Wissenschaft derzeit im Würgegriff der postfaktischen Politik
Wenn ich die Pandemie in einem anderen (west-) europäischen Land als in Deutschland, Österreich oder der Schweiz erlebt hätte, dann wäre ich am Anfang noch hoffnungsfroh gewesen, dass sich durch die epochale Zäsur auch ein Struktur- bzw. Systemwandel erzwingen lässt. In anderen Ländern sieht man durchaus Ansätze, als Konsequenz auf die Unberechenbarkeit von Masseninfektionen saubere Innenraumluft einzuführen, etwa in Belgien oder in den USA. Anekdotisch gibt es in keinem Land so aggressive Reaktionen auf Maskenträger wie in Österreich, ganz anders etwa in Süd- und Mittelamerika, aber auch in Griechenland oder Italien. Als die Maskenpflicht in den Supermärkten kam, ließ Ex-Kanzler Kurz ausrichten:
„Ich bin mir vollkommen bewusst, dass Masken für unsere Kultur etwas Fremdes sind“, es werde eine große Umstellung sein. Das werde eine Lernphase sein. Ziel werde es sein, diese Masken auch überall dort zu tragen, wo ein Vorbeigehen stattfindet. Kurz sagte zudem, das sei „kein Ersatz für das Abstandhalten“, sondern eine zusätzliche Maßnahme. (30.03.20)
Schon ab Sommer 2022, inmitten der schweren BA.5-Welle, konnte es der Bundesregierung nicht schnell genug damit gehen, die Maskenpflicht abzuschaffen, im Februar 2023 inmitten der XBB.1.5-Welle folgte die Wiener Stadtregierung nach und schaffte die “lästigen” Masken, die dem Gesundheitsstadtrat Hacker bereits “zum Hals raushingen” ab. Eine Empfehlung fürs Maske tragen und generell auch eine Erklärung, weshalb Maske tragen sinnvoll war und ist, blieb aus.
Protestaktion der Österreichischen MECFS-Hilfe am Internationalen ME/CFS-Tag am Heldenplatz in Wien – trotz strömenden Regens später noch gut besucht
Seit 1969 ist MECFS von der WHO klassifiziert – MECFS ist die Abkürzung für Myalgische Enzephalomyelitis bzw. Chronisches Fatigue Syndrom. Es handelt sich um eine schwere Multisystemerkrankung, die bei den meisten Betroffenen zum Verlust der Arbeitsfähigkeit führt. 25% sind so schwer krank, dass sie Haus oder Bett nicht mehr verlassen können und auf Pflege angewiesen sind. MECFS-Erkrankte leiden unter ausgeprägter Zustandsverschlechterung nach körperlicher und geistiger Belastung (Post-Exertional Malaise (PEM), dazu gehören schwere Fatigue (krankhafte Erschöpfung), kognitive Störungen, Schlaflosigkeit, ausgeprägte Schmerzen, Überempfindlichkeit auf Reize, Störung und Überaktivität des Immunsystems sowie Störung des autonomen Nervensystems.
In Österreich sind 26000 bis 80000 Menschen betroffen – durch SARS-CoV2 kamen tausende Betroffene hinzu und werden immer noch mehr. Viele Betroffene sind zu krank, um selbst vor Ort mitzuprotestieren. Für sie stehen stellvertretend die leeren Schuhe am Platz. Erfreulicherweise waren auch einige Medienvertreter vor Ort, ORF, Puls24 und Radio Technikum (Bericht von Eva Maria Wohlfarter).
Trotz der massiven Auswirkungen der MECFS-Erkrankung gibt es weder Beratungsstellen noch ambulante Anlaufstellen oder stationäre Einrichtungen für Notfälle. Betroffene kämpfen mit Stigmatisierung und Verleugnung der Schwere ihrer Erkrankung. Mediziner haben häufig einen veralteten Kenntnisstand und schieben die Beschwerden auf die Psychoschiene. Schwerstbetroffene müssen monatelang oder jahrelang vor Gericht um ihre Rechte kämpfen, jeder Termin kann zu einem Crash und zu einer Verschlechterung ihrer Beschwerden führen. Die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) erklärt Betroffene trotz Bettlägerigkeit für Simulanten und arbeitsfähig, vielfach werden Präsenztermine verlangt.
Ein großes Problem der Berichterstattung ist der fehlende Konnex zur Prävention gegen Infektionskrankheiten. SARS-CoV2, Influenza und andere Viren zählen zu den Verursachern von Langzeitfolgen, die per definitionem nach sechs Monaten in MECFS übergehen können. Wir wüssten jetzt, was wir zur Infektionsprophylaxe tun könnten: Saubere Luft in Innenräumen, konsequente Isolation bei Symptomen und FFP2-Maske tragen. Damit verhindert man nicht nur die Ausbreitung von SARS-CoV2, sondern auch von anderen potentiell tödlichen oder chronifizierend krankmachenden Viren. PolitikerInnen fordern jetzt mehr Forschung, aber wo war die Aufmerksamkeit die letzten Jahre? MECFS-Betroffene haben schon im März und April 2020 frühzeitig vor chronischen Langzeitfolgen durch Covid19 gewarnt. Sie wurden ignoriert. Die westliche Impfstoffentwicklung zielte trotz der rasch wachsenden Zahl an LongCOVID-Betroffenen nur auf die Verhinderung von schweren Verläufen und Tod ab, nicht auf die Verhinderung der Ansteckung selbst (es war Zufall, dass die Impfstoffe bis zur Entstehung von OMICRON auch sehr gut gegen Ansteckung geschützt haben). Die Entwicklung von infektionsvermeidenden Impfstoffen schreitet viel langsamer voran jetzt – für Eile gibt es für die Regierungen keinen Anlass mehr, nachdem SARS-CoV2 kaum noch erfasst wird.
Die erste OMICRON-Welle (BA.1 und BA.2) war tödlicher als die DELTA-Welle und die zweitschlimmste Welle der Pandemie bisher. Die Sterblichkeit durch OMICRON-Subvarianten bleibt hoch und da ist die Übersterblichkeit durch Post-Covid-Folgen nicht eingerechnet
Die Risikokommunikation zur SARS-CoV2-Pandemie bleibt missverständlich und hat weiterhin fatale Folgen. Am 31. Dezember 2019 wies Virologe Florian Krammer erstmals in einem Tweet auf den Ausbruch einer neuartigen Lungenkrankheit hin. Am 21. Januar 2020 hielt es Virologe Christian Drosten für sinnvoll, dass die WHO eine internationale Gesundheitskrise (PHEIC, Public Health Emergency of International Concern) ausrufen würde.
Am 25. Jänner gab es bereits 1400 Fälle.
Krammer drängte die WHO: “This is a PHEIC, we are all China at this moment. Not acting now will not age well.”
Am 28. Jänner 2020 berichtete Statnews, dass sich das Virus übertragen kann, bevor die infizierte Person Symptome entwickelt.
Am 30. Jänner 2020 rief die WHO schließlich ein PHEIC, ihre höchste Alarmstufe, aus. Diese ist als außergewöhnliches Ereignis definiert, das …
ernst, plötzlich, ungewöhnlich oder unerwartet ist
Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit über die Landesgrenzen des betroffenen Staates hinaus hat und
möglicherweise sofortige internationale Maßnahmen erfordert.
Seit Einführung wurden sieben PHEICS erklärt – Schweinegrippe-Pandemie 2009, Ebola-Ausbruch in Westafrika 2014 und Zentralafrika 2018-2020, Polio 2014 (bis heute!), Zika-Ausbruch Lateinamerika 2016, SARS-CoV2 und Affenpocken seit Juli 2022. Ausführlicher in der Seuchenkolumne von Robert Zangerle.
Am 4. Mai 2023 traf sich das Covid19-Emergency Comittee der WHO – zu den Beratern zählt u.a. Durchseucher Anders Tegnell aus Schweden – und empfahl eine Beendigung des PHEIC, was WHO-Chef Tedros am 05. Mai 2023 umsetzte:
“With great hope I declare Covid-19 over as a global health emergency.” (Twitter)
Die Entscheidung auf Hoffnung zu basieren mutet seltsam an, wenn man sich das ausführliche Statement der WHO durchliest:
Seit Ausrufung der PHEIC wurden der WHO über 7 Millionen Tote gemeldet, die Schätzungen bewegen sich aber bei mindestens 20 Millionen Todesopfern. Die Gesundheitssysteme sind weltweit schwer unter Druck geraten, Millionen Menschen sind von der Regelversorgung abgeschnitten, einschließlich lebensrettender Impfungen für Kinder. Die Pandemie hat auch für wirtschaftliche Verwerfungen gesorgt, Reiseverkehr und Handel beeinträchtigt und Millionen in die Armut getrieben. Die weltweite soziale Ungerechtigkeit hat sich verschärft. Seit mehr als einem Jahr würde die Pandemie einen Abwärtstrend aufweisen, mit steigender Bevölkerungsimmunität von Infektion und Impfungen, abnehmender Sterblichkeit und nachlassendem Druck auf die Gesundheitssysteme. Dadurch sind die meisten Länder zum Leben wie vor der Pandemie zurückgekehrt. Jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, das PHEIC aufzuheben. Das heißt aber nicht, dass Covid19 als globale gesundheitliche Bedrohung zu Ende sei. Letzte Woche starb alle drei Minuten ein Mensch an Covid19 – und das sind lediglich die offiziell registrierten Todesfälle. Derzeit kämpfen tausende Menschen auf Intensivstationen um ihr Leben. Weitere Millionen leben mit den verheerenden PostCovid-Folgen. Das Virus ist gekommen, um zu bleiben. Es ist weiterhin tödlich und ändert sich. Das Risiko neuer Varianten und Infektionswellen bleibt.
Gesundheitsminister Rauch (Grüne) verkündet das Ende der Maskenpflicht und damit der Schutzmaßnahmen an den Orten, wo Vulnerable nun den allerletzten, allerwichtigsten Schutz verlieren: Wer im Spital liegt und eine Narkose bekommt, aufwacht, oder im Gesicht untersucht wird, ist künftig den ignoranten Idioten ohne Hausverstand und Berufsethos ausgeliefert. Die Bevölkerungsimmunität ist mitnichten hoch – gegen was überhaupt? Weiterhin rund 50 Tote pro Woche, die auf schwere Akutverläufe zurückgeführt werden können, während sich die mysteriösen Schlaganfälle und Herzinfarkte bei jungen Menschen häufen. Nur jedes fünfte Kind entwickelt Antikörper gegen OMICRON-Varianten. Reinfektionen sind mit OMICRON-Subvarianten häufig, insbesondere jetzt mit den rekombinanten Varianten und fallen nicht zwingend leichter aus. Langzeitfolgen gibt es nach wie vor, die Impfung verringert das LongCOVID-Risiko, aber nicht auf Null. Selbst eine niedrige einstellige Prozentzahl wären auf lange Sicht hunderttausende, weitere Betroffene. In der Mehrzahl der Fälle verschlechtert eine weitere Covid-Infektion bestehendes LongCovid. Gegen MECFS gibt es derzeit keine Heilung. Wir sind nicht gut durch die Pandemie gekommen. Länder mit ZeroCovid-Strategie sind nach wie vor besser durchgekommen, aber die Pandemie ist nicht zu Ende. Die Maske schützt nicht nur ältere und vulnerable Personen, sondern alle Menschen, insbesondere auch jene, die keine Maske tragen können, sei es wegen dem Alter oder einer Behinderung. Tests bleiben nur für hochvulnerable Personen gratis, die Paxlovid bekommen können, und auch da nur Antigentests.
Verzeiht, wenn ich heute nicht den hoffnungsfrohen Beitrag schreibe. Ich muss das loswerden jetzt, weil es bereitet mir große Sorgen und niedergeschrieben kann ich es wenigstens kurzzeitig verdrängen, um wieder Luft zu schnappen. Wie ich bereits in unzähligen Beiträgen hier verdeutlicht habe, ist der Einfluss rechtsesoterischer Ideologie auf die Pandemiepolitik in Österreich groß. Ich habe bereits vor knapp zwei Jahren vor genau dieser Entwicklung gewarnt, wie sie jetzt eintritt – wie bereits in Italien, Finnland und Schweden holen die rechtsextremen Parteien die Wählerstimmen und sorgen für Regierungswechsel.
Schritt: Demonstrationsrecht einschränken und Höchstgerichte aushebeln
Schritt: NGOs und Zivilgesellschaft schwächen
Schritt: Kritische Journalisten unter Druck setzen
Seit Juni 2021 hat sich dieser Weg fortgesetzt – mit Beteiligung eines grünen Gesundheits- und Sozialministers. Die massive Teuerung infolge der steigenden Energiepreise und “Kriegsgewinnler” verläuft weiterhin ungebremst mit der höchsten Inflation in West-Europa (knapp 10% auch im April), Armutsbetroffene werden mit Einmalzahlungen abgespeist – nichts Nachhaltiges. Das Koalitionsabkommen von ÖVP und FPÖ in den jeweiligen Bundesländern – Niederösterreich, Oberösterreich und seit heute auch Salzburg – zielt klar auf die Diskriminierung von Migranten und Flüchtlingen ab. “Deutsch am Pausenhof” ist das I-Tüpfelchen, die Verweigerung von Erdbebenhilfe in der Türkei und erleichterter Visabewilligung für betroffene Familien die logische Folge. Niemand darf wegen seiner Behinderung diskriminiert werden, es gibt ein Recht auf Gesundheit, in erhöhtem Ausmaß gilt das für Kinder. Das ist de facto nicht mehr vorhanden mit Aufhebung aller Schutzmaßnahmen in der noch laufenden Pandemie.
Das Innenministerium hat nie klargestellt, dass man eine Maske weiterhin aus gesundheitlichen Gründen tragen darf. Der Zugang zu den öffentlichen Daten und Statistiken wurde weiter eingeschränkt. Fallzahlen werden seit heute nurmehr einmal pro Woche veröffentlicht, die Abwasserdaten hinken der Entwicklung hinterher, die Gensequenzierungen der AGES kommen verzögert. Das PROFIL ist in der Hand der ÖVP, die im Staatseigentum sich befindliche Wiener Zeitung hört nach 320 Jahre Bestehen als älteste Tageszeitung der Welt auf zu existieren, der ORF wird zusammengestutzt und über eine Haushaltsabgabe finanziert. Boykottieren kann man die regierungsfreundliche Berichterstattung, die auch mal live Parteiveranstaltungen der ÖVP überträgt, also nicht mehr.
Ich bezweifle, dass den Grünen je bewusst werden wird, dass sie mit ihrer rechtsesoterischen Pandemiepolitik (“vulnerable sollen sich selbst schützen, der Rest leben wie vorher”) den rechtsextremen Nachfolgern sehr viel Arbeit erspart haben. Im Gegenteil, sie haben faschistisches Gedankengut normalisiert – nämlich, dass “Menschen mit Vorerkrankungen” weniger wert sind als “gesunde, leistungsfähige Menschen”. Die Berichterstattung ist in der Pandemie gleichgeschaltet worden. Angefangen von den großen Anchor-Männern der ZiB2 über Presse, STANDARD oder Profil. Ein paar wenige kritische Stimmen gehen in der breiten Masse der Verleugnung und Täter-Opfer-Umkehr unter. Pandemierevisionismus ist Mainstream geworden.
Der unverzeihliche Skandal ist, dass hochvulnerable Menschen drei Jahre lang auf gesellschaftliche Teilhabe verzichtet haben, weil die Gesellschaft nicht verzichten wollte, und sich jetzt in gesundheitlichen Einrichtungen anstecken, nicht einmal bei einer Party oder Urlaubsreise. Die potentiellen Folgen einer Infektion, LongCovid oder Verschlechterung der Grunderkrankungen, dankt ihnen niemand.
Die Tarnung ist aufgeflogen. Wer nicht aufpasst, wird erwischt. Verdrängen zwecklos.
Im Juli 2020 nach dem Cluster am Wolfgangsee: “Die Pandemie ist doch vorbei?”
Im Juli 2021: Trotz zweifacher Impfung infiziert: “Dabei war die Pandemie doch für Geimpfte vorbei!”
Im Jahr 2022: Nach dreifacher Impfung ordentlich krank: “Ich dachte, OMICRON wäre ein Schnupfen.”
Im Jänner 2023: Cluster an Tiroler Schule, für die meisten Lehrer die zweite Infektion: “Die Pandemie ist doch vorbei?”
Vier Tage nach Ende des Weltwirtschaftsforums in Davos. Wie erwartet hat der “Davos Standard” keinen Einfluss gehabt auf die Berichterstattung. Es hat fast niemand mitbekommen, und die, die es mitbekommen haben, sagten nichts. Na gut. Ich hab lange gewarnt. Im Dezember 2020/2021 machte ich mit einer Kalenderaktion auf MECFS aufmerksam. Im April 2021 schickte ich der Belegschaft unaufgefordert ein Infomail mit meinem aktuellen Kenntnisstand zu Covid19, im Dezember 2021 ein Infomail zu OMICRON und im September 2022 zur angepasstenBoosterimpfung. Seitdem hab ich es aufgegeben und bin nur noch proaktiv, wenn jemand eine langwierige Genesung hat, um vor PEM zu warnen, auf Puls zu schauen und ggf. Diagnostik zu machen, bevor man wieder voll durchstartet.
Es ist mir an dieser Stelle wichtig zu sagen, dass ich keine ärztlichen Empfehlungen abgebe, sondern auf Ärzte verweise, die Empfehlungen abgeben.
Österreich (braun) und Australien (blau) im Vergleich: Links Übersterblichkeit, Mitte kumulierte Fälle, rechts Gesamttodesfälle
Der folgende Artikel von Blair Williams erschien am 07.01.23 in der australischen “The Canberra Times” . Er ist insbesondere auch deswegen bedeutsam, weil Australien bis Frühling 2022 eine ZeroCOVID-Strategie gefahren ist (klare Untersterblichkeit in diesem Zeitraum). Unter dem Druck von OMICRON wurde geöffnet, seitdem ist die Zahl der Fälle stark gestiegen, die Todesfälle blieben aber weit unter jenen von Österreich. Der Grund hierfür ist die erfolgreiche Impfkampagne der Australier, die vor den Öffnungsschritten rund 80% der Bevölkerung mindestens zweifach geimpft hatte, rund 50% hatten eine dritte Impfung erhalten. Bei der Übersterblichkeit holt Australien langsam auf, hier machen sich zunehmend die LongCOVID-Fälle bemerkbar. Was würde man rückblickend als erfolgreicher einstufen? Österreichs halbherzige Lockdowns bis zu den Impfungen, oder die Fälle niedrig halten, gleichzeitig möglichst viele durch die Impfung vor schweren Verläufen schützen? Die Statistik spricht für sich.
Beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos gibt es höchste Sicherheitsstandards, um eine Ansteckung und Verbreitung von SARS-CoV2 zu vermeiden (Quelle)
verpflichtende PCR-Tests vor dem Eintritt
Wer keinen Test macht oder später positiv testet, dessen Chip im Armband wird deaktiviert
zusätzlich verfügbare Schnelltests
FFP2-Masken werden zur Verfügung gestellt
alle Taxifahrer tragen immer Masken
Innenräume werden mehrmals am Tag gereinigt, desinfiziert und ventiliert
Moderne Lüftungsgeräte sind dort installiert, wo die Frischluftzufuhr begrenzt ist (HEPA-Luftfilter)
UVGI/Far-UVC-Luftdesinfektionsgeräte
“Under the principle of the human right to health, everyone has the right to breathe healthy indoor air.” (WHO, 2000)
Die jetzt in Davos umgesetzten strengen Schutzmaßnahmen umfassen all das, was ich auf meinem Blog, das IGÖ und viele weitere engagierte Zivilpersonen seit Jahren (!) fordern, um das Infektionsrisiko in Kindergärten, Schulen, am Arbeitsplatz und in Alten- und Pflegeheimen einzudämmen. Die Kombination aus aufwärts gerichteter Ventilation und Schutzmaske verringert das Infektionsrisiko um fast 100% (Nie et al., 2022). In einem optimal gefilterten, gereinigten, ventilierten Raum kann man sich mit genügend Abstand sogar erlauben, die Maske abzusetzen. Selbst gebaute Luftfilter können 73% der infektiösen Aerosole herausfiltern (Derk et al. 2023), das in Davos eingesetzte Far-UVC kann innerhalb von Minuten 98% der Pathogene in der Luft reduzieren, das entspricht 184 Mal Luftaustausch pro Stunde eines HEPA-Filters (Eadie et al. 2022), mehrere Studien zeigen, dass UVGI effektiv hilft, die Luft zu desinfizieren (Public Health Agency of Canada, 18.03.22). In Italien zeigten Ricolfi et al. (2022), dass mechanische Belüftungssysteme das Infektionsrisiko im Klassenzimmer um 82% verringern konnten.
Nicht nur in Davos wird auf die Gesundheit der Teilnehmer geachtet. Die Houses of Parliament in London benutzen Luftreiniger. Die Sternsinger brauchten an Dreikönig einen negativen PCR-Test, um beim Bundespräsidenten zu singen. Im Bundeskanzleramt und im Gesundheitsministerum stehen in den Besprechungsräumen Luftfilter.
Warum so viel Aufwand, wenn die Pandemie doch vorbei ist? Dieselben Akteure, die beim Weltwirtschaftsforum im Wintermantel in den Besprechungsräumen sitzen, weil die Frischluftzufuhr offenbar zusätzlich zu den Luftfiltern für verstärktes Kälteempfinden sorgt, haben die letzten Monate darauf gedrängt, sämtliche Schutzmaßnahmen aufzuheben und die Pandemie zu beenden.
Die einzige etablierte Zeitung, die bisher darüber berichtet, ist das amerikanische Wirtschaftsmagazin FORBES:
Genom-Sequenzierung in Österreich von Molekularbiologe Ulrich Elling, 2. Kalenderwoche 2023.
Im Laufe der letzten drei Jahre habe ich zu allen möglichen Bereichen der Pandemie etwas dazu gelernt. Wenn man sich so intensiv mit einem Thema auseinandersetzt, ist es wichtig, sich von Zeit zu Zeit rückzuversichern, ob man noch am wissenschaftlichen Pfad orientiert oder irgendwann falsch abgebogen ist. Die grundsätzliche Frage, die sich derzeit viele stellen, die bis dahin durchgehalten haben, ohne sich zu infizieren oder kein zweites Mal infizieren wollen, ist, ob es Zeit ist, sich dem gesellschaftlichen Druck zu beugen und zur “Normalität vor 2020” zurückzukehren.
In diesem Beitrag möchte ich alle Leserinnen und Leser ermutigen, die immer noch aufpassen müssen oder wollen, um sich nicht zu infizieren. Ihr tut das nicht für den Herrn Bürgermeister, nicht für die “NoCovid”-Bewegung, nicht für eine Partei, sondern einzig und alleine für Eure Gesundheit und die Eurer Mitmenschen – also zumindest jene, die ihr nicht infizieren wollt.
Ich möchte begründen, warum Ihr guten Gewissens weiterhin Maske tragen könnt und auch gegen alle Widerstände aus der Mehrheitsgesellschaft, Politik und Medienlandschaft vorsichtig im Alltagsleben bleibt, denn die Alternative ist nicht so rosig. Das Durchhalten lohnt sich – bis es bessere Impfstoffe gibt, die auch die Infektion unterbinden können.
Drosten präzisierte vor ein paar Tagen seine Aussage, dass wir uns seiner Einschätzung jetzt in Richtung endemischer Zustand entwickeln, die Pandemie aber noch nicht vorbei wäre. Das würde man erst hinterher wissen. Die Richtigstellung kam zu spät. Sämtliche Politiker und Medien feierten rauf und runter, dass die Pandemie vorbei wäre, Endemie, alles gut. My ass.
Drostens Aussage im selben Interview zum geschwächten Immunsystem bei Kindern fand keine Beachtung:
“Derzeit bekommen Immunologen Befunde, die suggerieren, dass diese Alterung des Immunsystems bei Kindern nach Coronainfektion viel fortgeschrittener ist, als man es erwarten würde. Man kann sich nun zugespitzt fragen, ob ein ungeimpftes Kind nach Infektion vielleicht mit 30 das Immunsystem eines 80-Jährigen haben wird. Die Durchseuchung der Kinder wäre dann ein riesiger Fehler gewesen. Das wäre ein extremes Szenario, das man aber mit erwägen muss. Allerdings haben wir keine Infektionskrankheit so gut erforscht wie Sars-Cov-2. Gut möglich, dass es sich bei anderen Infektionen auch so verhält und das Phänomen nach zwei, drei Jahren verschwindet, weil gerade junge Kinder noch naive Immunzellen nachproduzieren können. Wir wissen all dies noch nicht. Ich hatte aus Vorsicht immer für die Impfung und den Infektionsschutz von Kindern plädiert.”
“Sie müssen ihre Meinung nicht teilen, aber sie werden kaum eine berufenere Person zu dem Thema in Österreich finden als die Chefin der Epidemiologie an der größten medizinischen Universität des Landes.” (Martin Thür,29.12.22)
“Sie sind ja ein lustiges Kerlchen. Aber bitte kein Comic Sans, da krieg ich Augenkrebs.” (Martin Thür, 06.05.22)
“Ich glaube, dass „digitaler Heugabelmob“ eine abs. zutreffende Beschreibung für ein best. Diskursverhalten auf Twitter ist. Ich glaube nicht, dass man Menschen, die seriös über Strategien für sichere Schulen/Kinder diskutieren, bewusste „Durchseuchung“ unterstellen sollte.” (Armin Wolf, 01.12.21)
“Aber die Idee, dass jemand wie Hamann [von den Grünen] in österreichischen Schulen die Agenda rechter US-Thinktanks durchprügeln will, ist dann doch ein wenig absurd, oder? Also könnte man ja vielleicht auf die argumentative Keule verzichten, wenn’s um eine ernsthafte Debatte in der Sache gehen sollte.” (Armin Wolf, 01.12.21)
“ich habe zur Kenntnis genommen, dass sich in der Schuldebatte Expert·innen ziemlich uneins sind. Und kein Debattenbeitrag in der Sache rechtfertigt etliche der Kommentare, die Klenk zitiert“ (Armin Wolf, 01.12.21)
“Wer sich an die Öffentlichkeit wendet, muss mit Repressionen rechnen. Wer gerechtfertigte Gefährdungsanzeigen schreibt, ist ein Nestbeschmutzer und wird mit Bürokratie eingedeckt. Die Gewerkschaft tut nichts” (DERSTANDARD, 08.01.23)
“Aus irgendeinem Grund bin ich bei der Weltgesundheitsorganisation als Experte gelistet, und deshalb darf ich da wahrscheinlich über ein neues Coronavirus reden, und um ganz klarzustellen: Wir haben in ganz Österreich keinen einzigen diagnostizierten Fall, das heißt, ich bin ein Schreibtischtäter, Coronaviren gibt es bei uns bei der AGES schon, aber nur im Veterinärbereich. In ganz Österreich gibt es zwei Ärztegruppen, die schon einmal Coronavirus-Patienten gesehen haben, die schwerkrank waren. Wien, das Kaiser-Franz-Josef- Krankenhaus, und Professor Greil, in Salzburg, hat den zweiten Patienten gehabt, also ich bin der Schreibtischtäter, er ist der, der Ihnen dann erzählen wird, was wirklich ist, weil er einen Patienten gesehen hat, und das ist wahrscheinlich mit ein Problem, weil hunderte, tausende Leute jetzt Expertise meinen zu haben. Ich weiß, ich hab sie nicht. Und wenn Sie irgendwo googeln und schauen, wer über was publiziert, dann werden Sie sehen, Allerberger Coronaviren Null Result, also bitte ja nicht missverstehen, was ich Ihnen sage. Ganz sicher kein Experte.” (Ex-Leiter Öffentliche Gesundheit, Franz Allerberger, 12. Februar 2020, Uni Salzburg)
Ich bin ja am Anfang der Pandemie selbst darauf reingefallen und habe mich auf Experten verlassen, die gar keine waren, etwa Franz Allerberger. Ich mach auch niemandem einen Vorwurf, der bis Herbst darauf reingefallen ist, als völlig überraschend eine riesige zweite Welle kam und erneut ein Lockdown verhängt werden musste.
Es hat natürlich Warnungen gegeben, von Virologe Krammer aus New York, von Virologe Drosten von der Charité Berlin, von Virologin von Laer aus Innsbruck, von Mikrobiologe Wagner aus Wien, von Infektiologe Greil aus Salzburg, von Infektiologe Burgmann aus Wien, vom pensionierten Epidemiologen Zangerle aus Innsbruck – sie alle haben explizit ab April 2020 vor der zweiten Welle gewarnt, denn nach dem Lockdown und Präventionsparadoxon war noch genug immunnaive Bevölkerung übrig. Ihnen wurde nicht geglaubt, weil Wunschdenken so viel angenehmer war.
Stattdessen hörte man lieber auf Infektiologe Weiss aus Innsbruck, auf Virologe Vander in der Steiermark, auf Public-Health-Experten Sprenger, auf Infektiologin Apfalter aus Linz, auf Infektiologe Allerberger der AGES, auf Epidemiologin Schmid der AGES, auf die Ärztekammer Oberösterreich, auf Veterinärvirologe Nowotny, der kein Interview ausließ.
Das Land hatte schon immer einen Fetisch, was Titel im Namen betrifft. “Ingenieur Dr … bitte zur Frau Doktor kommen!” ertönt es im Wartezimmer regelmäßig. Status ist wichtig, selbst wenn er unwichtig im Kontext einer medizinischen Behandlung ist. In einer Pandemie zählen aber nicht die Reputation, die Zahl der Titel, die Zahl der Publikationen oder die Dauer der Medienpräsenz, sondern die Fakten und ob die Einschätzungen der berufenen Person sich rückblickend als korrekt erwiesen haben.
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