Was ich auch 2023 …

… nicht durchgehen lassen werde, ist den angestrengten Versuch vieler Staaten einschließlich und gerade von Österreich, die Pandemie vorzeitig für beendet zu erklären und die Folgen einer Covid19-Infektion herunterzuspielen.

Es ist noch nicht vorbei.

Wir erleben gerade die Entwicklung neuer gefährlicher Varianten.

  • XBB.1.5, das seinen Anteil an allen Varianten in den USA innerhalb von nur einer Woche verdoppelt hat und womöglich schwerere Verläufe verursacht. BA.1- und BA.5-Infizierte können sich mitunter leichter mit XBB und Subvarianten infizieren (Zhang et al. 2022, Cao et al. 2022)
  • In Japan hat BF.5* die gefährliche Mutation ORF3a:D155Y erlangt, welche die asymptomatische Übertragungsphase verlängern kann.
  • Bei uns wurde bis vor Weihnachten BQ.1.1. dominant, das von Infektiösität und Zelleintritt her am nähesten mit DELTA verwandt ist (Aggarwal et al. 2022)

Allen derzeit zirkulierenden Varianten ist gemein, dass sie den Immunschutz nach Impfung und Infektion effektiv umgehen können und etliche therapeutische Antikörper nutzlos machen bzw. in ihrer Effektivität deutlich abschwächen (Wang et al., 13.12.22)

Covid19 kann das Immunsystem schwächen (Maher et al. 2022, Miura et al. 2022, Phetsouphanh et al. 2022) und Kinder durch Folgeinfektionen mit bakteriellen oder viralen Erregern töten – siehe die aktuelle Serie mit zahlreichen Todesfällen durch Streptokokken in UK, wo bereits 30 Kinder gestorben sind. Es ist jedenfalls anzunehmen, dass wiederholte Covid19-Infektionen mitverantwortlich für die endlose Aneinanderreihung von Infekten bei Kindern, Jugendlichen und teilweise auch Erwachsenen ist – das Immunsystem hat einfach keine Zeit, sich zu erholen. Kein dauerhaft erstrebenswerter Zustand.

Übersterblichkeit in Europa bei den 0-14jährigen. Man sieht genau den Zeitpunkt 2021, als man begonnen hat, die Schutzmaßnahmen an den Schulen aufzuheben. Wir töten unsere Kinder, weil wir uns weigern, drinnen ein Fetzerl vor dem Mund zu tragen, Quelle: Euromomo

Eines der größten Probleme in der Pandemie ist, dass die Menschen berechtigerweise keine Ahnung haben, wie man Expertise identifiziert. Weder die Bevölkerung, Politiker noch Journalisten. Expertise wird alleine an der Zahl der Titel, der hierarchischen Position innerhalb des wissenschaftlichen Establishments, der Beliebtheit und Bekanntheit und nach persönlichen Präferenzen (sagt das, was weniger wehtut und mich aus der Verantwortung entlässt) bemessen, nicht am wissenschaftlichen Konsensus und nach ethischen Prinzipien. Sonst wäre glasklar, dass eine Public-Health-Expertin, die für Abschaffung von Schutzmaßnahmen in einer Pandemie plädiert, keine Expertise in diesem Bereich hat. Sie mag eine hervorragende Ärztin sein, als Sprachrohr für all jene, die den Schutz der Öffentlichen Gesundheit benötigen, ist sie dann aber ungeeignet.

Die vorläufig finale Fassung der Coronazitate aus den Bereichen Politik, Wissenschaft und Medizin hat 232 Seiten und erstreckt sich von Pandemiebeginn bis Jahresende 2022. Daraus sollte ersichtlich sein, wer im Laufe der Pandemie Expertise erworben bzw. bewiesen hat, und wer nicht. Für 2023 werd ich ein neues Dokument beginnen. Das alte Dokument wird ggf. aktualisiert, falls sich interessante Wortmeldungen der Vorjahre auftun.

Das Virus ist kein statisches Gebilde, die Wissenschaft entwickelt sich ebenso weiter.

Die Pandemie hat 2020 begonnen, eine effektive Impfung gegen schwere Akutverläufe und Tod wurde entwickelt. Bereits früh stellte sich heraus, dass die Infektion Langzeitfolgen hat, mit hohem relativen Anteil aller Infektionen, nämlich 10-20%, je nach Studiendesign bis zu 40% auch Monate nach der Infektion noch mindestens ein Symptom. Ob 10 oder 40%, ist hier vernachlässsigbar, denn …

“Even if the actual prevalence of long Covid is much smaller than recent estimates, a small percentage of a large number is a large number.” (STATNEWS, 06.07.22)

Ein geringer Anteil einer großen Anzahl ist eine große Anzahl. Das gilt gerade auch bei Kindern, wo die LongCOVID-Häufigkeit meist im einstelligen Prozentbereich geschätzt wird.

Es sind also wahnsinnig viele Menschen betroffen. Mit drei Impfungen erreichte man wieder einen guten Schutz gegen DELTA. Die Politiker wollten die Pandemie so früh wie möglich politisch beenden, denn aufgrund ihres Versagens – halbherzige Lockdowns, mangelnde Aufklärung und fehlende Begleitmaßnahmen – wuchs die Zahl der Gegner von Schutzmaßnahmen rapide an. OMICRON machte dem einen Strich durch die Rechnung. Aber dabei ist es nicht geblieben. Das Virus hat seit Jahresbeginn eine langgestreckte Doppelwelle (BA.1 und BA.2) verursacht und zwei BA.5-Wellen im Sommer und Frühherbst. Derzeit dominiert BQ.1.1., doch es ist absehbar, dass XBB.1.5 und weitere Virusvarianten neue Wellen antreiben werden. Dazu kommt ein riesiges Reservoir für neue Mutationen von über 1 Milliarde Menschen in China, wo das Virus in kürzester Zeit mit riesigen Infektionszahlen durchläuft.

Was ich sagen will – die ursprünglich zweifach angedachte Impfung war gegen Wildtyp und ALPHA noch wirksam. Das Virus hat sich aber weiterentwickelt und mit der dritten Impfung waren wir bei DELTA zu langsam, was klar politisches Verschulden war wie immer. Portugal und Neuseeland zeigten vor, dass es machbar war, hohe Durchimpfungsraten zu erreichen. Dann kam OMICRON und auch das hieß nicht Stillstand.

„Dass die Lebenserwartung in den Pandemiejahren 2020 und 21 zurückgegangen ist, hat man erwarten müssen. Aber dass sie auch im Jahr 2022 auf ein Niveau von 2014 ist, ist etwas sehr überraschendes.“ (Regina Fuchs, Statistik Austria, Ö1-Mittagjournal 30.12.22)

Nicht so überraschend, wenn man bedenkt, dass nur die erste OMICRON-Variante BA.1 “milder” als DELTA war, aber immer noch schwerer als ALPHA von der Sterblichkeit. Die weiteren Varianten BA.2, BA.5 und BQ.1.1 haben sich im Laufe eines ganzen Jahres, als man die Pandemiemaßnahmen immer weiter zurückgefahren hat, wieder DELTA angenähert. Auch drei Impfungen, die das Spike-Protein vom Wildtyp enthalten, reichten nicht mehr gegen OMICRON. Der Impfstoff musste weiterentwickelt werden. Leider sahen die Regierungen OMICRON als “Ticket in die Endemie” und verließen sich auf die “mildere Verläufe”, um vollends auf die Durchseuchungsstrategie zu wechseln. Der bereits entwickelte BA.1-Impfstoff blieb in den Lagern, begründet wurde das damit, dass die Intensivstationen nicht mehr überlastet sein würden. Die Endemie blieb aus, die Welle wurde viel langgestreckter als Experten mit Interessenskonflikten behauptet hatten “wie eine Wand, flacht genauso schnell wieder ab”. Seitdem bewegen wir uns auf hohem Niveau, was vor allem den Kindern zum Verhängnis wurde – großteils ungeimpft sind sie mehreren Covid-Wellen und seit Herbst 2022 auch Influenza, RSV, Rhinoviren und bakteriellen Infektionen ausgesetzt.

Das Virus ist uns ständig einen Schritt voraus. Die vierte Impfung mit dem Wildtyp-Antigen schützte nur kurzzeitig gegen Infektion mit den OMICRON-Subvarianten, die angepasste BA.1/BA.5-Impfung schützt wahrscheinlich etwas länger, kann aber ebenfalls keine Durchbruchsinfektionen verhindern. LongCOVID bleibt weiterhin ein gewaltiges Problem.

Die Folgen der Pandemie – Akutfolgen (rot), Langzeitfolgen (orange) und Kollateralschäden (pink)

Wer mir gegenüber jetzt also argumentiert, er sei drei, vier, fünf Mal geimpft, was soll jetzt noch passieren, der hat nur den roten Bereich vor Augen – den schweren Akutverlauf mit Spitalseinweisung, mitunter Beatmung. Der orangenfarbene Bereich bleibt weiterhin relevant und kann gravierende Einschränkung der Lebensqualität bis hin zu Todesfolgen mit sich bringen.

Die Queen starb an den Folgen von LongCOVID, Pele war an Krebs erkrankt und immunsupprimiert, er starb an den Folgen einer covidbedingten Lungenentzündung. “Ostbahnkurt” hatte sich wenige Wochen vor seinem Tod mit der “leichten Variante” infiziert (“Ich bin wie ein Ausreibfetzn auf der Bettbank gelegen“). Bei Budgen erzählte er von seiner Infektion. Später wurde noch bekannt, dass ihm öfter schwindlig war nach der Infektion, eine durchaus typische Folge. Er starb an einem Sturz auf der Stiege zuhause. Dass es hier Zusammenhänge geben kann, erfährt man oft nicht, öfter wird die rezente Covid-Infektion sogar verschwiegen – dabei würde es Betroffenen doch helfen, Warnsignale ihres Körpers zu erkennen und ernstzunehmen, und es würde mehr Bewusstsein dafür schaffen, dass die “leichten Varianten” eben doch nicht so leicht sind.

Darüber hinaus sorgt das anhaltend hohe Infektionslevel für erhebliche Verwerfungen im Gesundheitssystem, in der Wirtschaft und führt letztendlich zu einer dauerhaft reduzierten Lebenserwartung.

Letzendlich hat man auch einfache Mathematik nicht sehen wollen: OMICRON brachte weniger Menschen in der Akutphase der Erkrankung ins Krankenhaus, infizierte aber erheblich mehr in kurzer Zeit als DELTA. Die Zahl der Schwerkranken war dadurch in der Summe übers Jahr gesehen trotzdem höher, und daher auch die hohe Sterblichkeit an Covid19 im dritten Pandemiejahr. Dazu kommt LongCOVID und Folgen wie Herzinfarkte, Schlaganfälle und Organversagen bzw. ein geschwächtes Immunsystem, was auf Scharlach oder Influenza trifft.

Auch die fünfte und sechste Impfung ist kein Allheilschutz gegen eine schwere chronische Covid19-Erkrankung. Covid19 war nie ein Schnupfen, und wird nie einer sein, denn es geht auf die Gefäße, aufs Gehirn und in die Organe, greift das Immunsystem an. Das Ebola für die Industriestaaten sozusagen, aber die ganze Welt ist mitgefangen, solange man nichts (mehr) tut, die Infektionszahlen einzudämmen.

Die Pandemie ist kein Panini-Stickeralbum und es gewinnt nicht der, der die meisten Infektionen hat, sondern….

  1. Vermeide die Infektion!
  2. Vermeide die Infektion!
  3. Falls Du Dich infizierst, infizier Dich so selten wie möglich, während Du so oft geimpft wie möglich bist, mit einer möglichst geringen Viruslast (= Maske tragen, Frischluftzufuhr, Personenzahl beschränken)

(übersetzt nach Dr. David Berger, Notfallmediziner)

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