMICRON und seine Subvarianten haben eindrucksvoll bewiesen, dass es auch mit geringerer Beteiligung der Lunge zu schweren Verläufen und Todesfällen kommen kann, und dass selbst Dreifachgeimpfte an LongCOVID erkranken können, übrigens vermehrt auch mit neurologischen Symptomen. Für LongCOVID ist jeder Mensch vulnerabel, so gesehen ist die obige Aussage schlicht und einfach falsch. Sie unterstreicht das politische Narrativ vom milden OMICRON, mit dem Bevölkerung gefahrlos durchseucht werden könnte. Tatsächlich hat die globale Entscheidung der westlichen Staaten, OMICRON durchlaufen zu lassen, zur Generation weiterer Virusvarianten geführt, die gegenüber BA.1/BA.2 einen Wachstumsvorteil entwickelt haben und uns nun die Sommerwelle bescheren, und damit einen sehr verfrühten Herbst, was die angeblich so „ernsthafte Vorbereitung“ der Regierung auf die nächste Welle ad absurdum führt.

Punkt 4: Vorauseilender Gehorsam vor der Politik. Komplexititätsforscher Klimek schlug angesichts der OMICRON-Welle eine Verkürzung der Quarantäne/Isolationszeit vor.

„Vielleicht wird es dann in Österreich die eine oder andere Person geben, die erstmals trotz einer Coronavirus-Infektion arbeiten geht.“

[….]

„Wir müssen irgendwie Fühlung behalten, wie viel zirkuliert“, sagte Klimek. Dazu brauche es nicht unbedingt das momentane Testsystem, sondern das in Österreich gut ausgebaute Abwasser-Monitoringsystem, das auch einen Blick auf das Aufkommen neuer Varianten erlaubt.“ (03.02.22, APA)

Fragen stellen sich auch zur Teststrategie. Hier werde man sich voraussichtlich vom Quasi-Durchtesten großer Bevölkerungsteile verabschieden und bestimmte Zielgruppen und vulnerable Gruppen vorrangig testen. Die Ressourcen für das Massentesten könne man auch sinnvoller investieren. (19.02.22,APA)

Anfang April 2022 wurden die Tests deutlich beschränkt, womit sich individuelle Personen generell schlechter vor einer Ansteckung schützen können, wenn sie nicht wissen, ob ihr Partner, Kind, Angehörige oder Freunde positiv sind. Das Abwassermonitoring mag auf Bevölkerungsebene relevant sein, für Individuen spielt es eine untergeordnete Rolle, für den persönlichen Schutz vor einer Ansteckung ist das zeitnahe Testen von Kontaktpersonen immer noch sinnvoller.

Klimek rechnete Mitte Dezember auch mit einer steilen OMICRON-Welle, die ebenso rasch wieder abflachen würde. Das wurde als Begründung genommen, die Welle durchrauschen zu lassen und sogar die Isolationszeit zu verkürzen. Tatsächlich dauerte die Welle nicht wenige Wochen oder einen Monat, sondern verharrte über fünf Monate lang auf hohem Niveau.

Klimek wurde 2021 zum Wissenschaftler des Jahres gewählt.

Der Kardinalsfehler, den ich jetzt so oft beschrieben habe, dass er mir schon zu den Ohren raushängt, ist der alleinige Fokus auf die Intensivstationen. Damit, und auch das wissen wir seit der zweiten Welle, reagiert man immer zu spät, weil die schweren Akutverläufe den steigenden Inzidenzen hinten nach hinken. Damit steigen sie selbst mit Maßnahmen, die dann treffsicher sein müssen, aber oft erst einmal halbherzig sind, weiter und die schützenswerten Intensivstationen, womit meist die freien Betten in der Statistik, nicht aber das ausgelaugte Personal gemeint sind, kollabieren mehr oder weniger deutlich. Mit einer Virusvariante, die weniger schwere Akutverläufe macht und es somit mit steigenden Fallzahlen länger dauert, bis die Spitäler wieder anfangen müssen, Operationen zu verschieben oder gar Intensivstationen überlastet werden, besteht die Gefahr, dass gar nicht oder viel, viel zu spät gehandelt wird. Bis dahin gibt es nämlich tausende oder zehntausende weitere mit schweren Post-Akut-Verläufen, denn nichts anderes ist LongCOVID – ein chronisch schwerer Verlauf, der die Lebensqualität in unterschiedlichen Schweregraden herabsetzt.

Solange die Reduktion dieser Fälle in den Pandemieplänen nicht berücksichtigt wird, hat die Politik nichts gelernt und wird weiterhin falsch beraten.

Flood the Zone with Shit: PLURV

Meiner Zitatsammlung ist zu entnehmen, dass es von Beginn an wiederholt Wortspenden von Scheinberaterinnen und -beratern gegeben hat, die den Sinn von infektionseindämmenden Maßnahmen in Frage stellten. Wir haben im Laufe der Pandemie die meisten Formen von PLURV gesehen, am häufigsten Pseudo-Experten, Logik-Fehler und Rosen-Pickerei. Bereits im Oktober 2020 lernte ich echte von falschen Experten zunehmend besser zu unterscheiden. Leider gab es diesen Lerneffekt weder bei den meisten Journalisten noch bei Politikern.

So erscheinen die Scheinberater zahlenmäßig als gleichwertig zum wissenschaftlichen Konsens, das gilt selbst in den Beratergremien der Bundesregierung. Etwa führte der Interimskanzler Schallenberg als Ausrede für die Unterschätzung der DELTA-Welle im Herbst 2021 folgende Experten an:

„Die Virologin Monika Redlberger-Fritz und den Vizerektor der Med-Uni Wien, Oswald Wagner. Beide erklärten öffentlich, dass eine Herbstwelle zwar zu erwarten war, die Schärfe der Welle aber unterschätzt worden sei.“ (Quelle: Profil, 13.11.21)

Die öffentliche Erklärung habe ich allerdings nirgends gefunden.

Oswald Wagner schob die Schuld den Modellierern in die Schuhe, obwohl er kurz davor noch davon sprach, dass DELTA so infektiös wie Windpocken wären, die so heißen, weil sie über die Luft übertragen werden.

„Tatsächlich haben aber die Prognostiker und die Ärzte und Ärztinnen die Schärfe dieser Welle, wie sie heute in Österreich uns trifft, nicht vorhergesagt, und auch nicht wissen können. Was uns aber sehr erfreut, ist, dass jetzt sicher rechtzeitig und scharf reagiert wird.“

Molekularbiologe Ulrich Elling am 17. Juli 2021 in der „Wiener Zeitung“

„Es ist davon auszugehen, dass wir eine massive Welle im Herbst haben werden, die wir gar nicht so ohne weiteres eingrenzen können.“

Epidemiologe Zangerle in der Seuchenkolumne vom 27. Oktober 2021

„Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) warnte in einem Rapid Risk Assessment vom 30. September vor dem hohen Risiko einer kritischen Belegung der Krankenhäuser bis Ende November besonders bei Impfraten bis 65%, also bei Ländern wie Österreich.“

Oswald Wagner am 17. Juni 2021:

„Derzeit gebe es genug Impfstoff für alle Impfwilligen – gemeinsam mit den Genesenen könne am Ende eine Herdenimmunität entstehen.“

Wohl auch deswegen hat er bis Jahresende mit Herdenimmunität gerechnet. Da wurde die Rechnung ohne die mangelnde Bereitschaft der Impfwilligen und ohne die zunehmenden Durchbruchsinfektionen mit DELTA gemacht. OMICRON hat dann sowieso alle Hoffnungen auf eine anhaltende Immunität zunichte gemacht. Mit Herdenimmunität ohne nichtpharmazeutische Interventionen war aber seit Moore et al. (03/2021) nicht mehr zu rechnen und seit Liu et al. (07/2021) wusste man auch, dass man dazu die Kinder brauchen würde. Lesen die Beraterinnen und Berater eigentlich auch die neuesten Studien oder bleiben sie am Stand März 2020 stehen?

Aussagen von Parteifunktionären der Türkisen und Grünen lassen erkennen, dass man sich gänzlich auf die „hauseigenen“ Experten verlässt. So wie die Bevölkerung der Regierung immer noch genug Vertrauen entgegenbringt, dass sie ab Stadtgrenze Wien die Maske absetzen, weil nur innerhalb von Wien Maskenpflicht in Öffentlichen Verkehrsmitteln herrscht. Das, was ich in meinem Blog also seit mehr als zwei Jahren praktiziere, internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu Wort kommen zu lassen, findet dort nicht statt oder ist zumindest so intransparent, dass man nicht weiß, ob der wissenschaftliche Mehrheitskonsens bis zu den Regierungspolitikern vordringt.

Nachfolgend ein paar Beispiele für international vertretene WissenschaftlerInnen, die den Mehrheitskonsens vertreten und nie verlassen haben:

  • Virologe Florian Krammer (USA)
  • Epidemiologe David Steadson (Schweden)
  • Virologin Sandra Ciesek (Deutschland)
  • Virologin Melanie Brinkmann (Deutschland)
  • Epidemiologin Deepti Gurdasani (Großbritannien)
  • Virologin Isabella Eckerle (Schweiz)
  • Public-Health-Professorin Nisreen Alwan (Großbritannien)
  • Aerosolwissenschaftlerin Linsey Marr (USA)
  • Infektiologe Abraar Karan (USA)
  • Aerosolwissenschaftler Jose-Luis Jimenez (USA)
  • Aerosolwissenschaftler Martin Kriegel (Deutschland)
  • Virologe Björn Meyer (Deutschland)
  • Mikrobiologe Lothar H. Wieler (RKI Deutschland)
  • Komplexitätsforscher Dirk Brockmann (Deutschland)
  • u.v.a. – darunter auch zahlreiche Medizinerinnen und Mediziner, die sich seit zwei Jahren engagieren

Alle genannten Personen sind auch auf Twitter aktiv. Ohne sie wäre dieser Blog um einiges dünner von der vermittelten wissenschaftlichen Expertise.

Beispiel für intaktes Public-Health-Verständnis: Virologin Eckerle

„Kinder mit einem neuen Virus zu durchseuchen, wenn man sie mit besser schützen könnte, ist unethisch. eineinhalb Jahre nach der Erwachsenen-Impfung immernoch keine Lösung für Kinder unter fünf Jahren zu haben, auch. Erst zu sagen, Kinder wären kaum betroffen und Schulen sicher, dann, dass es jetzt ja eh schon alle hatten, ist nicht nur ein politisches Versagen, sondern auch ein massiver Vertrauensbruch gegenüber Eltern, die Ihr Kind schützen wollen (und die überhaupt geglaubt haben/noch glauben). Alle Maßnahmen aufzuheben und Risikogruppen zu vergessen ist unethisch. Statements wie „Menschen/Kinder sterben, das ist Schicksal/tragisch“ ist bestenfalls unterkomplex, aber noch mehr verantwortungslos. Dann braucht es gar keine Entscheidungsträger/ Gesundheits-„experten“ mehr. Es ist nicht erstaunlich, dass sich die wirklichen Experten, (die, die Arbeitsgruppen/Institute an Unikliniken leiten und zum Fachthema publizieren), fast komplett zurückgezogen haben. Die öffentliche Meinung zu SARS-CoV2 wird nur noch von Agenda und Opportunisten, nicht mehr von Wissenschaft oder Wille zum Gesundheitsschutz dominiert. Ich denke im Licht dieser postfaktischen Stimmung mit Grauen an die aktuellen und zukünftigen Krisen, die wir als Gesellschaft zu bewältigen haben.“ (05.06.22)

Das Grauen setzt sich derzeit fort bei der Aufklärung der Hepatitisfälle bei Kindern und den Bemühungen, die Affenpocken einzudämmen, genauso aber bei der Bekämpfung des russischen Aggressors und des Klimanotstands.

2 Beispiele für zu schwache Gegenwehr bei offenkundigem politischen Unsinn:

Schernhammer und Gartlehner zum Fall der Maskenpflicht

Am Tag des Wegfalls der Maskenpflicht in Supermärkten („lebensnotwendige Geschäfte“) und Öffentlichen Verkehrsmitteln („Atempause“) wurden die Epidemiologen Schernhammer (ZiB2) und Gartlehner (ZiBNacht) interviewt, die den Regierungskurs bestätigten.

Schernhammer: „Mit der Maske hat es die Bewandtnis, dass, wenn die Zahlen es erlauben, kann man die durchaus weglassen.“

Auf die Nachfrage, ob die Höhe der Fallzahlen der Höhe entsprechen würde, ab der die Maskenregeln fallen könnten, antwortete Schernhammer:

„Ich denke mir, es sind wichtige Hürden, was die Maske betrifft, ja schon gefallen. Wenn ich denke an die Gastro, die Nachtgastronomie. […]“

Das beantwortet natürlich die Frage nicht, zumal in der Gastronomie logischerweise während der potentiell ansteckendsten Phase, beim Essen, Trinken und (lauten) Gesprächen, bzw. Tanzen und Singen, keine Masken getragen werden. Und Öffentliche Verkehrsmittel sind auch außerhalb von Wien voll (Bus und Bahn), wo die Testinfrastruktur meist deutlich schlechter ist und die Positivraten höher (seit Jahresbeginn in Vorarlberg, Tirol und Salzburg am höchsten).

„Also wenn das Fallgeschehen relativ niedrig ist, dann kann man auch wieder übergehen in diesen Modus, wo es nicht unbedingt notwendig ist, dass alle anderen die Maske tragen […]“

Am 24. Mai 2022, dem Tag der Ankündigung der Abschaffung, gab es 2239 neue Fälle und eine 7-Tags-Inzidenz von 218. Das ist nicht niedrig. BA.4/BA.5 kündigte sich bereits seit längerem an mit einer Sommerwelle. Wenn man in die obige Titelgrafik schaut, dann baute sich die neue Welle immer nach Aufhebung der Maskenpflicht ab. Das ist zum einen Teil der Wegfall der Reduktion von Infektionen durch die Maske selbst (Leech et al. 2022) , zum Anderen aber das Signal an die Bevölkerung, dass die Pandemie im Hochsommer tatsächlich Pause machen würde. So wie umgekehrt die Ankündigung eines Lockdowns bereits Tage vorher für vorsichtigeres Verhalten bei Teilen der Bevölkerung sorgt.

Gartlehner verteidigte den Wegfall der Maskenpflicht ebenfalls und setzte nach:

„Vulnerable Personen sind natürlich auch anderen Krankheiten gegenüber anfällig und müssen auch bei normalen Erkältungserkrankungen sehr vorsichtig sein, weil die auch bedrohlich werden können.“

Ein Vergleich von Äpfel und Birnen. Warum? Es gibt derzeit kaum eine Infektionskrankheit, außer Masern, die so ansteckend wie SARS-CoV2 ist. Erkältungskrankheiten sind saisonal viel stärker begrenzt, sodass sich vulnerable Personen im Sommer freier bewegen konnten. Vulnerable Personen wurden vor der Pandemie schon schlechter geschützt, wenn man an volle Wartezimmer mit hustenden Patienten denkt. Aus SARS-CoV2 zu lernen bedeutet, in Wartezimmer generell auf Maskenpflicht zu setzen und Luftreiniger. Symptomatische Personen sollten immer zuhause bleiben und/oder Maske tragen, um ihre Mitmenschen zu schützen. Wo sind wir gesellschaftlich im Jahr 2022 gelandet, wenn wir von vulnerablen Personen verlangen, sich ganzjährig gesellschaftlich und sozial zu isolieren, damit sie sich nicht gefährden?

„Wien ist natürlich eine Großstadt, wo leichter Übertragungen stattfinden als jetzt im Rest von Österreich.“

Eine ziemlich undifferenzierte Aussage. In der zweiten Welle waren die Inzidenzen in den anderen Bundesländern lange Zeit deutlich über denen von Wien. Was kann ein Vorteil in der Großstadt sein? Sozialer Druck! Wenn viele Menschen Masken tragen, ist die Bereitschaft, selbst eine zu tragen, um keine schiefen Blicke zu riskieren, höher, als wenn sehr wenige Menschen Maske tragen und umgekehrt jene mit Maske noch blöde Kommentare kassieren. Dazu kommt das Testangebot in Wien und mitunter auch ein breiterer Konsum von Medien, während am Land außer Krone, Österreich und Kurier häufig nichts anderes verfügbar ist, sowie allgemein die schlechtere Bildungsquote am Land. Von Bedeutung ist auch die Infrastruktur am Land, wo es in den Dörfern häufig ein zentrales Gasthaus gibt, wo sich wenigstens einmal die Woche die ganze Dorfgemeinschaft trifft und entsprechend Cluster entstehen können. Bekannt ist auch noch das Verhalten am Land mit Garagenparties, selbst dann, wenn die Inzidenzen hoch waren. Bekannt sein sollten auch die MFG-Impfgegner-Hochburgen in Oberösterreich und Teilen des Mostviertels. Eine Aussage wie oben unterstreicht das Narrativ am Land, dass es eine „Pandemie von Wien“ sein würde und die Länder weniger betreffen würde.

Gartlehner geht ebenso wie Schernhammer mit keinem Wort auf LongCOVID ein, und dass das Gesundheitssystem eben nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig ins Schleudern kommt, weil immer mehr Ärzte und PflegerInnen das Handtuch werfen oder wegen wiederholter Krankenstände (kranke Kinder, selbst angesteckt) ausfallen.

Fazit aus beiden Interviews: Die Infektionszahlen sind niedrig, obwohl sie hoch sind, und werden den Sommer über hoch bleiben. Das sei aber kein Problem für das Gesundheitssystem. Am Land, da gibts ka Virus. Vulnerable sollen sich selbst schützen, was sie vor Corona auch schon mussten, und wir müssen lernen, mit Corona zu leben, also so zu tun, als hätte es nie eine Pandemie gegeben.

Molekularbiologe Ulrich Elling, 04.06.2022 in „Wien heute“

Elling hatte Mitte Juli 2021 bereits eine Entwicklung wie OMICRON im Winter 2021/2022 vorhergesehen und kritisierte auch die Durchseuchung in England und Portugal als „ethisch fragwürdiges Experiment“. Ich würde ihn daher nicht auf eine Stufe mit Gartlehner und Schernhammer stellen, die sehr stark auf „focused protection“ setzen. Dennoch war ich über dieses Interview eher unglücklich:

„Es gibt andeutende Daten, dass es etwas häufiger zu Problemen führen könnte wie bei den alten Varianten, aber das ist auf sehr niedrigem Niveau im Vergleich zu dem, was wir bei DELTA erlebt haben.“

„Aber in Südafrika zum Beispiel waren die Krankenhäuser zumindest nicht so sehr belastet.“

Das waren sie bei OMICRON auch nicht, trotzdem hat es substantiell mehr LongCOVID-Betroffene gegeben, selbst bei Dreifachgeimpften (Ayhoubkhani and Bosworth 2022). Wenn es um die Schwere des Verlaufs ist, dann spricht Elling ebenso wie andere WissenschaftlerInnen, vor allem die Politik an, die ja dann handelt, wenn die Intensivstationen volllaufen – der falsche Fokus, wie wir wissen. Wenn es aber um das LongCOVID-Risiko geht, dann ist die Gesamtbevölkerung zu addressieren. Leichtere Verläufe mit LongCOVID-Folge sind keine leichten Verläufe, selbst wenn die Krankenhäuser nicht belastet werden.

„Wie hoch die Welle wird, wird sehr stark davon abhängen, wie viel wir testen, weil wir kennen ja nur die gemessene.“

Hat er wahrscheinlich nicht so gemeint, könnte aber als Neuauflage des Labor-Tsunamis verstanden werden. Die Positivrate wird wahrscheinlich steigen, wenn weiter wenig getestet wird, daran lässt sich gut abschätzen, wie hoch die Dunkelziffer ist. Wie hoch die Welle wird, wird also davon abhängen, welche Maßnahmen wir setzen.

„Im Supermarkt hat man ja normalerweise den Einkaufswagen zwischen sich. Das ist dieser vielzitierte Babyelefant. Da ist es sicherlich etwas besser, das Luftvolumen ist auch größer.“

In vielen Supermärkten in Wien sind die Gänge so eng und oft zugestellt, dass man mit einem Einkaufswagen nicht kommen muss. Abstand halten gibt es schon lange nicht mehr.

„In Stoßzeiten im öffentlichen Verkehr keine Maske zu tragen ist einfach ein Wahnsinn.“

„Ich versteh nicht, wieso wir so obrigkeitshörig sind und nicht selbst lernen, das Pandemiemanagement zu übernehmen.“

Weil die Österreicher dazu nicht erzogen worden sind, selbst zu denken. Wenn eine Regierung das weiß, ist sie erst Recht in der Pflicht, das Pandemiemanagement als Staatsaufgabe zu sehen und nicht die Verantwortung auf den Einzelnen abzuwälzen.

Konrad Liessmann dazu bereits im Mai 2020 (STANDARD):

„Der Mangel an gesichertem Wissen widersetze sich einer wirklich selbstverantwortlichen Entscheidung, wie sich am Schulkinder-Beispiel zeige. Viele Menschen am Ende der Entscheidungskette fühlten sich mit Recht überfordert.“

„Tatsächlich setzt eigenverantwortliches Vorgehen voraus, dass eine Person die möglichen Konsequenzen ihres Tuns im Voraus abwägen kann. Dass sie bereit ist, die Folgen auf sich zu nehmen – so wie das ein freier Unternehmer unter wirtschaftsliberalen Umständen tut. Das aber funktioniert angesichts einer ansteckenden Krankheit nicht. Dann sind von jedem eingegangenen Risiko automatisch andere Menschen existenziell betroffen.“

In Summe laufen fast alle Interviews auf einen Widerspruch hinaus, der in der Bevölkerung, die sich nicht selbst informiert, sondern nur wissen will, was denn aktuell die geltenden Regeln sind, nie aufgeklärt wurde:

  1. Behauptung: Gefährdet sind nur vulnerable Personen in Alten- und Pflegeheimen. Damit wäre der Großteil der Bevölkerung nicht gefährdet. Warum soll sie sich schützen? Warum soll sie solidarisch mit einer jungen Person sein, die äußerlich gesund erscheint?
  2. Behauptung: OMICRON sorgt nicht mehr für eine Überlastung der Spitäler. Warum braucht es dann weiterhin Maßnahmen?
  3. Die Infektionszahlen steigen wieder. Wenn es aber keine Überlastung der Spitäler gibt und ich mich selbst nicht zu den vulnerablen Personen zähle, warum soll ich dann vorsichtig sein bzw. Maske tragen?

Die Lösung wäre:

  1. Weil der Immunschutz durch die Impfung mit der Zeit nachlässt, weil die neuen Varianten das Immunsystem besser umgehen können. Dadurch sinkt auch der Schutz vor schweren Verläufen mit der Zeit.
  2. Weil bei LongCOVID jeder Mensch vulnerabel sein kann. Das weiß man erst Wochen oder Monate nach einer ausgestandenen Infektion. Deswegen trage ich weiterhin Maske, selbst, wenn ich mich nicht akut gefährdet für einen schweren Verlauf fühle. Selbst wenn die Südafrika-Daten zeigen, dass die Hospitalisierungszahlen niedrig bleiben (was nicht dazu gesagt wird, ist, dass Südafrika eine junge Bevölkerung hat, die bereits mehrfach durchseucht wurde, und dass viele ältere und immungeschwächte Personen schon in den ersten Wellen gestorben sein könnten).

Warum sagt das aber keiner? Warum wird selbst von Wissenschaftlern, die sich verärgert zeigen und das auch deutlich sagen, wenn sinnvolle und wissenschaftlich bewiesene Maßnahmen aufgehoben werden, nicht auf das Risiko von Spätfolgen hingewiesen? Inzwischen kennt wirklich fast jeder jemanden, der nach einer Infektion nicht wieder so fit und gesund ist wie davor. Dies zu addressieren wäre auch eine große Erleichterung für Betroffene, die in der Statistik unter „genesen“ gezählt werden, aber in der Realität nie genesen sind, und oft darunter leiden, dass man sie nicht ernstnimmt und sie kaum ärztliche Anlaufstellen haben.

Ich versteh’s nicht. Ich hab inzwischen begriffen und auch gesagt bekommen, dass mein wiederholtes „Rosinenpicken“ („warum wurde im Interview kein LongCOVID erwähnt„) als destruktiv oder nervig aufgefasst wird. Doch ich bin in diesem Punkt stur, tut mir leid. Ich weiß, dass ich die Mehrheit der LongCOVID-Betroffenen hinter mir habe, die ihre Erkrankung in der öffentlichen Wahrnehmung vermisst. Und selbst wenn sich Berichte über LongCOVID häufen, fehlt der Kontext zu den gesetzten Maßnahmen.

LongCOVID muss Teil der Pandemiestrategie werden – so es denn eine gibt. In Österreich regiert bis dato eher „abwarten, wir schauen mal, was kommt, hoffentlich wird es nicht so schlimm“, denn es geht ja nie um die Menschen, sondern nur um die Wirtschaft und Wählerstimmen. Protestwähler sind hierzulande leichter abzuholen als Programmwähler. In meinen Augen sollten Wissenschaftler nicht die Narrative der Politiker fördern und rechtfertigen, sondern sich an die wissenschaftlichen Fakten halten und an den Ursprungssinn von Öffentlicher Gesundheit. Die kann nicht darin liegen, dass wir jetzt aufhören, unheilbare Infektionskrankheiten einzudämmen.

Deswegen bestehe ich so sehr darauf, dass LongCOVID in jedem Interview erwähnt wird.

Abschließend – um die Länge des Artikels nicht zu sprengen, bin ich auf andere ebenso wichtige Themen nicht eingegangen, z.B. die Durchseuchung der Kinder bei gleichzeitig niedriger Impfquote.

Schernhammer dazu am 14. Juni 2021 im STANDARD:

„Das ist insgesamt vielleicht gar nicht so schlecht, wenn man so auf natürliche Weise in jungen Jahren eine Immunität erwirbt, denn wir sehen ja, dass die Kinder an und für sich eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit haben, schwer zu erkranken“

Publikationen, die gegen das Training des Immunsystems durch regelmäßige Infektionen sprechen:

Bisherige Übersichtsartikel:

Das Pandemieversagen in Österreich: Versuch einer Erklärung (Teil 4 – False Balance in den Medien)

Das Pandemieversagen in Österreich: Versuch einer Erklärung (Teil 3 – Politisches Versagen)

Das Pandemieversagen in Österreich: Versuch einer Erklärung (Teil 2 – Fatale Risikokommunikation)

Das Pandemieversagen in Österreich: Versuch einer Erklärung (Teil 1 – globales und nationales Versagen)

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