Willkommen in der Realität!

Die Tarnung ist aufgeflogen. Wer nicht aufpasst, wird erwischt. Verdrängen zwecklos.

Im Juli 2020 nach dem Cluster am Wolfgangsee: “Die Pandemie ist doch vorbei?”

Im Juli 2021: Trotz zweifacher Impfung infiziert: “Dabei war die Pandemie doch für Geimpfte vorbei!”

Im Jahr 2022: Nach dreifacher Impfung ordentlich krank: “Ich dachte, OMICRON wäre ein Schnupfen.”

Im Jänner 2023: Cluster an Tiroler Schule, für die meisten Lehrer die zweite Infektion: “Die Pandemie ist doch vorbei?”

Vier Tage nach Ende des Weltwirtschaftsforums in Davos. Wie erwartet hat der “Davos Standard” keinen Einfluss gehabt auf die Berichterstattung. Es hat fast niemand mitbekommen, und die, die es mitbekommen haben, sagten nichts. Na gut. Ich hab lange gewarnt. Im Dezember 2020/2021 machte ich mit einer Kalenderaktion auf MECFS aufmerksam. Im April 2021 schickte ich der Belegschaft unaufgefordert ein Infomail mit meinem aktuellen Kenntnisstand zu Covid19, im Dezember 2021 ein Infomail zu OMICRON und im September 2022 zur angepassten Boosterimpfung. Seitdem hab ich es aufgegeben und bin nur noch proaktiv, wenn jemand eine langwierige Genesung hat, um vor PEM zu warnen, auf Puls zu schauen und ggf. Diagnostik zu machen, bevor man wieder voll durchstartet.

Es ist mir an dieser Stelle wichtig zu sagen, dass ich keine ärztlichen Empfehlungen abgebe, sondern auf Ärzte verweise, die Empfehlungen abgeben.

All jene, die jetzt sagen, dass die Maßnahmen zu schweren Kollateralschäden geführt hätten, frage ich: Was wäre die Alternative gewesen? Der schwedische Weg mit Durchseuchung von Tag eins weg mit nun hoher Übersterblichkeit? In der DELTA-Welle hat Infektiologe Greil die richtige Antwort gegeben:

“Wir haben das ja auch vorausschaubar bei der zweiten Welle erlebt und haben dann gesehen, dass durch dieses langsame Hintereinanderreihen von Maßnahmen nicht nur die Zahlen explodiert sind, sondern die Bereitschaft der Bevölkerung nicht mehr da war, dann den dritten Lockdown sozusagen auch haben zu wollen. Und das ist ganz klar, Menschen wollen Effektivität sehen und das ist der größte Heilungsfaktor auch gegenüber der Polarisierung, das ist der Erfolg, und der Erfolg muss sich möglichst schnell einstellen, dann sind auch alle Kollateralschäden am geringsten.”

Wie im ersten Lockdown müssen Maßnahmen konsequent durchgezogen werden, dann können sie früher wieder gelockert werden. Gleichzeitig muss man die Zeit der Eindämmung nutzen, die nötigen Strukturen (TTIQ) aufzubauen, um die Infektionszahlen dauerhaft niedrig zu halten und zu verhindern, erneut Lockdowns verhängen zu müssen. Das ist uns seit Ende des ersten Lockdowns nicht mehr geglückt. Begleitmaßnahmen (arbeitsrechtliche, finanzielle und psychologische Unterstützung) wären notwendig gewesen, um die Folgen von Lockdown-Maßnahmen abzufedern. Leider haben die Arbeitnehmervertreter – Arbeiterkammer, Gewerkschaften und im weiteren Sinne die Sozialdemokraten – sich mehr um die Abschaffung der Maßnahmen, als um Infektionsschutz und Begleitmaßnahmen gekümmert.

Das Ziel hätte zuerst wie in den anderen ZeroCOVID-Staaten sein müssen, die Infektionszahlen so lange niedrig zu halten, bis eine hohe Durchimpfungsrate erreicht wurde. Den Zeitraum für die strenge Infektionskontrolle hätte man an die Entwicklung der Virusvarianten anpassen müssen. Mit DELTA waren drei Impfungen notwendig, mit OMICRON die angepasste Impfung und mit dem Wissen und LongCOVID langfristig nur die Entwicklung von Schleimhautimpfstoffen – außer man hätte einen Mechanismus gefunden, durch die jetzigen Impfstoffe LongCOVID zu verhindern. Für immungeschwächte Personen wirken die jetzigen therapeutischen Antikörper nicht mehr. Wie sieht ihre langfristige Behandlungsstrategie aus? Paxlovid ist derzeit das einzige wirklich effektive Medikament. Was geschieht, wenn sich Resistenzen entwickeln? Niedrige Infektionszahlen würden das Risiko von Resistenzen verhindern.

SARS-CoV2 ist kein saisonales Virus. Es wird von Varianteneinflussreichtum und nachlassender Immunität innerhalb der empfänglichen Bevölkerung getrieben. Es wäre für alle Menschen, die aufpassen müssen und wollen, um wesentlich erträglicher, wenn die Zeit des defensiven Sozialverhaltens auf die kalte Jahreszeit beschränkt wäre und man im Sommer weitgehend unbeschwert Alltagsaktivitäten nachgehen könnten. Die letzten drei Jahre hatten wir diese Situation nicht. Mit der Abschaffung aller Covid-Verordnungen bis zum Sommer 2023 einschließlich Meldepflicht fehlt uns künftig die Surveillance. Es gibt dann individuell keine Möglichkeit mehr, seine persönliche Risikoabwägung durchzuführen und Aktivitäten danach auszurichten.

Meine Zielstrategie für 2023:

  • bis zur nächsten Auffrischimpfung im Februar/März keine unnötigen Risiken eingehen und weiterhin FFP3-Maske
  • weitere Variantenentwicklung abwarten, Studien zur Neutralisierung des BA.5-Boosters von neuesten Varianten
  • Hoffnung auf angepassten monovalenten Impfstoff bzw. nasalen Impfstoff (wäre ja gerne freiwillig Studienteilnehmer)
Qu et al., Extraordinary Evasion of Neutralizing Antibody Response by Omicron XBB.1.5, CH.1.1 and CA.3.1 Variants (17.01.23)

Entgegen dem öffentlichen Sprachgebrauch ist OMICRON keine einzelne Variante, sondern es gibt dutzende, eher hunderte Varianten, die sich überwiegend durch Immunflucht gegeneinander durchsetzen. BA.1 war ein evolutionärer Zufall und weniger pathogen als DELTA. Seitdem entwickeln sich die Varianten aber sukzessive wieder Richtung DELTA zurück. BA.2, BA.5 und BQ.1.1 waren jeweils etwas krankmachender als ihr Vorgänger. XBB.1.5 bindet besser an die humanen ACE2-Rezeptoren, die im ganzen Körper verteilt sind und hat mehr Zellverschmelzung als seine Vorgänger, ist also potentiell pathogener, auch wenn unklar ist, ob sich das in Hospitalisierungen niederschlägt, oder “nur” mit deutlichen Symptomen trotz vier oder fünffacher Impfung, oder bei jüngeren Personen. Es könnte aber auch häufiger zu LongCOVID führen, das wissen wir erst in einigen Monaten. In Österreich zirkuliert BQ.1.1 derzeit am stärksten, dann kommen XBB.1.5 und CH.1.1.

Es reicht aber nicht für ähnlich schwere Verläufe aus, wenn einzelne Mutationen wie bei DELTA auftreten. Erst mehrere Mutationen gleichzeitig an bestimmten Stellen sorgen für eine Zunahme an schwereren Verläufen. Das ist bisher noch nicht in dem Ausmaß passiert, dass wir tatsächlich eine Zunahme an schweren Verläufen beobachten, aber anhaltend hohe Inzidenzen erhöhen dieses Risiko natürlich, dass wir ein Ereignis wie DELTA oder die Rekombinante XBB erleben. In einem Punkt muss man das aber schon differenzieren. Die therapeutischen Antikörper für immungeschwächte Personen wirken seit BA.5 großteils nicht mehr. Wie sollen diese Personen aller Altersgruppen, die oft mitten im Leben stehen, auf Dauer “mit dem Virus leben”?

Zudem ist die Covid19-Sterblichkeit weiterhin hoch:

Wöchentlich bestätigte Covid19-Todesfälle in Österreich seit Pandemiebeginn.

50 pro Woche über Monate mit Spitzen über 100 und nie weniger als 20 ist viel. Dazu kommen jene Covid-Toten, die vor ihrem Tod wieder negativ getestet wurden und nicht in die Statistik einfließen, ebenso LongCOVID-Todesfälle, etwa durch Herzinfarkt oder Schlaganfälle.

Übersterblichkeit in Australien 2020-2022

Wenn man also wöchentliche Tote und Übersterblichkeit einbezieht, ist OMICRON weiterhin tödlich. Keine leichte Krankheit. Kein Schnupfen, kein grippaler Infekt und auch keine Influenza.

XBB.1.5-Welle ist da!

Im Tiroler Abwasser geht es schon wieder bergauf.
7-Tages-Inzidenz logarithmisch, auch da ist die Talsohle durchschritten
Bei den altersgruppenspezifischen Inzidenzen sieht man trotz der niedrigen Testraten wieder den deutlichen Anstieg nach den Weihnachtsferien bei den 5-14jährigen, wie bei allen Wellen davor auch.

Also nein, ihr bildet euch das nicht ein. Es werden derzeit tatsächlich wieder viele krank. Viele Kinder schon das vierte Mal, aber auch Erwachsene das zweite oder dritte Mal. Lang anhaltende Hybrid-Immunität my ass.

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