Das Pandemieversagen in Österreich: Versuch einer Erklärung (Teil 1)

Die Sterblichkeit bei SARS-CoV2 ist nur die Spitze des Eisbergs. Millionen LongCOVID-Fälle weltweit werden uns noch Jahrzehnte auf den Kopf fallen.

„Birds scream at the top of their lungs in horrified hellish rage every morning at daybreak to warn us all of the truth. But sadly, we don’t speak bird.“

Kurt Cobain

Das Pandemieversagen mit aktuell über 15000 Toten, hunderttausenden LongCOVID-Patienten und den häufig ignorierten Kollateralschäden des Personalschwunds im Gesundheitswesen hat mehrere Faktoren als Ursache: Auf globaler und europäischer Ebene, durch die etablierte und nicht hinterfragte Ideologie der Great Barrington Declaration, durch nationale Interessen, Länderinteressen und Wahlkampfrhetorik, durch rechte, esoterische, parawissenschaftliche Einflüsse und durch journalistisches Versagen, False Balance und Stützen der Narrative „Pandemie als unaufhaltsame Naturkatastrophe“.

Es ist grundsätzlich schwierig, bei der Fülle an Faktoren den Überblick zu behalten. Im Grunde wäre die Aufarbeitung eine Aufgabe für ein ganzes Nachrichtenmagazin oder Forschungsgegenstand einer Gruppe von engagierten Wissenschaftlern aus den unterschiedlichsten Disziplinen. Ich kann das als Einzelperson hier daher nur anreißen und bitte um Verständnis, wenn ich einzelne Aspekte nicht erwähne oder schlicht vergessen habe. Meine Arbeit hier ist allenfalls eine Grundlage, auf der man weitergehende Recherchen aufbauen kann und soll.

Dieser Beitrag ist der erste Teil einer Reihe, die unregelmäßig fortgesetzt werden wird.

Globales und europaisches Missmanagement:

Schwere Versäumnisse der WHO zu Pandemiebeginn, wo die Rolle der Aerosole lange Zeit heruntergespielt wurde. Tröpfchen- und Schmierinfektion bedeuten Eigenverantwortung, während die Gewährleistung von sauberer Luft Aufgabe der Politik, Behörden und Arbeitgeber ist. Die (FFP2-) Masken wurden lange Zeit, auch vom ECDC, nicht empfohlen, ihr Nutzen außerhalb des Gesundheitswesens sogar angezweifelt, was wiederum damit zusammenhängt, dass der Irrtum bestand, dass nur aerosolgenerierende Prozeduren wie Intubieren FFP2-Masken erfordern. Die Vorgabe von 1-2m Abstand war ebenso eine WHO-Richtlinie, die rein wirtschaftlich ausgelegt wurde: Pro Quadratmeter können mehr Gäste oder Kunden bedient werden, wenn der Abstand auf 1 statt 2m festgelegt wird. Abstände spielen aber nur bei der Übertragung auf nahe Distanz eine Rolle, vor allem im Freien, wo sich Aerosole nicht über längere Zeit lokal anhäufen können, sowie in belüfteten Räumen, etwa durch lautes Sprechen, Schreien, Singen oder Husten/Niesen. In schlecht belüfteten Räumen und mit Menschenmassen reichen Abstände alleine nicht aus, um das Infektionsrisiko zu senken.

Die EU hat es versäumt, eine länderübergreifende einheitliche Pandemiepolitik zu entwickeln, die vor allem den schwer betroffenen Staaten in Osteuropa genützt hätte, die nicht über die nötigen Gesundheitsstrukturen und finanziellen Mittel verfügen, um sich ausreichend vorzubereiten und ihre Bevölkerung zu schützen. Stattdessen haben wir einen Flickenteppich unterschiedlicher Maßnahmen für ein und dasselbe Virus gesehen.

So unterschiedlich demografische Faktoren, Arbeits- und Wohnverhältnisse in den einzelnen Ländern sich auf die Ausbreitung des Virus auswirken, so hätten doch überall die gleichen Basismaßnahmen gelten können: Konsequente Maskenpflicht in Innenräumen und bei Ansammlungen auch im Freien, klare Quarantäneregeln, die keine Altersgruppe ausschließt, Testregime an den Grenzen im Reise- und Pendlerverkehr, Ausgabe von Gratis-Antigentests für den Eigenbedarf und Aufbau flächendeckender Laborversorgung für PCR-Tests nach einheitlichen Standards, von der EU vorgeschriebene und aus einem gemeinsamen Fördertopf finanzierte Standards für saubere Luft durch Filter, Lüftung und Überwachung durch CO2-Ampeln. Diese Vorgaben können nur von einer übergeordneten Instanz kommen, um Reibungseffekte durch parteitaktischen Populismus und Wahlkämpfe zu minimieren.

Untrennbar mit globalen und europäischen Einflüssen ist die Rolle der Great Barrington Ideologie. Auch von österreichischen Journalisten wurde bisher Ungläubigkeit bis vehemente Ablehnung darüber geäußert, dass ein grün besetztes Gesundheitsministerium die Politik eines rechtsideologischen Thinktanks in Österreich umsetzen würde. Hier stellt sich natürlich die Frage, ob das aus Unwissenheit und Naivität oder aus Absicht geschieht. Bis nach der zweiten Welle hätte ich Unwissenheit unterstellt durch falsche Berater, aber jetzt sind wir in der fünften Welle und die fundamentale Pandemiepolitik ist gleich geblieben, zum Teil wird gar nicht mehr verhohlen, dass die Durchseuchung – und nichts anderes fordern GreatBarrington-Vertreter – gewollt ist. Spätestens mit dem Aufkommen der DELTA-Welle wurde klar, dass Herdenimmunität über Durchseuchung nicht funktionieren wurde. Mediziner wussten schon vor der Ankunft von Impfstoffen, dass vor allem bei älteren Menschen die Immunität nachlässt und immunkranke Menschen schlechter geschützt sein werden. Außerdem war früh absehbar, dass der angepasste Impfstoff für Kinder mit abnehmenden Alter am spätestesten zugelassen werden würde. Wir brauchen aber gut geschützte Kinder, um die Infektionszahlen dauerhaft niedrig zu halten. Das weiß jedes Elternteil aus der Zeit, als die Kinder jeden Infekt aus dem Kindergarten oder Volksschule nach Hause schleppten.

In ihrem Buch Einspruch! Verschwörungsmythen und Fake News kontern – in der Familie, im Freundeskreis und online unterschätzte die Journalistin und Expertin für Verschwörungsmythen Ingrid Brodnig noch den realen Einfluss der GBD-Vertreter:

„Denn die Forderung nach Herdenimmunität ist eine Randposition. Doch mittels der „GBD“ gelang es, diese Sichtweise ein paar Tage zumindest stärker in den Fokus zu rücken.“ (Seite 96)

Das Buch wurde im Herbst 2020 geschrieben, in dieser Zeit ließ man die zweite Welle in vielen Ländern Europas ungebremst laufen und reagierte zu spät mit Lockdowns, weil man fälschlicherweise im Sommer davon ausging, dass die Pandemie vorbei wäre. Österreich vollzog mit wenigen Änderungen im wesentlichen den Schwedischen Weg dank des engen Austauschs des damaligen AGES-Public-Health-Leiters Franz Allerberger mit dem schwedischen Epidemiologen Anders Tegnell.

GBD-Vertreter sitzen in den höchsten Gesundheitsgremien:

  • Johan Giesecke ist in der Strategic and Technical Advisory Group for Infectious Hazards der WHO, Giesecke hat Tegnell zum Chefepidemiologen in Schweden gemacht und war bis 1995 Senior Lecturer an der London School of Hygiene and Tropical Medicine (LSHTM)
  • Reinhild Strauss (Abteilungsleiterin für Public Health im Gesundheitsministerium, Krankenhaushygiene) machte ihr Diplom von 1995-1996 und war 1998-2000 am Schwedischen Institut für Infektionskrankheitenkontrolle – auf ihren Vorschlag hin wurde Tegnell wahrscheinlich zu einer Teilnahme an der Corona-Kommission 2021 eingeladen.
  • Anders Tegnell wurde vor kurzem zum Impfstoffkoordinator in der WHO ernannt, er hat unter Chris Whitty an der LSHTM Public Health studiert. Whitty bewarb die Herdenimmunitätsidee in UK, bevor das Imperial College der Regierung eine Analyse zeigte, wonach dies zu Millionen Toten führen könnte. Die UK-Regierung machte eine Kehrtwende und rief einen strengen Lockdown aus. Auch Epidemiologin und SPÖ-Chefin Pamela-Rendi-Wagner machte ihren Public-Health-Abschluss 1996/1997 unter Whitty.
  • Clemens Auer wurde im Juni 2021 in den Vorstand des Exekutivrats der WHO gewählt, er war vorher Sonderbeauftragter für die Beschaffung der Covid19-Impfstoffe, deren Bestellung mit 200 Millionen Euro von der ÖVP gedeckelt wurde, und hat sich mehrfach abwertend gegenüber freiem Datenzugang für Wissenschaftler geäußert
  • Johan Carlson, ebenfalls von Giesecke „entdeckt“, ist Vorsitzender im Audit Kommittee des ECDC
  • Franz Allerberger und „Labortsunami“ Petra Apfalter saßen als Österreich-Vertreter im ECDC

Wir wissen, dass es einen „Erfahrungsaustausch“ von Schweden mit Brasilien gegeben hat. Der Kurs von Faschist Bolsonaro ist bekannt, ebenso das Ergebnis (Massensterben in Manaus durch umgebremste Ausbreitung von GAMMA).

Gieseckes Aussage „our most important task is not to stop spread, which is all but futile, but to concentrate on giving the unfortunate victims optimal care“ (siehe Andrew Ewing, 2020) wird mit „focused protection“ übersetzt – der ideologische Kern von Great Barrington und die fehlgeleitete Annahme, dass man das Virus in der Bevölkerung unkontrolliert laufen lassen könnte, während man eine sehr eng definierte Gruppe an hochvulnerablen Menschen, meist sind damit sehr alte und pflegebedürftige Menschen gemeint, vor Ansteckung schützen können würde. Tatsächlich sind mindestens ein Drittel der Gesamtbevölkerung vulnerabel für Hospitalisierung, und wenn man LongCOVID mit einbezieht, sind es bis zu 20% der Gesamtbevölkerung, die einen chronisch schweren Verlauf entwickeln können. Die Erfahrungen aus den ersten Wellen zeigten klar, dass „konzentrierter Schutz“ nicht funktioniert. Infizierte Besucher und Pfleger schleppten das Virus in Alten- und Pflegeheime ein, und jene selbstständige hochbetagte Menschen, die noch ein Sozialleben haben, steckten sich draußen oder innerhalb der Familie an. Zahlreiche Befürworter offener Schulen ohne Schutzmaßnahmen bezogen sich auf ein Paper von Ludvigsson (2020), der öffentlich einsehbar die Great Barrington Declaration unterzeichnet hat.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die WHO bei den wichtigsten Punkten für eine rasche Eindämmung der Pandemie versagt hat: Skepsis gegenüber der Wirksamkeit von Masken als Folge des Ignorieren der Aerosol-Übertragung. Grund dafür sind die fehlenden Aerosolwissenschaftler in der WHO, während es reichlich Hygieneexperten gibt. Daher wurde das Desinfizieren und Händewaschen in der Bevölkerung überbetont und Aerosol-Übertragung auf die Intensivstation eingeengt. Wenn in der berühmten Pressekonferenz der WHO am 11. Februar 2020, als WHO-Chef Tedros sagte, dass Covid über die Luft übertragen werden würde, ihn Mike Ryan nicht korrigiert hätte, wonach Tedros lachend sagte, er hätte irrtümlich den militärischen Begriff „airborne“ benutzt, und danach nur noch von Tröpfchen redete, stünde die Welt heute wohl anders da.

Das Versagen der WHO steht auf der einen, die Dominanz der Great-Barrington-Declaration-Vertreter auf der anderen Seite. Gegen diese Übermacht an Verharmlosern in führenden politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Positionen mit tatkräftiger finanzieller Unterstützung war schwer anzukommen. Hinter der GBD steht das American Institute for Economic Research (AIER), unterstützt u.a. vom Charles-Koch-Institut, der zu den libertär-Rechten zählt und Desinformation über die Erderwärmung verbreitet (Zusammenhang hier beschrieben).

Zusammenhang Pandemie und Angriffskrieg auf die Ukraine

Pikantes Detail am Rande: Koch unterhält enge wirtschaftliche Verbindungen zu Russland. Russland fördert die Rechten und damit die Destablisierung der Demokratie in Europa, die zugleich impfkritisch und covidverharmlosend sind. Interessant auch diese Aussage:

Any such attack, however, would first follow a series of psychological operations currently underway designed to destabilize Ukraine and undermine its ability to fight, said Budanov, speaking through an interpreter. “They want to foment unrest, through protests and meetings, that show the people are against the government,” he said. Those efforts include ongoing anti-COVID-19 vaccination protests that Budanov said have been organized by Russia, which is also trying to stoke unrest related to the economy and energy supplies.

Military Times, 20.11.21

Die Anti-Impfkampagnen kamen sogar vom Kreml selbst (EU-Observer, 22.10.21)

Die Ukraine hatte kurz vor Kriegsausbruch nur eine Impfquote von 36%. Auch der prorussische Medienmogul Murdoch („Fox News“) befeuerte Anti-Impfkampagnen. Hier ein weiterer Artikel dazu.

Die Gesamtsituation versetzt uns jetzt in die missliche Lage von aggressiv protestierenden Impfgegnern und Covidleugnern mit klaren Verbindungen zur rechtsextremen Szene. Die strengen Sanktionen gegen Russland und die explodierenden Rohstoff- und Energiekosten, aber auch befürchtete Engpässe in der Lebensmittelversorgung fördern soziale Unruhen in den demokratischen Staaten Europas. Gleichzeitig ist die OMICRON-Welle nahezu weltweit außer Kontrolle und würgt den wirtschaftlichen Aufschwung ab. In Summe ein Pulverfass ohne Boden, das noch dadurch verschärft werden könnte, wenn Trumps Republikaner die midterm elections im Herbst gewinnen.

Nationales Versagen

In meiner ersten umfassenden Analyse im April 2021 habe ich die Ursachen vor allem in Inkompetenz führender Akteure, Interessenskonflikte (inklusive fatale Ideologien) und Epistemic Trespassing (sich zu Fachthemen äußern, wo man keine Expertise hat) gesucht.

Zusammenfassung kritikloser Durchseuchungskurs, Stand März 2022

In dieser Analyse möchte ich auch auf die massive Desinformation durch die Regierung selbst eingehen:

Im Ö1-Mittagjournal vom 12. März 2022 behauptete Gesundheitsminister Rauch, dass das Gesetz nur dann schärfere Maßnahmen erlauben würde, wenn die Überlastung des Gesundheitssystems drohe. Das ist falsch. Er muss die Ausbreitung eindämmen. Enge Grenzen gibt es nur für einen Lockdown.

Noch unter dem ersten Gesundheitsminister Anschober wurde das Covid19-Maßnahmengesetz genau deshalb geändert, dass nicht erst bei Überlastung der Intensivstationen ein Lockdown verhängt werden kann. Der Bundesrat blockierte dieses Gesetz und es trat erst mit Verspätung in Kraft. Seither heißt es aber ständig, dem Gesundheitsminister bzw. der Regierung wären die Hände gebunden. Das ist Propaganda.

Der Gesundheitsminister muss gemäß Epidemiegesetz handeln um die Weiterverbreitung einer meldepflichtigen Erkrankung zu verhindern. Er hat gemäß Bundesministeriengesetz die Gesundheit der gesamten Bevölkerung zu schützen.

Quelle

Unterlässt er es, seiner Aufgabe nachzukommen, kann man das als Arbeitsverweigerung betrachten und Amtshaftung verlangen. Der Gesundheitsminister muss auch explizit die „schulbesuchende Jugend“ schützen, müsste sofort Maskenpflicht verordnen. Die Regierung muss die Kinderrechte laut Verfassung wahren und sie schützen (Danke an Citizen Journalist-Kollegin @shirleyInaktiv für die Vorarbeit)

Schwellenwerte für die Überlastung des Gesundheitssystems gibt es auch bei der Überlastung der Normalpflege in den Spitälern. Überlastung tritt dann ein, wenn für NichtCOVID-Patienten Behandlungen verschoben werden müssen. Dafür kann es drei Gründe geben:

  • hohe Belegung durch COVID19-Patienten („wegen COVID19 in Behandlung“)
  • hohe Belegung durch Patienten mit Nebenbefund COVID19 („mit COVID19“), die aber wie Covid19-Patienten isoliert werden müssen, ggf. können Operationen nicht stattfinden (nach einer Infektion sollte man 6-8 Wochen warten, um Komplikationen auszuschließen)
  • Personalnot durch Pflege- und Ärztepersonal, das wegen Krankenstand, Quarantäne und Pflegefreistellung (Betreuung kranker Kinder) nicht zur Verfügung steht – inklusiver dauerhafter Abgänge durch LongCOVID und BurnOut.

Der Gesundheitsminister darf auch nicht Gesundheit und Leben bestimmter Gruppen wie z.B. alte oder vorerkrankte Menschen für irgend ein anderes Ziel opfern. Er darf auch nicht die gesamte Bevölkerung dem Risiko von LongCovid oder anderen unkalkulierbaren Spätfolgen aussetzen.

Was nicht passend ist, wird passend gemacht:

„Wintertourismus: Wenn Zahlen eine Zeitlang sinken, aber immer noch zu hoch sind für eine ‚grüne‘ Einschätzung der EU-Partner, könnten wir innerhalb weniger Tage aufhören, Kontaktpersonen ‚1‘ zu testen: Die Inzidenz sinkt dann sofort um 500 täglich (absolut – Zahlen der vergangenen Woche) bei gleichzeitigem leichten Sinken der Positivitätsrate (vermutlich).“

aus dem Strategiepapier des Roten Kreuzes vom 16. Oktober 2020

„Wieder wird unter der hypothetischen Annahme, dass es in diesen Altersgruppen keinerlei Immunisierung gäbe, dargestellt, wie viele tägliche Neuinfektionen notwendig wären, um die beschriebenen Auslastungsgrenzen zu erreichen. Da die Altersstruktur der ungeimpften Nichtgenesenen primär von jungen Kohorten dominiert ist, sind allein aus diesem Umstand heraus 4.405 tägliche Neuinfektionen möglich, um die systemgefährdende Grenze von 33% Auslastung zu erreichen (Szenario 2a). Berücksichtigt man wiederum den Immunisierungsstatus der Neuinfektionen und geht weiterhin von einer homogenen Verteilung entlang der genannten Altersverteilung aus, wären in diesem Szenario 10.905 tägliche Neuinfektionen möglich, um die 33 % Grenze zu erreichen (Szenario 2b).“

aus einem Factsheet der GÖG, 8.Oktober 2021

Die Auslastungsgrenze von 33% war eher willkürlich gewählt, real kam es schon ab 10% zur Verschiebung von Operationen. Monatelang verschobene OPs führten bereits zu Kollateraltoten. Ich hab manchmal den Eindruck, und unterstelle hier *nur* Inkompetenz, dass die beteiligten Berater nicht wissen, wie ihre Aussagen interpretiert werden können. Im obigen Beispiel entschuldige sich Rotes-Kreuz-Kommandant Gerry Foitik nach dem Aufschrei in den Medien für seine „dumme Formulierung“, das Papier war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, was nichts am Inhalt ändert – nämlich geschönte Zahlen zu erzeugen, damit Österreich von der Liste der Risikoländer verschwindet und der Wintertourismus nicht gefährdet wird.

Im unteren Beispiel haben führende Politiker nur gelesen, wie viele Neuinfektionen man zulassen könnte, bevor ein Lockdown bevorsteht. Anständige Politiker hätten die Zahlen eingedämmt, bevor sie die Auslastungsgrenze erreichen, während GBD-Vertreter das Maximum ausgereizt haben, weil man keine Wählerstimmen an die Opposition verlieren wollte. Schlimmer noch – man hat die Auslastung in den Intensivstationen an die Schärfe der Schulmaßnahmen gekoppelt (Entscheidung am 08.10.21) und damit die Durchseuchung der jungen Menschen in Kauf genommen, weil sie weniger zur Auslastung der Intensivstationen beitragen.

Peinlich genau wurde deshalb darauf geachtet, dass auf den Intensivstationen stets genügend freie Betten zur Verfügung standen. Solange dies gegeben war, konnten Behörden und Regierung beschwichtigen und Kritik am schwedischen Sonderweg zurückweisen.“ (FOCUS, 11.10.20)

Dasselbe wurde und wird in Österreich praktiziert, indem fiktive zusätzliche freie Betten ausgewiesen werden (ohne Personal!) und die Gesamtbelastung (Einschränkungen für NichtCOVID-Patienten) nicht erwähnt wird.

Am 21. Jänner 2022 verkündete Starlinger, dass ab April ein österreichweites PCR-Netz kommen solle, damit „wir in Zukunft nicht wieder in so eine Situation kommen.“. Am 11. März meldet der Allesgurgelt-Betreiber Lifebrain alle Mitarbeiter zur Kündigung an, da ab April die Gratistests für die Bevölkerung in Wien eingestellt werden sollen. Wien hat seit Monaten die niedrigsten Inzidenzen, wodurch vor allem ÖVP-geführte Länder schlechter dastehen. Ein Schelm, wer böses denkt. Statt das System für alle zu verbessern, wird Wien nach unten nivelliert.

„Natürlich wäre es schön gewesen, wenn es ab 5. März einen deutlichen Abschwung bei den Neuinfektionen gegeben hätte. Aber diese Kennzahl tritt zunehmend in den Hintergrund. Entscheidend sind die Covid-Patienten auf den Intensivstationen. Und dort ist die Lage mit deutlich unter 200 Personen extrem stabil. Hier bewegen wir uns auf einem Niveau vergleichbar mit Jahren vor Corona.“

GECKO-Leiter Striedinger, 12.03.22

Das Krankenhaus Wiener Neustadt stellt ab Montag, 14.03., alle nicht dringenden ambulanten Termine und stationäre Aufenthalte ein – viele COVID-Patienten und Personalausfälle.

Die Langzeitauswirkung dauerhafter Belastungen auf das Gesundheitswesen, aber auch auf ErzieherInnen und PädagogInnen werden der Bevölkerung erfolgreich verschwiegen. Was das bedeutet, sehen Betroffene, die mögliche LongCOVID-Symptome neurologisch abklären lassen wollen. Sie warten im besten Fall drei Monate, manchmal aber auch über sechs Monate auf einen Termin. Wer zu einem LongCOVID-Spezialisten will, wartet noch länger. Es betrifft aber auch die Regelversorgung, etliche Fachärzte und verschärft den Hausarztmangel. Wer nicht chronisch krank ist, sieht leider das Problem oft nicht. Wer eine Zusatzversicherung abschließen konnte, kann auf Wahl- und Privatärzte ausweichen. Viele können das nicht und die momentan stark steigenden Lebenserhaltungskosten verschärfen das Problem. Spritgeld, Essen, Heizen oder sich einen zeitnahen Arztbesuch leisten?

Ende Teil 1….

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